Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21 ist viel zu klein und nicht zukunftssicher

03.09.10 (Bahnhöfe, Eisenbahn)

Leider werden die eisenbahntechnischen Bedingungen des geplanten unterirdischen Bahnhofs viel zu selten in der Presse erwähnt. Dass S21 viel zu klein ist und das allein das k.o.-Kriterium sein MUSS (neben den irrsinnigen Kosten), um das Projekt SOFORT und ohne weitere Verhandlungen zu beenden, sollte auch den Medien klar sein. Deshalb will ich noch einmal Fakten bringen.

Zufällig ist Düsseldorf mit 580.000 Einwohnern (die Zahl wächst kräftig) fast genau so groß wie Stuttgart. Wir haben einen Durchgangsbahnhof mit 16 genutzten Gleisen und an beiden Enden Verzweigungen in zunächst jeweils zwei Richtungen. Bei den S-Bahnen, die an vier Gleisen halten, gibt es immer wieder Engpässe durch belegte Gleise. Die weiteren Zahlen sind ähnlich wie in Stuttgart. Wer sie vergleicht, MUSS erkennen, dass S21 mit 8 Gleisen ein Ding der Unmöglichkeit ist und aus einem florierenden Kopfbahnhof einen Durchgangsbahnhof machen würde, dessen Kapazität nicht ausreicht und null Reserve hat, von Anfang an!

Die Befürworter sollten endlich zur Kenntnis nehmen: Hier entsteht ein Bahnhof, der Stuttgart alle Chancen im Bahnverkehr nimmt. Das Ergebnis wird sein, dass viele Züge einen Bogen um die Stuttgarter Innenstadt machen müssen und ein Bahnhof auf der grünen Wiese notwendig wird. Stuttgart 21 ist alles andere als zukunftssicher.

Hier die Zahlen (jeweils Düsseldorf/Stuttgart), nach der unten stehenden Diskussion korrigiert:

  • Züge Fernverkehr 169 / 164
  • Züge Nahverkehr  423 / 426
  • S-Bahn 550 / 633 (nicht relevant, da auf eigenen Gleisen und mit eigenen Bahnsteigen)
  • Reisende und Besucher täglich 250.000 / 240.000
  • Bahnsteige Nah- und Fernverkehr, ohne S-Bahn  8 5,5 / 9, künftig 4
  • Gleise Nah- und Fernverkehr, ohne S-Bahn  16 11 / 17, künftig 8

Die Zahlen stammen aus den Bahnhofsseiten der DB und müssten Freunde und Gegner von S21 eigentlich in Alarm versetzen.

12 Kommentare

  • 1
    Cicero:

    Äpfel-mit-Birnen Vergleich – oder absichtliche Propaganda?

    In Düsseldorf fährt nach den obigen Angaben die S-Bahn auf denselben Gleisen mit ein- und aus – bei S21 nicht. Außerdem fehlt die Angabe, viele Gleise die je 2 Zulaufstrecken haben. Je 2 ? oder weniger?

    Bei Stuttgart21 kommen zu den 8 Durchgangsgleisen mit 8 Zulaufgleisen noch 2 S-Bahnsteige dazu, mit eigenen, getrennten Zu- und Ablaufgleisen.

    S-Bahn-Engpässe wie in Düsseldorf haben NICHTS mit Stuttgart-21 zu tun.

  • 2
    Cicero:

    …ich bin übrigens mal gespannt, ob der Kommentarvon mir freigeschaltet wird.

    Ich frage mich wirklich, „Rail-o-Motive“, ob das Unterschlagen der Stuttgarter S-Bahn-Gleise Unwissen bezeugt, oder Absicht zur Manipulation der Leute.

    So oder so – auf jeden Fall untergräbt es jede Glaubwürdigkeit dieser Seite.

  • 3
    Friedhelm Weidelich:

    Es geht hier nicht um Propaganda. Die wenigen Gleise sind nur EINES der vielen Argumente gegen den Tiefbahnhof.

    In Düsseldorf hat die S-Bahn zwei Bahnsteige und jeweils zwei Gleise in westlicher Richtung und in östlicher Richtung. Jedes der vier Gleise hat zwei Zu- und Abläufe.

    Trotzdem hat Düsseldorf noch 12 Gleise für den übrigen Verkehr. S21 hat nur acht. Das macht einen Unterschied.

  • 4
    Friedhelm Weidelich:

    Guter Mann, der feige nicht einmal seine Identität bekanntgibt,
    wenn Sie hier stänkern wollen und mir Manipulation unterstellen, tun Sie es bitte künftig woanders. Dankeschön.

  • 5
    SierraXTC:

    Würde ich auch eher vom Vergleich her wie Cicero sehen. Düsseldorf und S21 verhalten sich da in ihrer Struktur unterschiedlich.

    Wenn S21 Deinen „Fakten“ nach direkt kollabieren wird, wieso funktioniert dann eigentlich der Bahnhof in Essen, wo auf gerade einmal 4 Fernverkehrsgleisen 123 Züge abgefertigt werden und die Anzahl S-Bahn-Fahrten sich in einem Rahmen ähnlich wie Düsseldorf bewegt.

    Der Bahnhof Essen ist dabei anscheinend noch kleiner dimensioniert.

    Gegen S21 sein ist ja OK – da gibt es sicherlich gute Gründe, aber diese Zahlen erwecken IMHO nicht den Drang deswegen S21 sofort absetzen zu müssen. Da gibt es vermutlich noch mehr bescheidenere Bahnhöfe in der Republik die auf weniger Fläche viel Verkehr verarbeiten müssen und trotzdem arbeiten.

  • 6
    Cicero:

    Ich möchte nicht stänkern, ich habe mich nur über diese seriös aufgemachte Seite geärgert, die etwas vorrechnet, was nicht stimmt.

    Sie schreiben ja selber „Die wenigen Gleise sind nur eines der Argumente“. Stimmt. Aber sowohl ihr Artikel als auch meine Antwort beziehen sich nur auf die Gleise – denn dazu machen Sie konkrete Aussagen.

    Sie wissen als Experte sicher selber, dass die nackte Anzahl an Gleisen IM Bahnhof nicht viel über seine Leistungsfähigkeit aussagen, denn dann wäre jeder Rangierbahnhof viel leistungsfähiger als alles andere (30 Gleise)

    Wichtig ist, wieviel Züge pro Stunden ein und ausfahren können, und da hat Düsseldorf nach ihren Angaben incl. S-Bahn 8 Gleise, Stuttgart 21 (incl. S-Bahn) aber 12 Gleise.

    Ist Ihnen das bekannt? Sind wir uns damit einig, dass Stuttgart-21 ca. 50% mehr Kapazität als Düsseldorf hat (12 statt 8) ? (Solange man den Bahnhof nicht als überteuren Parkplatz für Züge benutzt, die als Wartehallenerstaz schon 1 Std. vor Abfahrt bereitgestellt werden).

    Zur Anonymität: Wenn sie mal einen Blick in die Stuttgarter Lokalpresse werfen, dann sehen Sie, was mit öffentlichen Befürwortern von S-21 passiert. Mit Aufklebern zugepflasterte Haustüren sind dabei das geringste.
    Zudem: Vernünftige Argumente gelten unabhängig vom Verfasser, sie begründen sich aus ihrer eigenen Logik. Zustimmung?

  • 7
    Dr. Thomas Diessel:

    Düsseldorf Hbf hat 16 Gleise an Bahnsteigen:
    4-10: Nah- und Regionalverkehr (Anm. FW: 8 ist ein Durchgangsgleis ohne Bahnsteig)
    11-14: S-Bahn
    15-18: Fern- und Regionalverkehr
    19-20: Autoreisezüge (Anmerkung FW: Gleis 19 wird auch für ICE genutzt, die ab Düsseldorf fahren)
    Beim Vergleich also bitte die Gleise für S-Bahn und Autoreisezüge abziehen.
    Die Zufahrten sind:
    Von Norden:
    – 6 Gleise Richtung Duisburg: je 2 für Regionalverkehr, S-Bahn und Fernverkehr
    – 4 Gleise Richtung Wuppertal: je 2 für S-Bahn und Regional-/Fernverkehr
    Von Süden:
    – 4 Gleise Richtung Köln (2+2) zzgl. Betriebsgleise
    – 4 Gleise Richtung Neuss (2+2)
    Ansonsten ist der Vergleich durchaus berechtigt.

  • 8
    Friedhelm Weidelich:

    Cicero, schauen Sie sich die Aufstellung von Dr. Diessel an, dann sehen Sie, dass Düsseldorf 11 Gleise für den Nah- und Fernverkehr ohne S-Bahn hat. (Gleis 8 hat keinen Bahnsteig und wird zum Beispiel zur Durchfahrt auch von Güterzügen genutzt – Gleis 19 wird aber auch für ICE genutzt, die hier eingesetzt werden und eine Viertelstunde bereitstehen). Stuttgart hätte nur 8 Nah- und Fernverkehrsgleise, also 3 weniger.

  • 9
    Cicero:

    Hr. Weidelich, dann schreiben sie das doch auch in ihren Artikel, dass es nur 11 Gleise sind, bzw. dass Stuttgart-21 insgesamt mehr Gleise hat. So sieht einfach nur senstationslüstern und manipulativ aus. (Ich betone – es sieht so aus, ich will keine Absicht unterstellen)

    Zudem entstehen Kapazitätsprobleme in Bahnhofen oft auch durch Zwangpunkte in den Zulaufstrecken, also höhengleiche Kreuzungen. Gibt es in Düsseldorf für alle wichtigen Strecken Überwerfungsbauwerke? Stuttgart-21 trennt S-Bahn und die wichtigsten Strecken im Vorfeld völlig durhc die vielen Tunnelstrecken

    So oder so – Düsseldorf scheint laut ihrer Aussage nur Kapazitätsprobleme bei der S-Bahn zu haben – nicht im Fern- und Regionalverkehr.

    Daher können Sie nicht ableiten, dass bei 11 statt 8 Gleisen automatisch Kapazitätsengpässe entstehen. Fakt ist, dass der neue Bahnhof mehr Züge bewältigen können wird als heutige (mit nur 5 Zu- und Ablaufgleisen).

    Oder?

  • 10
    Bahnsinniger:

    Hier die Zahlen (jeweils Düsseldorf/Stuttgart) –
    bereinigt um S-Bahn- und Autozug-Bahnsteig-Gleise, ergänzt um S-Bahn-Züge und weiteren Bahnsteig von Gleis 1a (heute) in Stuttgart:

    * Züge Fernverkehr 169 / 164
    * Züge Nahverkehr 423 / 426
    * S-Bahn 550 / 633
    * Reisende und Besucher täglich 250.000 / 240.000
    * Bahnsteige 5 / 9, künftig 4
    * Gleise 11 / 17, künftig 8

    Es gibt heute zusätzlich ein kurzes Gleis (17) in Stuttgart, das z.B. für Nebenbahnen nutzbar wäre, mit Bahnsteig. Dieses ist nicht eingerechnet.

  • 11
    Friedhelm Weidelich:

    Zu 9, Cicero:
    Es gibt an beiden Enden des Bahnhofs Überwerfungsbauwerke, die S-Bahn läuft auf eigenen Gleisen. Auch im Fernverkehr klemmt es nach meinen Beobachtungen immer wieder, weil die Bahnsteiggleise belegt sind und ICE manchmal mehrere Minuten in den Vorortbahnhöfen stehen. Etwas Reserve kann also nicht schaden, zumal die DB ja nicht in der Lage ist, den Verkehr pünktlich abzuwickeln.

  • 12
    Friedhelm Weidelich:

    Am Ende waren wir also bei 11 nutzbaren Gleisen für Nah- und Fernverkehr (ohne S-Bahn) in Düsseldorf angekommen. 8 werden es bei S21 sein. Der nette Herr Cicero versuchte zu belegen, dass S21 trotzdem mehr Kapazität habe als Düsseldorf, wo sich manchmal die Fernverkehrszüge stauen. Da mir diese Logik nicht einleuchten wollte, beschimpfte er mich per Mail, ich würde Journalismus nach Art von Prawda und Völkischem Beobachter pflegen.

    Das nenne ich sachlich.

 
Get Adobe Flash player

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen