Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

WLAN im Nahverkehrszug – ein Traum?

14.09.10 (Innovationen, Personenverkehr, Technologien)

WLAN im Zug bleibt ein Glücksspiel, auch mit Hotspot (Foto: FW)

WLAN im ICE ist ein Glücksspiel: Wenn man Glück hat, kommt man ins Netz und kann am USB-Stick zum Beispiel im Ruhrgebiet, das angeblich bestens versorgt ist, den raschen Wechsel von Edge und UMTS/HSDPA beobachten, mit ärgerlichen Lücken etwa im Flughafentunnel Düsseldorf. Der Grund ist der seit bald einem Jahrzehnt schwelende Streit, wer denn die Infrastruktur für die Passagiere finanziert: die Bahn oder die Netzbetreiber. Nächstes Jahr sollen alle ICE endlich mit Repeatern ausgerüstet sein, die die Funkverbindung von außen nach innen leitet und umkehrt. Was bei dem lückenhaften Netz keine Garantie für den Internetzugang im Zug enthält. Und noch immer kann man Zug mit Hotspot buchen, weil die Bahn vorab nicht weiß, ob der eingesetzte Zug schon Repeater hat.

In den USA, aber auch in skandinavischen Bahnen und Bussen, ist man weiter. In Austin, Texas, zum Beispiel sind die aus der Schweiz stammenden Züge mit Wi-Fi ausgestattet, so der international übliche Begriff. Die Züge kommen bei den Pendlern außerordentlich gut an. Eine Marktanalyse der SCI Verkehr fand heraus, dass nordamerikanische und skandinavische Eisenbahnunternehmen Wi-Fi frühzeitig in ihren Pendlernetzen eingeführt haben. In asiatischen und kontinentaleuropäischen Ländern sind Wi-Fi-Angebote eher ein Service in Hochgeschwindigkeitszügen. SCI Verkehr sieht in Asien und Europa beträchtliches Wachstumspotential.

Ich auch, denn es ist ein Witz, dass zum Beispiel ICE-Fahrgäste der 1. Klasse nicht kostenlos ins Internet können, von Bahncard-100-Nutzern einmal abgesehen. Stattdessen muss man Kunde der Telekom mit einem entsprechenden Tarif sein oder für eine wackelig erbrachte Leistung nach Zeit bezahlen, obwohl die Bundesrepublik angeblich flächendeckend mit Mobilfunk und hochleistungsfähiger Datenübertragung versorgt ist. Aber es gibt ja auch noch Hotels, die 5 Euro pro Stunde WLAN verlangen…

Von WLAN in Nahverkehrszügen, etwa einem Regionalexpress, werden wir noch viele Jahre träumen müssen. Obwohl: Wenn die Verkehrsverbünde das bestellen würden, hätten es die Privatbahnen bestimmt sehr schnell. Falls die aus Servicegründen nicht von selbst darauf kommen.

6 Kommentare

  • 1
    Joachim Bochberg:

    Lieber Herr Weidelich,

    ich kann mir nicht helfen – auch nach dreimaligem Lesen erinnert mich Ihr heutiger Kommentar fatal an den berühmten Sack Reis. Denn Ihrem Text fehlt etwas, das Sie bei Ihren Lesern offenbar stillschweigend voraussetzen – das Wissen um das warum.
    Sie fordern von der DB und anderen Verkehrsunternehmen Investitionen in Funkdatennetze, ohne mit einem Wort zu erklären, warum der Mensch das braucht. Es ist technisch möglich, in anderen Ländern findet eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe das gut, also muss es sein. Damit mein Platznachbar Youtube gucken kann?
    Dann möchte ich auch kostenlos Kaffee und Kuchen und auf der Rückfahrt ein Weizenbier und eine Laugenbrezel …

    Schöne Grüße

    Joachim Bochberg

  • 2
    Lukas Iffländer:

    @Joachim: fuer Menschen die online arbeiten (Google-Office), Programme mit Subversion entwickeln, dringende Mails erwarten, ihre Weiterreise am Zielort planen wollen…

    Es muss ja net unbedingt kostenlos sein, aber dann zu vertretbaren Preisen (Bsp fuer BC50 Inhaber 5EUR/Monat)

    hier noch ein kleiner Tip: Laptops mit dedizierter WWAN-Antenne (z.b. Lenove Thinkpads) erreichen einen deutlich besseren Empfang. Auf der Strecke Nuernberg-Wuerzburg habe ich hoechstens eine halbe Minute keinen Empfang, ansonsten HSDPA durchgaengig. Mein Vater neben mir hat mit USB-Stick aber mindestens 5 Minuten Ausfall und die meiste Zeit nur EDGE (beide mit O2).

    MFG
    Lukas

  • 3
    Friedhelm Weidelich:

    Herr Bochberg, jetzt enttäuschen Sie mich aber. Es gibt Menschen, die lieber ICE fahren statt zu fliegen, weil sie da was am Laptop arbeiten können. Ich zum Beispiel ab und zu. Das mobile Internet ist in manchen Berufen unverzichtbar. Oft jedenfalls. Und auch im RE wäre Internet hilfreich, wenn man lange unterwegs ist.

  • 4
    Joachim Bochberg:

    Oh, dass es mir vergönnt ist, Sie zu enttäuschen … dann müssen Sie ja unbekannterweise Erwartungen mit meinem Namen verknüpft haben.
    Spaß beiseite, natürlich weiß ich um die Bedürfnisse der „mobile community“ – ich bin schließlich mit einer verheiratet, die nicht ohne Laptop, Blackberry und Mobiltelefon in Urlaub fährt. Außerdem habe ich selbst eine Vergangenheit in diesem Metier – von /360-Assembler über Cobol bis hin zur nearest-neighbour-Suche in dreidimensionalen Funknetzen Anfang der 80er Jahre – ich wollte nur verklausuliert darauf hinweisen, dass es Bahnnutzer mit viel elementareren Bedürfnissen gibt – zum Beispiel denen nach einem Sitzplatz oder nach Platz für Reisegepäck – lieber Herr Weidelich, es kommt vor, dass Menschen mehr als einen Laptop – nein, korrekt: etwas anderes als nur einen Laptop mit sich tragen. Und warum spießt niemand auf, dass es seit Anbeginn der Eisenbahn zum Wesen eines Zuges gehört, das Platzangebot durch Hinzufügen oder Wegnehmen von Wagen dem Bedarf anpassen zu können – etwas, das die Deutsche Bahn mit ihrem starren 4-oder-5-Wagen-Konzept vergessen zu haben scheint (heißt das nicht RIGA oder so?).
    Nichts also gegen kostenloses WiFi im Zug – aber vergessen Sie nicht all diejenigen, die viel einfachere Bedürfnisse haben. Ein wenig Entschleunigung täte uns allen gut!
    Von wegen Entschleunigung: Witzigerweise ist die Verbindung in den ICEs, die durchs Rheintal fahren, deutlich besser als in den Rennwürsten auf der Neubaustrecke K-Ffm. Selbst schon ausprobiert – zugegeben …

    Schöne Grüße

    Joachim Bochberg

  • 5
    Oliver:

    Das Thema WLAN zeigt das Grundsatzproblem mit moderner Kommunikationstechnologie, das sowohl Autohersteller als auch Eisenbahnverkehrsunternehmen haben: kaum hat man die Fahrzeuge ausgerüstet, braucht es niemand mehr.

    Legendär die Videobildschirme im ICE: als die sich durchgesetzt hatten, hatte jeder Fahrgast ein Notebook mit DVD-Player dabei. Dem Hörfunkempfang im Zug ist es auch nicht besser gegangen: Offline Podcasts hören mit dem MP3-Player ist verbreiteter.

    Und auch WLAN ist zweckfrei: bis der letzte Regionalexpress damit ausgerüstet wäre, wird WLAN bedeutungslos sein. Warum? Weil der direkte Zugriff auf UMTS oder in Zukunft LTE viel effizienter ist. Gut, die metallbedampften Fensterscheiben schirmen gegen Funkwellen ab, aber Antennen und Hochfrequenztechnik werden besser (abgesehen von der Unsitte, die Antenne im Handy hinter Aluminium-Gehäusen zu verstecken). Eine 5 GB-Flatrate kostet schon heute keine 25 Euro mehr – beim Telekom-Hotspot wäre man dann verarmt.

    Das einzige Menschenrecht scheint der Zwang zum Sitzplatz mit Steckdose zu sein. Aber vielleicht verlangen wir in 10 Jahren alle nach der Wasserstoff-Nachbetankung für die Brennstoffzelle im Netbook…

    Praktischer Tipp: WLAN im Zug ignorieren, einen guten Surfstick für 50 Euro anschaffen und per USB-Verlängerungskabel und Saughaken direkt an die Fensterscheibe hängen – fertig.

  • 6
    Friedhelm Weidleich:

    Oliver, das Grundsatzproblem ist in der Tat vorhanden. Da die bedampften Scheiben ein Problem bleiben, müsste die Forderung also eher lauten, Repeater einzubauen, die zwischen den Sendern/Empfängern drinnen und draußen vermitteln.

 
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