Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Der VDV macht Stimmung für S21

22.10.10 (Bahnhöfe, Deutschland)

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der eigentlich zur Neutralität verpflichtet ist und in dem die DB-Nahverkehrsgesellschaften stark vertreten sind, gehört zu den Befürworten von S21, die sich neuerdings überall mit Grußadressen und lauwarmen Bekenntnissen hervorwagen. Auch hier habe ich den Eindruck, dass das der letzte und pflichtgemäße Versuch im Sinne der DB ist, ein Gegenwicht gegen die zunehmende Ablehnung von S21 zu schaffen. Allerdings ist S21 inzwischen bundesweit ein Thema geworden, bei dem sich die Bürger immer mehr an der Nase herumgeführt fühlen. Wer sich über das Projekt informiert, kommt fast zwangsläufig zu dem Schluss, dass es Unsinn ist.

Hier die plattitüdengespickte Pressemitteilung des VDV, der sich damit als Verband keinen Gefallen getan hat.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) unterstützt das Projekt Stuttgart 21. „Stuttgart 21 ist für den ÖPNV in der Region und darüber hinaus von überragender Bedeutung. Langjährige Forderungen können endlich umgesetzt werden. Für den ÖPNV in der Region bedeutet Stuttgart 21 einen großen Sprung nach vorn“, sagt VDV-Präsident Jürgen Fenske. Wenn nach Abschluss eines langjährigen und umfangreichen Prozesses wie in Stuttgart eine Planung rechtliche Bestandskraft erreicht, müssen sich die Verkehrsunternehmen darauf verlassen können. „Bis ein Großprojekt zur Baureife kommt haben die Beteiligten im Vertrauen auf die Bestandskraft der Planung  bereits Millionen von Euro investiert. Dem Projekt dann nachträglich die Grundlage zu entziehen wäre rechtlich und wirtschaftlich unverantwortlich“, so Fenske weiter.

Bei einem Scheitern von Stuttgart 21 sieht der VDV zudem die Gefahr, dass auch künftige Großprojekte zur Verbesserung des öffentlichen Personenverkehrs oder Schienengüterverkehrs kaum noch erfolgreich zum Abschluss zu bringen wären. „Man muss bei diesem Thema über Stuttgart hinausdenken: Wer will, dass Projekte zur Verlagerung von Straßenverkehr auf die Schiene zukünftig realisierbar sind, kann ein Scheitern von Stuttgart 21 nicht wollen“, erklärt Fenske. (Dieser Kausalzusammenhang erschließt sich mir nicht und hat mit dem Personenbahnhof S21 rein gar nichts zu tun, gehört aber zu den üblichen Quatsch-Argumentationen der S21-Freunde. So nach dem Motto: „Weil es heute regnet, kann nie mehr die Sonne scheinen.“)

Aus Sicht des VDV muss man bei der Kommunikation rund um solche Projekte künftig anders agieren, vor allem im Hinblick auf die Einbeziehung der Interessengruppen. Der VDV hat hierzu eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die für seine Mitgliedsunternehmen Hinweise für die frühzeitige Einbeziehung der Bürger in komplexe Planungsprozesse erarbeiten wird.

Immerhin: Langsam und sehr spät wächst auch hier die Erkenntnis, dass die Information der Bürger über Millionen- und Milliardenprojekte höhere Priorität haben muss.

 
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