Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche

02.10.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Marginalien, Strecken)

Ich bin auf dem Weg in einen kurzen Urlaub und hätte gern mehr Zeit für die Recherche, auch wenn mich dieser Beitrag wieder zwei Stunden gekostet hat. Denn auch mit etwa 43 Jahren ernsthafter Eisenbahnerfahrung (als Hobby- und Eisenbahnjournalist) weiß ich nicht „alles“ über das hochkomplexe System Eisenbahn. Jedes neue Fachwissen, etwa über ETCS, offenbart weitere Lücken, gibt aber den Anreiz, tiefer einzusteigen.

Nun könnte ich wieder einmal einen Stein aus dem Glashaus werfen und Kollegen in den Redaktionen beschimpfen, die sich nicht die Mühe machen, tiefer einzusteigen und der Bevölkerung klarzumachen, dass Stuttgart 21 allein aus technischen Gründen ein hirnverbranntes Projekt ist. Das Projekt von Politikern und Leuten, die es gewohnt sind, in „großen Würfen“ zu denken und sich nicht mit dem Kleinklein der Bahn- und Bautechnik beschäftigen wollen. Aber den lieben Kollegen fehlt es an Wissen (sie halten ja nicht einmal Zug- und Lokführer auseinander), an Zeit und vermutlich auch am Ehrgeiz, sich in die Materie einzuarbeiten und nach Experten zu suchen, die ihnen beim Lernen und Verständnis helfen. Das wäre zwar guter und verantwortlicher Journalismus, ist heute aber aus verschiedenen Gründen weder von den Verlegern gefragt noch mit knappem Personal machbar. Von dem unseligen Hang zur Contentschieberei und Copy&Paste-Journalismus (Agenturen, Pressemitteilungen, Politikerzitate) ohne weitere Recherche einmal abgesehen.

Es gibt immerhin einen Redakteur, der sich wirklich hineingekniet hat in das Projekt Stuttgart 21 und mehr davon versteht als jeder andere: Arno Luik vom „Stern“. Ich bedauere sehr, dass die Medien nur kurz und oberflächlich auf die Ankündigung seines am Donnerstag erschienenen Beitrags reagiert haben. Denn er bietet zahlreiche Ansätze für tiefere Recherche, wenn man nur einen Hauch von Hintergrundwissen über die Eisenbahn hat und eine Viertelstunde über seinen Beitrag nachdenkt.

Ich habe leider nicht die Zeit zu recherchieren, welche Radien die Profile moderner Eisenbahntunnel haben. Denn man kann nicht einfach aus den Querschnitten auf den Radius schließen, weil der runde Tunnel unten ja mit Material und dem Gleisbett aufgefüllt wird. Nun sollte sich mal jemand hinsetzen, rechnen und die Eisenbahnplanungsbüros fragen, wie (laut Stern) sich ein auf 4,05 m verkleinerter Radius statt 5,10 m auf die Querschnittsflächen auswirkt. In Wikipedia steht: „Die Querschnittsflächen von Bahntunneln tendierten im Zuge der technischen Entwicklung zu immer größeren Werten: So war etwa im Dampflokzeitalter für zweigleisige Eisenbahntunnel in Deutschland ein Regelquerschnitt von 46 m² vorgesehen; Die für 300 km/h trassierten Schnellfahrstrecken der DB weisen einen Regelquerschnitt von 92 m² auf. Alle seit 1998 für den Mischverkehr geplanten Tunnel weisen zwei parallele, eingleisige Röhren auf. In der Schweiz begnügte man sich beim 15 km langen Gotthardtunnel (Vmax 125 km/h) mit 38 m², erhöhte die Fläche aber beim Hauenstein-Basistunnel (Vmax 140 km/h) auf 48 m², beim Heitersbergtunnel (Vmax nach aerodynamischen Kriterien: 170 km/h) auf 58 m² und bei den Tunneln des Bahn-2000-Projekts (Vmax 200 km/h) auf etwa 70 m².“

Bei 4,05 m Radius entsteht eine Fläche von 51,5 m². Bei 5,10 m sind es 81,7 m², wenn ich mich nicht völlig verrechnet habe – ich bin kein Mathegenie. Und das jeweils ohne das (schätzungsweise) Fünftel oder Sechstel, das für das Gleisbett abgezogen werden muss. Eins ist dabei klar: Die S21-Tunnel sind sehr eng dimensioniert für 160 km/h-Züge! Wieso, verdammt nochmal, fragt nicht endlich mal eine Zeitung nach?! Und zwar nicht bei der Bahn, die entweder nichts sagt oder erfahrungsgemäß etwas zurechtlügt, sondern bei den vielen Ingenieurbüros mit Tunnelbauerfahrung.

Von den Fernsehjournalisten verlange ich schon gar keine Recherche mehr. Bei Kollegen, die heute über Obstbau, morgen über Krankenversicherungen und übermorgen ein Segelbootrennen  berichten, kann man ernsthaft kein Fachwissen erwarten. Noch immer zeigen sie, wie Phoenix, die allerersten luftig-leichten Ingenhoven-Illustrationen, die nichts mehr mit dem geplanten Dunkelbau im Untergrund zu tun haben. Der clevere Ingenhoven hat sie ins Netz gestellt, und da die Medien am liebsten das verwenden, was nichts kostet und keine Arbeit macht, werden eben diese zur vorsätzlichen Täuschung der Öffentlichkeit angebotenen Skizzen fröhlich ins Bild genommen. Man macht sich zum naiven Handlanger des Architekten. Genauso, wie bei dem überwiegenden Gefasel von Politikern, das unkommentiert gesendet wird. Von Fernsehredakteuren erwarte ich nichts mehr. Sie schwimmen an der Oberfläche der Nachrichten wie Öl auf dem Wasser. Schillernd bunte Bilder statt Fakten-Vermittlung, das ist ihr Metier. Von wenigen Ausnahmen, etwa die hart fragende Marietta Slomka beim ZDF, einmal abgesehen. Gute Fernsehjournalisten sind extrem selten geworden.

Recherche wäre leicht. Wer dieses Dokument des Eisenbahnbundesamts zur Sicherheit in Tunneln durchliest, stößt auf zahllose weitere Punkte, die ohne großen Aufwand untersucht werden könnten: Die Fahrbahn in Tunneln muss für Straßenfahrzeuge befahrbar sein, wenn bei parallel verlaufenden Tunnelröhren eine Rettung über die jeweils benachbarte Tunnelröhre vorgesehen ist, heißt es da. Straßenfahrzeuge müssen die Tunnelenden erreichen können. Wie, bitteschön, soll das in dem neuen U-Bahnhof Stuttgart Hbf erfolgen? Was ist mit den Rettungswegen, den Zufahrten? Fragt da mal einer nach? Bei 66 km Tunneln. Ach, wird schon gutgehen. Was für eine peinliche Ignoranz, liebe Kollegen!

Der „Stern“ schildert die Abwesenheit aller Planungen für Oberleitung, Signale und Sicherungssysteme. Klar, die kann man noch später planen, wie die Deutsche Bahn abwiegelt. Aber man muss sie einplanen, weil sie Geld kosten und Platz brauchen! Die DB, erzählten mir Insider, wolle kein ETCS, weil ihre auf Hochgeschwindigkeitsstrecken vorhandene Linienzugbeeinflussung LZB in vielerlei Hinsicht die selben Funktionen hat. Die DB muss aber ETCS einbauen, weil es die EU so will und es nur dann Fördergelder für die Neubaustrecken gibt. Denn der grenzüberschreitende schnelle Güterverkehr ist darauf angewiesen und genau der Eisenbahnverkehr mit dem größten Wachstum. Güterverkehrsmagistralen sind das Thema europaweit. Niemand fährt 9 oder 15 Stunden mit der Bahn durch Europa. Zumal dann, wenn das Fliegen weit schneller und billiger ist.

Die vielen Beteiligten an ETCS aus ganz Europa haben sich endlich auf brauchbare Protokolle verständigt, die in Richtung eines einheitlichen Standards gehen. Ein ETCS-gesteuerter Zug müsste aber allein für die Stuttgarter Tunnelei neben der LZB zusätzlich eine teure ETCS- Ausrüstung an Bord haben, die zu allem Überfluss heute noch in jedem EU-Land, das befahren wird, extra zugelassen und modifiziert sein muss. Und, in der Tat: In Deutschland gibt es außer einer Handvoll Versuchsfahrzeugen keine Lok und keinen Triebwagen mit ETCS. Schon gar keine S-Bahnen.

Im Klartext bedeutet das: Die Tunnel müssen mit ETCS und LZB ausgerüstet werden, weil beide Systeme noch ein, zwei Jahrzehnte parallel existieren werden. Auch dann noch, wenn 2025 oder 2030 die Tunnel, wenn überhaupt, fertig wären. LZB benötigt aber an Gefahrenpunkten zusätzlich Lichtsignale. Die S-Bahnen brauchen sogar überall Lichtsignale, wenn ich mich nicht täusche. Und diese großflächigen Tafeln brauchen Platz, um eingebaut und gesehen zu werden. Das winzige Tunnelprofil, das ja auch noch in sehr engen Kurven verlegt ist und alles andere als eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist, reicht also nicht aus.

Eine Oberleitung ist nicht einfach ein Draht. Ein Tragseil hält die Fahrleitung, die durch simple Gewichte, die Platz brauchen, gespannt werden muss. Eine Oberleitung braucht einigen Platz in der Höhe, etwa 1,5 m. Bei wenigen ausländischen Tunneln und im Berliner Hauptbahnhof griff man deshalb zu Stromschienen. Die sind für 160 km zwar schon einmal im Simplontunnel (auf nur einem Kilometer) getestet wurden, aber nicht zugelassen. 15.000 Volt dicht unter einer nassen, dank Anhydrit sich bewegender Tunneldecke sind kein Spielzeug. Fazit: Wer einen Tunnel ohne Oberleitung plant, dem hat man, auf gut Schwäbisch, ins Hirn geschissen.

Ein bisschen Hirn muss bei einigen Verantwortlichen ja wohl vorhanden sein, auch wenn ich es kaum noch glauben mag. Die irrwitzige, frei erfundene Behauptung, dass die Zukunftsfähigkeit von Baden-Württemberg von Stuttgart 21 abhänge (wie Innenminister Rech mehrfach sagte), scheint die Hirne von Bahnvorständen und Politikern allerdings mit dickem, schwarzen Baumaschinenruß narkotisiert zu haben. Hirne kurz vor der Stilllegung? Große Visionen können leider auch wenig Hirn berauschen, zumal im Zweifelsfall für die Unterstützer der lokalen Wirtschaft noch etwas Bakschisch abfällt.

Wie sagte Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Bauunternehmer, Architekten und Regierende (Typ: Schlaule = schwäbisch für Schlaumeier) haben ihren Parteien und Wählern ebendies eingeredet. Sich selbst wahrscheinlich auch. Doch solche Sehnsüchte sollten sich nach 15 bis 20 Jahren gelegt haben. Vor allem dann, wenn sich die Zeiten geändert haben. Ein Bahnhof unter der Erde ist kein vorzeigbares Monument der Modernität.

Stuttgart 21 zeigt nur, dass man etwas zu verbergen hat in der Autostadt. Um sich den eigenen Provinzkaspergeist von vermeintlichen Stararchitekten und „Investoren“, die mit der Attitüde des Weltmannes auftreten, füllen zu lassen. Geschmack und Weltläufigkeit kann man aber bei Menschlein, die in Sigmaringen, Pforzheim und Östringen geboren wurden und nie über Stuttgart hinausgekommen sind (von den Porsche-, Daimler-, Trumpf- und Stihl-Messeständen in Shanghai, Hannover, Frankfurt und Detroit einmal abgesehen), nicht erwarten. Solchen Kleinbürgern redet ein eloquenter Düsseldorfer mit Powerpoint binnen Minuten das bombastischste Bauprojekt ein. Zumal es sich ja von selbst finanziert. 😉 Politiker dieser außergewöhnlichen Qualität glauben auch an ein perpetuum mobile, wenn man es ihnen mit schicken Fremdwörtern erklärt.

Der Stern präsentierte hier nur zwei der vielen Belege, dass die Kosten geschönt und unrealistisch heruntergerechnet wurden. Belege, dass hier Betrüger am Werk sind. Manche sprechen bereits von Politkriminellen. Es ist Betrug an sich selbst, an den Parlamentariern, an den „Instanzen“ und den Wählern.

Rational denkende Menschen würden – erst recht nach den Ereignissen vom Freitag – sofort einen Baustopp einlegen und neu rechnen lassen. Denn es spricht einfach alles dafür, dass das Projekt aus Kostengründen im Sande bzw. Anhydrit verläuft und eingestellt wird. Ohne die Tunnel ist der U-Bahnhof aber nicht zu betreiben. So einfach ist das.

Aber lieber zerstören Politiker und ihre naiven Freunde bei der DB schon mal den Bahnhof, den Park und den Glauben in unseren demokratischen Staat. Zu Lasten der Steuerzahler, versteht sich.

PS: Dass die Baumfällungen gegen ein Verbot des Eisenbahnbundesamts verstoßen haben könnten, spielt bei der Gemengelage fast schon keine Rolle mehr. Überraschen würde es mich nicht. Hier ein Stern-Bericht. Das Schreiben des EBA ist ja mittlerweile vielfacht veröffentlicht worden, durch juristische Laien aber nicht leicht zu entschlüsseln.

26 Kommentare

  • 1
    Mit Geteilt:

    Ich wusste gar nicht, dass diesesProjekt so stümperhaft angelegt ist. Vielen Dank für diesen wertvollen Bericht und die darin enthaltenen wichtigen Hinweise.
    Bisher war mir lediglich klar, dass die CDU rücksichtslos und mit Polizeigewalt gegen Kinder, Jugendliche und friedliche Demonstranten vorgeht, fette Projekte im Rahmen der CDU-Kumpel-Interessen durchprügelt und dem Wähler arrogant und autoritär demonstriert, welche Macht wir dieser Partei mit der Wahl anvertraut haben.
    Ihr Artikel zeigt zusätzlich, wie entweder stümperhaft die Planung ist, oder das Projekt gezielt gelogen billig-gerechnet wird.
    Bleibt zu hoffen, dass die CDU bei der nächsten Wahl einen Denkzettel bekommt.
    Mehr kann denen sowieso nicht passieren.

  • 2
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    […] This post was mentioned on Twitter by martinhaase, Advocatus Diaboli, Jan W, ozaed, sferex and others. sferex said: RT @martinhaase: RT @RAILoMOTIVE: #s21- Tunnel ohne Oberleitung geplant http://bit.ly/9tdjmy unfassbar #fb […]

  • 3
    Essener Blog:

    Stuttgart 21 – Ist ein Staat gegen das Volk?…

    Ist ein Staat gegen das Volk? Wir wollen hier nicht über Stuttgart oder über das Projekt Stuttgart 21 diskutieren. Sondern wir wollen herausfinden ob der Staat gegen das eigene Volk ist. Zurzeit herrschen in Stuttgart starke Proteste und Demos gegen da…

    Anmerkung dazu: Ja, ich weiß, dass es nicht mehr allein um Stuttgart 21 geht, sondern dass es auch ein Protest gegen Politiker ist, die über das Volk hinweg regieren und Lobbyisten bedienen. Aber Stuttgart 21 muss mit klaren Argumenten gestoppt werden. Es muss bewiesen werden, dass das Projekt nicht „durch alle Instanzen“ abgesichert ist, sondern unter falschen Voraussetzungen und mit Betrug durchgepaukt wurde. FW

  • 4
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    […] This post was mentioned on Twitter by Y… N…, bsterix. bsterix said: Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche http://t.co/PhqAnVl Inetressante Infos #s21 #bahn #fail […]

  • 5
    Andreas Krey:

    4 Meter Radius ist für den Einbau von Signalen immer noch mehr als großzügig. Ein Zug ist nur ungefähr drei Meter breit, bleiben beiderseits 2,5 Meter Platz. Auch für eine Oberleitung kommt man mit einem Meter Platz aus (bin da aber mit den zulässigen Geschwindigkeiten nicht sattelfest); zusammen mit minimal 5 Metern Höhe zwischen Fahrdraht und Schienenoberkante bleiben 2 Meter für den Oberbau, was auch locker ausreicht.

    Der Stern-Artikel arbeitet leider auch mit einem Haufen Halbwahrheiten; daß z.B. die Oberleitung nicht an das Unternehmen beauftragt wird, das die Röhre erstellt, will ja erstmal gar nichts heißen.

    Und daß ECTS zusätzlich zu ortsfesten Signalen eingesetzt wird, bedeutet ja erstmal gerade nicht, daß alle Züge ECTS haben müssen; ich würde mich aber nicht wundern, wenn die Bahn gar keine LZB vorsieht, sofern und so weit sie im Tunnel nicht mehr als 160 km/h fahren will. Im HBf würde ich geradezu wetten, daß keine LZB eingebaut wird.

  • 6
    Kontraste | König von Haunstetten:

    […] dem filmtechnisch hervorragenden Werbefilm könnte man genausogut diese sehr gute technische Analyse gegenüberstellen. Besonders schönes Zitat darau: Wer einen Tunnel ohne Oberleitung plant, dem hat […]

  • 7
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    […] This post was mentioned on Twitter by Stephan Dörner, Siegfried Schlosser, Broken Spirits, Derek, Mathias Raacke and others. Mathias Raacke said: RT @sigiberlin: Lesebefehl: http://piraten.in/7lr #s21 #piraten+ #cdu- #spd- Pack, elendes ! […]

  • 8
    Matthias Knezy-Bohm:

    Langsam wird doch mehr als deutlich, dass es bei Stuttgart 21 nicht um einen tiefer gelegten Bahnhof und eine überflüssige Schnellverbindung nach Ulm geht. Dies ist ein seit langer Zeit laufender Griff der Politik in die Taschen der Steuerzahler. Es werden Firmen mit Aufträgen bedacht, die wiederum die regierende Partei mit Spenden versieht. Und ein Wenig fällt auch noch für die Opposition ab, damit die sich kooperativ zeigt. Stuttgart 21 soll gar nicht funktionieren. Dies ist eine von langer Hand eingefädelte Geldvernichtungsmaschinerie, die auf Jahrzehnte hinaus den Parteien Spenden und den spendenden Unternehmen Aufträge einbringt. Eine Hand wäscht die Andere und die Kosten für das Wasser bezahlt der Steuerzahler. Jetzt sind die Machthaber im Ländle aber etwas nervös geworden – bald stehen Wahlen an. Aber das inkompetente Bild der Bundesregierung und nicht zuletzt die Verlängerung der Laufzeiten der Atommeiler verhagelt der seit Jahrzehnten regierenden Politkaste die sicheren Mehrheiten. Also wird versucht Fakten zu schaffen, egal wer im Ländle regiert, soll ein angefangenes Grossprojekt erben und sich nicht wagen es zu stoppen. Da soll bereits verbrendendes Geld mit noch mehr Geld gelöscht werden. Ein unmögliches Unterfangen, aber halt sehr profitabel für Politik und dazugehörige Klientel. Daher spricht sich auch die Kanzlerin, wie leider in so vielen Bereichen ohne Sach- und Fachverstand, für das Projekt aus. Es geht doch darum den Parteifreunden im Süden weiterhin sprudelnde Geldquellen zu sichern. Das Projekt Stuttgart 21 dürfte irgendwann als der dreisteste und vermutlich bisher auch grösste Fall von Wirtschaftskriminalität in die Geschichte der BRD eingehen. Dieses Thema wird noch die Bestsellerlisten anführen, ein paar Stories für Kinofilme liefern und die Gerichte beschäftigen. Nur, es wird keine Schuldigen geben und es wird die deutschen Steuerzahler eine schmerzhafte Summe kosten…

  • 9
    Bahnfan:

    Da kann ich mich Andreas Krey (#5) nur anschliessen. Auch das Argument der Lichtsignale und Kurven bezüglich der Sicherheit kann ich nicht nachvollziehen – wozu gibt es (seit es Signale überhaupt gibt) denn Vor- und Haltesignale? Steht das Vorsignal auf rot, wird es überfahren und der Zug bremst an und kommt dann vor dem Haltesignal zum stehen. Die Distanz zwischen beiden Signalen beträgt min. 700m, neuere Regelungen sehen 1000m für Hauptstrecken vor. Welche der beiden Varianten ins Projekt kommt hängt von der Geschwindigkeit ab mit der im Tunnel gefahren wird. Zwischen Hbf und Flughafen liegen Luftlinie ca. 10 km. Geht man hier grosszügig von der doppelten Trassenlänge aus, so wird auch schnell klar das die Tunnel zwischen Hbf. und Flughafen mit Beschleunigungs und Bremswegen genommen sicher nicht schneller als 160km/h befahren werden können. Das die Bahn da den HighSpeed „Schnickschnack“ nicht braucht erschliesst sich daraus selbst. Bleiben noch Güterzüge, aber die fahren sicher auch nicht über 160.
    Das kann man aber alles selber Recherchieren, z.B. Wiki und (Modell)Bahnforen helfen dabei recht gut. Dann versteht man die Planung des Projektes auch besser.

    (Bin übrigens kein Bahnexperte, nur ein ehemaliger Modelleisenbahner der immer Vorbildgetreu gebaut hat, da kommt mein „Halbwissen“ über die Bahn her)

  • 10
    Eintrag "Stuttgart 21 – Ich bin schockiert." auf Webrocker:

    […] weil so haben wir uns das ja nicht vorgestellt, wird der Beschluss durchgeboxt, und wenn einer Kritik anbringen will, heisst es, nee, jetzt nicht mehr, weil es wurde ja von allen Beteiligten […]

  • 11
    Tweets that mention Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche /// Railomotive -- Topsy.com:

    […] This post was mentioned on Twitter by Frank, Nobody Nows. Nobody Nows said: Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche http://t.co/ghvTl0c #s21 #cdu #ohnmacht […]

  • 12
    Stuttgart: Mit Knüppeln gegen den Souverän – Prügelglatze vom BFE – Protest der Sanitäter « Der Geist der Wahrheit..:

    […] Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche http://railomotive.com/2010/10/stuttgart-21-bunte-bilder-und-zitate-statt-fachlicher-recherche/ […]

  • 13
    Bahnhof des himmlischen Friedens - Puffbohne.de-Forum:

    […] Stuttgart 21 – nichts als Chaos – Wirtschaft | STERN.DE Hier ein Eisenbahnerfahrener mit Klartext: Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche /// Railomotive 2. Politsch ist hier ganz dicke Luft, es riecht nach Feudalismus, genauer: Regieren nach […]

  • 14
    Anonymous:

    […] Planung des Projekts. Hier ein interessanter Kommentar von Fachjournalisten Friedhelm Weidelich: Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche /// Railomotive […]

  • 15
    Tweets that mention Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche /// Railomotive -- Topsy.com:

    […] This post was mentioned on Twitter by apuntito, B. Lahr. B. Lahr said: Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche http://t.co/8tSHuGl #s21 […]

  • 16
    Lotar Martin Kamm:

    Endlich mal ein fundierter, tiefgehender Artikel, in dem sich das Wissen um dieses Projekt offenbart,statt dürftig recherchierter Stern-Texte.
    Vielen Dank für den Einblick.
    Ohne irgendwelche genauen Details vorher gewußt zu haben, hat allein mein bisheriges, politisches Wissen mir eindeutig signalisiert, daß beim Stuttgart 21 Projekt zu viele faule Eier zu entlarven sind. Das zeigen die Zahlen der ständig nach oben zu korrigierenden Baukosten, aber auch die jüngste Verbissenheit der Verantwortlichen. Ein Baustop wird höchstwahrscheinlich weiterhin verhindert werden, eben WEIL so viel Geld im Spiel ist und entsprechende Wirtschaftsinteressen dahinter stehen.
    Es sollte also möglichst fundiert argumentiert werden, wie hier ja zu lesen ist, aber auch breitgestreut veröffentlicht werden durch die Medien.

  • 17
    Valentin Brückel:

    Im Prinzip benötigt die LZB keine Lichtsignale – die dienen nur als Rückfallebene, wenn das System mal ausfällt und für Züge ohne entsprechende Fahrzeugausstattung. In der Praxis ist es allerdings sinnvoll, weiterhin so viele Signale wie möglich zu haben. Schönes Beispiel auf Nürnberg-Ingolstadt: Der Allersberg-Express fährt im Prinzip auf LZB. Durch den Fahrtrichtungswechsel am Endpunkt fällt er allerdings aus der LZB-Führung und kann wegen der sparsamen Ausstattung der Strecke nicht sofort wieder aufgenommen werden. Deshalb beginnt er die Rückfahrt signalgeführt. Nur muß dafür halt der komplette Block bis zum nächsten Signal frei sein, und das steht auf Neubaustrecken gerne mal 10-30 Kilometer weit weg…

    Ebenso ist es im Prinzip kein Problem, den S-Bahn-Betrieb mit LZB abzuwickeln, das wird in München so praktiziert.

    Ich würde mich bei Stuttgart21 nicht an der Frage der Signaltechnik aufhalten, weil das wirklich ein relativ kleinste und nachträglich einigermaßen lösbares Problem ist. Die bahntechnischen Probleme beginnen bereits mit der Auslegung des Tiefbahnhofs auf nur acht Gleise, den höhengleichen Zufahrten, die das Betriebsprogramm bis in ferne Zukunft festbetonieren und die eingleisigen Abschnitte im Bereich Flughafen und den Verbindungen nach Tübingen und Richtung Gäubahn. Hier hat man, um Kosten zu drücken, das Projekt so zusammengespart, daß es für den Bahnverkehr eine deutliche Verschlechterung zum Status Quo darstellt. Für eine Verschlechterung Milliarden auszugeben, darf ein Privatunternehmen gerne tun. Wenn es aber der Staat tut, dann ist das schlicht kriminell.

  • 18
    Horst Baldauf:

    Irgendwo habe ich gelesen, das es von Brüssel keine Mittel geben soll. Grund sei… das S21 für die EU selber keinen Nutzen habe und man solche Projekte dann nicht unterstütze.

  • 19
    Margit Kunzke:

    @ Horst Baldauf

    Es gibt keine Mittel aus Brüssel. Die waren auch nie vorgesehen. Da hat Kanzlerin Merkel wieder einmal gelogen.

    Gelogen hat sie auch, wenn sie sagt, daß durch Stuttgart21 eine Verbindung Paris-Balkan möglich sei., Die gab es bereits 127 Jahre lang und wurde 2009 wegen Unrentabilität!!! eingestellt. Das war einst der Orientexpress. Kein normaler Mensch fährt 15 Stunden oder mehr mit dem extrem teuren Zug, wenn er die gleiche Strecke für wenige Euro in 2-3 Stunden mit dem Flugzeug erledigen kann…

    Danke für den Hinweis. Ich sehe das auch so: Bahnfahrten werden ab einer bestimmten Stundenzahl nervig und unrentabel. Dreieinhalb Stunden gelten als so eine Grenze. Spätestens nach fünf Stunden mag ich nicht mehr.

  • 20
    haftbar.de » Blog Archive » Journalismus und die Fakten zu Stuttgart 21:

    […] Weidelich beschreibt in seinem blog railomotive.com interessante Details zum Milliardengrab Stuttgart21 und stellt die berechtigte Frage warum seine […]

  • 21
    S21 – I : Curi0usities:

    […] Stuttgart 21: Bunte Bilder und Zitate statt fachlicher Recherche […]

  • 22
    Tim Mayer:

    Bessere Kommunikation?

    Wenn Politiker sich den Fehler eingestehen, dass von Beginn an nicht richtig geworben und die Bevölkerung nicht „mitgenommen“ wurde – was wollen Sie uns damit sagen? Dass mit besseren Infos sich S21-Gegner überzeugen lassen? Dass die Millionen für bunte Broschüren und inhaltsschwache Werbung umsonst war? Dass man wichtige Argumente vergessen hat?
    Was genau hätte man denn besser kommunizieren sollen? Das können die Befürworter ja jetzt gerne endlich mal sagen. Aber wetten, es wird nichts mehr kommen – weil es nämlich nichts Neues zu sagen gibt. Denn das alles sind nur Floskeln, um zu besänftigen und von allen Planungsfehlern abzulenken. Jetzt versucht es die Politik auf die schleimige Tour.

    Es geht auch nicht darum das Projekt S21 besser zu verkaufen. Denn die Befürworter haben sicher nicht ohne Grund lange Zeit vieles verschwiegen, was jetzt so langsam alles aufgedeckt wird. Denn dann wären ja die Menschen alle noch viel früher auf die Straße gegangen!

    Das Projekt selbst ist nämlich der Fehler! Eine einzige Katastrophe. Die vielen friedlichen Demonstranten (darunter unzählige langjährige CDU-Wähler) sind vor allem deshalb gegen S21, weil der neu geplante Tiefbahnhof absolut nicht notwendig, zu eng, zu kompliziert, zu unflexibel und schlussendlich eine Geldvernichtungsmaschine ist. Es gibt keinen Bahnknoten neu zu ordnen, denn es gibt kein Problem mit dem jetzigen Bahnhof, das gelöst werden müsste. Stuttgart hat den pünktlichsten Kopfbahnhof in ganz Deutschland!

    Wir alle sind für die Zukunft, für Modernität und Funktionalität – aber nicht für einen künstlich geschaffenen Engpass. Sondern für einen variablen und attraktiven, weil viel sinnvolleren Kopfbahnhof! Nur hier können Züge aufeinander warten, nur hier funktioniert der integrierte Taktfahrplan. Es geht auch nicht darum, in Zukunft alle Großprojekte zu hinterfragen. Aber wenn Verschlechterungen geplant sind statt Verbesserungen herbei zu führen, nur um Immobiliengeschäfte zu tätigen und schwäbischen Vetterleswirtschaft praktizieren zu können, dann wird sich auch in Zukunft das Volk einmischen und friedlich zur Wehr setzen.

    Übrigens – dies alles hat mit der Wahl im Frühjahr überhaupt nichts zu tun. Dass die CDU dann abgestraft wird, steht auf einem anderen Blatt. Der Widerstand wäre nämlich exakt derselbe auch wenn 2011 keine Wahlen wären. Solche billigen Argumente machen das Projekt S21 keinen Deut besser!

  • 23
    Sabine Sellcas:

    Anbei ein Link mit allen wissenswerten Basisinformationen zu S21 und Vergleich mit dem jetzigen Kopfbahnhof. Hier werden alle (auch die für viele Nicht-Stuttgarter noch unbekannten) Themen angesprochen und gegenüber gestellt. Wer das alles gelesen hat, kann nicht mehr für Stuttgart 21 sein:

    http://tinyurl.com/2u4pzw2

  • 24
    Friedhelm Weidelich:

    Vielen Dank für diese Hinweise und Argumentationen. Die Propagandamaschinen der S21-Befürworter und Nutznießer laufen momentan ja wie geschmiert. Doch S21 hat inzwischen bundesweit Gegner, weil es überall Menschen gibt, die diese Geldverschwendung und diesen Unsinn begriffen haben. Es gab etliche Diskussionen mit Hotelgästen aus allen Teilen Deutschlands, die eben dies gezeigt haben. Leider gibt es noch immer Medien, die die Hintergründe des Protests sehr schlicht betrachten und die gesellschaftspolitische Diskussion dahinter nicht wahrnehmen. Aber die meisten werden es noch kapieren. Spätestens dann, wenn die CDU/FDP-Regierungen in Baden-Württemberg und Berlin kippen.

    Ganz bestimmt, lieber Herr Mayer, haben Sie aber damit recht, dass die Landtagswahl nicht das bestimmende Element ist. Dass sie bald kommt, ist vielleicht ein Vorteil. Notwendig und richtig sind die Proteste sowieso. Doch eine verlorene Wahl bricht den Filz der Jahrzehnte auf und könnte auch bundesweit interessante Auswirkungen haben. Deshalb wird jetzt bei den Befürwortern auf Zeit gespielt, denn die haben viel zu verlieren.

    Die Vorstellung, dass man mit besserer Überzeugungsarbeit das Projekt doch noch durchsetzen könnte, ist unglaublich naiv. Das zeigt, dass die Bahn und wer auch immer noch S21 bauen will – aus welchen Nonsens-Gründen auch immer – nach wie vor nicht begreifen und verstehen will, dass ein Umstimmen der Gegner nicht möglich ist. Denn der Bahnhof darf nicht gebaut werden, weil er auf 100 % Lug und Trug aufgebaut und eine haarsträubende Geldverschwendung ohne Sinn ist.

  • 25
    DocMoriarty:

    Ich vermute die Hauptmotivation hinter S21 hat nichts mit S21 zu tun. Durch die Tieferlegung des Bahnhofes und Abbau der oberirdischen Gleiskörper werden riesige Bauflächen in bester Stadtlage in Stuttgart frei. Und da spielt die Musik für die Amigos des Schwabenländles. Der blöde Steuerzahler räumt den Amigos die Baugrundstücke frei auf denen dann die wirklich guten Geschäfte laufen. Vielleicht sollten mal ein paar Recherchen in dieser Richtung laufen …

  • 26
    Regimekritiker:

    … im 4. Absatz ist ein Fehler:

    Die Tunnel sollen -teilweise- nicht etwa 4,05m Durchmesser sondern 4,05m Radius haben, also einen Durchmesser von 8,10m. (siehe auch Absatz 5)

    Danke für den Hinweis, ich habe das korrigiert. Meine Flächenberechnung basiert auf dem Radius.
    FW

 
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