Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Neue Materialien zu Stuttgart 21

01.11.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn)

Bei der letzten Schlichtung hat DB-Technikvorstand recht gut erklärt, was Fahrstraßen sind. Der Vortrag ist hier nachzulesen. Kefer rechnet dabei vor, dass der geplante Untergrundbahnhof mit 8 Gleisen genau so viel leistet wie ein Kopfbahnhof mit 16 und mehr Gleisen. Und zwar unter der Prämisse, dass alle Züge durchfahren.

Leider ist diese Argumentation unredlich, denn der Pendlerbahnhof Stuttgart Hbf hat heute eine Quote von 90 %. So hoch ist der Anteil der Fahrgäste, die dort ein- oder aussteigen. Und genau deshalb fahren die Züge von Tübingen beispielsweise nicht nach Horb, Heilbronn oder Aalen weiter, sondern machen im Bahnhof Kopf und kehren an den Ausgangsort zurück.

Wenn Kefer behauptet, dass in S21 alle Züge durchfahren, dann orientiert er sich nicht an den Pendlerrelationen, sondern erfindet neue Verkehrsverbindungen, weil der neue Bahnhof dazu zwingt!

Das würde aber bedeuten, dass ein durchgehender Zug von z. B. Tübingen nach Heilbronn auf dem Weg von Tübingen nach Stuttgart 21 genau so viel Kapazität bräuchte von Stuttgart nach Heilbronn. Da aber die neu erfundenen Relationen höchst unterschiedlich belastet sein dürften, werden da einfach sinnlos Züge im Kreis herumgefahren oder pendeln zwischen willkürlich ausgewählten Endbahnhöfen, weil sie in Stuttgart 21 nicht wenden können.

Denn wenn sie in Stuttgart wie bisher wenden würden, funktionieren die Argumentation von Kefer und der neue Bahnhof nicht mehr. Bei geplanten Zu- und Abläufen von 1,2 Minuten im neuen Bahnhof ist jeder Zug ein Störenfried, der dort wenden und die laufend belegten Tunnelröhren zum Ausgangspunkt zurück will.

Stuttgart 21 schafft also eisenbahntechnische Einbahnstraßen, wo es bisher Verkehr in zwei Richtungen (also Pendelverkehr) gab. Für einen Pendlerbahnhof wie Stuttgart ist Stuttgart 21 als erzwungener Durchgangsbahnhof also schwachsinnig.

Es wäre nett, wenn sich die lieben Kollegen, die über den hochqualifizierten und faktensicheren Boris Palmer hetzen, auch einmal mit solchen leicht verständlichen Fakten beschäftigen würden. Doch wer die Felle der CDU davonschwimmen sieht, mit denen er viele Jahre so gern gekuschelt hat, kann wohl nicht anders, als auf politische Gegner einzuprügeln. Denn die Zukunft dürfte stachelig werden für schwarz Eingefärbte.

Dass die S21-Gegner auch am vergangenen Freitag punkteten, beschreibt das Fachportal Bahn aktuell. Danach ist der neue Bahnhof samt Umfeld viel zu knapp bemessen. Hübsch ist auch der Hinweis auf den Flughafenbahnhof, der alle zwei Stunden von einem ICE angefahren wird. Dabei hatte doch der Flughafenchef auf mehr Fluggäste gehofft, um vielleicht irgendwann eine zweite Landebahn durchsetzen zu können für den Provinzflughafen. So zerplatzen Träume.

Bekanntlich ist das Immobilienprojekt Stuttgart 21 das Ergebnis eines baden-württembergischen Filzes, dessen Ausmaße noch nicht in aller Tragweite erkennbar sind, aber immer schärfer erkennbar werden. LobbyControl, die Initiative für Transparenz und Demokratie e.V., will zu mehr Übersichht beitragen und hat damit begonnen, auf der Website Lobbypedia Fakten zum Verhältnis der Baulobby zu S21, aber auch zu anderen Verflechtungen, zusammenzutragen.

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