Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Siemens sammelt Lok-Aufträge ein

08.11.10 (Bahnindustrie, Eisenbahn, Elektrolok, Güterverkehr, Italien, Lokomotiven, Nordamerika, Personenverkehr)

Nachdem die anderen Fahrzeughersteller etliche Aufträge verbuchen konnten, hat nun auch Siemens eine Erfolgsstrecke. Zehn Züge für den Eurostar (und ein schlechter französischer Verlierer), 70 Loks für Amtrak und erstmals immerhin zwei Loks für Italien.

Amtrak bestellte bei Siemens 70 elektrische Lokomotiven vom Typ „Amtrak Cities Sprinter“ im Wert von rund 338 Millionen Euro. Damit verkauft Siemens erstmals Lokomotiven auf dem wichtigen amerikanischen Markt, der zuletzt ein durchschnittliches Auftragsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro jährlich aufwies. Die ersten Fahrzeuge sollen 2013 geliefert werden.

Die erste Siemens-Ellok für Amtrak (Bild: Amtrak/Siemens)

Die Cities Sprinter sind Teil einer umfangreichen Flotten-Erneuerung in den kommenden 14 Jahren, die Amtrak im Personenverkehr auf dem sogenannten Northeast Corridor startet. Dieser Korridor zwischen Boston und Washington ist mit 2600 Verbindungen täglich die verkehrsreichste Fernverkehrslinie der USA. Insgesamt sollen in die Modernisierung 11 Milliarden US-Dollar investiert werden. „Der Schienenverkehr ist in den letzten Monaten in den Fokus der Infrastrukturentwicklung der USA gerückt und erfährt eine starke Unterstützung durch die amerikanische Regierung. Mit dem Cities Sprinter liefern wir das erste Mal eine Siemens-Lok für den amerikanischen Markt, den zweitgrößten Lokomotivenmarkt weltweit“, sagt Hans-Jörg Grundmann, CEO der Siemens-Division Mobility. „Der Auftrag zeigt, dass wir die passenden Lösungen im Regional- und Fernverkehr für die USA anbieten können“, so Grundmann weiter.

„Amtrak ist ein sehr bedeutender Verkehrsbetrieb im Nordosten der USA. Moderne Lokomotiven sind entscheidend dafür, den hohen Ansprüchen unserer Passagiere in puncto Verlässlichkeit entsprechen zu können und der wachsende Nachfrage in den kommenden Jahren gerecht zu werden”, sagte Joseph Boardman, CEO und Vorstandsvorsitzender von Amtrak.

Die Amtrak Cities Sprinter basieren auf den Eurosprinter- und Vectron-Produktlinien von Siemens. Sie sind für die drei Fahrspannungen 25 kV, 12,5 kV und 12 kV ausgerüstet und erreichen eine Leistung von bis zu 6,4 MW. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen erreichen sie damit eine wesentlich höhere Leistung. Im Betrieb mit bis zu 18 Wagen pro Zug und einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ist so eine schnellere Taktung möglich. Amtrak kann damit deutlich mehr Passagiere auf der gleichen Strecke befördern.

Einzelne Komponenten wurden neu entwickelt, um die US-Normen und die Spezifikationen von Amtrak zu erfüllen. Die Cities Sprinter erfüllen die neuesten Sicherheitsanforderungen und Crash-Normen der Federal Railroad Administration (FRA). So hat der verstärkte Wagenkasten eine spezielle Knautschzone und erlaubt eine kontrollierte Deformation bei einem Zusammenstoß.
Eine weitere neue Vorschrift ist ein Sicherheitskäfig um die Fahrerkabine, der den Lokführer im Kollisionsfall schützt. Zudem wurde ein Aufkletterschutz integriert. Neben der Sicherheit wurde besonders auf die Wartungsfreundlichkeit großer Wert gelegt. Antriebsmotor und Radsätze können jeweils einzeln entfernt werden, ohne das Drehgestell absenken zu müssen. Bei einem Tausch dieser Komponenten kann so viel Zeit gespart werden. Auch alle anderen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten wurden vereinfacht, da die Komponenten im Maschinenraum jetzt leichter zugänglich sind.

Die neuen Lokomotiven werden überwiegend im Siemens-Werk in Sacramento, Kalifornien, gefertigt, das erst im vergangenen Jahr für 26 Millionen US-Dollar erheblich erweitert wurde. Daryl Dulaney, President und CEO von Siemens Industry, Inc., erklärte, dass der Auftrag 250 „grüne“ Arbeitsplätze in den USA schaffe. Bereits heute ist Siemens im amerikanischen Nahverkehrsmarkt erfolgreich: Jede dritte Stadtbahn in den USA ist ein Produkt von Siemens.

Nach der Auslieferung der neuen Siemens-Loks will Amtrak alle 20 DC AEM-7 ausmustern, danach auch die 29 AC AEM-7. Die übrigen 21 neuen Loks werden alle 15 Loks der Baureihe HHP-8 ersetzen und für zusätzliche Zugleistungen zur Verfügung stehen.

Die Ferrovie Udine Cividale bestellte zwei Mehrsystemloks (Foto: Siemens)

Mit dem Auftrag zur Lieferung von zwei Elektroloks ES64U4 (auch bekannt als Taurus) an die italienische Bahngesellschaft Ferrovie Udine Cividale (FUC) steigt Siemens erstmals in den italienischen Lokomotivenmarkt ein. Die Universallok ist für den Güterverkehr in Italien vorgesehen, soll aber auch grenzüberschreitend in Deutschland, Österreich und Slowenien fahren. Die Lokomotive ist Teil der bewährten Eurosprinterfamilie von Siemens Mobility, von der weltweit bisher über 1.500 Lokomotiven bestellt wurden.

Die beiden Loks haben Zulassungen für Deutschland, Italien, Österreich und Slowenien. Die Fahrzeuge werden in den Siemens-Werken in München und Linz gefertigt und jeweils im Januar und im April 2011 ausgeliefert.

 
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