Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Vermischtes zu Stuttgart 21

17.11.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Frankreich, Hochgeschwindigkeitszüge, Strecken)

Der Stern-Artikel (hier ein nachgeschobener zur Reaktion der Bahn) über den Brief der Eisenbahnbundesamts (EBA) wurde heute allerorten zitiert und gefühlte 300 Mal getwittert. Jeder Hoffnungsschimmer zählt, auch wenn ich nicht glaube, dass die S21-Projekt-Verantwortlichen einen Millimeter zurückweichen werden. Ganz egal, welchen Murks und welche dreisten Lügen man ihnen nachweist.

Zu bedenken ist außerdem: Das Eisenbahnbundesamt untersteht dem Bundesverkehrsminister. Der ist nicht nur in derselben Burschenschaft wie S21-Initiator Heimerl, er ist auch weisungsbefugt gegenüber dem EBA: Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist eine selbständige deutsche Bundesoberbehörde im Bereich der Bundesverkehrsverwaltung. Es unterliegt der Fach- und Rechtsaufsicht des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Was das bedeutet, kann sich jeder denken nach den bisherigen Erfahrungen. Und weil es immer noch kein Journalist aufgegriffen hat: Der ehemalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, SPD, ist stellvertretender Vorsitzender des Kuratioriums der ECE-Stiftung Lebendige Stadt, einer als Stiftung getarnte Organisation zur Anbahnung von Immobiliengeschäften. Was vielleicht auch die auffallend stille Haltung der SPD zu S21 erklären mag.

In Leinfelden-Echterdingen fiel DB-Chef Grube heute mit Einschätzungen auf, die wahrlich bedeutsam sind: „Wir bauen die Strecken für das Jahr 2100, nicht für 2030.“ Über die Neubaustrecke, die nur für den Personenverkehr gedacht sei, könnten aber eines fernen Tages auch schnelle Güterzüge wie auf den TGV-Strecken in Frankreich fahren, glaubt er. Stuttgarter Unternehmer hätten ihn danach gefragt.

Interessant auch die Idee, dass man den alten Bahnhof nicht mehr sanieren müsse, weil man ja schon 2019 oder 2020 den neuen in Betrieb hätte. Ich hatte ja schon vorgerechnet, dass mit der Fertigstellung des ganzen S21-Konstrukts nicht vor 2036 zu rechnen ist, ein, zwei Jahre hin oder her.

Am besten wäre, gar nicht erst weiterzumachen. Aber dafür braucht es noch ein paar Widerstände und seriöse Berechnungen mehr. Noch erfreuen sich zu viele an der Vision eines eisenbahntechnischen Glitzerballons.

Wer übrigens noch eine Erinnerung an ein altes Zukunftsprojekt, den ersten kommerziell eingesetzten Magnetschwebezug in Großbritannien kaufen möchte, sollte hier mitbieten und kann hier ein wenig dazu nachlesen. Der Transrapid dürfte auch bald günstig zu haben sein, passt aber nicht so gut in den Garten. Mich wundert, dass die Stuttgarter Stadt(raben)väter dieses 1934 erfundene Fortschrittssymbol noch nicht entdeckt haben! Es bewältigt große Steigungen, fährt bis 300 km/h erstaunlich ruhig, wie ich selbst buchstäblich erfahren habe, und wird erst bei über 400 km/h etwas rappelig. Bei geringem Tempo knurrt er wie eine alte Straßenbahn. Die geringe Attraktivität für die CDU Baden-Württembergs liegt wahrscheinlich daran, dass keine schwäbischen Manager und Mobility-Unternehmen je mit dem Transrapid zu tun hatten. Und das bei so einem Zukunftsprojekt!

Herr Schuster, der Transrapid ist die Zukunft für Stuttgart und die schnelle Verbindung nach Ulm zu Ihrem SPD-Kollegen!

Und das Schönste: Die 1,5 Mrd. Euro Entwicklungshilfe dafür sind auch schon bezahlt! Transrapid 22, das wäre der Hit! Und auf der Emslandstrecke könnte man noch ein paar Jahrzehnte mehr dieses einzigartige Verkehrsmittel der Zukunft weitertesten.

 
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