Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Verspätungsanzeige erst, wenn der Zug da sein sollte

04.11.10 (Bahnhöfe, Deutschland, Marginalien, Personenverkehr, Technologien)

Bahnchef Grube hatte ja vor einem Jahr eine Informationsoffensive angekündigt, so nach dem Motto:

  1. Wir bleiben bei unseren alten, schlecht gepflegten Zügen,
  2. kümmern uns nicht um die Beseitigung von Mängeln im Netz,
  3. tun nichts gegen Verspätungen ABER
  4. informieren unsere Fahrgäste künftig besser über die Verspätungen!

Es gehört schon zu den enormen Managementleistungen des Brot-und-Butter-Mannes, mit geringstmöglichen Aufwand Aktivität zu simulieren. Denn die Beseitigung der Symptome wäre ungleich teurer und würde ein tiefes Verständnis des Systems Eisenbahnverkehr voraussetzen, das ich diesem Herrn nicht zutraue.

Vor einigen Tagen beobachtete ich (und jemand bei Twitter fast synchron) eine Anzeige von 3 Minuten Verspätung. Inzwischen werden die fast täglichen (heute und vorgestern dramatischen) Verspätungen wieder nichtssagend mit „wenige Minuten“, 5 Minuten, 10, 20 und mehr Minuten angezeigt.

Die wunderbare neue Informationsqualität erschöpft sich leider in der plötzlichen Anzeige der Verspätung, wenn der Zug eigentlich gerade abfahren sollte. Schaue ich vorsorglich eine Viertelstunde vorher ins Internet, hat der Zug keine Verspätung. Schaue ich jetzt in den DB Navigator oder Bahn.de, sehe ich etliche Bahnhöfe vorher schon eine Verspätung. Die Bahn wusste also schon länger, dass der Zug in XY Verspätung haben würde, zeigt das aber nicht an.

Wolfgang Keller, ein netter Vielfahrer, hat eine Erklärung gefunden, die Sie hier nachlesen können. An meiner Einschätzung, dass Herr Grube ein kundenunfreundlicher Schaumschläger ist, ändert das freilich nichts.

Ein Kommentar

  • 1
    Oliver:

    Verspätungsangaben können durchaus vorausschauend gestaltet werden. So gab es in dieser Woche zwischen Bochum und Essen morgens eine Signalstörung, die Verzögerungen von etwa 10 Minuten zur Folge hatten. Dementsprechend waren die Verspätungsangaben in Essen und nachfolgenden Bahnhöfen auch 10 Minuten höher als für Bochum – auch bei Zügen, die noch nicht im Bereich der Signalstörung mit Langsamfahrt eingetroffen waren.

    Entscheidend ist aber, dass diese Korrekturen wohl per Hand in das „System“ eingepflegt werden müssen. So kann man regelmäßig bei der relativ kurzen Wendezeit der S1 in Dortmund Hbf beobachten, dass manchmal (!) die Rückfahrt Richtung Düsseldorf von Beginn an mit einer Verspätung angezeigt wird, wenn der Zug verspätet in Dortmund eintrifft.

    Durch einen Klick auf die Zugnummer in den Abfahrtstafeln der Bahnhöfe sieht man übrigens direkt den Verspätungsverlauf eines Zuges, ohne viele Bahnhofstafeln zu vergleichen. Seit wenigen Wochen sogar meistens minutengenau.

    Einen ganz simplen Grund für das „Hochzählen“ der Verspätungsanzeige hat Herr Keller übrigens vergessen: bei einer echten Störung (Tür, Triebfahrzeug,…) schätzt das Personal die zu erwartende Verspätung natürlich erstmal optimistisch. Und wie immer im Leben dauert dann alles etwas länger…

 
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