Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Buster Keatons General

05.12.10 (Eisenbahn, Geschichte, Kino, Marginalien, Nordamerika)

Buster Keatons Kinofilm „The General“ von 1926 gehört zu den besten und stimmigsten Produktionen der Stummfilmzeit. Das Timing des damals teuersten Films wirkt auch heute noch nicht altbacken und beweist Keatons Meisterschaft.

Ich ziehe Buster Keaton allen anderen Stummfilmstars vor. Denn sein Mut, seine Artistik und seine vertrackte Art, irrwitzige Technologien zu erfinden und zu bedienen, waren in dieser Summe nie mehr zu finden. Seit meiner ersten Begegnung mit Keatons Filmen zur Schulzeit bin ich immer ein Fan gewesen. Ich habe Bücher, in denen unter anderem der General Szene für Szene vom Film abfotografiert ist. Später kamen VHS-Kassetten und DVDs dazu. Viele der DVDs sind in zweifelhafter bis grauenhafter Qualität, weil sie mit geringem Aufwand von schlechten Kopien erfasst wurden, bei denen nicht nur Kratzer und Flecken den Filmgenuss einschränken, sondern auch fehlende Schärfe und ein zu hoher Kontrast, der helle Stellen zu hell abbildet und dunkle Bildteile ohne Zeichnung lässt. Diese Aufsteilung der Gradation kommt von Kopien der Kopien.

Zum Glück entwickelt sich die digitale Erfassung und Verarbeitung von alten Kinofilmen laufend weiter. Seitdem ich einen Blu-ray-Player besitze, gebe ich nicht mehr viel auf DVDs, die für Diagonalen ab etwa 32 Zoll einfach nicht mehr genügend Daten gespeichert haben. Wie immer gibt es zwar auch Blu-rays, die nur unwesentlich mehr Qualität als eine DVD bieten oder unverschämterweise nichts anderes als die Datensätze einer DVD-Produktion wiedergeben. Doch in aller Regel erreicht eine gut produzierte Blu-ray eine Bildqualität, die in dieser Schärfe und Brillanz nur selten im Kino zu sehen sein wird. Dazu kommt ein Ton, der weit mehr Dynamik als eine DVD bietet. Sollten Sie also einen HD-fähigen Fernseher mit 1920 x 1080 Pixeln haben, empfehle ich Ihnen zu Weihnachten einen Blu-ray-Player zu kaufen. Selbst preiswerte Markenmodelle zu 100 Euro werden Ihnen ein Bild auf den LCD-Schirm zaubern, das Sie nicht mehr missen wollen. Die meisten DVD, die so ein Player auch abspielen kann und bildmäßig hochrechnet, sehen gegenüber der Blu-ray alt aus. So ein einfaches Gerät wie das Folgende genügt schon zum Einstieg. Der Philips-Player ist updatebar, was mir bei einer Bildstörung schon geholfen hat. Denn die kopiergeschützte HD-Technik überrascht auch schon mal mit kleinen Tücken.

Obwohl ich erst vor einigen Monaten den General in restaurierter Fassung auf der Doppel-DVD gekauft habe und eine Reihe Details in diesem dutzendmal gesehenen Film neu entdeckt habe, hat mich diese Blu-ray des General noch mehr begeistert. Denn selbst unscheinbare Details werden sichtbar, bis hin zu Beschriftungen und dem Sofadeckchen „Home, sweet home“ im Haus der Gastgeber. Als Amazon-Kunde bekommt man sie zum Beispiel bei der britischen Filiale (siehe Link) oder in den USA. Von dort aus wird die Blu-ray so oder so versandt. Kinofans werden sie sicher auch woanders finden.

Obwohl ich dachte, nun die Doppel-DVD verkaufen zu können, werde ich beide Scheiben behalten. Denn das Zusatzmaterial ist sehr unterschiedlich. Die hellblaue DVD kommt mit einer zweiten Bonus-DVD, die den wenig bekannten und bisher nur in den USA erhältlichen letzten Film „The Railrodder“ von 1965 enthält. Der 25 Minuten lange Film zeigt eine Reise mit einer Draisine quer durch Kanada, lakonisch und fast so stumm erzählt wie zur Stummfilmzeit. Dazu ein Making of, in dem man Keatons tiefe Stimme hört und erfährt, wie akribisch seine Gags aufgebaut wurden. Zu den Perlen im Zusatzmaterial gehört The Iron Mule von 1925 mit Keatons langjährigem Partner Al St. John aus der Frühzeit des Stummfilms, in dem wir den Rocket-Zug aus „Our Hospitality“ (den ich sehnlichst auf Blu-ray erwarte) wiedersehen, mit einigen modifizierten Gags, Flußdurchquerungen, zu großen Schornsteinen für Tunnel, Indianerüberfällen und einem Cameo-Auftritt von Buster als Indianer, der einem Reisenden das Toupet klaut. Auch Keatons Freund Fatty Arbuckle, der wegen eines angeblichen Mordes trotz Freispruch auf dem Index stand, spielt mit. Orson Welles rühmt Keatons Film und erzählt ausführlich, was das Besondere an diesem filmhistorischen Meisterstück war. Die meisten Filme haben deutsche Untertitel.

Die fehlen bei der Blu-ray aus den USA, die zum Glück auch auf unseren Playern läuft. Der Film wurde von einer nicht mehr ganz taufrischen Filmkopie abgetastet und hat deshalb auch Helligkeitsschwankungen und immer wieder weiße Flecken. Doch die Schärfe ist erheblich besser, die gut beleuchteten Details etwa auf der Lok kommen fast plastisch zur Geltung. Eine Freude für Eisenbahnfans. Der Film ist bis auf wenige kurze Szenen sepiabraun eingefärbt, bei nächtlichen Szenen auch blau. Wunderbar ist die Kinoorgelbegleitung neben den beiden anderen Tonfassungen. In den umfangreichen Zusatzmaterialien finden wir wieder denselben Orson-Welles-Film, eine Tour durch den Ort in Oregon, wo der Film gedreht wurde und wo noch einige Szenen wiedererkennbar sind, ein Auftritt von Gloria Swanson als Fernsehansagerin und noch ein paar Kleinigkeiten mehr, die auf der Doppel-DVD nicht zu finden sind. Witzigerweise erfährt man bei der Tour, dass im Hintergrund ein neuer Ölbohrturm steht, der auf früheren DVD gar nicht so genau erkennbar war. Der Film wurde auf einer Waldbahn in Oregon mit deren drei Loks gedreht, bei der eine nur durch das Stahlführerhaus nicht ganz authentisch wirkt (wenn man sich bei amerikanischen Loks gut auskennt). Die Wagen und die Kanone wurden nach alten Bildern und Zeichnungen authentisch nachgebaut und im Film zum Teil systematisch zerstört wie leider auch die Dampflok, die auf einer äußerst leicht gebauten brennenden Brücke in den Fluss stürzt.

Ein besonderer Genuss sind die kristallklaren (Werbe-)Fotos vom Set und Filmplakate zum General, die man sicher noch nie in so hoher Qualität zu sehen bekam. Falls Sie also noch einen guten Grund für einen HD-Fernseher und einen Blu-ray-Player brauchen: Jetzt haben Sie ihn.

Es lohnt sich für Cineasten und Eisenbahnfreunde also, beide Scheiben zu kaufen.

 
Get Adobe Flash player

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen