Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

The same procedure as every year

02.12.10 (Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr, Unterwegs – Erfahrungen)

Schneekatastophe? Nö, ganz normales Winterwetter mit knapp 10 cm Schnee, Januar 2010 (Foto: FW)

Schneekatastophe? Nö, ganz normales Winterwetter mit knapp 10 cm Schnee, Januar 2010 (Foto: FW)

Der Winter ist da, und erneut beweist die Deutsche Bahn, dass sie an Weichenheizungen, Schneepflügen und Wartungspersonal gespart hat, dass Subunternehmen mit unterbezahltem Reinigungspersonal und die computerisierte Sprachausgabe von Zugverspätungen eben nicht ausreichen. Und weil die Leute, die Weichen gängig machen oder Schneeverwehungen beseitigen, über Dutzende Kilometer herangekarrt werden müssen, dauert es halt. Aus der Schneewehe, die früher eine Schneefräse vom nächsten Bw mit einer Reservelok weggeputzt hätte, wird dann eben eine mediengerechtes „Schneechaos“, aus normalem Winterwetter eine „Schneekatastrophe“. Für Redakteure ist Normales unverkäuflich, glauben sie. Nur das Superlativ zählt.

Zu Zeiten er Deutschen Bundesbahn funktionierte die Bahn auch im Winter. Heute missbraucht die DB das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz als Helfer, weil sie ihr Personal ausgelagert und durch Billigarbeiter in Fremdfirmen ersetzt hat („outgesourcet“). Mit dem Personal sind auch die regionale Kompetenz und die Einsatzreserve weg, weil eben Kostenrechner, Automanager und nicht Eisenbahnpraktiker der DB „führen“. Was gleichbedeutend ist mit zerstören und verkommen lassen. Die Aufräumarbeiten übernimmt der Nachfolger oder der Staat, also wir Steuerzahler.

Schon heute Morgen waren zum Beispiel alle ICE- und IC-Züge zwischen 10 und 35 Minuten verspätet. Inzwischen liegen die Zahlen häufiger im dreistelligen Bereich. Und wieder sind es Türen, die nicht schließen, angebliche Störungen an ICE-Triebfahrzeugen, Weichen- und Signalstörungen und Verspätungen aus vorigen Fahrten, die den Fahrplan zusammenbrechen lassen. DB Fernverkehr und DB Netz zeigen, dass sie nichts dazugelernt haben und das vermutlich auch gar nicht wollen, weil es Geld und Grips kostet. The same procedure as every year.

Und Rüdiger Grube, der selbsternannte Brot-und-Butter-Mann, erweist sich weiter als Pappkamerad. Denn neue Züge und nötige Reserven sind noch immer nicht bestellt, weil man die Industrie zu Lasten der Fahrgäste und der Fahrzeugqualität weiter auspressen will. ICEs nach London oder an die Côte Azur sind eben wichtiger. Und natürlich der Nahverkehr von Arriva in Großbritannien.

Wie es einem Fahrgast erging, der 17 Stunden bis zum Ziel brauchte und im ICE übernachten musste, lesen Sie hier. Und was Wirtschaftswoche-Redakteure und ich im Januar 2010 geschrieben haben, können Sie hier nachlesen. Sie werden eine déjà-vu-Erlebnis haben.

Meine beiden Nahverkehrszüge heute Morgen waren erstmals seit Wochen auf die Minute pünktlich. Es hatte zu schneien begonnen (ca. 3 cm).

Da macht sich irgendjemand einen Spaß.

 
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