Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Bestellte Mehrsystem-ICE nun für innerdeutschen Verkehr?

18.01.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Hochgeschwindigkeitszüge, Personenverkehr)

Beendet Ramsauer die ehrgeizigen und sinnfreien Pläne Grubes, die neuen ICE ins Ausland fahren zu lassen und den innerdeutschen Verkehr weiter zu vernachlässigen? Die Zeit der Luftnummern scheint langsam vorbei zu sein. (Foto des ersten neuen ICE auf der Innotrans 2010: Friedhelm Weidelich)

Nachdem der Hessische Rundfunk gemeldet hatte, dass die von der DB ab Dezember 2011 mit den neuen Siemens Mehrsystemzügen Velaro-D (Baureihe 407) geplanten Züge nach Marseille nicht fahren werden, verdichten sich diese Insiderinformationen zur Gewissheit. Denn Bundesverkehrsminister Ramsauer und sein Staatssekretär Scheurle denken seit Tagen laut nach über das von Bahnchef Grube stark vernachlässigte „Brot-und-Butter-Geschäft“. Darüber redet Grube zwar bei jeder Gelegenheit, arbeitet aber in Wirklichkeit an neuen Auslandsgeschäften und schiebt notwendige Bestellungen und eine Sanierung des Bahnnetzes immer weiter auf.

Die DVZ und andere Quellen berichten, dass Ramsauer nun bald der Geduldsfaden reißt: „Seine Geduld mit der Bahn nähert sich einer Grenze. Statt hoch fliegenden Börse- und Expansionsplänen verordnet der Bund als Eigentümer Bahnchef Rüdiger Grube eine stärkere Konzentration auf das hiesige Kerngeschäft.“

Und weiter: „Die bis 2012 erwarteten 14 (Anm.: Siemens sprach 2010 von 15 Stück bis Ende 2011) neuen ICE sollen als erste Konsequenz auch nach dem Willen Ramsauers nun doch nicht im Auslandsverkehr zum Einsatz kommen, sondern im Inland. Wie arg die Lage ist, zeigt auch der Rückkauf von zehn Zügen von der Niederländischen Staatsbahn.“

„Ad-hoc-Spurlokfahrten“ und Schneepflugeinsätze und ein „beschleunigtes Abtauen der vereisten Züge“ sollten die Gleise bei Eis und Schnee befahrbar halten, heißt es weiter. Früher ging das auch. Da gab es genügend Schneepflüge, die nicht über hundert Kilometer an den Einsatzort gebracht werden mussten. Und qualifiziertes Personal vor Ort.

Die „bis zu 15.000 Schneeräumkräfte“ habe ich nicht nur letztes Jahr gesehen. Männer, dem Erscheinungsbild nach aus Osteuropa, räumten da nicht nur in Berlin, sondern offensichtlich auch in Düsseldorf die Bahnsteige. Mit einer Hand am Schneeschieber. Auch Ende 2010/Anfang 2011 haben sie im Raum Neuss auf diese Weise lustlos, weil wahrscheinlich extrem schlecht bezahlt durch Subunternehmer, den Schnee vom Bahnsteig in die Gleise geschoben.

Nun tut sich offenbar endlich was im Bundesverkehrsministerium. Ramsauer, ganz Politiker mit Machtkalkül, hat eben ein besseres Gefühl für Stimmungen im Volk als Grube und Homburg, die sich für die Bahnkunden nur peripher interessieren.

Insofern wäre es nur konsequent, die Ende 2011 neu ausgelieferten ICE vorerst nur in Deutschland einzusetzen. Denn da fehlen sie schon lange.

Nachtrag 20.1.: Leser aus Allensbach machten mich noch auf eine Diskussion über die Wagen aus der Schweiz aufmerksam. Sie schrieben:

Ins Bild passt auch, dass die in Etzwilen (Nähe Bodensee) abgestellten 1. Klasse Eurofima-Abteilwagen der SBB dauerhaft den Weg nach Norden antreten.
Normalerweise wird ausgedientes mitteleuropäisches Rollmaterial eher nach Rumänien oder Marokko verscherbelt  (schlimm – so weit haben wir, äh Mehdorn und Co es gebracht).

Richtig. Und wie ein anderer Leser bemerkte, versschrottet die DB in großem Stil gar nicht so alte Elektrolokomotiven. Schon vor vielen Jahren haben Privatbahnbetreiber auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, weil die DB so verhindert, dass Mitbewerber günstig gebrauchte, weil voll funktionstüchtige Lokomotiven kaufen können. Vernichtung von Staatseigentum zur Stärkung für den Börsengang. Eigentlich kriminell. Und pervers sowieso.

Ein paar der ehemaligen SBB-Wagen waren heute Morgen in Köln abgestellt.

 
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