Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Gute Reportage über Berliner S-Bahn-Chef Bucher

13.01.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Nahverkehr, Personenverkehr, Straßen-/Stadtbahnen, Triebwagen)

Ich freue mich über jeden Beitrag von Tageszeitungsjournalisten, die sich mit Eisenbahntechnik auskennen oder zumindest so lange gefragt haben, bis sie die wichtigsten Technologien verstanden haben. Das ist immer noch selten, weil Eisenbahn nicht so „sexy“ für gewisse redaktionelle Kreise ist wie die Produkte der Autoindustrie, der Flugzeug- und Schiffsbaubranche. Über ein neues Kreuzfahrtschiff, das im Jahr ein paar zehntausend Menschen befördert, lesen Sie ganze Zeitungsseiten, hören Radiofeatures und sehen Fernsehreportagen. Über einen Zug, der im Jahr Millionen Menschen befördert, erfahren Sie nichts. Denn die Bahnindustrie (die das nur bedingt darf, weil ihr Kunde entscheidet) schaltet keine Anzeigen und bucht keine Werbespots.

Stefan Jacobs vom Berliner Tagesspiegel schrieb eine einfühlsame Reportage über Peter Buchner, den Chef der Berliner S-Bahn. Ein Bayer, der die Eisenbahn liebt und zu den wenigen in den Führungsetagen der Deutschen Bahn gehört, die etwas von Eisenbahn verstehen. Und das wäre unter normalen Umständen Voraussetzung für diese Jobs. Kenntnisse der Automobilbranche und der Geldanlage helfen hier nämlich nicht im geringsten weiter. Aber unsere Bundesverkehrsministerdarsteller scheinen ja den geheimen Plan zu haben, eben der Straßenlobby mehr Zulauf zu verschaffen, was offensichtlich auch gelingt. (Das nur am Rande.)

DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg, der mit im Abgeordnetenhaus Rede und Antwort stehen sollte und zu Unrecht viel zu wenig von der Presse aufgespießt wird, hat tatsächlich den Spitznamen „Humbug“, wie ich immer wieder aus Berlin und Bahnkreisen höre. Den Namen hat er sich redlich durch Nicht-Angehen der Probleme und aalglattes Auftreten verdient. Doch nageln Sie mal einen Pudding an die Wand! Die Prügel steckt deshalb Grube ein, der auch noch so ungeschickt war, Besserung zu versprechen, es aber in Wirklichkeit bei Sprech- bzw. Seifenblasen zu belassen. Weil keiner auf ihn hört, weil’s keinen interessiert oder man tatsächlich nur als „Finanzoptimierer“ arbeitet, anstatt ein Bahnsystem zu verstehen und am Laufen zu halten. Vorausschauend selbstverständlich. Was man von mittelmäßigen Managern natürlich nicht erwarten kann, denn sie träumen ja vom Börsengang als Krönung ihrer Karriere. Nicht wissend, dass nur ein Idiot Aktien eines so miserabel geführten Unternehmens kaufen würde.

Hier geht es zur Reportage. Bemerkenswert und wahr erscheint mir dieser Kommentar eines pensionierten S-Bahners zur Baureihe 481:

Als ergrauter, erbitterter S-Bahner kann ich nur sagen:
Hätten wir in den letzten Jahren einen BUCHNER gehabt, hätten wir das ganze Thema nicht!

Denn dieser Mann ist nicht nur kompetent (technisch versiert braucht er gar nicht zu sein, er hat dafür Leute, die ihm zuarbeiten !), sondern er ist auch interessiert an seinem Themenfeld. Was er nicht ist: Ein arrogantes Oberar….., wie sonst üblich. Ein guter Manager umgibt sich eb nicht mit speichelleckenden Ja-Sagern, sondern mit Kritikern. Und das macht Buchner.

Die Herren, die das Lastenheft für den 481 erstellten und die diese Züge abnahmen, sind längst im Ruhestand. Es waren Leute mit ausgeprägter DDR-Karriere, arrogant ohne Ende, von keinerlei Widerspruch gestört, und von ihrer Kompetenz überzeugt wie ein Herr Westerwelle. Was im Zusammenhang mit dem 481 hinter den Kulissen der S-Bahn ablief ist einfach nur der Hammer und wenn ich es nicht selbst erlebt hätteich würde es auch nicht glauben. Vorausgesetzt das es in der DDR fast nur solche Art von Entscheidungsträgern gegeben hat, ist es für ich ein Wunder, dass dieser Staat überhaupt bis 1990 durch gehalten hat.

Nochmal zum Mitschreiben: Der 481 ist ein DDR-Produkt!! Die Vergabe an Bombardier erfolgte mit der Maßgabe – so weit nur möglich – Komponenten aus den neuen Bundesländern zu beziehen. Die S-Bahn war zu dieser Zeit noch eigenständig und hat die maßgebenden Entscheidungen selbst (ohne DBAG!) getroffen. Noch heute gibt es aus dieser Zeit um 1994 die „Projektgruppe 481“, die noch heute durch ihre Inkompetenz besticht. So kommen z.B.die zu hunderten verreckten Motoren aus Dresden und die brechenden Achsen aus Ilsenburg.

Zeitgleich haben die Hamburger ihre Züge bestellt, den 474. nach Anfangsschwierigkeiten wurden das Züge ohne Fehl und Tadel, mit Magnetschienenbremse ausgerüstet!!

Es gab viele „Buchners“ bei der S-Bahn, aber die sind durch die ehemalige DDR-Kader gemobbt oder kaltgestellt worden. So kam der 481.Glückwunsch!

Bombardier wehrte sich Anfang der Woche, was in dieser eher diskreten Branche (man darf ja auch unfähige Kunden nicht offen beschimpfen, da man sie als Auftraggeber braucht) ziemlich ungewöhnlich ist, technisch schlechte S-Bahn-Triebwagen geliefert zu haben.

Berlin, 10. Januar 2011 – Bombardier Transportation stellt fest, dass die Züge der Baureihe 481/482 der S-Bahn Berlin ordnungsgemäß und laut technischem Lastenheft des Auftraggebers konstruiert und gefertigt worden sind. Die Fahrzeuge entsprechen dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Konstruktion und haben sich über Jahre hinweg erfolgreich im Einsatz bewährt. Die Baureihe 481/482 ist von den zuständigen Behörden zugelassen und von der S-Bahn Berlin nach eingehender Prüfung abgenommen worden.

Die Züge sind seit 1997 im Einsatz und haben über ein gutes Jahrzehnt hinweg bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen dauerhaft ihre Zuverlässigkeit bewiesen. Die Verfügbarkeit lag regelmäßig über 98 Prozent. Dies ist ein Spitzenwert, auch im Vergleich zu vergleichbaren Schienenverkehrssystemen in anderen Regionen.
Die allgemeine Gewährleistung endete 2007 einvernehmlich. Zuvor ist der technische Zustand der Fahrzeuge gemeinsam und ausführlich durch die S-Bahn Berlin GmbH und Bombardier Transportation untersucht worden. Konstruktive Mängel zum Beispiel im Bereich der Fahrmotoren wurden dabei von der S-Bahn Berlin auch nach gut zehnjährigem Einsatz der Flotte nicht festgestellt.

Die Wartung und Instandhaltung der S-Bahn-Fahrzeuge erfolgt ausschließlich durch die S-Bahn Berlin GmbH. Bombardier ist hier zu keinem Zeitpunkt eingebunden gewesen und kann daher auch nicht beurteilen, inwieweit Wartungsvorschriften eingehalten worden sind oder nicht.
Die Anpassung von Fahrzeugen an technische Vorschriften, die erst nach Auslieferung in Kraft treten, liegt in der Verantwortung des Betreibers. Der Betreiber kann den Hersteller mit der Umsetzung beauftragen. Eine solche Beauftragung an Bombardier Transportation ist nicht erfolgt.

„Die Probleme, die die Berliner derzeit mit dem eingeschränkten S-Bahn-Verkehr haben, sind sehr ärgerlich. Bombardier bietet seit langem seine fachliche Unterstützung bei der Untersuchung der technischen Themen an. Bislang sind wir nicht umfassend in diese Prozesse eingebunden worden. Hier liegt es am Eigentümer der Züge, der S-Bahn Berlin GmbH, die von Bombardier regelmäßig angebotene Unterstützung auch anzunehmen“, sagt Dr. Klaus Baur, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bombardier Transportation Deutschland.

 
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