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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21 – Der Widerstand geht weiter

10.01.11 (Bahnhöfe, Deutschland)

Nach einer kleineren friedlichen Blockade am Nordflügel, an dem eine Starkstromleitung und ein über 2000 Quadratmeter großes Gebäude für die Bauarbeiten errichtet werden soll, trafen sich heute Abend um die 7000 Menschen zur 58. Montagsdemonstration. Die Polizei schätzte 4000 Demonstranten und hat damit die Quote von früher etwa 35 % der Demonstranten-Zählung auf über 57 % erhöht. Wenn das nicht ein Beweis für Lernfähigkeit ist?  😉

Man unterschätze die Schwaben nicht! Diejenigen, die glaubten, dass man durch eine Schlichtungsfarce den Widerstand dauerhaft brechen könnte, haben nicht mit der Dickköpfigkeit, dem Kampfgeist, der Intelligenz und dem nicht ganz so positiven Hang zur Rechthaberei der Schwaben gerechnet. Die Zeit bis zur Landtagswahl rast nur so dahin. Und der Protest und der Widerstand werden wieder wachsen, weil die Bürger gemerkt haben, dass sie von Geißler und den Vertretern von Landesregierung und Bahn systematisch verarscht wurden. Denn die Bauvorbereitungen gehen unvermindert weiter.

Viel Hoffnung auf die längst fällige politische Wende in Baden-Württemberg mache ich mir allerdings nicht. Die SPD hat sich auf die Rolle der Partei versteift, die nichts mehr kapieren will und wie ein roter, erschlaffter Luftballon irgendwo weitab von den Wählern und der Realität und den Stimmungen der Bürger dahintreibt, um irgendwann in einem Zweig kraftlos auf den nahen Tod oder eine steife Brise zu warten. Auch bundesweit. Eine Partei, die keine Stellung bezieht, weil sie keine hat und den neoliberalen Scheiß erst möglich gemacht hat. Wenn das Hirn erweicht und der Machtinstinkt gewichen sind, reichen auch keine Organspenden mehr für ein besseres Image.

Die Grünen werden ihre Chancen nutzen. Sie haben ein paar clevere Strategen und Haudegen und vor allem das Know-how zu Stuttgart 21 und K21. Aber versprechen werden sie nichts, weil sie nicht wissen, ob sie es halten können. Und in den politischen Niederungen des Landes, etwa Oberschwaben und Südbaden, wo schon ein einfacher SPD-Wähler als Beinahekommunist verteufelt wird und in kleinen Orten als Aussätziger bekannt ist und von den barocken CDU-Gläubigen auch so behandelt wird, werden die Bürger jene Abgeordneten wählen, die sich „Fortschritt“ und „Sicherheit“ auf die Stirn gemalt haben und den schwarzen Anzug der CDU tragen – mit einer roten Krawatte verschönert, um dem Stillstand und der Rückwärtsgewandtheit mehr Dynamik zu geben.

Es ist noch alles offen, und so, wie der Stern des Geschichtenerzählers Grube sinkt, wird hoffentlich der Stern des Interims-Ministerpräsidenten und Autokraten ohne demokratische Verankerung weiter sinken, über den man alles sagen kann, nur nichts Positives.

Baden-Württembergs Polizei scheint lernfähig zu sein. Einzelne Stuttgarter Redakteure sind es neuerdings auch, sofern es nicht in Feierabendarbeit ausartet, es draußen nicht zu kalt ist und die Recherche (sogar in der Schweiz!) möglichst per Telefon erledigt werden kann.

Na also, es geht doch.

 
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