Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Ziehen Sie nie die Notbremse! Drücken Sie keine Knöpfe!

02.01.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Personenverkehr)

DB Regio NRW ist mir ein ständiger Quell der Freude, denn ich darf ihre Züge häufig benutzen.

Ohne einen Blick ins Internet oder iPhone sollte man im Rhein-Ruhr-Gebiet und Rheinland jedoch nicht fahren. Denn Ausfälle und Verspätungen sind an der Tagesordnung. So auch kurz vor Weihnachten, als die Fußball-Entertainment-Branche es eine gute Idee, mitten im Weihnachtstrubel abends ein Fußballspiel in Köln durchführen zu lassen. Ich musste auch nach Köln und machte den Fehler einen RE aus dem Ruhrgebiet zu benutzen. Ein auch in der 1. Klasse völlig überfüllter RE rollte ein und blieb gut 10 Minuten stehen, weil auch die Polizei, die dann einen IC nach Köln nahm, nicht alle Fahrgäste daran hindern konnte, in die Sardinenbüchsen einzusteigen.

Der gewaltige, aber noch friedliche, weil nicht nennenswert angetrunkene Rest der Fußballfans landete dann mit mir und etlichen verzweifelten, schwer bepackten Weihnachtsgeschenkekäufern im gut 5 Minuten später folgenden nächsten RE, der wegen guter Beladung oder mangelnder Fahrkunst des Triebfahrzeugführers drei Wagenlängen zu spät zum Stehen gekommen war. Es macht wahnsinnig Spaß, mit 200 Leuten hinter einem Zug herzurennen. In Leverkusen dann die Durchsage, dass wir wegen „Personen im Gleis“ – vermutlich irren Fußballfans – in Köln-Deutz nicht weiterfahren könnten. Das galt auch für den am anderen Bahnsteig stehenden IC mit der Polizei in Kampfuniform, die mir seit dem 30.9. in Stuttgart äußerst suspekt ist, obwohl ich bis dahin eine neutrale bis positive Einstellung zur Polizei hatte.

Regionalverkehr in Düsseldorf: Selbst die 1. Klasse ist zum Bersten gefüllt, während Fahrdienst und Polizei recht hilflos darum baten, nicht mehr einzusteigen, weil der Zug wegen Überfüllung nicht abfahren könne (Foto am 22.12.2010: FW)

Nach einigen Minuten dann die freudestrahlende Information, dass der RE an Köln vorbei nach Hürth umgeleitet werde, um dann seine Fahrt nach Koblenz fortzusetzen. Mein Termin, für den ich 90 Minuten früher aufgebrochen war, schien knapp zu werden. Wie es der Teufel will, war der natürlich verspätete Zug zurück nach Köln vor zwei, drei Minuten abgefahren und der 30 Minuten später folgende Zug der Mittelrheinbahn nicht nur knackevoll, sondern zusätzlich gut 10 Minuten verspätet. Nur die Erfahrung, mal in einem gut beleuchteten, leisen Siemens-Desiro mit genügend Sitzabstand zu fahren, entschädigte etwas. Nach insgesamt 2 Stunden hatte ich die Strecke Düsseldorf – Köln bewältigt und meinen Termin grandios verpasst. Danke, DB Regio NRW!

Zu den nervigen Begleiterscheinungen im doppelstöckigen Regional-„Express“ gehörte ein in zufälligem Abstand erklingendes Da-dü-da, das der Zugbegleiter als Alarmsignal aus der Toilette des Steuerwagens interpretierte. Da hatte jemand – im Zweifelsfall die jederzeit ihre knappe Intelligenz austestenden Fußballfans – die Ruftaste gedrückt, deren Warnsignal sich angeblich vom Zugführer (ein zweiter „Kundenbetreuer im Nahverkehr“ hatte sich auf dem Führerstand versteckt) nicht abschalten ließ und die Fahrt verschönerte. Sehr zur Freude von anderen Fahrgästen, die noch eine längere Fahrt vor sich hatten.

Wie gut gewartet die DB-Regio-Züge in Nordrhein-Westfalen sind, erfuhren Fahrgäste bereits im September 2010. Damals steckten sie in Duisburg Hbf fest. Der Westen zitiert den Bahnsprecher: „Durch die Betätigung der Notbremse sei ein technischer Defekt in der Lok entstanden, der eine Weiterfahrt unmöglich machte. Wegen des Defektes seien schließlich auch alle Türen aufgesprungen.“

Schwacher Trost: Gegenüber der erneut teilweisen Betriebseinstellung der von der DB ausgelutschten S-Bahn Berlin geht es uns noch gut.

Obwohl: Ein Eisenbahner kommentiert hier und überrascht uns nicht wirklich:

„Als Eisenbahner kann ich Ihnen versichern: DIE BAHN IST KAPUTT!!!

Begreift es doch endlich! Und die Berliner S-Bahn ist am Schlimmsten dran, weil dieser unsägliche Schrott namens 481 eingekauft wurde von Leuten, die zwar arrogant waren und eine Parteikarriere hinter sich hatten, aber mit der gestellten Aufgabe vollkommen überfordert waren.

Das, was wir Eisenbahner vor 15 Jahren vorhergesagt haben, ist eingetroffen.

Und in der Bahn haben nun keine „dickärschigen Beamten“ mehr das Sagen, sondern smarte Manager! Schauen Sie sich die Typen doch an, wenn sie Interviews geben !!!! Das sind die Typen, wegen denen Sie draußen stehen !

Und mit den S-Bahnern an der Basis haben Sie bitte Mitleid. Wenn einer nichts für die ganze Schei.. kann, dann der Fahrer oder das Rotkäppchen. (Anm: Er meint den Fahrdienstleiter, auch wenn es nicht mehr viele gibt.)

Und als Mann, der hinter die Kulissen blickt kann ich nur sagen: Das Schlimmste kommt erst noch!“

Ich fürchte, er meint nicht nur die Berliner S-Bahn.


 
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