Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Brisantes zum 30.9.2010 und Fotos von gestern

20.02.11 (Bahnhöfe, Deutschland, Eisenbahn, Marginalien)

Arroganz ist die Kunst, auf seine eigene Dummheit stolz zu sein. Das ist ein Spruch, den man Herrn „Dr.“ kw* von und zu Guttenberg nachrufen möchte, der die Copy&Paste-Tasten beim mühsamen Schreiben seiner Dissertation wahrscheinlich in Trance oder versehentlich im Schein einer Kerze im dunklen Schloß betätigt haben muss. Obwohl es höchstwahrscheinlich ein gedungener Schreiber war, der sich die schwere Arbeit ein wenig leichter gemacht hat. So dumm kann ein echter Doktorand nicht sein, wie es uns Guttenberg vorzumachen versucht. Sein militärisch straffer, Barschel-artiger Auftritt vor ausgewählten Kameraleuten zeugte nicht nur von völliger Unfähigkeit zu Demut und Einsichtigkeit, er zeigte auch, dass jener feine Herr – von angeblich weiten Teilen der Bevölkerung wegen seiner Eloquenz immer noch für integer und „einer der wenigen fähigen Politiker“ gehalten – in einer Parallelwelt lebt wie ein Teil der baden-württembergischen Unternehmer und Politiker. In einer Parallelwelt, in der man sich seine eigenen Regeln macht, fernab von Gesetzen, anerkannten Verhaltensregeln und Moral. Auf die, die sich das gefallen lassen, schaut man mit Verachtung hinunter, schließlich sind es die dummen Wähler, ohne die man nicht so weit gekommen wäre.

Arroganz ist die Kunst, auf seine eigene Dummheit stolz zu sein. Das steht auch auf einem Plakat, das Thomas Igler gestern fotografiert hat. Die Bilder zeigen, wie er per Twitter richtig bemerkte, dass die gestern von mir mutwillig und aus Sarkasmus mit 15.000 zu niedrig geschätze Teilnehmerzahl nicht stimmen kann. Es waren mehr. 39.000 zählten die Organisatoren. Trotzdem kam die Polizei zufällig auch auf meine erfundene Zahl, weil sie offensichtlich dem politischen Auftrag folgt, Teilnehmerzahlen grundsätzlich viel zu gering anzugeben.

Alle Fotos sind zu sehen, wenn man hier klickt. Die vielen Sprüche sind kreativ und zutreffend, die Fotos von selbernannten renitenten Rentnerinnen und anderen Demonstranten belegen die Ironie und die abgrundtiefe Geringschätzung von Leuten wie Mappus mit seinem Sonnenkönig-Gehabe. Aber er ist ja auch kein Schwabe, sondern ein Badener. Auch das junge Mädel in Clownsverkleidung, das später wegen angeblich illegal angebrachter Aufkleber (eine Schwerverbrechen) von der Polizei durchsucht wurde, ist zu sehen. Zusammen mit zwei Jugendlichen, die wie sie Seifenblasen in die Luft pusten. Stuttgart 21 ist eine Seifenblase. Solche subtilen nonverbalen Aussagen sind momentan staatsgefährdend in Baden-Württemberg, wo die Dummheit und die Arroganz regieren. Aber darauf sind einige ja ganz stolz.

In meinem gestrigen Beitrag ging vielleicht etwas unter, dass sich dahinter ein brisanter Bericht zu den Vorgängen um den 30.9. verbarg. Deshalb noch einmal der Link zu den Kollegen von Bahnaktuell und hier die wichtigsten Feststellungen von Parkschützer Thomas Pollmann:

  1. Es waren 30 Zivilbeamte der Bundespolizei und eine nicht genannte Anzahl an Landespolizisten in Zivil beim Einsatz am 30.09.2010 von Beginn an dabei.
  2. Bis zum 3. Oktober 2010 hatte sich im Rahmen des Einsatzes kein Polizeibeamter dienstunfähig gemeldet, d.h. es gab am 30.9.2010 keine verletzten Polizisten.
  3. Zudem wurde ich darüber informiert, dass bei der Polizei fieberhaft in den vielen Stunden Filmmaterial nach Bildern gesucht werde, um im Rahmen einer öffentlichen Erklärung die angebliche Gewaltbereitschaft der Demonstranten zu beweisen. Da sie aber bisher praktisch nichts fänden, verzögere sich das immer mehr.

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    *kw = kann wegfallen. Ausdruck aus Stellenplänen der öffentlichen Verwaltung, wenn eine Stelle nicht wiederbesetzt werden soll.

    Ein Kommentar

    • 1
      Tim:

      Am 27.3. ein Wahlergebnis wie heute in Hamburg wäre die einzig richtige Antwort!

     
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