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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Das Sicherheitsrisiko Stuttgart 21

06.02.11 (Bahnhöfe, Deutschland)

Im laufenden baden-württembergischen Wahlkampf manövriert sich zwar Ministerpräsident Mappus ins Aus, weil er über das Parlament hinweg EnBW-Aktien für schlappe 5 Mrd. Euro kaufen will und nun auch noch zwei (Noch-)Landesminister zu Aufsichtsräten gemacht hat. Justizminister Ulrich Goll (FDP) und Staatsminister Helmut Rau (CDU) sollen für die Landesregierung in den Aufsichtsrat der EnBW einziehen, meldete die Stuttgarter Zeitung. Rau und Goll haben den Alleingang des Autokraten Mappus ja auch verteidigt. Man sorgt vor. Schließlich könnte es ja sein, dass der Mann am 27. März in den Orkus der Geschichte gespült wird. Und dann ist es gut, wenn man sich rechtzeitig andere Einnahmequellen erschlossen hat. Der unerträgliche Filz in Baden-Württemberg wird schon dafür sorgen, dass Mappus weich fällt, falls er fällt. Leider ist das noch keineswegs sicher, weil viele Wähler glauben, dass Stuttgart 21 zwar keine besonders gute und ziemlich teure Lösung ist, die ja irgendwelche Steuerzahler von außerhalb des Ländles bezahlen, aber schon nicht so schlimm werden wird.

Doch! Abgesehen von den geradezu irrwitzigen Kosten für den mitwillig geplanten Engpass ist Stuttgart 21 ein Machwerk übelster Sorte. Von den Tunneln in schwierigstem Gelände abgesehen, wo die Bahn Höhlenforschern einen Maulkorb verordnen will, wenn sie beim Tunnelbau aufbrechende Höhlen besichtigen wollen, ist Stuttgart 21 ein gebautes Sicherheitsrisiko. Im Falle eines Brandes ist mit Hunderten von Toten zu rechnen. Das ist mit gesundem Menschenverstand leicht vorhersehbar, wird aber in krimineller Weise in Kauf genommen.

Logikus, wie sich der Ingenieur nennt, hat sich die Mühe gemacht, die vielfältigen Sicherheitsrisiken aufzubereiten. Sie können Sie auf seiner Seite und auch unter diesem Link Sicherheit S21 abrufen. Neuralgische Stellen schon im Normalbetrieb sind die wenigen Aufzüge, weil sie langsam sind und eine geringe Beförderungskapazität haben. Das verlängert die Wartezeiten vor den Aufzügen, die erfahrungsgemäß viel zu klein sind und häufig ausfallen (in Düsseldorf-Bilk schon wieder seit über einer Woche!) und macht die Tiefbahnsteige zur Todesfalle für Mobilitätsbehinderte oder Menschen mit viel Gepäck und Kinderwagen.

Weil man den Sargdeckel des Bahnhofs, der ja sieben Meter aus der Parkrasenfläche herausragt, „schön“ haben wollte und nur mit ein paar monströsen „Lichtaugen“ bestücken will, kam der Architekt nicht auf die naheliegende Idee, feuersichere Rettungsfahrstühle einzuplanen, welche Eingeschlossene im Notfall bis an die Oberfläche bringen. Klar, sowas kostet Geld, und bei der Sicherheit wird bei der Bahn, wie wir wissen, schon mal gespart. Die Menschen nur über die sehr hohen Treppen zu den Fußgängerbrücken nach oben zu lassen und dann unter dem verqualmten Bahnhofsdach ersticken zu lassen, zeugt nicht von Weitsicht. Zumal ich bei dem „bestgeplanten Projekt“ der Deutschen Bahn größte Zweifel habe, dass die beteiligten Tunnelprofessoren, die Risse gern mal mit Kunstharz verschließen, auch nur einen einzigen Gedanken an Luftströme in den acht Tunnelröhren verschwendet haben und wie sich solche Strömungen auf einen Brand auswirken würden. Leichtsinn, Dummheit, Überheblichkeit und kriminelle Energie bilden bei Stuttgart 21 eine explosive Mischung. Für Bahnreisende könnte sie tödlich sein.

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