Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Deutsche Verspätungsbahn

11.02.11 (Bahnhöfe, Deutschland, Personenverkehr)

Offenbar sind die internen DB-Anweisungen verhallt, sich um Pünktlichkeit der Züge zu bemühen. Meine Regionalexpresszüge fahren in der Regel mit 10 bis 15 Minuten Verspätung, nachdem sie im Januar wochenlang auf die Minute pünktlich waren. Dafür gibt es eine „Serviceverbesserung“, wie ich sie noch nie erlebt habe: Täglich wird rigide kontrolliert. Die DB-Kontrolleure fallen mindestens zu zweit ein, begleitet von ein bis zwei „Kundenbetreuern im Nahverkehr“. Erwischt haben sie nach meinen Beobachtungen in den vielen Zügen noch niemand, weil es alles Pendler mit Jahreskarten und Studenten und Schüler mit entsprechenden Tickets sind.

Aber wahrscheinlich dient diese nervige Kontrolloffensive der Umsatzgenerierung für die teure Flugzeugwerbung, denn im Nahverkehr lohnt sich der Aufwand am ehesten. Theoretisch wenigstens. Immerhin erhält oder schafft die Maßnahme Arbeitsplätze…

Doch zurück zur Verspätungsoffensive vom Dezember. Die Stiftung Warentest hat sie in eine Grafik gemeißelt, wie sie kaum peinlicher sein könnte für die Logistikspezialisten im Elfenbeinturm Bahn-Tower: Berlin war demnach mit 80 % mehr als 5 Minuten verspätete Zügen der übelste Bahnhof der Bundesrepublik. Ein Durchgangsbahnhof und erst ein paar Jahre alt, wohlgemerkt. Wenn DB-Vorstände und ihre Bodyguards mal ein wenig Zeit auf Berliner Bahnsteigen verbracht hätten, wäre ihr Ehrgeiz gewiss größer, daran etwas zu ändern.

Kassel-Wilhelmshöhe und Frankfurt Flughafen, beide keine Bahnhöfe aus glorreicher Länderbahnzeit, waren im Dezember mit über 70 % verspäteten Zügen kaum besser als Berlin.

Stuttgart Hbf, einer der am genialsten geplanten und hervorragend funktionierenden Kopfbahnhöfe, hob sich mit „nur“ 55 % verspäteten Zügen wohltuend von den anderen Bahnhöfen ab.

Und so einen Bahnhof will die Deutsche Bahn kaputtmachen?

Die Unfähigkeit der DB-Vorstände und ihrer Claquere ist grenzenlos.

3 Kommentare

  • 1
    Daniel Weigelt:

    Na ja, was soll man noch groß dazu sagen… Auf der Strecke Wien – Prag – Dresden – Berlin war der EC bis Dresden auf die Minute pünktlich, danach hat er zwischen Dresden und Elsterwerda fast 30 Minuten Verspätung zusammengebummelt.

  • 2
    A. Sydow:

    Von einem selbsternannten Fachjournalisten hätte ich dann doch eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet. Man hätte sich ja einmal mit den Verspätungsgründen beschäftigen können, welche die Stiftung Warentest auch auf ihrer Seite auflistet. Hat nämlich in den wenigsten Fällen etwas mit dem BAHNHOF zu tun.
    Aber hier geht es ja wieder mal nur um Meinungsmache.

    PS: Nein, ich bin kein Befürworter von S21.

  • 3
    Friedhelm Weidelich:

    Meinen Sie diese Verspätungsgründe (Auszug aus Warentest-Seite): Als Gründe für Zugverspätungen nennt die Bahn neben der Witterung häufig „Störung am Triebfahrzeug“, „Signalstörung“, „Weichenstörung“ oder „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Das aber zeigt: Die Bahn muss dringend Geld investieren, um die Züge und das Streckennetz zu modernisieren.

    Es geht hier nicht um Meinungsmache, sondern um die Folge einer seit Jahren völlig verfehlten Bahnpolitik, sowohl von Seiten des Bundesverkehrsministeriums als auch den Vorständen der Deutschen Bahn. Dafür gibt es keine Entschuldigung, oder halten Sie die genannten Verspätungsquoten für tolerierbar? Ich nicht.

    Für Meinungsmache sorgt die Deutsche Bahn schon selbst. Leider sehr selten im positiven Sinn.

 
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