Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Frau Gönner und der Hybrid-Fortschrott

12.02.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Eisenbahn, Hybridlok, Personenverkehr, Schweiz, Strecken)

Einzige Einstellungsvoraussetzungen für Minister sind bundesweit nur die innerparteiliche Profilierung und das Parteibuch. Und so wundert es auch nicht, dass in Baden-Württemberg eine Dame die Verkehrsministerin zu spielen versucht, die so gar nicht vom Fach ist und mit ähnlich großem Talent schon Sozialministerin, Umweltministerin und Behindertenbeauftragte gemimt hat.

Ich bin sicher, dass sie Lokomotive und Bus unterscheiden kann und auch die fachliche und juristische Abgrenzung von Gleis und Straße verinnerlicht hat. Was ja schon mal eine gute Grundlage für Tanja Gönners Werben und Wirken in einem Bundesland ist, das mit ähnlichen Machtstrukturen regiert wird wie Ägypten noch bis gestern.

Nun hat Gönner eindrucksvoll in der sogenannten „Schlichtung“ bewiesen, dass sie die Sätze, die ihr ihre Berater auf den Notebook-Bildschirm geschickt haben, ablesen kann. Der darauf folgende Wortschwall wirkte auf mich jedoch jedes Mal wie Erbrochenes: Man erkennt viele unverdaute Bestandteile und wendet sich angesichts der säuerlichen Präsentation angewidert ab.

Gönners Präsentation baden-württembergischer Verkehrspolitikversuche muss denn auch einen Südkurier-Redakteur so verwirrt haben, dass er sich in solche Sätze verstieg: „In dem Jahrzehnte dauernden Streit über die Anflüge auf den Zürcher Flughafen kündigt Baden-Württembergs Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) an, noch in diesem Monat einen Beirat einzuberufen, der die Notwendigkeit der Nutzung des deutschen Luftraumes prüfen soll.“

In verständlichem Deutsch: Gönners Beirat soll also prüfen, ob die Einflugschneisen des Züricher Flughafens unbedingt über deutsches Gebiet führen sollen. Da gibt es zwar nichts zu prüfen, weil Flugzeuge mindestens 150 km vor dem Ziel in den Sinkflug übergehen und nicht wie ein Stein aus 8 bis 10 km Höhe vom Himmel fallen können. Was man bei besseren Fluglinien sogar auf einem Monitor verfolgen kann. Aber das nur als kleiner Tipp am Rande für den Beirat, der für diese Erfahrung unbedingt einige zehntausend Euro in sommerliche Erkundungsflüge in weit entfernte Regionen stecken sollte.

Ein schönes Beispiel für Gönners Sprachstil gibt der Redakteur weiter unten: „Die Diskussion war so intensiv, dass die Deutsche Bahn genau weiß, dass es besser ist, wenn hier bald wieder Neigetechnikzüge eingesetzt werden.“ Das ist entweder wörtlich mitgeschrieben oder aufgezeichnet und wahrscheinlich sogar die um weitere Nebensätze bereinigte Kurzfassung einer Gönner-Aussage.

Aber jetzt kommt’s:

„Damit Fahrgäste auch künftig, nach dem Bau des Tiefbahnhofs Stuttgart 21, ohne (in Tübingen) umzusteigen durchfahren können, prüfe sie zudem den Einsatz von Hybridloks auf dieser Strecke. Gönner verweist dabei auf erfolgversprechende S-Bahn-Projekte wie zum Beispiel in Hamburg, wo Hybrid-Loks bereits zum Einsatz kommen.“

Da hat Frau Gönner, die Ehrgeizige mit dem Klassenprimus-Auftritt, leider überhaupt nicht aufgepasst. In Hamburg, bei der Hamburger Hochbahn, fahren zwar Hybridbusse von Mercedes, die Brennstoffzelle, Akku und Elektromotor kombinieren. Busse haben aber Gummireifen und fahren nicht auf Schienen, gell, Frau Gönner?

Was die verkehrstechnische Laiendarstellerin mit „Hybridlok“ bezeichnet, ist erstens keine Lok und zweitens nicht hybrid. Denn eine S-Bahn, die ihren Strom mal aus der Oberleitung und mal aus der seitlichen Stromschiene bezieht, ist kein Hybridzug. (Nachtrag: Zum AKN-Hybridzug siehe Kommentare unten – er wäre für Gönners Problem keine Lösung.)

Hybrid bedeutet nämlich, zwei Kraftquellen zu kombinieren. Oder genauer, wie in Wikipedia nachzulesen ist: „Ein Hybridfahrzeug allgemein ist nach UNO-Definition ein Fahrzeug, in dem mindestens zwei Energieumwandler und zwei im Fahrzeug eingebaute Energiespeichersysteme vorhanden sind, um es anzutreiben. Energiewandler sind beispielsweise Elektro-, Otto- und Dieselmotoren, Energiespeicher sind beispielsweise Batterie oder Kraftstofftank.“ Und genau deshalb ist der Toyota Prius mit Benzin- und Elektromotoren auch ein Hybridfahrzeug. Und der Citaro-Bus auch. Gell, Frau Gönner? Froget se dr Zetsche. Där verzehlts Ihne beym näkschte Mol bestimmt nommol gärn. Villeycht baut der Ihna au a Citaro-Teschtziegle mit Ahänger fier dr Dienschtmercedes, dass Se schnellr nach Sigmaringe kommä.

Nun geht es Gönner hier um die nicht elektrifizierte Zollernbahn und die umsteigefreie Verbindung weiter nach Stuttgart, ab Tübingen also mit Oberleitung. Stuttgart 21 ist bekanntlich ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm für Baden-Württembergs rechtschaffene Behörden, die sich beim Nehmen und Geben besonders hervortun, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, der das bisher noch nie aufgefallen ist.

Stuttgart 21 ist darüber hinaus auch ein gutes Beispiel dafür, wie man sich erst Probleme schafft und sie dann mit gewaltigem Aufwand zu lösen versucht. Sonst könnte man ja den Kopfbahnhof beibehalten. Aber da der baden-württembergische Filz ja mit einigen Jahren Abstand die kometenhafte Karriere von Microsoft (Kometen verglühen!) nachvollzieht, ist Stuttgart 21 so etwas wie die Wintel-Allianz, die einst fruchtbare Zusammenarbeit von Windows und Intel. Mit immer größerem Aufwand an Software und Prozessorleistung machte man das am neuen PC, was man immer schon machte: ein Briefle tippen. Das ist so, wie bewaffnet im Hochleistungssportwagen im Stau zu stehen, wie es ein gewisser Ministerdarsteller für sinnvoll zu halten scheint.

Man kann halt auch mit großem Aufwand nicht vorankommen.

Um zur ominösen Hybridlok zurückzukommen: So etwas gibt es von Bombardier, Alstom und anderen und wird mit Brennstoffzellen in den USA im Rangierbetrieb erprobt.

Aber eben nicht in Hamburg. Nun kann man darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, eine teure Hybridlok über die Alb fahren zu lassen oder bis in 25 Jahren, wenn Stuttgart 21 vielleicht betriebsbereit ist, die Zollernbahn zu elektrifizieren. Denn eine Hybridlok hat ja nicht nur die elektrische Ausrüstung einer Ellok auf dem Rahmen, sondern benötigt auch die Ausrüstung einer dieselelektrischen Lok: einen Dieselmotor, Generator, Leistungselektronik, Kraftstofftank und aus ökologischen und ökonomischen Gründen einen Akku, der die beim Bremsen erzeugte Energie speichert. Was grob Kraftstoff-Einsparungen von 20 % bringt.

Der starke Wunsch nach Hybridloks kann aber auch eine typische Politikeraussage sein, dass eine Elektrifizierung der Zollernbahn langfristig nicht vorgesehen ist. Was die überall so kunstvoll eingewickelten CDU-Landräte, ohne jedes Nachdenken allesamt glühende Verfechter des Stuttgart21-Fortschritts, auf der Alb natürlich erst in einigen Jahren merken werden. Die IHK Reutlingen hat ihre Zustimmung zu S21 sogar mit der Forderunng einer Elektrifizierung der Zollernbahn bis Albstadt-Ebingen verbunden, wie dieser Beitrag meldet.

Weil die Züge den Tiefbahnhof Stuttgart 21 schnellstmöglich verlassen müssen, um den in kürzestem Abstand folgenden Zügen Platz zu machen, erfanden die genialen Planer – auch bekannt durch den Auftritt einer Planerin mit großzügig in kleinster Schrift gefüllten Glaubenssätzen – den Kreisverkehr durchs Land. Den braucht zwar niemand, weil Stuttgart Hbf ein Pendlerbahnhof ist. Aber mit 8 Bahnsteiggleisen geht es eben nicht anders. Wie gesagt, Stuttgart 21 schafft Probleme, die man vorher nicht hatte. Zumal auch die Ghostwriter von DB-Vorstand Kefer (der während der Schlichtung ausführliche Antworten veröffentlichte, ohne beim Tippen erwischt zu werden) zugeben müssen, dass ein Kopfmachen im unterirdischen Schrägbahnhof nicht so leicht machbar ist. Im Prinzip ja, aber in Wirklichkeit besser nicht. Weil die Zeit nicht reicht und der Zug bei der Bremsprobe wegrollen könnte, wenn man die Feststellbremse anzuziehen vergisst.

Der erzwungene Landes-Kreisverkehr, von den Straßenplanern und ihren ebenso genialen wie spritfressenden runden dörflichen Ortsausgang-Verschönerungen abgeguckt, würde bedeuten, dass die Hybridloks sinnlos unter der Oberleitung durch Baden-Württemberg herumkurven. Was zur Folge hätte, dass man mehr Loks braucht, sie nur einen Bruchteil ihrer Fahrstrecke mit Dieselmotor fahren und unnötig Gewicht aufs Gleis bringen, was bei den vielen Steilstrecken im Tunnel nicht gerade wünschenswert ist, von den höheren Investitionskosten abgesehen. Die nicht Frau Gönner, sondern der Nahverkehrsbetreiber bezahlt und damit wieder das Land.

Warum dieser Schwachsinn notwendig ist? Weil Stuttgart 21 und die vielen Tunnel nicht von Dieselzügen durchfahren werden dürfen. Wo man keine Probleme hat, macht man sich in Baden-Württemberg eben gern welche.

Ich hätte da einen Vorschlag, wie man sich den ganzen Ärger sparen könnte: Man baut in Böblingen, Kornwestheim, Esslingen, Ludwigsburg und Waiblingen gigantische Umsteigebahnhöfe mit Einkaufszentren (Gönners frühere Freunde von ECE wären mit seiner bewährten Videoüberwachung bestimmt gern dabei) und fährt die Pendler mit tausenden Hybrid-Citaro-Brennstoffzellenbussen von Mercedes durch die Tunnel, womöglich spurgeführt, zum neuen unterirdischen Monument des Fortschritts (Stuttgart 22!) neben dem Bonatz-Bau.

Einen Brennstoffzellenbusbahnhof gibt es noch nirgends!

Wirtschaftsförderung und FORTSCHRITT, der wirklich dem Land nützt! (Fast hätte ich Fortschrott getippt…) Das ganze Schienengelump in Stuttgart käme weg, eine (unterirdische) Ringbahn würde die Umsteigebahnhöfe verbinden.

Für die Probleme mit den Einflugschneisen am Bodensee hätte ich auch eine Lösung. Wenn Frau Gönner bei den Schweizern in ihrer beredten Art dafür wirbt, dass dort nur noch Hubschrauber und Senkrechtstarter starten und landen dürfen, wird man sie am Bodensee und Hochrhein als Heldin feiern und bestimmt erst recht CDU wählen. Bis zum 27. März hat sie ja noch Zeit für ihre Mission im Nachbarland.

Ihre herausragende verkehrstechnische Expertise wird man in diesem traurigen Entwicklungsland des öffentlichen Verkehrs gewiss dankbar akzeptieren.

12 Kommentare

  • 1
    Tweets that mention Frau Gönner und der Hybrid-Fortschrott /// Railomotive -- Topsy.com:

    […] This post was mentioned on Twitter by Jo, Friedhelm Weidelich, Friedhelm Weidelich, Robin Mutbürger, DS and others. DS said: RT @noticiasypunto: Frau Gönner und der Hybrid-Fortschrott #S21 http://bit.ly/i9uvHo Freiedhelm made my day :))) […]

  • 2
    Stefan:

    Eine sehr sehr treffende Charakterisierung unserer „Gold-Tanja“ (liebevolle Bezeichnung der Proler auf Facebook während der Schlichtung. Was wiederum beweist dass man sich die Welt beliebig zurechtfiltern kann) An Schwachsinn ist das Ganze wirklich nicht mehr zu überbieten…

  • 3
    Biene:

    Sehr bissiger Artikel, aber leider in der Sache unrichtig: in und bei Hamburg fährt die AKN mit echten Hybridfahrzeugen, nämlich Diesel auf der Stammstrecke und seitl. Stromabnehmer für die S-Bahn-Strecke. Den folgenden Absatz habe ich aus Wickipedia kopiert.
    Gruß von Biene
    Im Zuge der Bahnreform ab Mitte der 1990er Jahre beteiligte sich die AKN erfolgreich auch an den Ausschreibungen um den Betrieb auf anderen Strecken, die teilweise vorher von der Deutschen Bahn betrieben wurden.

    Seit dem 15. Dezember 2002 fährt die Nordbahn, ein Tochterunternehmen der AKN Eisenbahn AG und der Hamburger Hochbahn AG, auf der von Neumünster bis Bad Segeberg reaktivierten Strecke Neumünster–Bad Oldesloe (HVV-Linie R 11).
    ….

    Seit dem 12. Dezember 2004 fahren Züge der Linie A1 zeitweise über Eidelstedt hinaus bis zum Hamburger Hauptbahnhof, wobei sie die Gleise sowie die Antriebsenergie für ihre VT A-Hybridfahrzeuge aus der seitlichen Stromschiene der Hamburger S-Bahn auf ihrem Weg über Stellingen, Langenfelde, Diebsteich, Holstenstraße, Sternschanze und Dammtor nutzen. Zum 13. Dezember 2009 wurde das abendliche Fahrtenangebot zum Hauptbahnhof eingestellt, lediglich die beiden morgendlichen Durchfahrten werktags sind beibehalten worden.

    Seit Dezember 2005 fahren Züge der Linie A2 morgens von und nachmittags über Henstedt-Ulzburg hinaus weiter bis Kaltenkirchen.

  • 4
    Friedhelm Weidelich:

    Vielen Dank für diese Ergänzung, Biene, das wusste ich nicht. Aber leider muss, wer scharf schießt, auch mal mit Querschlägern rechnen. Leider ist es hier wie bei jedem Fachgebiet: Je mehr man weiß, um so größer erscheinen einem die Lücken, was man alles noch nicht weiß. Ich nehme es sportlich.

    Trotzdem liegt Gönner daneben, denn das ist keine Hybrid-Lösung (und keine Hybridlok) für die Zollernbahn, denn Stromschiene und Dieselantrieb führen hier nicht weiter. Oder will sie auch noch eine Stromschiene von Tübingen bis über Stuttgart hinaus legen? Die AKN-Lösung ist jedenfalls keine umsetzbare für die Zollernbahn und Gönners Geschwätz von einem alles andere als erfolgversprechenden „Test“ ist eine Irreführung der Öffentlichkeit, zumal die Nahverkehrszüge der AKN zwischen den „richtigen“ S-Bahn-Zügen zu langsam waren. Und dann mit sowas über die Tunnel-Steilstrecken und die Steilstrecke auf der Alb?
    Irreführung, blanke Lügen und bestenfalls Halbwahrheiten sind bei Stuttgart 21 ja Systembestandteil.

  • 5
    Bahnfahrer:

    Einfach mal googel bevor man lästert. Die sonst von Stuttgart 21 Gegnern häufig zitierte Schweiz machts vor. Selbst der spanische Schamlspurbetreiber FEVE nutzt Hyprid-Loks. Frankreich greift ebenfalls darauf zurück http://www.monstersandcritics.de/artikel/200741/article_33625.php/Hybrid-Lok_f%E4hrt_durch_Frankreich
    Letztendlich wäre es aber vielleicht dennoch sinnvoller darüber nachzudenken in Tübingen umzusteigen. Die meisten der durchfahrenden Züge werden in Tübingen geteilt, wodurch ohnehin eine längerer Aufenthalt entsteht und es dürte unbestritten sein, dass auf der Strecke Tübingen-Stuttgart Züge mit erheblich höheren Kapazitäten eingesetzt werden müssen, als auf den Strecken nach Sigmaringen-Aulendorf und Rottenburg-Horb.

  • 6
    teobald-tiger:

    Das Frau Gönner jetzt auch für die Bahn das „Hybrid“ erfunden hat, ist schon ulkig. Immerhin wurde damit schon Anfang des letzten Jahrhunderts herum experimentiert. Und heute gibt es keine Diesellok (und Triebwagen) mehr, die nicht „dieselelektrisch“ betrieben wird – also einen Dieselmotor als Generator hat, dessen Strom dann die elektrischen Motoren antreibt – also „klassische“ Hybridfahrzuge. http://de.wikipedia.org/wiki/Diesellokomotive

    Darüber hinaus gibt es noch div. „Sonderformen“ wie diese AKN Triebzüge in Hamburg und anderen Lokomotiven, die je nach Strecke zwischen Strom und eigenem Generator bzw. Zwei/Mehrsystemlokomotiven umschalten können.

    Aber vielleicht meinte Frau Gönner ja auch einen „Exoten“ wie Gasturbinenlokomotiven oder noch besser : die V120, die mit einem dampfgetriebenen Generator fuhr, der wie bei der guten alten Dampflokomotive mit Kohle beheizt wurde 😉
    Oder und nicht zu vergessen der Schienenzeppelin mit einem Propeller – immerhin fast so schnell wie ein ICE (mit kaputten Radscheiben im Winter)!

    Im Grunde hat die Bahntechnik schon alle Formen von Hybridtechnik durchgespielt (auch Brennstoffzelle – aber wegen der „Anfälligkeit“ wieder verworfen)…

    Das aber dieselelektrische Loks/Triebzüge nach S21 fahren werden, halte ich für unwahrscheinlich! Dafür müsste nämlich die Lüftungsanlage entsprechend angepasst werden! Wer eine Diesellok schon mal hat anfahren sehen, weiss wo von ich rede!
    (http://www.youtube.com/watch?v=cNsIR1eG80I&feature=related)

  • 7
    Thomas:

    Noch ein „Querschläger“:
    Beim Fluglärm-Streit um den Flughafen Zürich geht es nicht darum, dass die Flugzeuge im Sturzflug landen sollen (netter Gedanke….), sondern dass es zum Nordanflug über deutsches Gebiet sehr wohl Alternativen, z. B. von Osten oder Süden, über Schweizer Gebiet gibt.
    Um die eigene Bevölkerung – vor allem an der Züricher „Goldküste“ – zu schonen, wurde bzw. wird das von der Schweiz aber immer wieder verhindert und mit Flugverkehrstechnischen Gegebenheiten bzw. Zwängen begründet. Und genau diese Argumentation der Schweizer, dass die vielen Nordanflüge weitgehend „alternativlos“ seien, soll dieser Beirat jetzt überprüfen.
    Ich mag Frau Gönner zwar auch nicht, aber das ist ausnahmsweise mal was vernünftiges; allerdings ist der zitierte Südkurier-Artikel sowieso nur Wahlkampfgetöse für die Bodensee-Region.
    Schöne Grüße aus Ihrer zeitweiligen Heimat Konstanz

  • 8
    Friedhelm Weidelich:

    Schöne Grüße zurück! Ausnahmsweise Vernünftiges schätze ich, gerade wenn es von Frau Gönner kommt. 😉
    Ich würde mich freuen, wenn es ab April an dieser Stelle Politiker gäbe, die nur ausnahmsweise Unvernünftiges tun.

  • 9
    Markus Schweiß:

    Technisch ist ein Hybridtriebwagen ohne weiteres möglich, aber die bisher beschriebenen Beispiele laufen alle mit Gleichstrom (einschließlich die Straßenbahn im thüringischen Nordhausen, die mit Dieselantrieb einen nicht nicht elektrifizierten Abschnitt der Harzquerbahn befährt).

    Für die 15000V 16,7 Hz Wechselstrom der Fernstrecken der mitteleuropäischen Bahnen ist so etwas meines Wissens zumindest in Deutschland noch nicht in Sicht.

  • 10
    Thomas:

    @ Markus Schweiß:
    Stimmt nicht ganz, „in Sicht“ ist schon was:
    Die von Bombardier auf der Innotrans vorgestellte ALP-45 für New Jersey und Montreal ist für Wechselstrom (Details und Link zum Datenblatt siehe http://en.wikipedia.org/wiki/ALP-45DP)
    Wie ausgereift die Loks sind und wie sie sich im Betrieb bewähren, wird sich dann allerdings erst zeigen müssen

    Unabhängig von der technischen Machbarkeit wird ein Hybridfahrzeug jedoch immer teurer und weniger wirtschaftlich als ein reines E- oder Diesel-Tfz sein. Und daher hat es in meinen Augen wenig Sinn, erst den Hbf unter die Erde zu legen, um dann Hybridfahrzeuge einsetzen zu müssen, auch wenn bis zur geplanten (aber hoffentlich nie stattfindenden) Fertigstellung von S21 viele solcher Fahrzeuge auf dem Markt sein werden…

  • 11
    Friedhelm Weidelich:

    Die ALP-45 ist im Prinzip nichts Neues (siehe auch meine Links im Beitrag). Entsprechende Hybridfahrzeuge gibt es natürlich in etlichen Ländern und für Strecken, wo ihr Einsatz einen Sinn hat. Mal mit Stromschiene, mal mit Oberleitung zusätzlich zum dieselelektrischen Antrieb, der in den meisten Ländern, aber nicht in Deutschland, seit Jahrzehnten populär ist.

    Bei Stuttgart 21 spricht dagegen:
    – Man baut einen Bahnhof, der keine Dieselzüge zulässt: Schwachsinn!
    – Hybridantriebe sind schwerer, die Fahrzeuge teurer
    – Es wäre sinnvoller, die Zollerbahn und Horb – Tübinen zu elektrifizieren
    – Durch den erzwungenen Kreisverkehr würdend die Loks weitere Strecken unter der Oberleitung fahren und den Zweitantrieb hier als unnützen Ballast mit sich führen. Das ist unwirtschaftlich, abgesehen von dem unsinnigen „Durchbinden“ von Zügen, die eigentlich nur zu pendeln brauchten.
    – Frau Gönner sprach von dem nicht gerade erfolgreichen, sehr kurzen AKN-Zug, der mit Stromschiene fährt. Das ist absolut keine Lösung für S21.
    – Eine doch immerhin halbstündlich befahrene Strecke wie die Zollernbahn mit Hybridzügen (die verdammt gut motorisiert sein müssten!) zu betreiben, ist wirtschaftlicher Unsinn. Das kann man auf Strecken machen, wo alle 2 bis 3 Stunden ein Zug fährt.

    Um es vielleicht noch einmal an einem Auto deutlich zu machen: Sie wohnen in einer Wohnanlage mit Tiefgarage. Dort sind keine diesel- oder benzinbetriebene Fahrzeuge zugelassen. Dafür kaufen Sie nun mit 3000 Euro Aufpreis ein Hybridfahrzeug, um die letzten 200 m in der Wohnanlage und Tiefgarage elektrisch zu fahren und schleppen 200 kg mehr Ballast herum. Den Elektroantrieb können Sie aber nirgendwo sonst gebrauchen. Wäre das etwa sinnvoll?

    Gönner streut den wenig informierten Bürgern Sand in die Augen. Etwas überrascht es mich schon, dass so viele darauf hereinfallen. Nur weil etwas technisch möglich ist (siehe den inzwischen völlig toten Transrapid!), ist es nicht sinnvoll und schon gar nicht wirtschaftlich. Teure Insellösungen wegen eines schwachsinnig geplanten Bahnhofs sind alles andere als wirtschaftlich und sinnvoll.

  • 12
    Fridunanth:

    Zur Frau Gönners Beredsamkeit hat sich Moliere schon in 17. Jahrhundert geäussert:

    In dieser Kunst zeigt sie sich sehr beschlagen:
    Mit einem großen Schwall von Worten nichts zu sagen.
    Man sucht in dem Geschwätz vergebens nach dem Sinn,
    Es rauscht nur, dröhnt und braust, man hört zuletzt nicht hin.

 
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