Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Siemens zeigt einen O-Bus ohne Oberleitung

27.02.11 (Bahnindustrie, Busse, Europa, Innovationen, Straßen-/Stadtbahnen, Technologien)

Vor zwei Jahren fand der UITP-Kongress mit Nahverkehrsmesse in Wien statt. Als der internationale Verband für Mitte April nach Dubai einlud, dachte er wahrscheinlich an die Chancen, die der Nahverkehr in Nordafrika hat. Von den politischen Umwälzungen ahnte da noch keiner etwas, jedenfalls nicht im Ausland. Sie werden sich höchstwahrscheinlich auf die Besucherzahlen auswirken. So war es nur zweckmäßig, dass Siemens vorab zu einem Pressetag nach Wien einlud um bekanntzugeben, was in Dubai ausgestellt wird.

3D-Simulation der neuen Metro Siemens Inspiro. Zum Fotografieren wurde auf 2D umgestellt, weil man ohne Polarisationsbrille das Bild doppelt sehen würde (Foto: Friedhelm Weidelich)

Darunter wird ein Mock-up des brandneuen U-Bahnzugs Inspiro sein, den die aus vielen Ländern Europas angereisten Journalisten im Siemens-Werk Wien, in dem der Zug gebaut werden wird, immerhin in beinahe fotorealistischer 3D-Darstellung durchwandern konnten. Mit einer Polarisationsbrille, die die Umgebung normal sichtbar lässt, kann man sich in den Führerstand setzen und nach den Bedienelementen greifen. Egal, wie man sich bewegt: Die räumliche Perspektive wechselt. „Sie können sogar unter das Pult schauen“, erläuterte der Siemens-Ingenieur, der mit einem handlichen Gerät, dessen Markierungspunkte von zwei Kameras vor der Rückprojektionsleinwand erfasst werden. Im Konstruktionsprozess lässt sich das Fahrzeug noch detaillierter betrachten. Man kann praktisch in ihm herumkriechen, es von allen Seiten betrachten und hineingreifen. Eine Perspektive, die beeindruckt.

Auf den Inspiro werde ich noch gesondert eingehen. Er hat etliche innovative Details, die ausführlicher beschrieben werden müssen.

Fährt schon seit zwei Jahren mit Energiespeicher und hier mit eingezogenem Pantographen: Siemens Avenio der MST (Foto: Friedhelm Weidelich)

Eine weitere Innovation stellte Jörn F. Sens, CEO Rolling Stock bei Siemens Mobility, vor: den Elektrobus ohne durchgehende Oberleitung. Das System Electric Bus Rapid Transit, kurz „e-BRT“, ist eine innovative und umweltfreundliche Transportlösung mit hoher Nutzerfreundlichkeit. Das noch in der Entwicklung befindliche System wird ohne Oberleitungen auskommen. Es integriert Hochleistungsspeicher und eine intelligente Lade-, Energie-, Rückgewinnungs- und Energie-Management-Technologie. Dafür werden die Busse mit besonders effizienten Energiespeichern ausgestattet, wie sie schon seit zwei Jahren bei einer portugiesischen Straßenbahn im Einsatz sind. Bei der Metro Sul do Tejo bei Lissabon führt ein Avenio Plus von Siemens vor, dass man mit Kondensatoren und schnell ladbaren Akkus auf dem Dach etwa 2 km weit fahren kann und die Energie, die beim elektrischen Bremsen erzeugt wird, speichern und zum Anfahren verwenden kann, was Lastspitzen im Oberleitungsnetz reduziert und vor allem etwa 20 Prozent Energie sparen hilft. Schon damals berichteten Siemens-Ingenieure, dass man sich auf diese Weise eigentlich die Oberleitung sparen könne, denn die Energiespeicher lassen sich in weniger als einer halben Minute aufladen.

Der e-BRT hat gut Lachen: Nur an den Haltestellen zieht der Bus Energie aus der ins Haltestellendach integrierten doppelten Oberleitung (Illustration: Siemens)

So ist nun auch der Plan für das e-BRT. An jeder Haltestelle lädt der Bus binnen 20 Sekunden die Energie, die es braucht, um bis zur nächsten Haltestelle zu gelangen. Diese Zeitspanne ist kürzer als die Zeit, die die Fahrgäste normalerweise zum Ein- uns Aussteigen benötigen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bussen wird die Bremsenergie durch die elektrischen Fahrmotoren in Energie umgewandelt und ebenfalls in den Hochleistungsspeichern gespeichert.

Das e-BRT ist als Null-Emission-System konzipiert, das vor Ort keine Emissionen abgibt und deshalb sauberer ist als die bereits eingesetzen Hybridlösungen, bei der ein gleichmäßig laufender Dieselmotor den Strom im Fahrzeug erzeugt. (Klar ist natürlich, dass die Stromerzeugung an anderer Stelle Emissionen erzeugt.) Die Energieausbeute des neuen Systems ist nach Siemens-Angaben etwa zweimal so hoch wie bei thermischen oder hybriden Lösungen. Das Angebot umfasst auch ein voll ausgestattetes Depot zur Wartung der Fahrzeuge sowie die Haltestellen mit Ladestationen. Die Stationen verfügen über ein intelligentes Energie-Management und steuern die Elektrobusse beim Anfahren an die Haltestelle mit dem hauseigenen Optiguide-System, das den Bus mithilfe von weißen Streifen auf der Fahrbahn lenkt. So wird sowohl ein präziser Kontakt zum Ladesystem als auch das einfache Einsteigen der Fahrgäste auf Niederflur-Ebene erreicht. Siemens will die Busse nicht selbst bauen und bietet die Technologie den Busherstellern auf dem Markt an.

 
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