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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Die unmögliche Müllentsorgung ist schon immer das KO-Kriterium für die Atomkraft

14.03.11 (Allgemein, Japan, Technologien)

In meinem sozialwissenschaftlichen, im Fachbereich Politik „aufgehängten“ Studium an der Universität Konstanz schrieb ich etwa 1973 mit einem älteren, CDU-nahen Kollegen eine Seminararbeit über Atomkraft. Wir kamen damals zu dem Schluss, dass Atomkraftwerke unverantwortlich seien, weil es keine „Entsorgung“ für den daraus resultierenden Atommüll gab. Die Halbwertszeit – also die Zeit, in der sich eine Strahlung halbiert – habe ich von damals noch mit ca. 40.000 Jahren in Erinnerung. Bei Wikipedia finden Sie nähere Angaben. Die bei der Kernspaltung entstehenden Stoffe haben Halbwertszeiten, die zwischen 4,468 Milliarden Jahren und 30 Jahren liegen. Es ist halbierte, nicht erloschene Strahlung.

Damals wurde das Bild eines gestarteten Flugzeugs verwendet, für das noch keine Landebahnen gebaut sind. Denn Atomkraftwerke wurden gebaut, bevor auch nur eine Idee vorhanden war, wie man den unendlich strahlenden Müll unschädlich machen könnte. Denn die „Aufarbeitung“, wie sie in Frankreich und England betrieben wird, erzeugt nur noch mehr Atommüll – und die sinnlosen, teuren Atommülltransporte in bezeichnenderweise „Zwischenlager“ zu Lasten der Allgemeinheit. Denn es gibt keine Endlager. Es wird nie Endlager geben.

Auch heute, 37 Jahre später, gibt es nirgendwo auf der Welt eine Lösung für den über Jahrtausende strahlenden Müll aus Atomkraftwerken. Selbst in der Asse ist schwach strahlender Atommüll bereits nach wenigen Jahrzehnten ein Problem mit der Gefahr der Grundwasserverseuchung. Frau Merkel als ehemalige Umweltministerin wusste das, als sie die Laufzeitverlängerung im Handstreich durchpeitschte. Auch Frau Gönner weiß das, die notwendige Nachrüstungen offenbar zu verschleppen versucht. Trotzdem laufen gerade uralte und gefährliche Meiler wie Neckarwestheim weiter. Oder die rund um den erdbebengefährdeten Rheingraben wie das AKW in Philippsburg. Zum Nutzen der bestens organisierten Lobbyisten des Deutschen Atomforums und der Energieindustrie. Zu Lasten einer unendlichen Anzahl von Generationen nach uns.

Nichts hat sich geändert. Nur die Spitzenpolitiker sind jetzt andere: Dümmer, ungebildeter, skrupelloser, bestechlicher, opportunistischer, verantwortungslose Schwätzer ohne Gewissen. Sie simulieren „Gewissen“, wenn es vor den Kameras opportun erscheint, und machen dann weiter wie bisher. Einige davon sind bloße Architekten der eigenen Macht, teilweise auch käufliche Helfershelfer in der berechtigten Hoffnung, dass ihre Handlungen erst nach ihren Lebzeiten aufgedeckt werden oder bis dahin ohne schmerzhafte persönliche Konsequenzen bleiben. Nein, Volksvertreter sind das nicht.

Nun wird in Talkshows und in Sondersendungen diskutiert, ob es „bei uns“ solche „Zwischenfälle“ wie in Japan geben kann. „Unsere Atomkraftwerke sind sicher“, lügen Betreiber und Politiker. Denn sie wissen es besser, ignorieren aber die Risiken. Sicher sind nur ihre Renten und persönlichen Renditen.

Dabei bedarf es gar nicht dieser Diskussion. Die Atomkraft ist per se ein Risiko für Hunderttausende von Jahren und Generationen, weil der erzeugte Atommüll so lange strahlt und bewacht und immer wieder neu eingeschlossen werden muss. Mit immensen Kosten und Nebenwirkungen für künftige Generationen. Nur der Profit mit den Atomkraftwerken wird jetzt gemacht, vom Staat und seinen idiotischen Politikern subventioniert. Gewinne werden privatisiert, die Folgekosten sozialisiert, also auf die Allgemeinheit abgewälzt. Für Jahrtausende.

Ich warte auf die Journalisten, die dieses Thema endlich aufgreifen und begreifen. Denn die nicht lösbare Entsorgungsfrage ist das KO-Kriterium für jede Art von Atomkraft.

Und deshalb kann es keine politisch und gewinnmaximierende Laufzeitverlängerung geben, sondern Schritt für Schritt und so schnell wie irgend möglich die Abschaltung der vielen alten Atomkraftwerke. Das geht nur mit politischem Druck. Aber es geht. Denn auch die Energieriesen investieren nur in alternative Energieerzeugung, wenn sie mit der alten Atomtechnologie nichts mehr verdienen können, weil sie abgeschaltet wird. Merkels lobbyhörige Laufzeitverlängerung hat diesen Prozess stark verlangsamt. 

 
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