Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Siemens gründet Innovationszentrum für Bahntechnik in GB

24.03.11 (Bahnindustrie, Fernverkehr, Großbritannien, Innovationen, Nahverkehr, Triebwagen)

Ein Siemens-Techniker bei der Wartung der Desiro-Klasse 185 im Depot in Ardwick, Manchester. Insgesamt wartet Siemens mehr als 370 Desiro-Züge für sieben britische Betreiber. (Foto: Siemens)

Siemens gründete jetzt in Großbritannien sein weltweit erstes „Rail Innovation Centre of Competence“, in dem neue Konzepte und Technologien für das internationale Wartungsgeschäft für Schienenfahrzeuge entwickelt werden sollen. Die Nachfrage nach diesen Leistungen steigt: Der entsprechende Weltmarkt soll bis 2016 um mehr als drei Prozent jährlich auf 35 Milliarden Euro wachsen. Damit macht das Servicegeschäft über ein Drittel des weltweiten Gesamtmarkts für den Schienenverkehr aus.

Im „Rail Innovation Centre of Competence“ entwickelt Siemens ab sofort moderne Konzepte und Technologien für die Fernwartung und die sogenannte vorausschauende Instandhaltung von Schienenfahrzeugen. So sind Wartungstechniker in der Lage, die Züge, Bahnen und Lokomotiven sowie deren Leistung kontinuierlich während der Fahrt auf der Strecke zu überwachen, also auch außerhalb der regulären Wartungstermine im Depot. Fernwartung und vorausschauende Instandhaltung erhöhen die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Gleichzeitig senken diese beiden Wartungsmethoden die Servicekosten für den Betreiber, da Service- und Reparaturzyklen genauer bestimmt werden können. Falls die Messdaten aus der Fernwartung auffällig sind, können die Siemens-Techniker eingreifen, bevor es zu einer Störung kommt.

„Mit der Gründung des ‚Rail Innovation Centre of Competence’ reagiert Siemens auf den weltweit wachsenden Bedarf an Serviceleistungen für Schienenfahrzeuge. Wir wollen damit unseren Kunden helfen, den Betrieb der Züge noch effizienter und zuverlässiger zu gestalten“, erklärte Nicholas Kay, Leiter des neuen Innovationszentrums. Der britische Ingenieur ist seit 2007 für Siemens tätig und war zuletzt für die Weiterentwicklung der Desiro-Flotte in Großbritannien verantwortlich, die bereits mehrfach für ihre hohe Zuverlässigkeit ausgezeichnet wurde. Von Großbritannien aus soll Kay nun die Entwicklung neuer Service-Technologien und -Konzepte für Siemens und seine internationalen Kunden voranbringen.

Bereits heute wartet Siemens in den neun britischen Depots (Acton, Ardwick, Crewe, Glasgow Shields, Ilford, Leeds, Northampton, Southampton und York) insgesamt über 370 Züge seiner Desiro-Familie für sieben verschiedene Betreiber. Als einziger Hersteller hat das Unternehmen in Großbritannien für jeden ausgelieferten Zug einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Die Züge der Desiro-Klasse 444, die für den Betreiber South West Trains in London unterwegs sind, wurden für ihre hohe Zuverlässigkeit von der internationalen Fachzeitschrift „Modern Railways“ im Januar 2011 mit dem „Golden Spanner 2010“ ausgezeichnet: Im Schnitt gab es im Jahr 2010 nur alle 89.000 Kilometer einen fehlerbedingten Ausfall eines Zuges der Flotte. Das macht die Desiro-Klasse 444 zum zuverlässigsten Zug in Großbritannien. Weitere Preise für Zuverlässigkeit verlieh die Fachzeitschrift an die Desiro-Klasse 360/2, die in London als Heathrow-Express verkehrt, sowie an die Klasse 350/2, die für London Midland unterwegs ist.

Siemens ist seit über 160 Jahren in Großbritannien präsent und beschäftigt dort mehr als 16.000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in der Entwicklung und Fertigung. Für die Siemens-Division Mobility, die seit 1996 auf dem britischen Markt ist, sind dort rund 1600 Mitarbeiter tätig.

 
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