Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21: Die Deutsche Bahn zahlt praktisch nichts und hat ein AKW-Problem

19.03.11 (Eisenbahn)

Vor einer Woche veröffentlichte ich die Zahlen über die Finanzierung des Bahnhofs Stuttgart 21, die mir eine Parkschützerin geschickt hat. Nun stehen sie auch „Bei-Abriss-Aufstand“.

Äußerst lesenswert ist auch diese neue Broschüre, die bis ins Detail vorrechnet, dass die Stuttgarter pro Kopf mindestens 3000, eher 4600 Euro für den Untergrundbahnhof bezahlen müssen und damit den Löwenanteil der Baukosten tragen. Auch das Land finanziert einen Großteil, während die Bahn und der Bund als Eigentümer der Bahn sogar noch was raus kriegen. Da wundert es nicht, dass sich der Bauherr Deutsche Bahn, der über 15 Jahre lang die Stationsgebühren praktisch ohne adäquate Gegenleistung kassiert hat, auffallend zurückhält.

Rüdiger Grube war es übrigens, der letztes Jahr noch eine Anzeige der Atomindustrie, in der die Laufzeitverlänger gefordert wurde, mit unterschrieb und Kanzlerin Merkel aufgefordert hatte, die Energieversorgung langsamer umzubauen. Nun, ganz Wendehals, ist Grube plötzlich ein bisschen dagegen, wie er in der ZEIT offenbarte: »Ich bin kein Befürworter der Kernenergie«, sagt Rüdiger Grube. »Wenn es möglich wäre, würde ich morgen die Kernkraftwerke abschalten, aber das geht nicht. Wir brauchen einen Übergang. Schließlich stehen wir auch im Wettbewerb mit der französischen Bahn, die zu hundert Prozent Atomstrom nutzt.«

Mal davon abgesehen, dass Grube einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex gegenüber der SNCF pflegt, ist diese Aussage ein Witz. Logik darf man im Umfeld von Merkel nicht erwarten. Wie die FTD berichtet, ist die DB sogar an dem nun endgültig abgeschalteten Uralt-Meiler Neckarwestheim I in geringem Maß beteiligt. Die beiden AKW in Neckarwestheim seien als einzige Atomkraftwerke in der Lage, Bahnstrom mit 16 2/3 Hertz einzuspeisen. Neckarwestheim I hat nach Informationen der FTD 22 % des Bahnstroms erzeugt und wird gerade über den Steuerzahler modernisiert.  Das Kohlekraftwerk in Datteln, das ab 2012 allein 20 % des Bahnstroms erzeugen sollte, geht vorerst wegen Einsprüchen nicht ans Netz.

Davon abgesehen, dass die DB nun anderswo Strom einkaufen muss – ggf. Atomstrom aus Frankreich –, knabbert die jähe Merkel-Mappus-Wende am Gewinn, wie die FTD berichtet: Aus DB-internen Unterlagen von 2010 geht hervor, dass die damals beschlossene Laufzeitverlängerung für AKW dem Unternehmen bis 2015 einen Extragewinn in dreistelliger Millionenhöhe beschert hätte. Zumindest ein Teil davon entfällt jetzt.

Kippt nach der baden-württembergischen Landtagswahl womöglich auch noch Stuttgart 21, hat Grube ein echtes Problem mit seinen Konzern-Gewinnen. Zumal ja auch das Geschäft mit dem Regionalverkehr nicht mehr wie geschmiert läuft.

 
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