Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Der Krake Lebendige Stadt hat immer noch lange Fangarme

04.04.11 (Bahnhöfe, Deutschland, Marginalien)

Die „Stiftung Lebendige Stadt“, ein Lobbyverein des Einkaufszentren-Betreibers ECE (er gehört zum Otto-Konzern), hat weiter illustre Mitglieder.

Wie schrieb die Wirtschaftswoche so schön über ECE: „Als mit der Neugestaltung des Leipziger Hauptbahnhofs 1997 das Centerkonzept im großen Stil in Deutschland Einzug hielt, musste sich die Bahn die Shoppingkompetenz noch von Europas größtem Centerbetreiber, der Hamburger ECE, dazuholen. ECE übernahm das Vermietungsmanagement zahlreicher Großbahnhöfe.“

Interessant ist aber, wer nicht mehr dazugehört: Bei den ehemaligen Gremienmitglieder ist Architekt Christoph Ingenhoven genannt, der die luftigen Zeichnungen von Stuttgart 21 anfertigen ließ, die so gar nichts mit dem geplanten dunklen, engen, menschenverachtenden Tiefbahnhof zu tun haben. Den Rückzug interpretiere ich so: Er hat S21 aufgegeben.

Es würde mich nicht überraschen, wenn wir Nils Schmid (SPD), ebenfalls brennender Befürworter von Stuttgart 21 und offensichtlich ohne Detail-Kenntnisse dieses „Zukunftsprojekts“, auf einer der Mitgliederlisten finden würden.

Tanja Gönner ist allerdings bei den ehemaligen Gremienmitgliedern nicht mehr aufgeführt. Warum wohl? Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) ist aus dem Stiftungsrat verschwunden.

Stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums ist nach wie vor Ex-Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), ein glühender Verfechter des dümmsten Projekts seit dem Turmbau zu Babel. Das ist bisher keinem Redakteur aufgefallen. Ebenso wenig wie die Tatsache, das der neue Regierende Oberbürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz (SPD), im Kuratorium sitzt. Ob der Spiegel oder das Hamburger Abendblatt sich mal dafür interessieren? Ich fürchte, nein.

Stoff für Recherche böte auch der Stiftungsrat: Zu dem gehören u.a.

  • Gregor Bonin, CDU-Beigeordneter der Stadt Düsseldorf, die sich gerade eine Herrenknechtsche U-Bahn- und Straßentunnelorgie und den hässlichen Bau des angeblichen „Stararchitekten“ Libeskind (so die CDU-Postille Rheinische Post, die grundsätzlich jeden „Investor“ bejubelt) leistet
  • Matthias Platzek (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg
  • Lutz Lienenkämper (CDU), Ex-Verkehrsminister von NRW
  • Aygül Özkan (CDU), Ministerin für Soziales, Frauen und Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen

Was tun die da?

Es ist höchste Zeit, dass sich Politik- und Lokalredakteure endlich diesen merkwürdigen Verflechtungen widmen.

 

 
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