Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Der Velaro D im Klimatest – Teil 2

10.05.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Eisenbahn, Fernverkehr, Hochgeschwindigkeitszüge, Technologien, Triebwagen)

Am 1. April erreichten die zwei Wagen des Velaro D die RTA Rail Tec Arsenal Fahrzeugversuchsanlage in Wien. Nach der Vorbereitung des Messaufbaus und des Klimawindkanals begannen die Versuche am 30. April und werden voraussichtlich bis zum 26. Mai. Daran schließen sich drei Tage k-Wert-Messungen an, bevor die Wagen Anfang Juni wieder zurück zu Siemens nach Deutschland kommen. Seit dem 18. April laufen parallel mit einem 8-Wagen-Zug Testfahrten auf der Strecke Nürnberg – Ingolstadt.

Dicke Kabelstränge führen hinaus auf den Prüfstand. Im Fahrzeug liegen weit mehr Kabel. (Foto: FW)

Neben verschiedenen Funktionstests werden Abnahmetest nach EN 13129 und 14813 vorgenommen, die klimatechnische Versuche bei Temperaturen von -25° C bis +50° C umfassen. Die Innenräume werden bei einer relativen Luftfeuchtigkeit bis zu 80 % bei + 22° C, einer Sonneneinstrahlung von 700 Watt/m2 und eine Fahrgastbesetzung von Null bis 100 % getestet, sagte Siemens-Projektleiter Stefan Schellhaus. Zusätzlich muss sich der Zugteil einen Fahrtwind von 250 km/h um die Nase wehen lassen. Die Anlage kann Windgeschwindigkeiten von 300 km/h erzeugen und dient gelegentlich auch als Trainingsraum für Österreichs Skispringer und zum Testen von Hubschraubern bei tiefen Temperaturen. Ein ungenannter Autohersteller optimiert bei RTA regelmäßig seine Scheibenwischer.

Heizdecken auf den Sitzen, Sensoren am Fenster und vor den Sitzen (Foto: FW)

Um atmende Fahrgäste, die eine Wärme von 100 bis 120 Watt abgeben, zu simulieren, erzeugen Verdampfer am Boden des Wagens die entsprechende Luftfeuchtigkeit. Auf den Sitzen liegen Heizdecken, die menschliche Wärme erzeugen. Etwa 450 Sensoren in verschiedenen Höhen messen die Temperaturen und Zugluft.

Verdampfer sind im Gang verteilt (Foto: FW)

Heizdecken und Heizelemente (Foto: FW)

Ein Zugluft-Sensor (Foto: FW)

Etwa 1000 Stunden wird der Test in der Klimakammer dauern, über 1000 Sensoren werden am Ende verbaut sein. Schellhaus hat keine Angst, dass sich bei diesem Zug, der für die Klimazone I und II (Süd- und Mitteleuropa) ausgelegt ist, einmal die Klimaanlagen abschalten. Auch bei extremen Temperaturen werden sie kühlen. Nur ab 45° C reduziert sich die Leistung der Klimaanlagen etwas, so dass die Innentemperatur um drei, vier Grad ansteigen könnte. Damit kann man leben.

Die Techniker spötteln ein wenig über das Karpfenmaul. Im Gegensatz zum ICE 3 muss die Scharfenbergkupplung zum Kuppeln nicht ausgefahren werden, was viele Fehlerquellen ausschließt (Foto: FW)

Die eisbedeckte Klappe schließt sich schnell. Rechts die Gasentladungslampen, die UV-haltiges Licht mit 1000 Watt pro Quadratmeter erzeugen können. (Foto: FW)

Punkt, Punkt, Komma, Strich. Fertig ist das Frosch- äh Karpfengesicht. Entscheidend ist aber die verbesserte Aerodynamik (Foto: FW)

Während die Finger bei Wind und minus 20 Grad fast taub sind, noch schnell eine Eis-Impression vom kurvigen Gefährt der Deutschen Bahn (Foto: Friedhelm Weidelich)

 
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