Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

In Frankreich regiert der Staat mit

25.05.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Frankreich, Verkehrspolitik)

Während Madame Merkel wieder einmal am Parlament vorbei mit der Atomindustrie kungelt und von den Industrieverbänden vor sich hergetrieben wird, zeigt ihr großes Vorbild Sarkozy, dass es auch anders geht. Denn das von Eliten geprägte Frankreich, in dem Journalisten nicht einmal ansatzweise kontrollieren, sondern Bestandteil (oder Opfer) des Systems sind, ist anders aufgebaut. Dort regiert der Staat wie eh und jeh in die Unternehmen hinein – und nicht umgekehrt wie in Deutschland, wo Lobbyisten in den Ministerien sitzen und Gesetze zu ihren Gunsten formulieren. Falsch ist die enge Verquickung von Staat und Wirtschaft so oder so.

Gleich zwei beunruhigende Meldungen kamen gestern aus Frankreich: Der Staat mischt sich wieder stärker in den ehemaligen Staatskonzern Renault ein. Sarkozy will die Macht von Vorstandschef Ghosn beschneiden – ein in Deutschland undenkbarer Vorgang. Hier der Bericht der FTD.

Doch der lange Arm französischer Konzerne und der politischen Elite reicht auch bis nach Deutschland, zu Alstom nach Salzgitter. Am ehemals stolzen Standort von Linke-Hofmann-Busch kämpft der Betriebsrat schon seit Monaten gegen einen gewaltigen Stellenabbau und „Vorschläge“ aus der französischen Alstom-Zentrale, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 40 Stunden anzuheben und das Weihnachts- und Urlaubsgeld zu streichen, wie die Junge Welt berichtet. Denn der Rohbau soll nach Polen verlagert werden. Dort lässt übrigens auch Bombardier fertigen. In einer Qualität, die offenbar so hohen Schwankungen ausgesetzt ist, dass nach Berlin gelieferte Wagenkästen verschrottet werden mussten, wie der Eisenbahn-Kurier berichtete…

Den französischen Konzern macht auch nicht sympathischer, wie er immer noch den Siemens-Auftrag für Eurostar-Züge mit aller Kraft bekämpft. Unser Bundesverkehrsminister-Darsteller, der mangels eines verkehrspolitischem Konzepts gern jedem beliebigen Straßen-, Auto-, Asphalt-, Schifffahrts- und Flugverkehrslobbyisten einen verbalen Gefallen tut, findet das nicht gut, das versteht sich von selbst. Leider wird sein übliches Aufplustern folgenlos bleiben. Aber daran haben wir uns ja schon so gewöhnt wie an die lobbyistengesteuerte Kanzlerin.

 
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