Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Deutsche Bahn will Grundwasser mit rostenden Rohren ableiten

26.06.11 (Bahnhöfe, Deutschland)

Die Ingenieure gegen Stuttgart 21 veröffentlichten heute eine Pressemitteilung. Danach verwendet die Deutsche Bahn beim Grundwasser-„Management“ sprich beim Abpumpen des Grundwassers, das den Bau des Tiefbahnhofs sonst durch Überflutung der Baustelle beeinträchtigen würde, nicht zugelassene Rohre.

Zitat: Hier „handelt es sich eindeutig um handelsübliche Kunststoff-Mantel-Rohre, wie sie zur Förderung von Fernheizwasser eingesetzt werden. Das mediumführenden Innenrohr besteht aus gewöhnlichem Baustahl St 37. Sie verfügen über eine aufgeschäumte PU-Dämmung und einen PE-Kunststoff-Mantel als äußerer Schutzhülle. Die einzelnen Rohre und Formstücke werden durch Lichtbogen-Schweißen miteinander druckdicht verbunden. (Das wäre mit einer inneren Korrosionsschutz-Beschichtung nicht möglich.) Der einzige Unterschied zu den Rohren, wie sie im Fernwärmeleitungsbau üblich sind, besteht darin, dass der äußere Schutzmantel aus PE (Polyethylen) hier blau eingefärbt ist, während die Mäntel sonst sattschwarz sind.

Weiter: „Diese Rohre sind ohne jeglichen inneren Korrosionsschutz (siehe Bilder am Ende) und folglich für die Ableitung des sauerstoffgesättigten Grundwassers nicht geeignet. Sie dürfen nicht eingebaut werden! Die Baumaßnahme ist einzustellen!

„Die Bahn verstößt damit gegen eine ausdrückliche Forderung des Planfeststellungsbeschlusses. Dort heißt es in PFB1.1 / S. 60 7.1.10. Baumaterialien „Baustoffe bzw. Baumaterialien, die bauzeitlich oder dauerhaft im Kontakt mit dem Grundwasser stehen (bzw. bei denen mittelfristig ein Kontakt mit dem Grundwasser nicht ausgeschlossen werden kann), müssen grundwasserverträglich sein. Auf Anforderung des Eisenbahn-Bundesamtes sind für bestimmte Baumaterialien zusätzliche Untersuchungen zur Grundwasserverträglichkeit (z.B. Laboruntersuchungen, Elutionsverhalten, Aufalkalisierung von Grundwasser etc.) durch anerkannte Labore/Prüfinstitute vorzunehmen.“

Die Folgen seien Eiseneintragungen ins Grundwasser und die Gefahr von Eintragungen in Mineralwasserströme. Dazu kämen durch eine Verockerung der Stellen, wo das abgepumpte Wasser wieder in den Boden gedrückt wird, dass diese Infiltrationsbrunnen immer weniger Wasser aufnehmen können. Der Rost schwäche darüber hinaus über Jahre die blauen, auf Ständern geführten Röhren, die unter der tonnenschweren Wasserlast zusammenbrechen könnten.

Das leuchtet alles ein und ist hier im Detail nachzulesen. Es wird die DB aber nicht im Geringsten beeindrucken. Ihr Bevollmächtigter Fricke habe am 27. Mai 2011 im Stuttgarter Rathaus erklärt, dass der vorgeschriebene innere Korrosionsschutz der Rohre „selbstverständlich vorgesehen sei“, beklagen die Ingenieure gegen Stuttgart 21.

Bestimmt hat es nur niemand dem beauftragten Bauunternehmen gesagt. Bei dem bestgeplanten Projekt der DB – oder war es: der deutschen Baugeschichte – kann sowas halt mal vorkommen.    😉

 
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