Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

FAZ: Freie Fahrt für den Ignoranz-Express

03.06.11 (Bahnhöfe, Deutschland, Marginalien, Personenverkehr, Verkehrspolitik)

Die Diskussion über die menschenverachtenden Bahnhofsneubauten und Umbauten in hochprofitable Kommerztempel ohne Bezug zu den Bahnreisenden und Städten kommt endlich in Gang. Wenn sich sogar die Frankfurter Allgemeine mit sehr deutlichen Worten in die Diskussion einmischt, dann wird es eng für die dubiosen Strategen im Berliner Bahnturm, denen alles egal ist, nicht aber die reine und absolute Gewinnerzielungsabsicht der Bahnhöfe, die doch eigentlich uns und dem Staat gehören und der Öffentlichkeit nutzen sollen.

Dieter Bartetzko, der langjährige Architekturkritiker der FAZ, hat heute der Deutschen Bahn einen Beitrag um die Ohren gehauen, der an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig lässt: „Chronische Nachrichten vom aktiengesteuerten Banausentum: Die Deutsche Bahn versagt als Bauherr mit geradezu ungenierter Sturheit. So lässt sie die Bahnhöfe als wichtige öffentliche Räume in architektonischer Beliebigkeit verkommen.“ So heißt es im Vorspann.

Und weiter: „Dass für die Bahn seit langem das Wohl des Unternehmens über allem, auch dem Wohl der Millionen Bahnkunden und dem der Bürger steht, braucht man in Frankfurt niemandem zu erzählen. Schließlich bezeugt Frankfurts Hauptbahnhof, der nicht nur Lokalpatrioten als schönster Gründerzeitbahnhof Europas gilt, drastisch, dass die Bahn sich einzig um die eigenen Belange kümmert und nach Gutdünken mit ihren Bauten verfährt.“

Ich hätte es vielleicht nicht ganz so fein ausgedrückt, aber dass die DB-Vorstände sich für nichts außer Geld interessieren, habe ich in diesem Blog schon immer bedauert. Ignoranten und offensichtlich ungebildet in Sachen Verkehrs- und Baukultur, haben sich Mehdorn, Grube, Zeug und Konsorten in Deutschland als Holzhammer-Führungskräfte profiliert, an denen jedes vernünftige Argument abprallt. Mit Recht ist die Deutsche Bahn das Unternehmen mit dem schlechtesten Image. Und bei der mangelnden fachlichen Qualität dieser Herren wird sich daran auch nichts ändern.

Umso größer wird meine Hoffnung, dass sich Presse und Lokalpolitiker endlich wehren werden gegen diese erbärmliche Arroganz der Ignoranten und Dilettanten bei der Deutschen Bahn. Es ist wirklich Zeit, gegen diese Kulturzerstörer und aalglatten Dummköpfe vorzugehen.

Bartetzkos Fazit ist so richtig wie erschütternd: „All diese Misslichkeiten kristallisieren sich in der Bahnhofsarchitektur, die noch immer, auch wenn die Bahn zunehmend mit ihnen verfährt wie Banausen, die Passbilder der Städte sind. Verstümmeln, flicken, restaurieren oder abreißen je nach Aktienstand: Selbst wenn die Gewinnmargen ins Unendliche stiegen, baukulturell steht die Bahn längst vor dem Bankrott.

Ich würde noch weiter gehen: Sie ist schon bankrott, übt sich aber noch in Insolvenzverschleppung. Bei Stuttgart 21 wird sie gerade trickreich praktiziert.

 
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