Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Management übernimmt Modelleisenbahn Holding GmbH

14.06.11 (Modellbahn)

Vlnr: Johannes Steinparzer, COO, Roland Edenhofer, CFO, Leopold Heher, CEO (Foto: Modelleisenbahn Holding)

Online seit 14.6.2011, 14 Uhr, ein paar Stunden vor Ferpress.  😉

Es ist viel geschrieben und gesendet worden über die Rolle des Raiffeisenverbands Salzburg bei der Insolvenz von Roco, dem lange Zeit innovativsten und kundennahesten Unternehmen der Modellbahnbranche. Nun zieht sich die Bank zurück, das gegenwärtige Management kauft ihr das Unternehmen, zu dem auch Fleischmann gehört, ab. Hier die Original-Pressemitteilung, die bemerkenswertesten Sätze und Begriffe habe ich blau markiert:

„Das Management der Modelleisenbahn Holding GmbH erwirbt von der Model Railway Holding AG in Form eines Management-Buy-outs 100 Prozent der Marken Fleischmann und Roco. Das teilten die drei beteiligten Manager Leopold Heher (CEO), Roland Edenhofer (CFO) und Johannes Steinparzer (COO) heute, Dienstag, 14. Juni 2011, am Unternehmenssitz in Bergheim bei Salzburg mit. Die Übernahme wird mit 30. Juni 2011 wirksam.

CEO Heher sagte, das Management wolle mit der Übernahme der Eigentümerschaft den Sanierungserfolg nachhaltig absichern. Aufgrund der genauen Kenntnisse des Unternehmens und der langjährigen Erfahrung in dieser Branche habe man sich dazu entschlossen und ein entsprechendes Angebot gelegt. „Wir haben als verantwortliche Manager nach dem Erwerb von Fleischmann diese Unternehmensgruppe saniert. Die Bilanz 2010 zeigt folgerichtig erstmals schwarze Zahlen über alle Unternehmen hinweg. Jetzt geht es darum, die vorhandenen Erfolgschancen zu nutzen. Wir fühlen uns dazu auch gegenüber den 740 Mitarbeitern und unseren mehr als 1.000 Fachhändlern verpflichtet, die unsere positive Entwicklung erst ermöglicht haben.“

Die dem Raiffeisenverband Salzburg nahestehende UBG Unternehmensbeteiligungs GmbH hat – als alleinige Gesellschafterin der Model Railway Holding AG – die Verhandlungen zu diesem Buy-out geführt. Heher: „Wir freuen uns, dass der Raiffeisenverband Salzburg unser Angebot angenommen hat. Die Bank ist in den vergangenen sechs Jahren zuerst Roco und dann Fleischmann in äußerst schwierigen Situationen unterstützend zur Seite gestanden. Sie wird auch in Zukunft die hauptfinanzierende Bank bleiben und unseren Weg begleiten.“ Im April 2011 hatte die UBG die Anteile von Franz Josef Haslberger an der Haslberger Railway Holding AG übernommen und diese anschließend in die Model Railway Holding AG umfirmiert. Über diese im Einvernehmen durchgeführte Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Heher betonte, dass er mit seinen beiden Kollegen ein strategisches Investment eingegangen sei. Die Branche sei nach wie vor schwierig und die Kernmärkte schrumpfend. Die Modelleisenbahn Holding habe aber im Gegensatz zu anderen internationalen Anbietern die notwendige Restrukturierung bereits erfolgreich durchgeführt. Eigentümer, die nahe am Tagesgeschäft agieren, sind in dieser Situation durch Flexibilität und Entscheidungsgeschwindigkeit ein zusätzlicher Vorteil. „Die Marken Fleischmann und Roco sind nach dieser Übernahme optimal auf die aktuelle Marktlage eingestellt.“

Als strategische Zielsetzungen nannte Heher
– das Ankurbeln des weltweiten Exports,
– die Intensivierung des Internetverkaufs in Kooperation mit dem Fachhandel und
– die Repositionierung des Produktes Modelleisenbahn durch Digitalisierung, um neue Spielqualitäten zu erreichen und die Steuerung zu vereinfachen.

Die operativen Grundlagen der Modelleisenbahn Holding, durch die der Sanierungserfolg herbeigeführt worden ist, bleiben auch nach dem Management-Buy-out unverändert.

– Die Modelleisenbahn Holding produziert in internationaler Arbeitsteilung. Die Kernfunktionen Steuerung, Entwicklung und Know-how-intensive Produktion finden in Österreich und Deutschland statt.
– Die getrennt geführten Marken Fleischmann und Roco haben durch ihre Positionierung als hochwertige und innovative Spielware weltweit Entwicklungspotenzial. Die Modelleisenbahn Holding setzt dabei weiterhin auf die Kooperation mit dem Fachhandel.
– Die Finanzierung des Unternehmens ist sichergestellt: Zinsen und Tilgung können aus dem operativen Ergebnis bedient werden. Operativ wird die Modelleisenbahn Holding 2011 so viele Neukonstruktionen auf den Markt bringen wie niemals zuvor. Technologisch liegt der Schwerpunkt auf den digitalen Effekten (Bewegung, Licht, Geräusch) sowie auf einer Verbesserung der Anlagensteuerung. Der Umsatz 2011 wird bei rund 52 Millionen Euro erwartet, was zu einer weiteren Verbesserung bei EBIT und EGT gegenüber 2010 führen wird.

Die Modelleisenbahn Holding GmbH mit Sitz in Bergheim bei Salzburg (Österreich) zählt mit den beiden Marken Fleischmann und Roco zu den wichtigsten europäischen Herstellern in ihrer Branche. Sie hat aktuell 740 Mitarbeiter in vier Ländern und erwirtschaftete 2010 50,7 Millionen Euro Umsatz, ein EBIT von 2,3 Millionen Euro und ein EGT von 1,0 Millionen Euro. Die Modelleisenbahn Holding GmbH verfolgt die Vision, der Qualitätsspielware Modelleisenbahn durch Innovation, Systemerweiterung und moderne Produktionsstrukturen neue Marktsegmente zu erschließen, um den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.“

Nur zwei Anmerkungen zum Modellbahnmarkt:

– Die Überflutung eines schrumpfenden Markts mit mehr Neukonstruktionen als je zuvor mag zwar kurzfristig den Umsatz ankurbeln, ist aber mittelfristig die falsche Strategie.  Die mangels ordentlicher Vorbildrecherche in vielen Details fehlerhaften Neuentwicklungen oder Überarbeitungen haben kaum zum Vertrauen in die inzwischen sündhaft teuren Modelle beigetragen. Eine neue Dampflok der Baureihe 10 mit Geräusch und pulsierendem Dampf aus Zylindern und Schornstein kostet 600 Euro. Der hohe Preis begrenzt die verkäufliche Stückzahl, die wiederum die Stückkosten erhöht. Die Branche leidet schon seit vielen Jahren an Marktsättigung, zu geringen Stückzahlen und überhöhten Preisen.

– Der Trend geht altersbedingt zu größeren Maßstäben, speziell Null (1:43,5, 1:45 und 1:48) und Eins (1:32). Auch Bemo will nun bei Null einsteigen. Würde Märklin eine nachvollziehbare Neuheiten- und Produktionspolitik verfolgen, wären auch Gartenbahnen gut verkäuflich. Die großen Modelle sind zwar vielfach teurer als H0, bieten aber durch Größe, Gewicht und Fahreindruck einen viel höheren Wert als H0 und kleiner. Da sich hier nur viele kleinere Hersteller tummeln, ist der Konkurrenzkampf geringer und das Angebot viel kleiner und meist limitiert, was den Preisverfall reduziert. Zudem ist die heutige Rentner- und Pensionär-Generation noch sehr zahlungskräftig. Jüngere H0-Käufer dagegen müssen sich ihre Modelle aus dem knappen Familienbudget abknapsen, die Modelle nur mit heftigem Wertverlust verkäuflich.

Nachtrag 18.30 Uhr: Auf der Medienseite der Modelleisenbahn Holding ist die Meldung immer noch nicht veröffentlicht. Bei Drehscheibe Online hat man die Meldung endlich entdeckt und bemängelt ebenso wie die Fachpresse die vielen Fehler an neuen Modellen. Vor einem Jahr meldete sich der externe Presseprecher bei mir und bestritt, dass Roco auch in China produziert (obwohl ich das von verschiedenen Insidern bestätigt bekommen habe). Die DSO-Diskutierer haben das gerade neu thematisiert und es gibt laut Aussagen eines mit den chinesischen Produktionsstätten sehr vertrauten Fachmanns klare Indizien, dass zumindest Teile des neuen VT 12.5 wie etwa die Leiterplatten von Sanda Kan kommen.

 
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