Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Rüdiger Grube: Treffen wir ihn bald an der Klagemauer?

15.06.11 (Bahnindustrie, Deutschland, Marginalien)

Man muss sich schon fragen, was Rüdiger Grube dazu bewegt, sich wie der irre Käptn Ahab auf die Grünen zu stürzen. „Volksverdummung“ und „Wählertäuschung“ wirft der hanseatische Ehrenmann Ministerpräsident Kretschmann vor. So redet jemand, der im Wa(h)lkampf ist. Im Kampf um sein eigenes Amt, denn das Maß dürfte langsam voll sein bei einem durch und durch glücklosen Manager, der das seit Mehdorn schlechte Image der Deutschen Bahn durch Unterlassen essenzieller Maßnahmen auf immer neue Tiefpunkte gebracht hat.

Atomfreund Grube, da darf man sicher sein, wird in die Annalen eingehen als verbaler Kraftmeier, der sich erfolglos mit der Bahnindustrie, der SNCF und den Grünen angelegt hat und den ihm anvertrauten Laden weiter heruntergewirtschaftet hat. So weit, dass die Deutsche Bahn heute als das unsympatischste deutsche Unternehmen dasteht. Ein Staatsunternehmen, das von ihm wie sein Eigentum angesehen wird, aber nicht von ihm reell geführt wird, weil Grube eben nichts anderes kann als mit erhobenem Zeigefinger auswendig gelernte Sprechblasen abzusondern und von Zügen im Ausland zu schwadronieren. Zu kraftvollen Entscheidungen ist dieser verkrampfte, ängstlich schauende und sichtlich gealterte Wicht nicht fähig, er spielt lieber den starken Mann in den Medien. Vor allem bei den konservativen, die samt eines Teils ihrer Leser so naiv sind, ihn nicht als erfolglosen Wichtigtuer und eine Niete in Nadelstreifen zu durchschauen. Grube ist vollkommen überfordert von seiner Aufgabe. Und er weiß, dass er bei Stuttgart 21 gegen die strategisch klügeren Grünen Kretschmann und Hermann verloren hat. Nun ist er ganz allein am Zug und trägt die Verantwortung für das Irrsinnsprojekt Stuttgart 21. Deshalb schlägt er so um sich.

Bei ihm sind immer die anderen schuld: die Bahnindustrie, das Eisenbahnbundesamt, die Medien, die staatlich gelenkte SNCF, die Grünen, die kämpferischen Schwaben, die um ihre Stadt und ein Milliardengrab fürchten. Notfalls ist es auch der kleine Bahnmitarbeiter, der für miserabel gewartete Klimaanlagen und den allerorts sichtbaren Mangel an Wartung, Pflege und Ersatzbeschaffung geradestehen muss. Von den nicht ernstgenommenen, für schlechte Leistung teuer bezahlenden Fahrgästen einmal abgesehen. Verrottete Bahnhöfe eingeschlossen.

Käptn Ahab wollte sich für ein verlorenes Bein beim weißen Wal rächen. Er ging mit ihm unter, wie jeder weiß. Auch den Wüterich Grube muss wohl so ein Verlust antreiben, den er nicht verwunden hat. Es kann auch sein kleines Ego sein, das sich so unsachlich aufplustert, weil er strategisch und inhaltlich überfordert ist. Vielleicht ist er auch in einem Netz gefangen, das die Immobilienhaie und möglichen Nutznießer ausgelegt haben. Grube steht unter einem gewaltigen Druck. Und den lässt er seine vermeintlichen Gegner jetzt spüren.

„Wenn jemand dieser Pflicht zur Förderung des Projekts nicht nachkommt, den muss ich dann verklagen“, sagte Grube nach Zeitungsberichten. Wen, wo, wann? Wegen eines sittenwidrigen Vertrags ohne Rücktrittsklausel auf der Basis gefälschter Zahlen? Treffen wir Grube, außer sich, bald mit einem Zettel an der Klagemauer? Oder als ausgerastetes Individuum, das den Südflügel mit Fusstritten bearbeitet?

Man muss sich inzwischen fragen, wie lange dieser irrlichternde Vorstandsvorsitzende noch zu halten ist: Ein die Atomkraft liebender Un-Demokrat, der nicht zum ersten Mal das grundgesetzlich garantierte Demonstrationrecht als hinderlich für seine Ziele sieht, die ganz gewiss nicht die Ziele des Bahnkunden und des Steuerzahlers sind. Er riskiert bürgerkriegsähnliche Zustände, will einen unwirtschaftlichen Bahnhof bauen, ohne die erforderlichen Genehmigungen zu haben und vernachlässigt äußerst dringliche Schienenverkehrsprojekte überall in Deutschland. Ein Versager, der sich wie ein Imperator aufführt und eigentlich nur noch als Witzfigur taugt. Oder als tragische Figur, die mit Stuttgart 21 untergehen will, um sich noch daraus einen späten persönlichen Sieg zurecht zu zimmern, um sein kleines Ego aufzuwerten, und sei es nur gegenüber sich selbst. Doch tragische Figuren werden schnell vergessen. Versager nicht.

Manchmal werden Versager auch entlarvt: Die hessische LKA-Präsidentin verlor heute ihren Posten wegen „erheblichen Defiziten im Führungsverhalten“, wie sie auch von Grube bekannt sind. Zudem wurden ihr jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur Integration und einer angemessenen Bewältigung von Konflikten abgesprochen. Diese Eigenschaften scheinen auch für Grube zu gelten.

6 Kommentare

  • 1
    Schorsch:

    Danke für diesen klarsichtigen Kommentar! Das ist in unserer stromlinienförmigen Medien-Welt ein echtes Highlight. Natürlich geht Hr. Gr. lieber „zur IHK“, wo ihm (fast) alle Beifall klatschen. Aber die wahre Intelligenz, die mit „EQ“, die sitzt dort seltenst. An Kreativität und Lebenskraft ist der Stuttgarter Protest den „Herren im grauen Anzug“ bei weitem überlegen. Das „alte System“ weiß sich da nur mit „alter“ Autorität zu helfen…. in dem Moment, wo diese Unterstützung (z.B. Auflaufen der Polizei) nicht mehr greift macht es …. PLATSCH. Und dafür ist es nun Zeit: für intelligente, menschliche, zukunftsfähige Lösungen. Auch im Miteinander. Schön wird es werden, wenn es dann beginnt!

  • 2
    Medienberichte 15.06. | Bei Abriss Aufstand:

    […] O Motive: Rüdiger Grube: Treffen wir ihn bald an der Klagemauer? Stuttgarter Nachrichten: Die Bahn setzt Tiefbau aus Stuttgarter Zeitung: Bahn muss mit Klage wegen […]

  • 3
    Medienberichte 15.06.2011 - Initiative Barriere-Frei - Gegen Stuttgart 21:

    […] O Motive: Rüdiger Grube: Treffen wir ihn bald an der Klagemauer? Stuttgarter Nachrichten: Die Bahn setzt Tiefbau aus Stuttgarter Zeitung: Bahn muss mit Klage wegen […]

  • 4
    Albert Freistadt:

    Danke. Das musste ja endlich mal jemand sagen.

  • 5
    Elke:

    Das spricht mir so aus dem Herzen. Hervorragend!

  • 6
    Susie:

    Pointiert, polemisch, wahr und herrlich!

 
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