Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21: Kompetenz, wohin man schaut

29.06.11 (Bahnhöfe, Deutschland, Marginalien, Marketing)

Die Stadt Stuttgart ist der Meinung, dass Eltern ihre 8- bis 12-Jährigen in den Sommerferien ins Turmforum schicken sollten und wirbt hier dafür. Das ist eine gute Idee, denn nächstes Jahr könnte der Turm schon eingestürzt oder zumindest unbegehbar sein. So nehmen diesen Sommer die Kinder wenigstens eine schöne Erinnerung mit nach Hause. Wenn sie selbst Kinder haben, wird Stuttgart 21 ja gerade eröffnet, dann gibt es was zu erzählen.

Stuttgart 21 checken und entdecken„, wird für das Kindermanipulationsprogramm geworben. Wahrscheinlich ist das ein Halbsatz, der mit „dass wir nur geschönte Träume verkaufen“ ergänzt werden soll. Denn es gibt jede Menge Preise zu gewinnen! Für eine richtige Antwort gibt es vielleicht 100 Punkte, einen Mercedes-Stern, einen Luftballon mit dem Kalten Herz S21 oder einen weichen Keks mit viel Zucker, bei dem die Vorteile überwiegen.

Empfehlenswert wäre auch eine Überlebensset von DB Fernverkehr mit Anleitungsbuch, um bereits im Kinderzimmer die Evakuierung von brennenden ICE im Tunnel, Affenhitze, Sauerstoffmangel und das handy- und GPS-gestützte Durchschlagen bis zum nächsten Bahnhof zu üben. Schließlich härten verantwortungsvolle Eltern ihre Kinder früh für Fahrten mit der Deutschen Bahn ab.

Sinnigerweise wird mit einer Dampflok geworben, die Kinder dank dampflokfreier Jubiläen der Deutschen Bahn, bei denen ein beklebter ICE-Oldtimer durch die Lande gefahren wird, gar nicht kennen. Dampflokomotiven werden selbstverständlich, ebenso wie die zeitgenössischen Dieselloks und -triebwagen, niemals in den Grubenbahnhof Stuttgart 21 einfahren. Theo und Leo können ihre Dampflok nicht mitnehmen, haben Onkel Rüdiger und Onkel Volker gesagt.

Wie ich ohne dpa exklusiv aus Bahnkreisen erfahren habe, findet Onkel Rüdiger den zum Mäusegesicht verhunzten Mercedes-Stern in der Turmforum-Werbung überhaupt nicht lustig. Dafür hat sich Tante Krause-Burger* fürchterlich gerächt und einen Parkschützer Babyface genannt. Der kann nichts dafür, ist aber zusammen mit Onkel Winne an allem schuld und hat Prügel immer verdient. Strafe muss halt sein, gell? Das versteht ihr doch, liebe Kinder.

* Wenn du das liest, bestätigst du, dass du mindestens 18 Jahre alt bist: Zitat aus dem Kommentar der Frau, die ich nicht als Dame bezeichnen würde: „Hier erfahren Leute wie Babyface Matthias von Herrmann, die sonst im Leben noch nicht so furchtbar viel geleistet haben, unverhofft große Aufmerksamkeit und Bedeutung.“ Souverän für eine 75-Jährige, gell?

Ein Kommentar

  • 1
    Marion Schimmelpfennig:

    Nicht zu vergessen, sagt Jo gerade: Eltern empfehlen, den Kindern einen Rucksack voller Pampers mitzugeben, denn die Toiletten funktionieren schon heute nicht.

 
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