Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Wie die Deutsche Bahn Stimmung macht

30.06.11 (Bahnhöfe, Bahnindustrie, Deutschland, Marginalien, Marketing, Verkehrspolitik)

Ich hatte es am vergangenen Sonntag bereits kritisiert, dass die Medien – eigentlich alle – auf die PR-Strategie der DB hereingefallen sind:

Auszug aus meinem langen Beitrag: Heute schrieb die Stuttgarter Zeitung: “Stuttgart 21 hat die Überprüfung durch den sogenannten Stresstest dem Vernehmen nach bestanden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus dem Umfeld der Bahn.” Husch, und per dpa&paste steht es flugs in allen Zeitungen, online erst einmal.

Gehen Sie davon aus: Das hat dpa nicht erfahren, das hat ihr ein DB-PR-Mitarbeiter oder der S21-Propagandist Dietrich mit Absicht erzählt. Das ist Bestandteil der PR-Strategie der Deutschen Bahn, die man in dieser Hinsicht nicht unterschätzen darf. Und da die Stuttgarter dpa-Mitarbeiter nach meinem Empfinden glühende, erschreckend unkritische Verfechter von S21 sein müssen und ich bei ihnen die professionelle Distanz zu ihren Gesprächspartnern stark vermisse, bringen sie die frohe Botschaft gleich unter die Leute.

Nun brachte das medienkritische Magazin ZAPP des NDR eine Beitrag, der die PR-Mechanismen dahinter zeigt. Denn das angeblich positive Ergebnis, das laut heutigem Bericht des SWR (sic!) alles andere als gewährleistet ist, wurde nach Stern-Recherchen sogar von DB-Vorstand Kefer über ausgewählte Journalisten gestreut. Er ist, im Gegensatz zu seinem Chef Grube, der in Weimar einen ICE-Halt versprach, der wohl gar nicht eingeplant ist, ein gewiefter bayerischer Stratege. Ich traue ihm solche nicht unüblichen Mittel zu.

Schauen Sie sich diesen NDR-Beitrag über die Stimmungsmache der Deutschen Bahn an. Es lohnt sich. (Wer keine Lautsprecher oder keinen Videoplayer hat, kann den Beitrag hier auch nachlesen.)

Es gehört nach meinen Beobachtungen zur PR-Strategie der Deutschen Bahn, immer dann angeblich positive Nachrichten zu verbreiten, wenn wieder einmal eine Lok gebrannt hat, ein ICE evakuiert werden musste, ein für die Bahn negatives Ereignis bevorsteht oder die Wellen in Stuttgart (angeblich und scheinbar) hoch schlagen. Es dürfte kein Zufall sein, dass am Montag plötzlich angebliche jahrelange Verspätungen der neuen ICE-Züge verbreitet wurden. Das Ziel: Die Bahnindustrie anzugreifen, um selbst besser dazustehen. Der angeblich positiv ausgegangene Stresstest und der Tunneldurchstich in Thüringen gehörten jedenfalls zu dieser Art der Stimmungsmache. Ramsauer spielt natürlich immer mit.

Ein Kommentar

  • 1
    Chris:

    Interessanterweise ist der Beitrag des NDR nicht mehr auffindbar. In der Programmübersicht ist noch die Wiederholung aufgelistet, während weder Mediathek noch die Liste der letzten Zapp-Beiträge eine Spur des S21-Beitrages enthalten. Auf YouTube hingegen findet man den Clip noch.

    Natürlich sollte man zunächst einmal von einem unabsichtlichen Fehler ausgehen, und nicht gleich Absicht unterstellen, auch wenn es wirklich naheliegt.

 
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