Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Wenn der DHL-Mann gar nicht klingelt

25.08.11 (Deutschland, Güterverkehr)

DHL-Zusteller "M" hat heute keine Lust und verteilt lieber Benachrichtigungen

Letzte Woche wartete ich auf eine Sendung von Amazon. Man kann im Internet bei DHL verfolgen, wo die Sendung ist. Am besagten Tag war ich den ganzen Tag zuhause, doch niemand klingelte. Stattdessen fand ich abends eine Benachrichtigung im Hausbriefkasten, dass ich die Sendung am nächsten Tag ab 15 Uhr in der nächsten Postbankfiliale abholen könne.

Sie kennen den Vorgang: Ausweis vorlegen und warten, warten, warten, bis der Mitarbeiter das nicht einmal A4-große Paket gefunden hat. Dann wird der Ausweis notiert, man unterschreibt, und schon nach 10 Minuten ist man wieder unterwegs, an den fluchenden Menschen in der langen Schlange vorbei.

Wenn man Pech hat, steht man allerdings vor verschlossener Tür, denn die Mitarbeiter der Postfilialen, die heute der Postbank oder irgendwelchen Franchisenehmern gehören, treffen sich alle paar Wochen zu einer „Betriebsversammlung“ irgendwo im Ruhrgebiet. Klar doch, dass man dazu die Post einen ganzen Tag dichtmachen muss. Wir bitten um Verständnis.

Heute fand ich wieder so einen gelben Zettel im Briefkasten. Wieder war ich zur besagten Zeit da, aber der DHL-Mann hat wieder nicht geklingelt. Er hat auch, siehe Tracking, die Sendung morgens gar nicht erst verladen.

Von Hermes ist bekannt, dass nur zugestellte Sendungen (und seien sie irgendwo bei einem Kiosk abgegeben) bezahlt werden und die schlecht bezahlten Mitarbeiter* Zusteller unter sehr hohem Druck arbeiten müssen. Nach welchen Kriterien die Deutsche Post AG ihre Mitarbeiter aussucht und bezahlt, weiß ich nicht. Für das bezahlte Porto erwarte ich aber eine Gegenleistung, Motivation und genügend Manpower. Das Management von DHL scheint aber doch eher auf die reine Gewinnmaximierung (Vorstände nennen das „Erfolg“) getrimmt zu sein, nicht auf Menschenführung und soliden Personaleinsatz. So verliert man ganz schnell Glaubwürdigkeit.

Das gar-nicht-erst-zuzustellen-versucht-Phänomen tritt übrigens nicht nur in Düsseldorf auf. Extra3 machte letzte Woche eine hübsche Reportage über DHL. Das Unternehmen, dass zumindest bei Amazon-Sendungen nicht nur auffallend langsam geworden ist, sondern die bezahlte Dienstleistung immer öfter nicht erbringt.

 

* Mitarbeiter wurden einmal als Menschen wahrgenommen, nicht als reine Kostenfaktoren. Aber das ist lange her.

Auszug aus der Deutsche Post DHL-Pressemitteilung vom 2.8.2011:

Der Umsatz des Konzerns erreichte im zweiten Quartal 12,8 Milliarden Euro. Um Währungseinflüsse sowie die Effekte der Entkonsolidierung verschiedener abgegebener Unternehmensteile bereinigt, spiegelt dies ein organisches Wachstum um mehr als 700 Millionen Euro im Vorjahresvergleich wider. Damit knüpfte das Unternehmen nahtlos an das zu Beginn des Jahres erzielte Wachstumsniveau an. Beim Ergebnis hat der Konzern das Wachstumstempo sogar noch einmal erhöht: Mit 562 Millionen Euro lag das EBIT im zweiten Quartal um mehr als 300 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 253 Millionen Euro. Hiervon entfielen 471 Millionen Euro auf die DHL-Divisionen, fast viermal so viel wie noch im Vorjahreszeitraum (2010: 122 Millionen Euro).

Ein Kommentar

  • 1
    Daniel Weigelt:

    Kann ich leider so ähnlich bestätigen. Der Zusteller der DHL gibt die Pakete lieber im Laden im Erdgeschoss ab. Pech für ihn, dass er noch in seinem Auto saß, als ich den Zettel im Briefkasten fand. Jaja, er habe geklingelt. Und ich bin taub?

 
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