Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Pleuers Eisenbahnzeichnungen in der Stuttgarter Staatsgalerie

20.09.11 (Bahnhöfe, Dampflok, Deutschland, Geschichte, Lokomotiven, Marginalien, Medien)

Ausschnitt aus dem Aalener Ausstellungskatalog von 1978: Blick 1908 auf die Einfahrtshallen des alten Stuttgarter Hauptbahnhofs

In der Stuttgarter Staatsgalerie wurde letztes Wochenende eine Ausstellung eröffnet, die eine seltene Gelegenheit bietet, gut hundert Jahre alte Eisenbahn-Zeichnungen zu bewundern. Der 1863 in Schwäbisch Gmünd geborene Hermann Pleuer gehört zu den wichtigsten süddeutschen Impressionisten und trieb sich gern auf dem Stuttgarter Bahnhof und in den Werkstätten der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen herum. Seine sorgfältig vorbereiteten, teilweise detailgenauen Bilder des alten Stuttgarter Bahnhofs, von Zügen, noch heute klassifizierbaren württembergischen Dampflokomotiven und Arbeitern haben ihre Ausstrahlung bis heute nicht verloren.

In meiner Bibliothek steht noch ein Buch, das die Ausstellung „Hermann Pleuer und die Eisenbahn“ dokumentiert. Damals war ich noch Abonnent der Stuttgarter Zeitung und habe mir im opulenten, auf dickem  cremefarbenen Papier gedruckten Ausstellungskatalog einen Zeitungsausschnitt vom 2.8.1978 aufgehoben. Das Buch ist undatiert mit einem Vorwort des damaligen Aalener Oberbürgermeisters „U. Pfeifle“, wie sich der Autor bescheiden abkürzt.

Darin wird der Kunstschriftsteller Georg Fuchs zitiert, der sich über eine Münchener Ausstellung 1906 so äußerten: „Pleuer setzt uns ins Erstaunen. Seine Lokomotiven sind große mythische Personen, sie sind Geschwister der Drachen, der Wasserfrauen Böcklins und Schwinds. Die schwarzen, wirr gekreuzten Geleise rinnen durch Schnee und grauen Kot wie rätselhafte, gefährliche Schlangen, seine Rauchschwaden, oft durchleuchtet von geheimnisvollen Röten, sind Nebelriesen, gestaltlos und doch übermenschlicher Kräfte voll.“

Ein Arthur Dobsky schrieb 1911: „Wer jemals selbst den ganzen eigenen Zauber so recht empfunden, den gewaltig brausenden Rhythmus, der durch das vielgestaltige Getriebe des Bahnhofs klingt, wird es verstehen, warum dieser Mann die Welt der Schienen und eisernen Ungetüme so liebte.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Ausstellung „Ruß, Kohle, Bleistift“ zeigt noch bis zum 12. Februar 2012 eine Auswahl aus Pleuers Eisenbahnzeichnungen.

Ausstellungskatalog und Rezension

 
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