Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Seit 20 Jahren dampft sie wieder auf den Brocken

15.09.11 (Dampflok, Eisenbahn, Geschichte, Strecken)

Vor 20 Jahren wurde die Brockenbahn wieder eröffnet. Die Aufnahme entstand in der Steigung hinter Schierke (Foto 1992: Friedhelm Weidelich)

Es gehört zu den traurigen Erfahrungen eines Eisenbahnfreunds, der ich auch bin, dass man von Firmen und Institutionen, denen man nach der Wende geholfen hat, irgendwann nicht mehr wahrgenommen wird. Die Harzer Schmalspurbahnen haben mich immer fasziniert, und während meiner vierjährigen Arbeit in Magdeburg nach der Wende habe ich schon bald Kontakt gesucht zur Deutschen Reichsbahn und dem späteren Betriebsleiter Bauer. Ich habe, auch außerhalb der Eisenbahnszene, etliche Male über die HSB berichtet, begleitete die Privatisierung und machte für den MDR mehrere Fernsehbeiträge über die Schmalspurbahn. Durch verschiedene Wechsel der Pressesprecher ging der Kontakt zu den HSB immer mehr verloren, und selbst freundliche Plaudereien am Telefon haben nichts genützt. Ich bin schon lange nicht mehr im HSB-Verteiler, falls es den gibt, und so habe ich nur zufällig bei Bahnaktuell erfahren, dass heute der 20. Jahrestag der ersten Nach-Wende-Brockenfahrten ist.

Damals war ich mit einem Fernsehteam dabei und habe für den MDR einen Beitrag gemacht, den ich leider nicht auf Band habe. Während das Team im Zug war oder wir anschließend im zweiten Zug folgten (ich weiß die Details nicht mehr), eilte ich die Steigung hinter Schierke hinauf, um mit meiner Rollei 6006 zwei, drei Fotos des ersten Sonderzugs zu machen. Ein Bild wurde später großformatig im Alba-Kalender abgedruckt. Das Bildchen oben ist ein schneller Reproausschnitt auf dem Leuchttisch vom herausgekramten 6×6-Dia. In der Schublade sind noch Schätze zu heben!

Ich würde auch heute noch gern über die HSB schreiben. Auch nach 20 Jahren ist der Betriebsablauf auf der Selketalbahn desolat und nutzt die Chancen nicht, die diese romantische Bahn mit etwas Fantasie bei Touristen haben könnte. Der Fahrplan ist eine Zumutung für alle, die die Bahn gern benutzen und trotzdem mal unterwegs ein Foto machen wollten. Und die Triebwagen als Reaktion auf den schon vor 20 Jahren nicht eben großen Fahrgastandrang machen die Strecke nicht gerade attraktiver.

Im Alltagstrott werden eben kaum noch neuen Ideen entwickelt. Die betrieblich und tariflich teure Brockenbahn bringt die Haupteinnahmen, die Zuschüsse vom Land sichern das Auskommen, und zum Schröpfen der Autofahrer werden selbst auf abgelegenen Stationen, auf denen man Fahrpläne verzweifelt suchen muss, Parkgebühren erhoben.

Wenn ich’s mir recht überlege, bei aller Faszination. Meine Bahn ist es nicht mehr. Schade.

„Trotzdem“, liebe HSB: Glückwunsch und alles Gute!

Die Brockenbahn, vom Wanderweg aus aufgenommen (Foto: F. Weidelich 2010)

 

 
Get Adobe Flash player

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen