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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Deutsche Bahn erhöht kräftig die Preise

13.10.11 (DB, Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr)

Mit satten Preiserhöhungen bis zu 5 Prozent dreht die Deutsche Bahn ab 11. Dezember 2011 trotz anhaltender Minderleistungen an der Preisspirale. Als Gründe für die Verteuerung werden „die deutlich gestiegenen Personal- und Energiekosten“ angegeben. Diese Begründung stößt auch beim VCD auf Unverständnis. Zumal die DB kürzlich tönte, das einzige europäische Bahnunternehmen zu sein, das derzeit Gewinne erwirtschaftet. „Es ist ein Skandal, dass Fahrgäste ab Dezember 2011 mehr Geld für ein nicht optimal funktionierendes Bahnangebot zahlen müssen“, so Heidi Tischmann, Bahnexpertin des VCD.

Im Fernverkehr war im vergangenen Jahr nur jeder fünfte Zug pünktlich, im Nahverkehr sah es nicht besser aus. Zudem hat die DB ihre Fahrgäste darauf eingestimmt, dass sie im bevorstehenden Winter wieder mit Einschränkungen und Störungen im Bahnverkehr rechnen müssen. Dies liegt daran, dass die Deutsche Bahn noch immer nicht über eine ausreichende Reserve an Zügen verfügt.

Nur der Sparpreis für die einfache Fahrt ab 29 Euro in der 2. Klasse (ab 49 Euro 1. Klasse) und für Kurzstrecken bis 250 Kilometer ab 19 Euro bleibt gleich. Der Sparpreis 25 und Sparpreis 50 mit Hin- und Rückfahrt und Wochenendbindung wird zum 31. Dezember 2011 „auf Grund geringer Nachfrage“ eingestellt.

Sitzplatzreservierungen werden erheblich teurer: Der Preis steigt um 60 Prozent von 2,50 Euro auf 4 Euro.

Der Maximalpreis im deutschen DB-Fernverkehrsnetz für eine einfache Fahrt in der 2. Klasse im ICE steigt von 129 auf 135 Euro. Dies gilt beispielsweise für die Strecke Berlin – Freiburg/Breisgau (+4,7 Prozent). Die Fahrkarte von Stuttgart nach München verteuert sich um 1 Euro (+1,9 Prozent) von 53 auf 54 Euro. Mit 27 Euro statt vorher 26 Euro sind auf der Strecke Frankfurt (Main) – Mannheim 1 Euro (+3,8 Prozent) mehr zu entrichten.

Im Nahverkehr, in dem die DB große Gewinne macht, werden die Normal- und Zeitkartenpreise und die Aktionsangebote, zu denen zum Beispiel die Länder-Tickets, das Quer-durchs-Land-Ticket oder das Schönes-Wochenende-Ticket gehören, um „durchschnittlich 2,7 Prozent“ angehoben. Rund 80 Prozent aller Nahverkehrsfahrten seien von der DB-Preiserhöhung nicht betroffen, da sie in Verkehrsverbünden erfolgen, sagt die Bahn.

Die Jugend BahnCard 25 mit einer einmaligen Bearbeitungsgebühr von 10 Euro und Gültigkeit bis einschließlich 18. Lebensjahr bleibt preisstabil. Das Gleiche gilt auch für die ermäßigte BahnCard 25 für Schüler, Studenten und Senioren für 39 Euro in der 2. Klasse (78 Euro in der 1. Klasse).

Die BahnCard 25 wird 2 Euro teurer (59 Euro), in der 1. Klasse sogar 5 Euro teurer (119 Euro). Die BahnCard 50 wird um 10 Euro auf 240 Euro angehoben (1. Klasse von 460 Euro auf 482 Euro). Das ist Geld, mit der die Bahn praktisch ohne (sofortige, wenn überhaupt) Gegenleistung wirtschaften kann.

4 Euro mehr zahlen Bahnkunden künftig für die ermäßigte BahnCard 50: statt bislang 118 Euro dann 122 Euro (1. Klasse von 236 Euro auf 244 Euro). Die BahnCard 100 kostet ab 11. Dezember 3.990 Euro statt bisher 3.800 € (plus 5%) in der 2. Klasse (und in der 1. Klasse 6.690 Euro statt 6.400 Euro, das sind gut 4,5 Prozent mehr).

VCD-Bundesvorsitzender Michael Ziesak kommentiert:„Das Unternehmen DB hat es gar nicht nötig, ihre Preise für Reisen mit der Bahn zu erhöhen. Die DB ist auf der Erfolgsspur, vermeldet den höchsten Halbjahresumsatz in ihrer Geschichte und steigende Fahrgastzahlen. Wir fordern daher die DB auf, die zugewonnen Fahrgäste nicht gleich wieder durch eine Verteuerung der Tickets zu verprellen. Umweltfreundliches Verkehrsverhalten darf nicht durch eine Anhebung der Fahrpreise bestraft werden. Dies gilt für den Nahverkehr genauso wie für den Fernverkehr.“

Auf den VCD wird die DB selbstverständlich nicht hören. Die Vorstände Homburg und Grube haben andere Ziele.

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