Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Stuttgart 21: Grubes Entgleisung

29.11.11 (Bahnhöfe, DB, Deutschland, Grube)

In einer Diskussion bei den Stuttgarter Nachrichten vor Publikum fiel Rüdiger Grube durch Arroganz und den fehlenden Blickkontakt zu Ministerpräsident Kretschmann auf. Die Körpersprache war eindeutig, bei beiden: Wir mögen uns nicht.

Zuvor, so entnehme ich twitter, kündigte Grube Kosten von 7 Mrd. Euro für S21 an. Letzte Woche waren es noch 4,5 Mrd. Euro gewesen.

Kretschmann betonte, dass es auf keinen Fall mehr als den vereinbarten Betrag von 930 Millionen Euro vom Land geben wird: „Wir haben die Schuldenbremse. Und die Sprechklausel bedeutet nicht, dass wir mehr bezahlen müssen!“ Grube guckt wie ein ausgeschimpfter Hund. Kretschmann besteht auf Stuttgart 21 Plus, ohne dass das Land die dadurch eventuell entstehenden Mehrkosten übernimmt. Was Grube vehement ablehnt, er wolle das dann emotionslos vor Gericht klären, droht er. Wörtlich: „Wenn man sich nicht einigen kann – im täglichen Leben, im Geschäftsleben kommt das häufig vor – dafür gibt es Gerichte. Dann müssen wir das professionell und ohne Emotionen – wird man das schon klären.“

Später holte Grube zum Gegenschlag aus, leider habe ich es nicht mitgeschnitten. Grube sinngemäß: Ich bin kein Politiker und will auch keiner sein. Kein Politiker kann doch so dumm sein, und schon am Beginn des Projekts über Mehrkosten reden, die vielleicht irgendwann kommen könnten.

Auf die Frage Molitors, ob es Signale gebe, dass sich der Bund an den Mehrkosten beteiligen würde, entgegnete Grube wörtlich: „Ich bin kein Politiker und will es auch nicht sein. Soviel weiß ich: Ein Politiker kann sich nicht hinstellen, wenn das Programm noch gar nicht richtig gestartet ist und schon von Mehrkosten reden und die in der Öffentlichkeit dann auch akzeptieren. Also so – äh – blöd ist hoffentlich kein Politiker.“

Er hatte dabei den jetzt noch grimmiger guckenden Kretschmann halb im Blick, der ihn keines Blickes würdigte.

Diesen indirekten Vorwurf der Dummheit wird Kretschmann Grube nicht vergessen!

Wenn wir bisher Eiszeit hatten zwischen den beiden, dann ist jetzt der absolute Nullpunkt erreicht. Den arroganten Satz wird Grube noch bitter bereuen. Er hat sich mit dieser verbalen Entgleisung das Genick gebrochen.

Man kann wieder hoffen, dass die Vernunft doch noch siegt!

Nachtrag 30.11.: Ich habe den Beitrag nach dem Einwand eines Lesers und dem Betrachten der nicht hundertprozentig wiedergegebenen Passage geändert. Live und im Gesamtzusammenhang wirkte Grubes Aussage auf mich so, wie ich es interpretiert habe. Kommunikation spielt sich auch auf Metaebenen ab. Grube hat damit auch gesagt: Erst einmal muss man ein Projekt ins Rollen bringen. Und erst dann kann man mit Nachforderungen bei Politikern kommen. Genau so läuft es in der Praxis bei Großprojekten ab.

Die ganze Runde kann man sich noch einmal hier ansehen: Stuttgarter Zeitung. Nach Forum Stuttgart 21 suchen.

8 Kommentare

  • 1
    Ingeburg Wagenmann:

    Es ist doch bekannt dass sämtliche Bahnprojekte um ein vielfaches teurer werden. Dies weiss auch Grube. Hier geht es um die Boni der Manager aus dem Immobilienverkauf. Ob dieser Bahnhof funktioniert oder nicht ist zweitrangig. Der Filz verdient sich eine goldene Nase nach dem Motto nach mit die Sinflut.Der Kopfbahnhof ist leistungsfähiger das weiss jeder. Die Euphorie wird bald bei den NEIN Sagern verflogen sein dann kommt das bittere Erwachen. Es ist unverantwortlich von der Lobby . Das Volk hat sich nie genau informiert was dahinter steckt. Der Metzger auf der Alb fragt seinen CDU Bürgermeister was er machen soll und so setzt er sein Kreuz dahin wo es der CDU-ler will. Von einer Volksbefragung halte ich nichts. Gute Fachleute und gute Politiker wie Kretschmann sollte man befragen.

  • 2
    leo löwe:

    Mehr Schweiz im Ländle!
    Die Bahn hat für das Projekt „Stuttgart 21 PLUS“ noch immer nicht alle Fakten, Pläne und die wahren Kosten auf den Tisch gelegt. Diesem schlecht durchgeplanten Bauprojekt „Stuttgart 21“ wird doch noch der Saft abgedreht, wir werden sehen. Was ist bloß aus dem bundesdeutschen Vorzeigekonzern Bahn AG geworden? Sind wir wirklich auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität auf der Schiene? Die baden-württembergische Landesregierung sollte vielleicht ernsthaft bei der SBB anfragen, ob sie nicht mittelfristig in Baden-Württemberg den Fahrbetrieb übernehmen will. Dadurch bekämen wir vernünftige Perspektiven im Regionalverkehr und sauber getaktete Relationen im Fernverkehr. Und eine gut gepflegte Infrastruktur, die bei jedem Wetter funktioniert wie ein Uhrwerk. „Hopp Schwyz! Das wär’s!“

  • 3
    Richtigsteller:

    Vielleicht sollten Sie sich die aufgezeichnete Sendung nochmal in Ruhe ansehen und hier keine Falschmeldungen herausposaunen. Auf die Frage des Journalisten, was dran sei an den Gerüchten, dass sich der Bund (also Bundesregierung, nicht die Naturschützer)an eventuell anfallenden Mehrkosten beteiligen will hat Herr Grube gesagt, dass kein politiker so dumm wäre sich auf freiwillige Zahlungsversprechen festzulegen, die womöglich gar nicht anfallen. Das war nicht auf Herrn Kretschmann bezogen !

  • 4
    Friedhelm Weidelich:

    Wenn Sie so auf Korrektheit achten, warum bezeichnen Sie die grüne Regierungspartei dann als „Naturschützer“?? Ich habe oft den Eindruck, dass viele Wähler in Baden-Württemberg die Grünen noch als Strickpullover und Wollsocken tragende Freaks sehen. Die Grünen gibt es schon seit 30 Jahren, sie sind inzwischen mit Teilen der CDU, der SPD und FDP verwechselbar. Mit Naturschutz haben die so gut wie nichts mehr am Hut, und um Naturschutz geht es nur zu einem sehr geringen Teil bei Stuttgart 21. Aber außerhalb der baden-württembergischen Universitätsstädte sind alte Feindbilder leider 20 Jahre nicht mehr upgedatet worden.

  • 5
    Martin Sp.:

    Der Richtigsteller meinte sicher den BUND mit Naturschützer, also den Bund für Umwelt und Naturschutz.

  • 6
    Richtigsteller:

    Herr Weidelich,
    genau das scheint hier das Problem zu sein, dass Sie hier nämlich lieber auf Metaebene komunizieren wollen anstatt auf einer sachlichen !
    Herr Grube hat nicht im entferntesten an Herrn Kretschmann bei seiner Aussage gedacht sondern genau daran wovon er eben gesprochen hat nämlich dass kein Bundespolitiker freiwillg Geld zur Verfügung stellen würde für etwas, was evtl gar nicht benötigt wird. Ihm wurde wohl erst nach diesem Satz klar, dass er einen Landespolitiker neben sich sitzen hat, der es evtl. fälschlicherweise auf sich beziehen kann und das merkt man dann auch, da er ein wenig verlegen durch die Gegend guckt.
    Ihre Interpretation jedoch, dass Herr Grube hier *zum Gegenschlag* ausholt und Herrn Kretschmann *indirekt* der Dummheit bezichtigt sowie die spektakuläre Überschrift *Grubes Entgleisung* ist typisch für die Arbeitsweise gewisser Interessengruppen in diesen Tagen.
    So wie Sie meine obige Aussage bezüglich des Bunds falsch ausgelegt haben ist auch der Rest den Sie schreiben Murx ! Ich weiss gar nicht, wo ich hier überhaupt gelandet bin? Ich bin über einen link auf diese Seite geraten… Ich hoffe mal, dass sich hierhin nicht allzuviele Leute verirren und sich von Ihrer Meinungsmache irritieren lassen !

  • 7
    Thomas Neuhaus:

    @Richtigsteller,

    schon das Pseudonym läßt eine gewisse Hybris erkennen. Interessant, daß Sie Einblicke in – und die Deutungshoheit – über Grubes Gedanken zu haben scheinen – dazu kann man Sie nur beglückwünschen.

  • 8
    Friedhelm Weidelich:

    Sehr geehrter „Richtigsteller“,
    es ist immer leicht, aus der Anonymität heraus mit vollen Rohren zu ballern, doch Grubes Haltung zu deuten braucht man etwas Lebenserfahrung, Erfahrung mit Vorständen und DB-Pressestellen. Arbeiten Sie für den oder kennen Sie den überhaupt aus der Nähe? Soll ich Sie als Feigling, der nicht öffentlich zu seiner Meinung steht, bezeichnen? Oder Ihr Weltbild zerlegen, das mir ein wenig simpel erscheint und in die faktenfreie Weltanschauung der S21-Befürworter passt? Dafür ist mir die Zeit zu schade.
    Bitte überlassen Sie mir meine Wahrnehmungen. Sie brauchen sie nicht zu lesen. Und stänkern können Sie künftig woanders.

 
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