Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Dieter Hildebrandt über die Deutsche Bahn

20.12.11 (DB, Deutschland, Literatur, Marginalien, Medien, Personenverkehr, Unterwegs – Erfahrungen)

Die Redakteure der einst ehrwürdigen ZEIT, die jetzt im Mainstream Auflage macht, scheinen schlecht bezahlt zu sein oder verrichten ihre Arbeit mit viel Luft für Nebentätigkeiten. Immer öfter füllen sie deshalb auch Bücher. Oder lassen füllen, denn Interviews sind schnell gemacht, da man nur ein paar Fragen in Stichworten braucht, und schon generiert der Interviewte die Zeilen. Das Honorar teilt man sich dann, wenn überhaupt. Ein interessantes Geschäftsmodell.

Chefredakteur Giovanni di Lorenzo versuchte sich in dieser Hinsicht mit mäßigem Erfolg als Hofberichterstatter des Plagiators zu Guttenberg und lieferte ihm drei Tage lang in London devote Fragen. Das daraus geklöppelte Buch gilt als endgültig gescheitert, aber der mehrseitige Vorabdruck in der ZEIT förderte nicht nur den Buchverkauf, sondern dürfte auch als Argument für die Spesenrechnung hergehalten haben. Chefredakteure sind heute so.

Mark Spörrle ist auch bei der ZEIT und fiel bisher durch mäßig lustige, mit einem Co-Autoren zusammengestellte Büchlein auf, in denen die üblichen Erlebnisse am Bahnsteig und im Zug aufgezeichnet waren. Also nichts Neues für Bahnfahrer. Nun interviewte er den 84 Jahre alten Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der noch immer fast täglich mit der Bahn unterwegs zu seinen Auftritten ist. Das Interview – Überraschung! – ist demnächst in längerer Form auch in einem Buch von Spörrle enthalten.

Trotzdem ist es lesenswert, denn Dieter Hildebrandt, einst die kabarettistisch schärfste Schwertgosch (Schwäbisch für scharfes Mundwerk) der Bundesrepublik, spart nicht mit Anekdoten und Zitaten.

Etwa diesem: „Wenn man sich das einmal überlegt: Die Engländer haben mit Bomben und Granaten versucht, die deutschen Züge zum Stillstand zu bringen. Es ist ihnen nicht gelungen. Geschafft hat das erst die Deutsche Bahn.“ 

 

PS: Die von ZEIT-Lesern beklagte Arroganz Hildebrandts gegenüber den „Bediensteten“ der Deutschen Bahn ist völlig unangebracht. Er stellt die richtigen Fragen über die Zusammenarbeit der DB-Mitarbeiter und bekam ehrliche Antworten. Der arme Mensch auf dem Bahnsteig kann wirklich nichts dafür, wenn er nicht vorab etwas über die Wagenreihung weiß. Denn in so einem Fall spielen eine Menge DB-Firmen mit: DB Netz, DB Station & Service, DB Fernverkehr und wahrscheinlich noch eine Handvoll Subunternehmen mehr, die für Reinigung, Wagenpark, Rangierbetrieb und mehr zuständig sind. DB-Mitarbeiter sind nicht mehr, wie zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn, hilfsbereite Eisenbahner, die das Beste aus ihrer Bahn machen. Sie sind heute Kostenstellen in einem von 300 Unternehmen des von Kostenrechnern geführten Weltkonzerns DB Mobility Logistics, die in ihrem isolierten Arbeitsbereich in der Regel das tun, was sie eben können. In Nürnberg habe ich erlebt, wie ein Mitarbeiter auf www.bahn.de in „Ist mein Zug pünktlich“ herauszufinden versuchte, mit welcher Verspätung welche Züge fahren. Das sagt alles über die Kommunikation zwischen den DB-Firmen.

3 Kommentare

  • 1
    Tanja Müller:

    Ich kaufte mir online Tickets auf der Internet-Seite der Deutschen Bahn im Wert von 12,-€, um von Pforzheim nach Heidelberg zu fahren. Einen Ta später wollte ich die Reise antreten, doch der Zug fiel aus wegen Streik. Nun hoffte ich doch zumindest das Fahrgeld wieder zurückerstattet zu bekommen. Fehlanzeige! Da die Fahrkarte günstiger als 15,- € war, erfolgt weder eine Erstattung noch ein sonstiger Ausgleich. Das ist doch Kunden-Service! Oder? Man sollte sich vorher auch sicher sein, ob die Bahn auch kommt, bevor man ein Ticket kauft, sonst hat man leider verloren!!!

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Das ist sehr ärgerlich. Ich würde an Ihrer Stelle der Bahn einen Brief schreiben und besonders wegen der ausgefallenen Züge um Kulanz bitten. Das könnte etwas nützen. Ansonsten wenden Sie sich an Pro Bahn oder die Verbrauchermagazine beim Fernsehen. Aber eher nicht beim SWR. 😉

  • 3
    Lukas:

    Auf pro-bahn.de auf den Kummerkasten gehen, wir leiten das dann weiter, gab sogar schon Faelle, in denen ein DB-Vorstandsmitglied sich danach persoenlich entschuldigt hat.

 
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