Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Dresdner Erfahrungen mit Hybridbussen

02.12.11 (Busse, Deutschland, Straßenverkehr, Technologien)

Gestern berichtete der Münchner Verkehrsbetrieb MVB über seine Erfahrungen mit drei Hybridbus-Typen, die sie nach eigenen Angaben als einziger Verkehrsbetrieb besitzt. Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) betreibt aber ebenfalls drei Fabrikate, in Kürze sogar vier.

Seit Mai 2011 sind 13 neue Hybridbusse von Hess-Vossloh-Kiepe und Mercedes-Benz auf den Linien der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) unterwegs. Weitere drei Hybridstandardbusse von MAN sind eingetroffen und kurz vor der Inbetriebnahme. Damit verfügt das Verkehrsunternehmen mit den beiden älteren Fahrzeugen von Solaris und Hess über insgesamt 18 Hybridbusse. Das sind mehr als zehn Prozent des Dresdner Busfuhrparks.

Der 2006 angeschaffte Solaris Urbino blieb ein Einzelstück und hatte einen parallelen Hybridantrieb, bei dem zwei Elektromotoren den Dieselmotor mit zusätzlicher Antriebskraft unterstützen. Die neuen DVB-Busse werden dagegen nur durch Elektromotoren angetrieben. Die Energie dafür liefern bei den Hess- und MAN-Bussen hochkapazitive Kondensatoren, so genannte SuperCaps. Mercedes-Benz bestückt die Fahrzeuge mit Hochleistungsakkumulatoren. Bei allen Fahrzeugen werden die elektrischen Speicher durch Rückgewinnung von Bremsenergie oder einen Dieselmotor mit Generator nachgeladen. Das hat den Vorteil, dass der Dieselmotor deutlich kleiner ist, immer im umwelt- und motorschonenden Drehzahlbereich arbeitet und über eine Start-Stopp-Automatik sogar ausgeschaltet werden kann. Bis zu 500 Meter fahren die neuen Busse mit SuperCap-Speicher elektrisch und ganz ohne die Hilfe ihrer Dieselmotoren fahren können. Der Hybridbus mit vollem Akkumulator schafft sogar rund zwei Kilometer. Dazu kommt ein Energiemanagement, das die Komponenten exakt auf die wechselnden topografischen Bedingungen in Dresden abstimmt.

Bis die MAN-Busse in Betrieb kommen, sind die Mercedes-Benz Citaro G BlueTec®-Hybrid-Modelle die neuesten Busse mit Hybridantrieb (Foto: DVB)

Ich fragte die DVB nach ihren Erfahrungen und erhielt von Pressesprecher Falk Lösch eine ausführliche Antwort, aus der ich gern zitiere. Für eine repräsentative Aussage zum Verbrauch der neuen Fahrzeugen sei es leider noch zu früh.

Der erste DVB-Hybridbus vom November 2006, das ist ein Solaris-Urbino 18 mit parallelem Hybridantrieb der ersten Generation, blieb beim Verbrauch hinter den Erwartungen zurück. Die vom Hersteller der Hybridtechnik Allison im amerikanischen Stop-and-go-Verkehr gemachten Erfahrungen ließen sich nicht direkt auf die europäischen und schon gar nicht auf die für Dresden typischen topografischen Bedingungen projizieren. Die Herstellerangaben schwankten zwischen 20 und 43 Prozent Einsparung. Tatsächlich erreichten wir mit diesem Fahrzeug jedoch nur knapp 15 Prozent. Der geringere Abgasausstoß des im konstanten Drehzahlbereich arbeitenden Dieselmotors entsprach dagegen durchaus den Erwartungen. Dennoch sehen wir auch diesen ersten Hybridbuseinsatz als erfolgreich an. Nicht zuletzt, weil dessen wissenschaftliche Begleitung viele Rückschlüsse sowohl für uns, als auch für die Hersteller in Bezug auf die Weiterentwicklung der Antriebe, zuließ. Der erste Bus fährt heute noch im Linienverkehr.

Bei den neuen Bussen, die als zusätzliche „Belastung“ auch noch klimatisiert sind, scheint die Einsparung tendenziell etwas größer. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, die wissenschaftliche Begleitung durch das Fraunhofer Institut und die TU Dresden läuft noch. Gleichzeitig experimentieren die Hersteller mit weiter optimierten Softwareanpassungen, die sich dann leicht auf neue Fahrzeuge für Dresden übertragen lassen.

Für die Reputation der DVB AG sei der Einsatz einer Flotte von bald 18 Hybridfahrzeugen ein Meilenstein. Gerade die neuen seriellen Busse, die Teilstrecken rein elektrisch und damit praktisch emissionsfrei zurücklegen, kämen bei den Dresdnern außerordentlich gut an. „Wenn der Diesel ausgeht und nur noch die E-Motoren summen, hat man als Fahrgast ein richtig gutes Gefühl, eben etwas zum Umweltschutz beizutragen“, berichtet Lösch. Das locke auch die lokalen Medien regelmäßig zur Berichterstattung. Zumal in den Fahrzeuginnenräumen auch Zusatzmonitore vorhanden sind, auf denen der Fahrgast erkennen kann, wann der Bus rein elektrisch fährt.

Den letzten Satz finde ich sehr erfreulich, denn viele Verkehrsbetriebe unterlassen es, ihre Fahrgäste nach der Vorstellung eines neuen Fahrzeugs in der Lokalpresse über solche Innovationen zu informieren. Die DVB haben dafür ein dickes Lob für gelungene Informationspolitik verdient.

 
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