Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Siemens Desiro RUS auf dem Weg nach Amsterdam, Teil 2

19.02.12 (Bahnindustrie, Eisenbahn, Nahverkehr, Russland, Triebwagen)

Drehgestell eines breitspurigen Desiro-RUS-Mittelwagens auf einem Hilfsfahrgestell. Gut erkennbar ist die Luftfederung. Schlingerdämpfer, Schraubenfedern und Stoßdämpfer sorgen für Komfort. Sensoren registrieren Drehzahl und Lagertemperatur.

Die Verladung eines fünfteiligen Desiro RUS bei Siemens in Krefeld dauerte etwa 12 Stunden. Erst um Mitternacht konnten die Tieflader sich in Bewegung setzen, denn die Fahrzeuge für das russische Breitspurnetz (1520 mm statt unserer Regelspur von 1435 mm) sind wesentlich voluminöser als unsere Züge. Auf dem Weg in den Hafen mussten die Oberleitungen der Krefelder Straßenbahn angehoben werden, was nur nach Betriebsschluss und dem Ausschalten der Stromversorgung möglich war.

Die Züge sind mit 3,50 m genau einen halben Meter breiter als der ICE 3 der DB und sogar 20 cm breiter als die in Russland bereits verkehrenden Velaro RUS, einer Weiterentwicklung des ICE 3. Der ist 4 m hoch, der Elektrotriebwagenzug Desiro RUS hat bei einer Fußbodenhöhe von 1,4 m fast 5 m Höhe. So ist sehr viel Platz im Zug, der ganz zweckmäßig eingerichtet ist. Nach dem Zufallsprinzip verteilte rote Sitze setzen Farbakzente. Gepäckablagen für Koffer sind ebenfalls überall in Sichtweite.

Die breiten Wagenkästen des Desiro RUS erlauben eine Sitzanordnung 2+3

Der Führerstand ist für zwei Personen ausgelegt. Rechts sitzt der Triebfahrzeugführer, links ein Begleiter, der die Strecke mit überwacht und bei den straff geführten Russischen Eisenbahnen noch für notwendig erachtet wird.

Am Führertisch sind die russischen Beschriftungen provisorisch für die Fahrzeugabnahme mit deutschen Bezeichnungen überklebt.

Der Mittelwagen ist zum Anheben durch zwei Kräne gerüstet:

Traversen liegen an den Rädern, verbunden durch Blechplatten, an denen die Seile befestigt sind

Ein weiterer Wagen rollt auf dem Scheuerle-Spezialtransporter am Kopfteil vorbei.

Schiebebühnen und viele andere Gleise sind längst vom Siemens-Werksgelände verschwunden. Das auf vielen in jede Richtung drehbaren Radsätzen laufende Spezialfahrzeug beschleunigt das Rangieren und kann vor allem auch um Ecken fahren. In den teilweise altehrwürdigen Hallen sind noch Gleise verlegt. In größeren Hallen wie in Wien nutzt Siemens auf ebenen Böden Luftkissen zum Verschieben der Wagen.

Hydraulisch angetrieben und drehbar ist das Schwertransportfahrzeug im Siemens-Werk Krefeld

Der Schwertransporter steht bereit für den Transport des Mittelwagens, im Hintergrund der Kopfwagen und ein weiterer Schwerlast-Lkw

Nun schiebt sich der lange Schwertransporter unter die von zwei Kränen angehobenen schwebenden Last. Der Wagen ist 18 m lang und 53,3 t schwer.

Zwei Kräne (Krane sagt der Fachmann) haben den Mittelwagen angehoben und vorsichtig aufgesetzt

Der Schwertransport ist muss jetzt noch sechs Stunden auf die Abfahrt warten.

Nach Mitternacht ging es dann zum Hafen, wo in den Morgenstunden die fünf Wagen (Gesamtgewicht fast 300 Tonnen) auf ein Binnenschiff verladen wurden. In Amsterdam wird der Zug dann auf ein Küstenmotorschiff verladen und erreicht über den Nord-Ostsee-Kanal Mukran auf Rügen, um dann zusammengesetzt und mit einer Ostseefähre in den russischen Hafen Ust-Luga am Finnischen Golf, um dann auf der Schiene zum Depot in der Nähe von St. Petersburg zu fahren.

Ein Fotograf der Rheinischen Post hat die Verladearbeiten am nächsten Morgen dokumentiert.

Fabrikschild in Landessprache

 

2 Kommentare

  • 1
    Daniel Weigelt:

    Sehr schöne Bilder!

    Wie kommst Du da zum fotografieren? Weisst Du das vorher und rufst Du an oder melden die sich bei Dir?

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Danke. War ein Termin für die Lokalpresse, und ich wohne ja nur 30 km entfernt.

 
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