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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Die Deutsche Bahn startet ein Compliance-Programm

08.03.12 (Bahnindustrie, DB, Deutschland)

In vielen Großunternehmen ist Compliance, also die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen, aber auch von freiwilligen Verhaltensregeln, seit Jahren selbstverständlich. So sollen Korruption, Vetterleswirtschaft und Bestechung vermieden wären, denn diese gehen in aller Regel zu Lasten des Unternehmens. Oft enthalten die Compliance-Regeln auch einen Verhaltenscodex für den fairen Umgang mit Geschäftspartnern.

Heute verschickte die Deutsche Bahn eine Pressemitteilung, dass sie ein Compliance-Programm starten will, um ihre Infrastruktur-Investitionen zu schützen.

Originaltext: >> Ein neu aufgesetzter Maßnahmenkatalog soll Betrugsfälle, aber auch Untreue, Korruption und Kartellabsprachen weiter erschweren. „Die DB verbaut allein in diesem Jahr über 5 Milliarden Euro Steuergelder im Auftrag des Bundes. Wir müssen sicherstellen, dass gerade diese Mittel einem besonderen Schutz unterliegen“, sagte Gerd Becht, Compliance-Vorstand der DB, heute anlässlich der Fachtagung Korruptionsprävention im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Berlin.

Schwerpunkt des Programms ist vor allem die Abwehr von Betrugsfällen. In Kooperation mit der Hochschule der Polizei, Münster, wird erstmals ein „Lagebild Wirtschaftskriminalität Deutsche Bahn“ erstellt. Ziel ist es, Indikatoren zur präventiven Früherkennung zu ermitteln.

Das Infrastruktur-Compliance-Programm setzt auf den bestehenden Prozessen auf. „Natürlich gibt es schon heute Kontrollmechanismen, die uns gut schützen. Kriminelle suchen sich immer neue Wege zum Betrug, daher müssen auch wir unsere Maßnahmen immer wieder auf den Prüfstand stellen und optimieren“, so Becht weiter.

So sollen Einkaufsprozesse weiter optimiert werden, zugleich stehen auch die Vertragspartner der DB im Fokus des Programms: Bei Lieferanten werden Compliance-Systeme erwartet und in besonders sensiblen Projekten Auditrechte beim Vertragspartner vereinbart. Vertragsklauseln ermöglichen zukünftig zudem pauschalierte Schadensersatzzahlungen im Betrugsfall und machen so jahrelange Gerichtsprozesse überflüssig. Auch der Risikoatlas der DB wird weiterentwickelt und um eine Tiefenanalyse der Geschäftsprozesse ergänzt.

Um Untreue- und Korruptions-Risiken innerhalb der DB zu begegnen, wird eine breite Sensibilisierungskampagne unter den Mitarbeitern durchgeführt. Tagungen, Schulungen und Publikationen sollen für Handlungssicherheit sorgen.

Laut Bundeslagebild Korruption 2010 des Bundeskriminalamtes ist die Bauwirtschaft der Wirtschaftszweig in Deutschland, bei dem die meisten Fälle von aktiver Bestechung gezählt wurden.<<

Ein Kommentar

  • 1
    F.Ruhland:

    Ob die Aufdeckung des Kartells der „Schienenfreunde“ zur Installation des Compliance-Programms beigetragen haben mag? Bzw. ob das Compliance-Programm ein solches Kartell hätte verhindern können? Bekanntermaßen hatte ein Kartell namens „Schienenfreunde“ den europäischen Bahnen jahrelang Schienen und Weichen zu überhöhten Preisen verkauft. Allein im Bereich der DB AG soll der Schaden nur zwischen 2003 und 2008 400 Mio. Euro betragen haben. Quelle: Lunapark21, Heft 15, 2011, S. 24

 
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