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Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Man wünscht mich als Oberbürgermeister-Kandidaten in Stuttgart

22.03.12 (Allgemein, Marginalien, Personalien)

Ein netter Bekannter schickte mir den Link zu einer Seite, in der Stuttgarter Bürger einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl nominieren dürfen. Überraschung: Ich stehe drauf!

Das Vertrauen der anonymen Fürsprecher ehrt mich. Ich wäre alt genug für das Amt, habe Verwaltungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kommunales studiert und kann Bauleitplanung, Flächennutzungspläne und Bebauungspläne sowie Kann-Bestimmungen von Ermessensspielräumen unterscheiden. Und ich weiß, dass Politik das Ergebnis von interessengeleitetem Druck und nicht von Sachverstand oder gar gesundem Menschenverstand ist. Das würde formal für den Job genügen, nicht aber zur Führung einer von schwarzen Karrieristen und anderem Filz durchsetzten Verwaltung einer Stadt, die ich noch nie attraktiv fand.

Obwohl: Schlechter als Schuster könnt ich’s auch nicht machen.

Mit einem größeren Teil der Medien hätte ich dagegen leichtes Spiel. Denn ich weiß, wie man kommunziert, dass viele Stuttgarter Redakteure recherchefaul sind, ihren frühen Feierabend lieben, Probleme mit der kreativen Themenfindung haben und 1 und 1 nicht zusammenzählen können. Deshalb verlassen sie sich ja auch so oft blind auf den copy-and-paste-Dienst der dpa. Aber wer nicht als schwarz angestrichener Pfahl daherkommt, könnte bei manchen Schreiberlingen doch einen gewissen Ehrgeiz herausfordern, es dem Eindringling zu zeigen. Da Logik und Faktenverständnis bei den lieben Kollegen notorisch unterentwickelt scheinen, Vorurteile und politische Glaubensrichtungen um so mehr in den Hirnen festgemeißelt sein dürften, würde es aber gar keinen Spaß machen mit diesen Damen und Herren. Ich rege mich zu leicht auf über Dummheit im Dienst.

Gut, die fette Rente wäre ein ernstzunehmendes Argument. Schwäbisch kann ich auch. Aber Trollinger und Acolon mit den Vorständen und Geschäftsführern von Daimler, Stihl, WMF, Züblin, LBBW, ECE, Bosch und Trumpf (oder gar dem radebrechenden Oettinger!) trinken zu müssen und sich am Preis der Armbanduhren zu messen, erscheint mir nicht erstrebenswert und eher langweilig. Noch grausliger stelle ich mir vor, mit Kretschmann über Sophistokles, Aristopholos, die Pharisäer (da kennt er sich aus!) und das Menschenbild der Heiligen Mutter Maria sowie über seinen geliebten Mercedes zu diskutieren und das bisschen, was in seinem Wohnort Laiz los ist.

Nicht zuletzt: Die Eröffnung von Weinfesten war noch nie meine Herzensangelegenheit, zumal die Pseudo-Dirndl-Kostüme den schwäbischen Honoratiorengattinnen nicht wirklich stehen. Im hässlichsten Rathaus Deutschlands zu sitzen und auf den ebenso hässlichen Marktplatz zu schauen, würde mich rein visuell überfordern. Von der Bahnhofs- und Schlossgartenruine einmal abgesehen.

Mein Entschluss steht fest: Isch kandidiere – nicht.

 
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