Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Nie ohne meinen Drucker: iPhone-App DB Tickets taugt nicht für Geschäftskunden

06.03.12 (DB, DB ML, Deutschland, Eisenbahn, Innovationen, Pannen, Personenverkehr, Technologien)

Die Deutsche Bahn führte vor kurzem eine neue iPhone-App ein, mit der man online Tickets erwerben kann. Eine tolle Sache, die gut funktioniert. Mit etwas Geduld sogar im fahrenden Zug, wenn man nicht gerade in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist, wo die Mobilfunknetzbetreiber Basisstationen für ziemlich überflüssig halten.

Für Geschäftsreisende und Selbstständige taugt die tolle iPhone-App aber nichts, denn die Fahrberechtigung bleibt als Foto und QR-Code (falsch als „Barcode“ bezeichnet) im Handy. Einen Beleg, den das Finanzamt akzeptiert, gibt es nicht. Jedenfalls nicht ohne aufwendige Recherche.

Virtuelles Ticket ohne MWSt.-Angabe

Aztek-2D-Barcode, in dem mehr Daten enthalten sind als in QR-Code

Es sei denn, man erfragt bei der Twitter-Hotline der Bahn, ob es doch einen Weg gibt. Der funktioniert aber „aus Kapazitätsgründen“ nur am Tag der Reise und einen Tag danach. Darum hat man sich diese Information bei der Beschreibung der DB Ticket-App in bahn.de gespart. Die Server, die teuren Server!

Wenn man neben dem iPhone also auch ein Notebook und einen Drucker mit sich führt, kann man ein Online-Ticket am Tag X und X+1 ausdrucken. Unentbehrlich ist das schwere Equipment also bei mehrtägigen Reisen mit spontanem Ticketkauf. Gedacht hat sich dabei die zuständige DB Vertrieb GmbH in Frankfurt/M. offensichtlich nichts.

Vergisst man das Ausdrucken des virtuellen Tickets sofort nach der Rückkehr ins eigene Büro oder kehrt erst ein paar Tage später zurück, findet man bei seinem Kundenkonto in Bahn.de nur eine ausdruckbare „Detailsicht“ (was für ein Wortungetüm!). In der ist neben Tag und Strecke immerhin der Endpreis angegeben, aber keine Mehrwertsteuer. Eine derartige „Detailsicht“ akzeptiert natürlich kein Finanzamt und keine Reisestelle eines Unternehmens.

Wer nicht aufgibt und recherchiert, kann über den Online-Service bei Bahn.de (am besten direkt an fahrkartenservice AT bahn.de mailen) das PDF eines Online-Tickets anfordern, wie man es von der Online-Buchung am PC kennt. Dazu muss man „nur“ die Buchstaben-Zahlen-Kombination des DB-Tickets auf der bahn.de-Seite abschreiben und am besten auch die Kundennummer angeben.

Auf die simple Idee, wie bei einer Online-Buchung sofort ein PDF zu mailen, sind DB Fernverkehr AG und DB Vertrieb nicht gekommen. Oder bei den Kundendaten in bahn.de für jede Reise bzw. monatlich eine Quittung zu erstellen oder die Online-Tickets ein Vierteljahr lang abrufbar zu machen. Da fehlt es nicht nur bei Kapazitäten im Rechenzentrum.

Meine Anfragen haben mindestens drei DB-Firmen eine Stunde lang beschäftigt, sechs E-Mails, sieben Tweets und einen Anruf generiert.

 

Nachtrag 12.3.2012: Die Deutsche Bahn hat mich informiert, dass es einen verlängerten Zugriff auf das Online-Ticket zur Abrechnung geben wird. Die zusätzliche Zusendung eines Online-Tickets (exakt die Lösung, die ich wollte) war zwar in meinen Bahn.de-Daten schon immer per Häkchen gewünscht, hat aber im Zusammenspiel mit der Ticket-App in meinem Fall keine Wirkung gezeigt. Die DB prüft nun, ob eventuell ein Programmfehler oder Schnittstellenproblem vorliegt. Ich werde berichten, wenn der Fall eindeutig geklärt ist.

2 Kommentare

  • 1
    Peter Amgalgen:

    Die Welt wird nicht klüger…
    Genau dasselbe Problem hatte die SBB bei der Einführung von iPhone Tickets in der Schweiz auch. Nun haben sie nachgebessert und bieten einerseits Quittungen für jedes Ticket im Kundenzenter an oder sogar eine monatliche Zusammenstellung aller gekauften Tickets.

  • 2
    Mathias:

    Ich finde auch, dass die das schlecht gelöst haben, aber was ist denn, wenn du den Screenshot vom Iphone einfach ausdruckst? Das steht ja sogar dein Name drauf, was dem Finanzamt ja nur lieb sein dürfte.

 
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