Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Flog S21-Architekt Ingenhoven bei Google raus?

29.04.12 (Bahnhöfe, Eisenbahn, Nordamerika)

Letztes Jahr hatte die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass der Stuttgart-21-Architekt Ingenhoven von Google den Auftrag habe, eine neue „grüne“ Konzernzentrale zu bauen.

Die Meldung kam auf der Basis von Berichten der HuffPost und MercuryNews, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Redakteure der Stuttgarter Zeitung von diesen amerikanischen Medien bisher je etwas gehört oder gelesen haben. Recherchefreudigkeit ist ja nicht gerade das, was bei den Stuttgarter Redakteuren besonders auffällt. Von interessierter Seite lancierte Nachrichten verbreitet man umso lieber und kann dann auch noch so tun, als ob es exklusiv sei und nur dank harter Recherchearbeit ausgegraben. Zu welcher journalistischer Qualität die Redakteure in Stuttgart fähig sind, beweisen sie ja tagtäglich bei Stuttgart 21: vorurteilslos, blitzgescheit, mit brillanter Logik, virtuoser Nutzung der Grundrechenarten und einer Fülle von Quellen (Dietrich, Schuster, Turner, dpa, Dietrich, dpa, Hauk, Dietrich).

Nun scheint sich das Glück des großen Düsseldorfer Architekten gewendet zu haben. (Lokalredakteure bezeichnen übrigens Architekten grundsätzlich als Stararchitekten, wenn das Gebäude mehr als zwei Stockwerke hat. Das ist in Düsseldorf nicht anders als in Stuttgart. Diese Definition gilt auch, wenn ein Untergrundbahnhof gebaut werden soll, weil Maulwurfsbuddeleien grundsätzlich nur von Stararchitekten beherrscht werden. Denn die können alles verkaufen, sogar das, was physikalisch nicht geht.)

Twitterer howahkan verdanke ich den Link zu dem amerikanischen Architekten-Newsportal Architect’s Newspaper, das in seinem Blog eine interessante Meldung verbreitet: Google habe Ingenhoven gefeuert.

Bitten des Architektenblatts um Rückruf ließ der US-Ableger von Ingenhoven Architects unbeantwortet, gewöhnlich ein Zeichen dafür, dass das Gerücht stimmt oder zumindest Feuer unterm Dach ist.

Aber ein bisschen muss ich auch schmunzeln, was Google verlangt haben soll: das grünste, umweltfreundlichste und nachhaltigste Gebäude, das heutzutage möglich ist. Von Ingenhoven, einem Vertreter der Glas-, Stahl- und Beton-Blendarchitektur der frühen 90er Jahre? Bei der unmenschliche, auf maximale Verdichtung optimierte Baukörper durch ein paar geschwungene Linien gefälliger gemacht werden.

Manchmal ist Google doch zu naiv.

2 Kommentare

  • 1
    Horst Ruch:

    Ausnahmsweise muß ich Ingenhoven in Schutz nehmen.
    Er hat in Stuttgart die physikalischen Vorgaben von dem größten global tätigen Verkehrsunternehmen Europas übernehmen müssen.Und die verstehen ja schließlich was von subventionierter Planung,gell?

  • 2
    Gerhard Dongus:

    Von Herrn Ingenhoven halte ich überhaupt nichts. Wer einen solchen „Schwachsinn“ wie S21 (Tiefbahnhof in Stuttgart) als Architekt entwirft(und das vor 16 oder 17 Jahren) kann man nichts halten. Aber natürlich auch nicht von den „Schwachköpfen“ die ihn ausgewählt haben. Stuttgart 21 ist der größte Murks aller Zeiten.

 
Get Adobe Flash player

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen