Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

ICE bei Hannover: 4 Stunden Warten auf die Evakuierung

20.05.12 (DB, Deutschland, Eisenbahn, Fernverkehr, Pannen, Personenverkehr, Triebwagen)

Wie der Deutschlandfunk meldete, ist ICE 642 Berlin – Köln wegen eines Oberleitungsschadens bei Hannover stromlos und damit unklimatisiert liegengeblieben. Es dauerte über vier Stunden, bis eine betriebsfähige Diesellok zum Abschleppen zur Verfügung stand. Die Fahrgäste, die im heißen Zug ausharren mussten, wurden jedoch mit einem Zug auf dem Parallelgleis evakuiert.

Gewöhnlich stehen in Hannover Hbf zwei 218er mit der notwendigen Scharfenbergkupplung für ICE-Abschlepp-Aktionen. Dass diese Loks offenbar nicht einmal betriebsbereit sind, würde mich nicht wundern. DB Fernverkehr lernt eben nur schwer dazu und spart, wo man kann.

Laut einem Bericht von RP-Online haperte es dagegen bei der Lokführerbereitschaft – auch das keine Überraschung. Dem Redakteur wurden Fotos verboten.

Großzügigerweise wurden diesmal bei ca. 25 °C Außentemperatur die Türen geöffnet und lauwarme Getränke gereicht.

6 Kommentare

  • 1
    Thomas Neuhaus:

    Ruft es in die Welt! Baut endlich wieder Züge mit Fenstern, die sich öffnen lassen. Ich bin am Wochendende mit dem ALEX gefahren – da gibt es tatsächlich noch die auch früher bei der DB üblichen Waggons mit Abteilen, bequemen Sitzen und man kann die Fenster öffnen – und die Fahrgäste freuts. Im Zug herrschte eine ganz andere Atmosphäre als in diesen DB Plastik-ICE Sardinenbüchsen.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Lieber Herr Neuhaus,
    ich fände es manchmal, auf Nebenstrecken, auch schöner. Aber man sollte wissen, dass Züge, die für höhere Geschwindigkeiten gebaut sind, druckdicht sein müssen. Entweder man fährt unter ca. 140 km/h, oder man braucht hermetisch abgeschlossene Züge wegen der Tunnel und des Drucks bei Zugbegegnungen (=500 bis 600 km/h!). Auf langsamen Strecken sind Fenster zum Öffnen ja angenehm, aber nicht im Stand ohne Klimaanlage bei Temperaturen über 25 Grad. Vom Lärm und den Mitreisenden, denen „es zieht“, einmal abgesehen. Klimatisierung und Fenster zum Öffnen schließen sich eben aus.

  • 3
    Thomas Neuhaus:

    Lieber Herr Weidelich,

    ich gebe Ihnen teilwiese recht. Man könnte aber auch die ICE Wagen mit Fenstern versehen, die sich im „Notfall“ etc. öffnen lassen. Fenster die sich nach Vorankündigung bei Geschwindkeiten über 1oo automatisch schließen o.ä. – das wäre so einiges möglich, was die DB aber lieber sparen will. Und auch bei einem liegengebliebenen Zug ist ein offenes Fenster immer noch besser als ein geschlossenens. Die IC Wagen haben ja zumindestens diese kleinen Klappen oben an manchen Fenstern, und der ist auf vielen Strecken auch nicht viel langsamer – manchmal sogar schneller. Auf meiner Stammstrecke Nürnberg-Berlin und zurück, als durch halb Deutschland, erreicht der ICE selten Höchstgeschwindikeiten…

  • 4
    Lukas Iffländer:

    Hallo Herr Neuhaus,

    Das mag zwar technisch alles möglich sein, aber will ich nicht der Ingenieur sein, der die selbstschließenden Fenster durch die EBA-Zulassung bringen muss.
    Da muss man dann nachweisen, dass nichts dazwischen kommen kann, bzw. die Fenster erst hochgehen wenn kein Arm/Kopf mehr im Weg ist. Und vorher darf im Triebkopf keine Freigabe für > 100km/h geben, genauso auch für alle entgegenkommenden Züge (das muss dann erst mal in die ETCS Norm integriert werden) Einerseits dauert das Ewigkeiten bis das zugelassen wäre, anderseits würde das dann zu Behinderungen im Betrieb führen wenn mal ein Fahrgast die Hand nicht rauszieht. Das würde dann wieder dem Wunsch der anderen 99% der Fahrgäste nach einem pünktlichen Betrieb widersprechen.

  • 5
    Thomas Neuhaus:

    Hallo Herr Iffländer,

    irgendwie scheint in unserer Zeit das selbstverantwortliche und rücksichtsvolle Handeln gegenüber anderen abhanden gekommen zu sein, wenn ich mir Ihren Text so durchlese.

    Wie sieht den i.d.R. die Realität bei Zügen mit Schiebefenstern aus. Sie werden geöffnet/geschlossen so ca. 50m +/- Bahnhof. Sobald der Zug wieder losfährt stehen die Leute auf und schließen die Fenster wieder. Über 100 Jahre lang war das in Zügen kein Problem. Insofern wäre eine automatisches Schließen der Fenster, wenn überhaupt nötig, problemlos machbar. Und auf meiner Strecke fährt der ICE im Übrigen nur selten schneller als 150km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dürfte auf der ganzen Strecke Nürnberg-Berlin bei 120km/h liegen.

    Wobei man generell die Frage stellen könnte, was sinnvoller ist – kurzfristig 200km/h oder schneller zu fahren oder das Streckennetz bzw. die Fahtpläne so zu optimieren, daß mit einer niedrigeren aber konstanten Geschwindigkeit in der gleichen Zeit gereist werden kann.

    Ich glaube es war in einem DSF Sportmagazin: Vergleichstest Strecke München Berlin, Autobahn, einmal Smart mit 120km/h (max.) und ein Porsche, der so schnell fahren durfte wie er konnte/durfte. Der Porschefahrer war 15min. schneller in Berlin, wesentlich gestresster und von der Benzinrechnung mal ganz zu schweigen. Ist das Fortschritt?

    Ich fahre auch reglmäßig die Strecke nach München mit dem Alex – hier sind noch die alten Reisezuwagen der DB im Einsatz – Geschwindigkeiten bis ca. 140 / 150 km. Keiner läßt bei dieser Geschwindigkeit das Fenster offen.

    Wenn Sie in einem ICE sitzen haben Sie dort wirklich das Gefühl zu reisen? Ich fühle mich von der Umgebung eher isoliert durch die geschlossene Kabine und so ist auch die Stimmung im ganzen Wagen anders als in älteren Zügen – auch irgendwie menschlich kühler.

    Die Stimmung, die Gespräche – alles entwickelt sich hier anders. Wenn ein Zug in einem Bahnhof hält, Menschen aufstehen, Fenster öffnen, sich durch das Fenster verabschieden, alles Dinge, die in einem ICE nicht möglich sind – aber das ganze eben menschlich machen. Wieviele Menschen schauen in einem ICE auf, wenn sie in einem Bahnhof einfahren? Nach meinem Eindruck wesentlich weniger – weil man den Bahnhof eben nicht mit seinem Sinnen wahrnehmen kann, man ist isoliert – und das macht die Welt wieder mal ein Stückchen kälter und ärmer. So nehme ich es zumindestens war.

  • 6
    Lukas Iffländer:

    Hallo,

    ich setze zur Übersichtlichkeit mal die Textbestandteile auf die ich mich beziehe in —


    irgendwie scheint in unserer Zeit das selbstverantwortliche und rücksichtsvolle Handeln gegenüber anderen abhanden gekommen zu sein, wenn ich mir Ihren Text so durchlese.

    Hier haben Sie meine vollte Zustimmung. Leider ist man in Deutschland immer mehr zur Vollkaskogesellschaft geworden.


    Wie sieht den i.d.R. die Realität bei Zügen mit Schiebefenstern aus. Sie werden geöffnet/geschlossen so ca. 50m +/- Bahnhof. Sobald der Zug wieder losfährt stehen die Leute auf und schließen die Fenster wieder.

    Gerade in den von Ihnen weiter unten erwähnten ALEX-Zügen kann ich das leider nicht bestätigen. Vor allem wenn der Zug am Hofer Hauptbahnhof im Sommer länger im der prallen Sonne gestanden hat, geht das letzte Fenster doch teils erst in Marktredwitz oder Wiesau hoch, wenn die Hitze wirklich raus ist, auch weil auf diesem Abschnitt noch <120km/h gefahren wird.


    Und auf meiner Strecke fährt der ICE im Übrigen nur selten schneller als 150km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dürfte auf der ganzen Strecke Nürnberg-Berlin bei 120km/h liegen.

    Das hat sich (aus Fahrzeitsicht) zum Glück bald erledigt wenn die SFS in Betrieb geht. Ausserdem ist die Saalebahn ganz ehrlich gesagt keine wirkliche ICE-Strecke. IC oder wenn es ihn noch gäbe IR wäre die angebrachtere Zugart. An manchen Stellen muss selbst mit Neigetechnik 200km/h gefahren werden kann, ist dies definitiv als Alternative zum Flugverkehr zu forcieren. Wir brauchen aber letztendlich beide Netze – einen flotten HGV-Fernverkehr, der nicht an jeder Milchkanne hält weil es sich irgend ein Politiker wünscht, und ein B-Netz (IC/IR), dass bei mittlerem Halteabstand die Region erschließt mit Anschluss an den Nahverkehr und an den Knoten dann Wechselmöglichkeit zum HGV.


    Wenn Sie in einem ICE sitzen haben Sie dort wirklich das Gefühl zu reisen? Ich fühle mich von der Umgebung eher isoliert durch die geschlossene Kabine und so ist auch die Stimmung im ganzen Wagen anders als in älteren Zügen – auch irgendwie menschlich kühler.

    Die Stimmung, die Gespräche – alles entwickelt sich hier anders.

    Kann ich jetzt nicht direkt bestätigen. Sowohl meine ICE- als auch IC- und Nahverkehrsreisen haben sich alle des Öfteren zu interessanten Gesprächen mit dem vorerst unbekannten Gegenüber geführt mit und ohne Fenster. Hier fällt mir eher der Unterschied Abteil – Großraum auf.


    Wenn ein Zug in einem Bahnhof hält, Menschen aufstehen, Fenster öffnen, sich durch das Fenster verabschieden, alles Dinge, die in einem ICE nicht möglich sind – aber das ganze eben menschlich machen. Wieviele Menschen schauen in einem ICE auf, wenn sie in einem Bahnhof einfahren? Nach meinem Eindruck wesentlich weniger – weil man den Bahnhof eben nicht mit seinem Sinnen wahrnehmen kann, man ist isoliert – und das macht die Welt wieder mal ein Stückchen kälter und ärmer. So nehme ich es zumindestens war.

    Hier muss ich ganz ehrlich sagen, dass, wenn ich gerade in mein Buch/meine Arbeit vertieft bin, ich auf meinen Stammstrecken auch eher selten aufsehe, ansonsten mich aber doch gerne umsehe egal ob im Bahnhof oder während der Fahrt.
    Nach besonders stressreichen und langen Arbeitstagen bin ich für die Möglichkeit mich zu isolieren sogar ganz dankbar (gegen 20:00 hat man oft einen der Comfort-Vierer für sich).
    Dass die Welt im ICE ein ¨Stückchen kälter“ wirkt könnte allerdings auch an der manchmal etwas überdrehten Klimaanlage liegen.

 
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