Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Deutsche Bahn steigt ins Krankentransportgeschäft ein

26.06.12 (Bahnindustrie, DB ML, Deutschland, Großbritannien, Güterverkehr, Satire)

Wer schon immer das Gefühl hatte, dass sich die Vorstände der Deutschen Bahn für alles, nur nicht den Schienenverkehr in Deutschland interessieren, hat jetzt die Bestätigung. Original-Pressemitteilung von heute:

DB Arriva, Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, hat die britische Ambuline Limited erworben und übernimmt 100 Prozent der Anteile am Unternehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit der Übernahme strebt Arriva den Ausbau des Geschäftes im Bereich der Krankentransporte und sozialen Fahrdienste in Großbritannien an. Arriva und Ambuline haben bereits erfolgreich in diesem Geschäftsfeld zusammengearbeitet.

Ambuline wurde 1979 gegründet, beschäftigt derzeit rund 240 Mitarbeiter und führt täglich bis zu 1.000 Fahrten in verschiedenen Regionen Englands durch, unter anderem für den nationalen Gesundheitsdienst (National Health Service) und andere öffentliche Auftraggeber.

Im Lauf des vergangenen Jahres haben Arriva und Ambuline gemeinsam eine Reihe von Ausschreibungen für Krankentransporte gewonnen. Dazu gehören Verträge für jährlich 500.000 Krankenfahrten in den englischen Regionen Leicestershire und Nottinghamshire, die am 1. Juli 2012 beginnen. Im Rahmen dieser Verträge übernimmt Ambuline zusätzlich 290 Mitarbeiter von einem Unternehmen des nationalen Gesundheitsdienstes. Außerdem investiert Arriva sechs Millionen Pfund (ca. 7,46 Millionen Euro) in eine Flotte von 130 neuen Fahrzeugen.

Gesteuert werden die Transporte über zwei neue Arriva-Kontrollzentren in Nottingham und Leicester. Die Einsatzkoordination erfolgt über Satellitenortung der Fahrzeuge und mit kundenfreundlichen Reservierungs- und Informationssystemen per Internet und SMS.

Kleiner Hinweis für Technikmuffel: Eine „Satellitenortung der Fahrzeuge“ gibt es nicht, denn da wird rein gar nichts an Satelliten zurückgefunkt, wie auch viele Journalisten glauben. GPS-Empfänger sind passive Geräte, die aus den Signallaufzeiten von mindestens drei, besser vier Satelliten des Global Positioning System ihre Geokoordinaten berechnen. Diese werden dann per Mobilfunk an die Zentrale übermittelt. Just as simple as that.

PS: Als nächste Akquisition von DB Mobility Logistics erwarte ich den Einstieg ins Bestattungsgeschäft. Bekanntlich sind die Gewinnquoten im Sarghandel drei- bis vierstellig. Tote auf der Straße durch die Gegend zu karren, ist ja schließlich auch irgendwie Logistik. Und ein Wachstumsmarkt.

Den Werbeslogan habe ich schon entwickelt: DB Schenker Arriva Funeral Enhancement (DB SAFE) – damit Sie auch auf Ihrer letzten Reise gut ankommen.

Jetzt auch als Geschenkgutschein!

PS: Nach frei erfundenen Gerüchten prüft DB Fernverkehr momentan eine Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Bestatter bei der BahnCardLast. Sie soll fünf Jahre Freifahrt und eine Standardbestattung mit Überführung durch die weißen (Straßen-)Leichenwagen von DB SAFE enthalten. Preisidee 12.000 €, ab 75 Jahre. Werbeslogan vermutlich: BahnCardLast – einfach himmlisch. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) soll bereits Bedenken wegen des Slogans geäußert haben.

5 Kommentare

  • 1
    Thomas Neuhaus:

    Für die zu erwartende DB Schenker Arriva Funeral könnten dann die leichten Güterzüge genutzt werden, die dann zwischen den Friedhöfen Stuttgart und Ulm auf der neuen Schnellfahrstrecke einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden könnten, was den Nutzen dieser Strecke dann wieder deutlich über Faktor 1,1 steigen lassen würde.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Sehr guter Hinweis! Zu einem durchdachten business case würde natürlich auch die Nutzung der Ostsee-Fähren für die Seebestattung gehören. DB SAFE Complete Burial Services! Bei unserer Alterspyramide würden die DB ML AG-Gewinne trotz der üblichen Managementminderleistungen der DB-Vorstände garantiert steigen.

  • 3
    Thomas Neuhaus:

    Komplettieren ließe sich das „RundumSorglosPaket“ noch mit der DB Risiko. Da zukünftig der Bahnverkehr nur noch unterirdisch und an schrägen Bahnhöfen stattfinden wird, wäre mit der DB Risiko auch die wohl zunehmende Unfallgefahr abgedeckt und falls es mal zu spät sein sollte für die DB Safe übernimmt dann eben die DB Funeral – und das tolle ist, man muß den Bahnhof gar nicht mehr verlassen. „Wir lassen Sie nicht allein: Ihre DB.“

  • 4
    Torsten Kretschmann:

    Es begab sich zu der Zeit, als der Fernverkehr Mannheim – Stuttgart noch über Bruchsal fuhr, und als noch an allen Tunneleinfahrten Achtungssignal Zp 1 gegeben wurde, dass es an dem Tunnel unter dem Friedhof (Bruchsal Engelsgasse – passender Name irgendwie) untersagt war zu pfeifen, um die Totenruhe nicht zu stören.

    Das Verständnis für Pietät wäre im Konzern also vorhanden…

  • 5
    Lukas Iffländer:

    !Achtung Ironie!

    Da ist es ja verwunderlich, dass sich damals der Verband der wandelnden Toten nicht beschwert hat, dass die Zombies im Tunnel nicht gewarnt werden wenn ein Zug kommt.

 
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