Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Grubes Einladungen – aber nicht alle wollen kommen

13.06.12 (Bahnindustrie, DB ML, Deutschland, Grube, Marginalien, Russland, Satire)

Wenn man schon nach und nach 38 Siemens-Züge vom Typ Desiro RUS nach Ust-Luga verschifft (ich berichtete hier über den ersten Transport), dann kann man doch auch ein paar Güterwagen mitnehmen und wieder einen regelmäßigen Fährbetrieb einführen. Das dachte sich offenbar die Deutsche Bahn AG und lud die üblichen embedded editors und Fernsehteams in den streng bewachten Fährhafen nach Rügen ein. Zu DDR-Zeiten war der Austausch von Kesselwagen zwischen Mukran und Ust-Luga übrigens Routine, und ein paar davon hatte man wohl schon auf den vorigen Fahrten der „Petersburg“ mitgenommen.

Die Wiederaufnahme des Fährbetriebs war der Deutschen Bahn AG jede Menge PR-Getöse wert. Fast vier Stunden vor dem Ereignis letzten Freitag verteilte die DB-Pressestelle eine Pressemitteilung mit einer nicht nachvollziehbaren Sperrfrist bis 16 Uhr. Darin schlagzeilte eine MdB Dr. Angela Merkel: „Deutschland und Russland rücken wirtschaftlich noch weiter zusammen“.

Und weiter: Das Startsignal gab Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in ihrer Eigenschaft als Bundestagsabgeordnete zusammen mit Wladimir Jakunin, Präsident der Russischen Eisenbahn (RZD), Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, und Volker Schlotmann, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern. Die Bundeskanzlerin vertritt als Bundestagsabgeordnete die Insel Rügen, die Hansestadt Stralsund und den Landkreis Nordvorpommern im Deutschen Bundestag. 

Auch der frisch verliebte und beruflich notorisch glücklos agierende DB-Vorstandsvorsitzende war dabei und hatte kurzzeitig vergessen, dass er Chef eines primär Schienenverkehrsunternehmens ist: „Mit dieser Verbindung öffnen sich für DB Schenker neue Möglichkeiten, wirtschaftliche Transporte anzubieten. Gewinner sind unsere Kunden – aber auch die Umwelt, denn das Seeschiff bietet eine umweltfreundliche Alternative zu den bestehenden Lkw-Landrouten.“ Süß.

Verladen wurde bei der PR-Veranstaltung, bei der nicht so ganz auszumachen war, wer da für wen netzwerkelt und Wahlkampf macht, übrigens ein weiterer Desiro RUS aus dem Hause Siemens. Weil: Irgendwas musste man ja zum Zeigen für die Fernsehkameras haben.

Großmäulig textete die DB-Pressestelle, die mit diesem Auftrag rein gar nichts zu tun hat: „Die RZD hat insgesamt 38 der fünfteiligen Desiro-Züge bestellt, die in den nächsten anderthalb Jahren geliefert werden. Sie sind unter dem Namen Lastotschka (Schwalbe) für den Regionalverkehr während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi vorgesehen.“ Klar, und dann werden sie sofort verschrottet.

Als Zaungäste der medialen Verladeaktion hatte der DB-Vorstand auch die Siemens-Vorstände Löscher und Grundmann eingeladen. Sie haben es vorgezogen, nicht zu kommen.

Merke: Wer einen Siemens-Zug verlädt, um für eine lokale Bundestagsabgeordnete, die zufällig auch Bundeskanzlerin ist, das politische Geschäft zu erledigen, wird vom Siemens-Vorstand verladen.

Stil war noch nie die Stärke des Herrn Dr. Grube. Aber er sorgt vor: 2013 braucht er die wendige „Bundestagsabgeordnete“ zur Verlängerung seines Vorstandspostens.

 
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