Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Grazer Nahverkehrsgesellschaft bittet um Shitstorm

20.07.12 (Marketing, Österreich, Personenverkehr, Satire, Straßen-/Stadtbahnen)

Mal davon abgesehen, dass eine „Holding Graz Linien“ nicht eben sexy klingt für eine Nahverkehrs-, Wasser-, Gas-, Müll- und Bestattungsgesellschaft, will die ÖPNV-Abteilung der schönen Stadt Graz jetzt die Kommunikation mit den Fahrgästen verbessern. Wie der Standard berichtet, sucht man deshalb im Internet den intensiven Kontakt mit der Kundschaft und den Dialog.

Screenshot 20.7.2012, 11 Uhr

Social-Media-Experten – so darf sich jeder nennen, der rote Haare hat oder auf andere Weise demonstriert, dass er nicht erwachsen werden will; der Google+, Twitter, Fakebook, Kommjunitie, Soschell Midia und Blog unfallfrei aussprechen kann und Pinterest und die Cloud für das ganz große Ding hält – haben die Nahverkehrsholding offensichtlich beraten und schon mal klargemacht, was auf sie zukommen könnte: Beleidigungen, Mutmaßungen und Beschimpfungen. Deshalb müssen die „aktiven Beiträge“ auch sachlich und fair bleiben.

Was die Vorschlag-Sammler vom Soschellmidiatiem von ihren Kunden erwarten, haben sie durch die Bezeichnung des „Blogs“, der noch nicht so richtig existiert, kundgetan: Shitstorm-Community heißen die ÖPNV-Nutzer und Internetbesudler. Die Grazer Kommunikationsexperten wissen dank Wikipedia, was sie tun, und erklären den Shitstorm sogar.

Als Piefke fragt man sich irritiert, ob der Grazer Schmäh noch einen Zacken schärfer ist als der in Wien oder wir wieder einmal keinen Sinn für Zynismus haben. Ein Indiz, dass in Graz zumindest eine besondere Humorform gepflegt wird, könnte die Bezeichnung der städtischen Müllabfuhr sein: Servus Abfall.* Beim „zweitgrößten Bestattungsunternehmen in Österreich“ verzichteten die Kommunalbetriebe pietätvoll auf fröhliche Bezeichnungen wie Schöne Leich oder Endstation. Jedoch nicht ohne den stolzen Hinweis auf die Kompetenz: „Unsere Qualitätsmerkmale entspringen einer mehr als hundertjährigen Erfahrung und werden permanent den Marktbedürfnissen angepasst.“ Das schafft Vertrauen zum steiermärkischen Totengräber schon zu Lebzeiten, ganz ohne Internet-Gemeinde und sterbefreudige Freunde in Facebook. Gefällt mir!

Doch zurück zur Shitstorm-Community: Gut möglich, dass die Grazer Bus- und Trampassagiere die im digitalen Kommunikationsversuch vermittelte Wertschätzung entsprechend beantworten:

Grazer Linien – darauf scheiß ich!

* PS: Ich könnte wetten, dass die Grazer Holding ihre öffentlichen Toiletten auch sehr lustig benennt. Wenn nicht: Brunzerie klingt ganz lieb.

2 Kommentare

  • 1
    Georg Barta:

    Also irgendwie scheint der Autor des Kommentars die Sache nicht ganz begriffen zu haben: die Grazer Linien haben – wodurch auch immer – einen Shitstorm verursacht und als Reaktion darauf einen speziellen Blog dafür eingerichtet. Was daran verwerflich oder auch nur ungeschickt sein soll, versteht wohl nur ein Piefke 😉

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Ham’S die Botschaft nicht verstanden? Mein Freund in Österreich hat sich abgehauen vor Lachen. 🙂

 
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