Railomotive

Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich – Fachjournalist

Der letzte Bahnhofsversteher

24.09.12 (Bahnhöfe, DB, Deutschland, Eisenbahn, Personenverkehr, Unterwegs – Erfahrungen)

Auf meinen Reisen habe ich kürzlich Bahnhöfe in Baden-Württemberg kennengelernt, in denen die Deutsche Bahn AG ihren täglichen Irrsinn exzessiv praktiziert. Denn da gibt es noch Bahnhöfe mit für Eisenbahnfreunde schönen Hebelstellwerken und Personal. Und dank Busanbindungen sogar stündlich mehr als eine Handvoll Fahrgäste in jeder Richtung. Die Schalter, an denen man Fahrkarten kaufen konnte und Auskunft bekam, sind jedoch verschlossen.

Zwei Neigezüge haben Kreuzung im besetzten Bahnhof Schorzingen. Der eine links hat Verspätung, weil wieder einmal die Neigetechnik ausgefallen ist, der rechts fährt durch. Die Kunden müssen an den Automaten. (Foto: Weidelich)

In Storzingen gibt es immerhin einen Automaten auf dem Bahnsteig. Er wird im Zweifelsfall von einer anderen DB-Firma (DB Vertrieb) finanziert als das Personal (DB Station & Service oder einem Subunternehmen), das den Verkauf ohne Zusatzkosten erledigen könnte, denn bei höchstens vier Zügen pro Stunde ist nicht viel los. Der Automat hat mindestens 15000 Euro gekostet.

In Hausen im Tal – hinten die Werenwag – gibt es zwar einen Fahrdienstleiter, aber weder Schalter noch Automaten (Farblich dramatisiertes Foto: Friedhelm Weidelich)

In Hausen im schönen Donautal steigen von Frühjahr bis Oktober zahlreiche Wanderer, Radfahrer und Schulklassen ein (letztere passen manchmal auch nicht in den letzten Zug am Abend und müssen dann von den Eltern mit dem Auto abgeholt werden). Fahrkarten gibt es in Hausen im Tal generell nicht, weil es keinen Automaten gibt.

„Sagen Sie, dass Sie in Hausen im Tal eingestiegen sind, falls jemand kontrollieren kommt“, lautet die Empfehlung des Fahrdienstleiters. Oder, noch besser, wenn man über Tuttlingen hinaus will: In Tuttlingen aussteigen, falls man genügend Zeit hat, in die Bahnhofshalle rennen, Karten am Automaten kaufen und hoffen, dass der Zug noch da ist. Die erzwungene Freifahrt geht ansonsten zu Lasten des Landes Baden-Württemberg, das diesen Irrsinn wahrscheinlich gar nicht kennt.

Alexander Dill von Telepolis hat in Schondorf in Bayern noch einen Fahrdienstleiter entdeckt, der sogar Fahrkarten verkaufen darf: der letzte Bahnhofsvor- oder versteher.

2 Kommentare

  • 1
    Daniel Weigelt:

    Gestern bin ich aus der Umgebung nach München reingefahren. Von Marzling aus, wo ich wohne, konnte ich keine Singetageskarte kaufen.

    Beweisvideo: http://www.youtube.com/watch?v=uaOT1mN4qYY

    Der Automat hat schon öfters Macken gehabt. Besonders toll, wenn man mit EC-Karte ein Ticket kauft und dann die Entertaste nicht reagiert, wenn man seine PIN eingegeben hat während der Zug schon einfährt…

    Na ja, besonders schlimm finde ich übrigens auch, das man über die App für Smartphones, die an sich ja gut gemacht ist, keine Fahrkarten kaufen kann, wenn die Strecke kürzer als 51 km ist. In der App steht dann nur „Kein Ticket möglich“, ohne weiteren Grund.

  • 2
    Friedhelm Weidelich:

    Ich finde es ebenfalls ein Unding, dass man kein Ticket für Strecken bis 50 km kaufen kann. Nicht einmal, wenn es durch mehrere Verbünde oder abseits der Verbünde ist. Das reduziert den Nutzen der App deutlich. Bis vor ein, zwei Jahren konnte man dann zwar einen Sitzplatz reservieren, bekam aber den Hinweis, dass die Buchung „nicht mehr“ (weil zu spät vor der Abfahrt) möglich sei.
    Wahrscheinlich streiten sich da DB Fernverkehr und DB Regio um das Geld oder DB Vertrieb lehnt die Abwicklung ab. Der übliche Irrsinn in einem Weltkonzern eben, der an alles denkt, aber ganz sicher nicht an Service für den Fahrwilligen.

 
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