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	<title>Railomotive &#187; Eisenbahn</title>
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	<description>Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich - Fachjournalist</description>
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		<title>Baudenkmalzerstörung Teil 2: Tschüss Südflügel</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 11:49:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Foto des Südflügels, aufgenommen 1971 von Friedhelm Weidelich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9947" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19710614-SW059-64.jpg"><img class="size-full wp-image-9947" title="19710614-SW059-64" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19710614-SW059-64.jpg" alt="" width="640" height="419" /></a><p class="wp-caption-text">So sah der Südflügel 1971 aus. (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>Heute lässt die Deutsche Bahn einen weiteren Teil eines Baudenkmals, den Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs, abreißen.</p>
<p>Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper, ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Unlogik der Deutschen Bahn, Teile des alten Bahnhofs schon abzureißen, bevor das Gesamtprojekt durchgeplant, finanziert und komplett genehmigt ist, hat gestern <a href="http://kopfbahnhof-21.de/index.php?id=1238">Strafanzeige</a> gegen die DB-Vorstände Grube und Kefer erstattet.</p>
<p>Der juristische Kampf wird auf allen Ebenen weitergehen, bis das Projekt aufgegeben wird. Und auch der Protest der Bürger gegen die Stadtzerstörung ist noch lange nicht beendet. Denn was hier abläuft, widerspricht in jeder Hinsicht dem gesunden Menschenverstand.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Märchenhaft: Wie Stuttgart 21 anfing und endete</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 17:46:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Stuttgart 21]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein satirischer Rundumschlag zum Immobilienprojekt Stuttgart 21]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Wenn es nichts mehr zu lachen gibt, kann man immer noch versuchen, gegen den realen Irrsinn anzulachen. Ein <del>satirisches</del> realitätsnahes Märchen kann dabei vielleicht helfen.</h5>
<div id="attachment_9923" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131917.jpg"><img class="size-full wp-image-9923" title="P6131917" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131917.jpg" alt="" width="640" height="436" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Wähle nur den trockenen Fluss, dein Fundament darin zu gründen&quot;</p></div>
<p>(Frei erfundenes japanisches Sprichwort.) Japanische Tempelanlage in Düsseldorf, fotografiert von Friedhelm Weidelich. Rechts der kiesbedeckte <a href="http://japanische-gaerten-berlin.de/zen02.html">Trockenbach</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es waren einmal ein paar schwäbische Honoratioren.</strong> Sie kannten sich seit Jahrzehnten, liebten Wein und Weib, aber keinen Gesang. Denn böse Menschen haben keine Lieder. Sie wählten schon ihr Leben lang CDU, weil sie etwas verändern wollten und fuhren einen Daimler ohne Kofferraumdeckelbeschriftung. Denn niemand sollte erkennen, ob es eine S- oder E-Klasse wäre und wieviel Hubraum das bescheidene Sonntagsgefährt hatte. Während der Woche nahmen sie den kleinen Diesel – sofern sie überhaupt noch selbst fahren mussten.</p>
<p>Die Honoratioren hatten sich wieder einmal im Weinberghäusl etwas an Acolon berauscht, weil der preiswert war und trotzdem ein wenig französisch schmeckte. Im Grunde ihres Herzens waren es schlichte Menschen, die einfach gute Geschäfte machen wollten und wussten, dass sie sich auf CDU, FDP, IHK, Landräte und Bürgermeister verlassen konnten. Denn es galt ja, voneinander zu profitieren und die Zukunft zu gestalten. Die eigene jedenfalls, wegen der Kinder. Denn die sollten es einmal besser haben. Und noch ein Cabrio dazu, denn es würde ja heißer werden wegen der Umwelt.<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/0f10252b07e245268e57a2171a5bd20a" alt="" width="1" height="1" /><br />
Berauscht, wie sie waren, planten sie, die Welt zu verändern. Diesmal sollte es Stuttgart sein. Eine Stadt, die schon das schönste Rathaus und den elegantesten Marktplatz Europas hatte, die breitesten Straßen und die meisten Ampelblitzer. Ein kleines Zugeständnis an das pietistische Weltbild der Bewohner, die nicht nur ihr Auto liebten, sondern auch die soziale und polizeiliche Kontrolle, sofern sie einen selbst nicht traf.</p>
<p>„Seyd ihr scho mal mitm Heligoppdr gfloga?“, fragte der, dem es schon Gewohnheit geworden war. „Oimol, aber scho lang här“, sagte der Eine, und der Andere guckte etwas skeptisch. Schon bald schwebten sie über Stuttgart, ergötzten sich ob der breiten Straßen für den neuen Panamera und der Brache am Bahnhof, wo später einmal die neue Bibliothek stehen sollte. Fernab aller Menschen, aber nah genug an den breiten Straßenschneisen. „Biecher sind die Zukunft“, rief der Eine aus, der noch das altsprachliche Gymnasium besucht hatte und noch nichts vom Telefon ohne Kabel dran und vom Internetz gehört hatte. Der Andere liebte den Geruch von frischem Beton, weil sein Vater Betonfacharbeiter gewesen war und er seine Lehre hatte abbrechen müssen wegen der Parteikarriere. „Des alde Bahnhofsglomp muss weg“, sagte einer, der weder Deutsch, Schwäbisch noch Englisch konnte. „Mai näue Fraindin wär fir a greeßeres Aikaufszentrumm mittem Houfe Parkpletz. Das ischt bequäm fier die Menschen von unserer Landeshauptschdadd.“ „Ond dr Luigi, wo der Scheff vo maim Idaliener isch, hot gsait, är tät oin kenna, wo a baar hondert Milliona naistecka tät, oiner vo weidr onda in Italie“, sagte der Andere, bei dem man nicht sicher heraushören konnte, ob er von der Alb kam. „Subba, däs wird gmacht. I ben eh scho hundert Johr nimme Zug gfahre. Seyd däm Mähdorn klappt jo nix meh bey dehna, hanni in der Bild-Zeydong gläse“, sekundierte der Dritte. Es können aber auch vier gewesen sein.</p>
<p>Und so kam es, dass der Kopfbahnhof weg musste. Denn Bauen ist Fortschritt, und wie viel Talent die Stuttgarter in dieser Hinsicht besaßen, hatten sie ja schon bewiesen, als sie ihre Königstraße zur einzigen Einkaufszone des Landes machten, in der man ab 18.30 Uhr ganz allein flanieren konnte. Ganz sicher in Begleitung einer Mauser oder einem unauffälligem Produkt von Heckler &amp; Koch im Kittel oder Handtäschle.</p>
<p>Die Pläne für den neuen Bahnhof lagen noch in der Schublade, erinnerte sich einer der Unternehmungslustigen. Er hatte da mal was auf dem Schreibtisch gehabt. Ein alter Professor, der niemals Zeit gehabt hatte, eine Märklinbahn mit vielen Tunneln zu bauen, hatte mal einen Plan gezeichnet, der doch irgendwie zu gebrauchen sein musste. Denn das neue Bahnhöfle sollte unter den Boden, um das Gleisfeld den Baulöwen als Filetstück zu servieren. Schade nur, dass die Deutsche Bahn AG damals kein Interesse gezeigt hatte.</p>
<p>Das hatte sich erst geändert, als die Stadt Stuttgart der Deutschen Bahn das Grundstück für hunderte Millionen abkaufte, das sie einst der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn ausgeliehen hatte und das ihr wohl noch gehörte. Hei, das gefiel nun den Bahn-Oberen, die von der Welt AG träumten und in der Mongolei und Absurdistan so gern investierten! Warum denn nicht auch in Stuttgart, wenn es keinen Pfennig kostete und man an den Planungskosten kräftig verdienen konnte? Da man den letzten Welt-AG-Träumer nach einem fröhlichen Bad in römischen Brunnen zu feuern gedachte und er keine Verwendung mehr für seinen Fusions- und Fusionstrennungshelfer hatte, machte man Letzteren zum neuen Bahnchef. Vielleicht auch, weil sein Familienname so gut passte. Ehrgeizig, wie er war, würde er schon genug Schneid haben, das Milliardenprojekt straff durchzuziehen. Zumal es das einzige Großprojekt der Erde war, das niemals teurer als geplant werden sollte. Ein perpetuum mobile irgendwie, nur anders. Jedenfalls saugut und rundum genial!</p>
<p>Listig, wie der Obstbauernsohn aus dem hohen Norden gelegentlich sein konnte, stellte er eine Bedingung: „Der Bahnhofsturm bleibt stehen! Er soll alle an meinen letzten Arbeitgeber erinnern, dem ich mich weiterhin verpflichtet fühle. Denn die Autoindustrie ist das Wichtigste, was wir in Deutschland haben.“</p>
<p>So sprach er, denn er wusste nicht, dass die Bahnindustrie und die Bahnunternehmen nicht viel weniger Mitarbeiter haben als die ganze Autoindustrie. Und weil die Beerdigung eines Bahnhofs ein heikles Unterfangen war und es unter den Augen der pfennigfuchsenden Schwaben nicht leicht werden würde, so viele Milliarden herauszulocken, suchten die Beamten, Unternehmer und Parteifreunde einen Architekten nicht rund um Stuttgart, wo Planer von Weltgeltung zuhause waren. Der Bahnhof an sich, eine Senkgrube mit wenigen Gleisen, war ja kein Hexenwerk. Eher ein langweiliger Ingenieurbau, den auch ein junger Absolvent planen konnte. Zwar wusste man schon von Heilwässern und gewaltigen Grundwasserströmen, die unter dem Bahnhof hindurchflossen. Aber die würde ein Betontechniker schon in den Griff bekommen. Hatte doch die Bauchemie bewiesen, dass sie mit Kunstharz auch üble Risse abdichten konnte, jedenfalls bis zum Ende der Gewährleistungsfrist.</p>
<p>Es kam aber auf einen schönen Deckel an, dafür brauchte man einen findigen Stararchitekten. Jedenfalls einen, den man mit diesem Attribut den misstrauischen und gleichermaßen leichtgläubigen Schwaben verkaufen konnte. „Mir brauchet oina, där wo Hochdeutsch kann“, sagte jener, der immerhin „Stuttgart 21“ als Projektnamen erfunden hatte. „Ond en Blender“, warf ein anderer weltmännisch ein, „des isch hoikel mit so aim Immobilieprojekt.“ „Aber wo findä mr so&#8217;n Schpetzialischt?“, fragte der, der nach einem Frauenhygieneprodukt benannt wurde. „In Disseldorf!“, triumphierte der Unternehmer, der hin und wieder die gleichgroße, aber weit mondäner wirkende Großstadt am Rhein besucht hatte, in der die Frauen immer Sonnenbrillen trugen, größer und in der Regel hübscher waren, sich elegant zu kleiden wussten und ihren Pelz nicht im Daimler versteckten, sondern selbstbewusst im Porsche Cabrio, Ferrari, Bentley oder SLK vorzeigten, den sie ebenso selbstverständlich selbst lenken durften. Hummer fuhr man hier nicht, man aß ihn gelegentlich im Hummerstübchen bei einem Glas Champagner irgendeiner Witwe. Nicht alles waren Gattinnen hart arbeitender Banker und Vorstandsvorsitzenden. Hart arbeiten und hart feiern gehörte in Düsseldorf seit jeher zur Tradition wie in Stuttgart auch, nur dass man in Stuttgart eher gar nicht oder nur im Verborgenen feierte. Es könnte ja jemand zugucken.</p>
<p>Der Architekt war in Düsseldorf schnell gefunden. Er beherrschte das Blenden wie kein Zweiter. Denn die Düsseldorfer können wirklich alles und reißen die Stadt für eine U-Bahn auf und fällen Bäume, ohne dass jemand dagegen protestierte. Der große Rheinländer präsentierte also Zeichnungen, die nur ein junger Künstler an der Düsseldorfer Kunstakademie entworfen haben konnte, so licht und luftig waren sie. Doch ein Tropenhaus hatte man schon in der Wilhelma und so kam es, dass ein Sargdeckel entworfen werden sollte, dem man seine Form nicht ansah. Rasch präsentierte der beredte Düsseldorfer Durchblicke zu alten Bäumen und ein paar Krötenaugen, die ihm ein anderer Bauherr schon Jahre zuvor als <em>70er-Jahre-Scheiß</em> um die Ohren gehauen hatte, weil die Universität Konstanz voll davon war. Doch die wenig gereisten Stuttgarter Honoratioren, die Eliteuniversitäten – wann immer möglich – gemieden hatten, verliebten sich in die Krötenaugen und das Versprechen, dass die ein- und ausfahrenden Züge das Raumklima so gut regeln würden, dass kein unnötiges Kilowatt verschwendet werden würde. Denn die schlaue DB Station &amp; Service AG, die für jeden einfahrenden Zug ein erkleckliches Sümmlein kassierte und in die eigene Tasche wirtschaftete statt zu investieren, hatte zur Bedingung gemacht, dass die Stadt die Betriebskosten auf hundert Jahre tragen müsse. Schließlich schenke die Deutsche Bahn ja den Bürgern diesen einzigartigen Bahnhof von Weltgeltung, da müsse man schon ein wenig Entgegenkommen erwarten.</p>
<p>„Gut“, sagten das Oberbürgermeisterlein und jene Gemeinderäte, die sich für schlau hielten. „Am Tag haben wir ja die Lichtaugen, da sparen wir uns den Strom fürs Licht. Und bei Nacht ist es ja sowieso dunkel. Aber weil die Züge beleuchtet sind und das Licht bei der Bahn noch ganz gut funktioniert, brauchen wir gar keine Beleuchtung mehr. Wenn alle 90 Sekunden ein Zug einfährt, ist es immer irgendwo hell.“ Das musste für die sozial schwachen Bahnreisenden genügen, denn eigentlich waren die Stadträte keine Freunde des Bahnfahrens. Wie sie überhaupt keine Menschenfreunde waren, denn ihre Amtspflichten nutzten sie seit alters her am liebsten, um sich selbst oder guten Freunden Geschäfte zuzuschustern. Warum sonst sollte man sich die schlecht bezahlten Sitzungsstunden um die Ohren schlagen? Zumal selbst gut bezahlte Beamte nicht ausschlugen, dem einen oder anderen Bauunternehmen beratend und in anderer Weise hilfreich zur Seite stehen zu wollen.</p>
<p>In den gemütlichen Redaktionsstuben würde sowieso keinem auffallen, dass der Jenseits-Bahnhof eigentlich ein Immobilienprojekt war, eine Baulandgewinnung unter Freunden. „Lasst uns in Ruhe, dann wollen wir von euch nichts. Nur ausführliche Pressemitteilungen müsst ihr uns schicken, sonst haben wir nichts zu schreiben“, hieß es unisono von den Fildern und den anderen warmen Redakteursstuben in der pflegmatischen Stadt. „Jene, die in der Redaktion gegen den Fortschritt der Bauwirtschaft sind und nach Feierabend arbeiten wollen, bringen wir schon noch zur Raison.“ Die Redakteure waren schon lange nicht mehr in die Innenstadt gekommen. Rund um Stuttgart kaufte man billiger ein, die Parkplätze waren breiter und kosteten nichts. Und auch die Kneipen waren einladender. Was sollte an einem Bahnhof überhaupt interessant sein?</p>
<p>„Stuttgart 21 ist die Zukunft, wir werden das Herz Europas!“, hatte ihnen einer zugerufen. Nicht schlecht, denn weil sie sich lange wie der Arsch und unbeachtet gefühlt hatten trotz ihrer technischen Spitzenleistungen und ihres Fleißes, so klang es wie ein Aufstieg. Wenn sie schon nimmermehr der Kopf Europas sein konnten, so wollten sie doch gern das Herz sein. Egal, wie kalt es auch sein mochte.</p>
<p>Die weitere Geschichte ist rasch erzählt. Als jene Bürger auf die Barrikaden gingen, die sich Sorgen um ihre Stadt machten, den Schlossgarten und das milliardenteure Projekt, das sie mitbezahlen sollten, passierte nicht viel. Unterschriftenlisten wurden verworfen, und weil das bestgeplante Projekt der Erde irgendwie nicht vorangehen wollte und die Bürger montags gegen Stuttgart 21 demonstrierten, zeigte der Mann aus dem hohen Norden, der den Vornamen Bahnchef geerbt hatte, ein einziges Mal Entschlusskraft: Er riss den Nordflügel ab.</p>
<p>Und weil es immer noch Widerspenstige unter den Bürgern des Landes gab, erzählte man ihnen und den staunenden Journalisten etwas von Paris und Bratislava. Auf diese Idee war ein Mitglied der Jungen Union gekommen, der Saint-Exupéry gelesen hatte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“</p>
<p>Bratislava! Das hatte man in Stuttgart noch nie gehört. Ein Wort, das Sehnsüchte nach der Ferne weckte,  geheimnisvoll und exotisch klang! Nach Hackbraten mit scharfen Soßen. In Paris waren dagegen schon einige gewesen, in Uniform. Hatte ihnen nicht einer der wenigen Aufsteiger, die es in andere Großstädte und den Helikopter geschafft hatten, erzählt, dass westlich von Paris keine Menschen mehr lebten und nur Kühe die Wiesen bevölkerten? Sie glaubten es gern, weil man in Stuttgart noch an Autoritäten glaubte, denn die sagten immer die Wahrheit oder wussten zumindest immer, was man zu denken hatte. So lebte es sich leichter.</p>
<p>Den Belesenen von eben aber warfen die Herren der Jungen Union ganz unchristlich aus dem Verein, weil sie keinen ohne Mensur und schon gar keinen Intellektuellen in ihren Reihen haben wollten. Er schreibt nun dicke Bücher und nennt sich Philosoph. Manchmal sieht man ihn im Eingangbereich des Bücherknasts sinnend an der Zentralpfütze kauern.</p>
<p>Es dauerte noch viele Jahre, bis der neue Bahnhof fertig war. Brot und Spiele sollten das Volk davon überzeugen, dass kein Mensch die Absicht habe, einen vernünftigen Bahnhof zu bauen, weil man ihn ja schon hatte und die Altvorderen noch wussten, wie Bahnbetrieb funktioniert. So holte man den alten Fuchs aus der Versenkung, dessen Worte kurz wie Peitschenhiebe klangen. Auch Phoenix, der Sender für abgelegte Moderatoren, und die Bürgerjournalisten von Flügel.tv und Cams21 sendeten, was das Zeug hielt. Nur der SWR sendete gar nicht, weil Eisenbahnen dort generell als romantisch und von gestern bekannt sind und es keinen Reiseveranstalter gibt, der Sonderzüge nach Bratislava fahren will. Als die Redakteure dieses Städtchen nicht in Baden-Württemberg fanden, erachteten sie das Thema erst recht als nicht relevant. Berichte über Montagsdemonstrationen lehnten sie schon deshalb ab, weil sie Wert auf einen pünktlichen Feierabend legten. Dafür gab es dpa, und die kopierten ja schon alles, was ihnen die Polizei und die Bahn als Pressemitteilung schickten. Das musste für das gebührenzahlende Volk genügen. Schließlich hatte man den Journalismus nicht erfunden und war jahrzehntelang ohne ihn ausgekommen. Zumal man in der Villa Reitzenstein und im Polizeipräsidium eine loyale Berichterstattung für selbstverständlich hielt. „Sie wissen, was ich von Ihnen erwarte“, hatte ihnen ein Herr mit dem Hang zu Alleingängen einmal mit funkelnden Augen gesagt, und das ließ man sich in Stuttgart nicht zweimal sagen.</p>
<p>Die Geißler-Show hatte wie eine Geisterbahnfahrt gewirkt, in der Professoren Experten zu mimen versuchten und doch zeigten, dass sie vieles nicht durchdacht hatten und deshalb immer optimistisch waren. Widerlegtes tauchte beim nächsten Mal so obstinat auf wie der spät entdeckte Käfer und sein Gegenstück mit ähnlichem Namen. Als die Zuschauerquälshow schließlich mit einer Schaueinlage endete, interessierte sich niemand mehr für das erfundene Ergebnis. Warum auch: Schließlich hatten finstere Mächte den Bahnchef gezwungen zu bauen. Er konnte gar nicht anders, der arme Tropf!</p>
<div id="attachment_9928" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131968.jpg"><img class="size-full wp-image-9928" title="" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131968.jpg" alt="" width="550" height="640" /></a><p class="wp-caption-text">Am japanischen Tempel in Düsseldorf (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>Die Grünen zogen, als Dank für die gewonnene Landtagswahl, eine Volksabstimmung durch und nahmen das als Ausrede, den Irrsinn bis zu 900 Millionen Steuerverschwendung zu legitimieren, das Projekt als „von der Bevölkerung gewollt“ hinzustellen und das Politikmachen achselzuckend zu beenden. Was kümmerten da gesunder Menschenverstand, die unerlaubte Mischfinanzierung, technische Probleme, Schräglage, mangelnde Brandvorsorge, geringere Kapazität und geschönte Baukosten? Wie viel glanzvoller war doch das Elektroauto, wie viel wichtiger ordentliche Straßen, die die Autolobby vergessen hatte durchzusetzen in Jahrzehnten des Filzes. Denn wer einst durch die Dörfer schlich, könnte das künftig elektrisch tun und fast geräuschlos. Die SPD machte derweil CDU-Politik. Denn sie wollten Freunde werden, sofern sie es nicht schon waren. Wie sonst auch leistete sich ein SPD-Innenminister einen CDU-Polizeichef?</p>
<p>Die Stuttgart-21-Freunde investierten noch einmal ein paar Millionen in die Propaganda, nachdem man die alten Wasserwerfer und die neue Kampfausrüstung der Polizei erfolgreich ausprobiert hatte. Das zerstörte Vertrauen in den Rechtsstaat bei Schülern und Rentnern musste man als Nebeneffekt in Kauf nehmen, und die Staatsanwaltschaft tat alles, dieses Gefühl zu manifestieren. Dann richtete die Deutsche Bahn ein Grundwassermanagement ein, das illegal war. Später fiel auch der Südflügel des denkmalgeschützten Bahnhofs, dann die Bäume im Park. Die Zerstörung, Teil 1 der Bauprojekts, war getan.</p>
<p>Doch niemand fand sich für das Technikgebäude und den Bahnhofstrog, auch nach der zweiten Ausschreibung nicht. 2014 konnten Züge nur noch mit Polizeischutz einfahren. 2016 bot die DB bot die <em>SchuttCard</em> als kombinierten Passierschein und Rabattkarte für die verödete und von starken Polizeikräften bewachte Königstraße an. Der stark zurückgegangene Bahnverkehr wurde mit Subventionen des Landes etwas angekurbelt, für 9 Euro kam man von überall ins stickige und staubige Stuttgart. &#8220;Die Staublunge Europas&#8221; lästerte bereits der Spiegel auf der Titelseite.</p>
<p>Nichts ging voran bei der Strecke zu den Fildern, das Planfeststellungsverfahren klemmte auch 2020 noch. Und weil man nach Probebohrungen festgestellt hatte, dass der Tunnelbau rund um Stuttgart, wie von den Gegnern behauptet, tatsächlich gefährlich war, der Milliarden Liter spuckende Nesenbach den Bahnhofstrog zerstören und die Bahnhofshalle und den Turm ins Rutschen bringen könnte, zeigte die Deutsche Bahn wieder einmal wirtschaftliche Vernunft. Sie stellte den de facto niemals begonnenen Bau endgültig ein, nachdem die Landesregierung die Hälfte der angefallenen „Baukosten“ von inzwischen 9 Mrd. Euro übernommen hatte.</p>
<p>Im Schlossgarten, den die von der SPD geführte rotgrüne Landesregierung 2012 entwidmet hatte, betreibt DB Bahnpark nun erfolgreich einen Großparkplatz. Unter der neuen schwarzroten Landesregierung wurden der Nord- und der Südflügel in Stahlskelettbauweise mit Glasfassaden wieder aufgebaut. ECE betreibt die Läden und das Hotel darin, die DB Station &amp; Service AG verdient gut daran. Die Stadt Stuttgart hat für 200 Millionen Euro die arg heruntergekommene Bahnhofshalle saniert und ist völlig überschuldet. Die Bevölkerungszahl hat sich  halbiert. Im Gebäude der nach der Pleite aufgelösten LBBW arbeitet ein Logistikunternehmen, das die wenig genutzten Gleise am Kopfbahnhof für den schnellen Schienengüterverkehr nutzt.</p>
<p>DB Projektbau China plant auf dem Großparkplatz den höchsten Wohnturm Europas, meldet der verbliebene Redakteur der Stuttgarter Zeitung online. Die Papierausgabe wurde wegen des Leserschwunds schon lange eingestellt. Das Hochhaus soll Schlossgartenresidenz 3000 heißen und preiswerte Appartements (30 €/qm), ein Höhenrestaurant und eine kleine Sternwarte enthalten. Auf der Turmspitze in 400 Meter Höhe wird der Mercedes-Stern mit den drei Schriftzeichen für Glück, Gewinn und Weltherrschaft in den Dreiecken leuchten. Die chinesischen Investoren bei Daimler und der Deutschen Bahn wollen es so, zumal der Bahnhofsturm durch die Grundwasserabsenkung 2013 in Schieflage kam. Dafür haben sich auf der Restfläche des Schloßgartens starke Quellen entwickelt. Der Nesenbachsee dient nun als Heilfreibad. Der Bücherknast zeigt bereits heftige Bauschäden wegen des Sumpfgebiets darunter. Der Hochhausbau wird von den Investoren übrigens als „gut beherrschbar“ bezeichnet.</p>
<p>Im neuen Kopfbahnhof 2500 erinnert nur ein schmaler Gang mit einem japanischen Steingarten an Stuttgart 21. Der Architekt hatte so etwas am japanischen Tempel in Düsseldorf gesehen und zur Tarnung des Bahnhofs-Sargdeckels, der ein wenig an Tschernobyl erinnerte, empfohlen. „Wenn die Garten hören, sind die doch zufrieden. Man muss denen doch nicht sagen, dass er aus Stein ist“, soll er damals gesagt haben.</p>
<p>Und wenn sie nicht gestorben sind, so planen sie schon weiter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #ff0000;">Lange schallt&#8217;s in Stuttgart noch:</span></h3>
<h3><span style="color: #ff0000;">Lobbyismus lebe hoch!</span></h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Diese Geschichte ist frei erfunden und hat rein gar nichts mit der Realität zu tun. Und wenn, dann wäre es blanker Zufall wie alles in Stuttgart.)</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Als Eisenbahnkräne noch mit Dampf betrieben wurden</title>
		<link>http://railomotive.com/2012/01/als-eisenbahnkrane-noch-mit-dampf-betrieben-wurden/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 20:54:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bis weit in die 70er Jahre arbeitete die Deutsche Bundesbahn mit schweren Dampfkränen. Ich hatte im Oktober 1970 bei Spaichingen-Hofen auf der Gäubahn die Gelegenheit, zwei Dampfkräne beim Einheben einer Brücke zu fotografieren. Die Brücke war nicht allzu schwer, wie das einzige Gegengewicht am Kran mit dem Namen und Wappen &#8220;Kornwestheim&#8221; beweist. Dieser Kran konnte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9884" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19701027-SW041-33.jpg"><img class="size-full wp-image-9884" title="19701027-SW041-33" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19701027-SW041-33.jpg" alt="" width="800" height="547" /></a><p class="wp-caption-text">Brückeneinbau in Spaichingen-Hofen mit Dampfkränen.   (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>Bis weit in die 70er Jahre arbeitete die Deutsche Bundesbahn mit schweren Dampfkränen. Ich hatte im Oktober 1970 bei Spaichingen-Hofen auf der Gäubahn die Gelegenheit, zwei Dampfkräne beim Einheben einer Brücke zu fotografieren. Die Brücke war nicht allzu schwer, wie das einzige Gegengewicht am Kran mit dem Namen und Wappen &#8220;Kornwestheim&#8221; beweist. Dieser Kran konnte bis zu 65 Tonnen heben, bei 7,5 Meter Ausladung immerhin noch 57 Tonnen. Im Kranzug mitgeführte Tender versorgten den Kran mit Kohle und Wasser.</p>
<p>Eine fotografische Kostprobe aus meinem riesigen Eisenbahnfotoarchiv, das ist seit einigen Wochen einscanne.</p>
<p>Interessante Informationen und eine Reihe weiterer historischer Fotos, davon einige aus Düsseldorf, gibt es beiEisenbahndienstfahrzeuge.de</p>
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		<title>ZAPP amüsiert sich über die hellseherische Stuttgarter Zeitung</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 16:41:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die – wie ein Blog-Leser schrieb – schon ab kurz nach 21 Uhr käufliche Stuttgarter Zeitung hatte sich das geplante Vorgehen der Polizei gegen die Demo am Südflügel erzählen lassen und daraus eine fast-wie-dabei-Geschichte veröffentlich, bevor überhaupt etwas passiert war und die Polizei einen kleinen Scheinangriff auf das Zeltlager im Park simuliert hatte. Der wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die – wie ein Blog-Leser schrieb – schon ab kurz nach 21 Uhr käufliche Stuttgarter Zeitung hatte sich das geplante Vorgehen der Polizei gegen die Demo am Südflügel erzählen lassen und daraus eine fast-wie-dabei-Geschichte veröffentlich, bevor überhaupt etwas passiert war und die Polizei einen kleinen Scheinangriff auf das Zeltlager im Park simuliert hatte. Der wurde allerdings von den Hellsehern der Stuttgarter Zeitung nicht vorhergesehen, weil die Hellseherei ja nur polizeilich eingebettet war. Und wer als Journalist bei Kriegsspielen embedded mitmacht, wird bekanntlich mit speziellen Informationen versorgt. Denn man schleppt Zivilisten ja nicht ohne Absicht mit.</p>
<p>Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat sich nun über die eilfertigen Kollegen aus Stuttgart <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7ejVpoCXnOs&amp;feature=youtu.be">lustig gemacht</a> und sie zu den Hellsehern der Woche erklärt.</p>
<p>Über das Vorgehen der Zeitung hatte ich als Erster <a href="http://railomotive.com/2012/01/stuttgart-21-die-stuttgarter-zeitung-zeigt-dass-sie-nicht-serios-sein-will/">berichtet</a>. Die Medienjournalisten hat es im Allgemeinen nicht interessiert. Aber die &#8220;berichten&#8221; ja selbst gelegentlich kalt (= vorab).</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vossloh erhielt zwei Diesellok-Aufträge aus Großbritannien und Frankreich</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 15:45:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vossloh erhielt Lokomotivbestellungen im Wert von knapp 70 Millionen Euro. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9864" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P9211567.jpg"><img class="size-full wp-image-9864" title="Vossloh" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P9211567.jpg" alt="" width="640" height="480" /></a><p class="wp-caption-text">Hingucker auf der Innotrans 2010: Eurolight von Vossloh (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<div>
<p>Vossloh erhielt vom britische Güterverkehrsunternehmen Direct Rail Services (DRS) einen Auftrag zur Lieferung von 15 dieselelektrischen Loks der von Vossloh Rail Vehicles in Spanien entwickelten  Lokfamilie Eurolight. Die für den Markt in Großbritannien entwickelte Lokomotive ist mit 79 Tonnen besonders leicht und hat eine hohe Leistung von 2.800 kW. Die Schwestermodelle EURO 4000 und EURO 3000 bringen 123 Tonnen respektive 88 Tonnen auf die Waage. Mit ihrem geringen Gewicht und der Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ist die Eurolight für Haupt- und Nebenstrecken geeignet. Die Lokomotiven werden im spanischen Vossloh-Werk in Valencia gefertigt. Ihre Auslieferung ist ab Ende 2013 geplant.</p>
<p>Ebenfalls im Januar vergaben Voies Ferrées Locales et Industrielles (VFLI),  der drittgrößte französische Eisenbahnbetreiber, einen Auftrag über sechs EURO 4000 Lokomotiven an Vossloh. VFLI wird die Lokomotiven ab Januar 2013 erhalten. Von der EURO 4000 wurden bereits 77 Stück in verschiedene europäische und außereuropäische Länder –Deutschland, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, Israel, Schweden und Norwegen – verkauft. Die Euro 4000 ist in Europa die leistungsstärkste Lokomotive von Vossloh und erfüllt alle europäischen Sicherheits-, Umwelt- und Signaltechnikstandards.</p>
<p>Die beiden Aufträge haben ein Gesamtvolumen von nahezu 70 Mio. Euro.</p>
</div>
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		<title>Stuttgart 21: Volksentscheid angefochten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 16:41:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu den ganz großen Enttäuschungen für baden-württembergische Grün-Wähler gehört die lasche Haltung des Ministerpräsidenten Kretschmann zum Immobilienprojekt Stuttgart 21. In einem Gespräch mit S21-Gegner und Stadtrat Rockenbauch hat er offenbar deutlich gemacht, dass er weiter nichts gegen den Abbruch des Bahnhofs unternehmen will, den die Bahn nun vornehmen will, obwohl sie für die meisten Bauabschnitte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den ganz großen Enttäuschungen für baden-württembergische Grün-Wähler gehört die lasche Haltung des Ministerpräsidenten Kretschmann zum Immobilienprojekt Stuttgart 21. In einem Gespräch mit S21-Gegner und Stadtrat Rockenbauch hat er offenbar deutlich gemacht, dass er weiter nichts gegen den Abbruch des Bahnhofs unternehmen will, den die Bahn nun vornehmen will, obwohl sie für die meisten Bauabschnitte noch keine Genehmigung hat – die zuvor notwendige Grundwasserentfernung eingeschlossen. Kretschmann, der sich hinter dem Volksentscheid versteckt, wirkt auf mich wie ein entscheidungsschwacher Politiker, der den angeblich von den Neubau-Befürwortern gewonnenen Volksentscheid als Entschuldigung nimmt, um nichts tun zu müssen. Dass er damit das Ansehen seine Partei schädigt und auf eine schwarzrote Landesregierung hinarbeitet, scheint ihn nicht zu kümmern. Christliche Nächstenliebe und der Glaube an die Ehrlichkeit von Lobbyisten und &#8220;Businessmen&#8221; sind keine gute Grundlagen für das harte politische Tagesgeschäft.</p>
<p>Und weil es alle schon vergessen haben: Es ging im Volksentscheid nicht darum, ob der Bahnhof gebaut oder nicnt gebaut werden soll, sondern ob sich das Land mit rund 900 Millionen € daran beteiligen soll. Von einem klaren Votum für den Bahnhof kann keine Rede sein. Danach wurde nicht gefragt, und offensichtlich interessiert es die meisten Baden-Württemberger gar nicht. Sich hinter einem angeblich klaren Bauauftrag der Wähler zu verstecken, ist Hasenfüßigkeit im Amt eines Ministerpräsidenten. Mit Gestaltungswillen und Rückgrat hat das nichts zu tun.</p>
<p>Wieder werden ernstzunehmende Stimmen laut, dass der Bahnhof, der auf Eichenpfählen in einem ehemaligen Sumpfgebiet steht, nach dem Abbruch des Südflügels instabil werden könnte. Vor allem dann, wenn die Pfähle jahrelang trockengelegt werden würden, damit die Grube für den Tiefbahnhof gebaut werden kann – für die sich aber noch kein Bauunternehmer gefunden hat, weil die Risiken immens sind. Es erscheint möglich, dass die verbleibende Empfangshalle und der Turm in eine Schieflage kommen und die Bausubstanz gefährden oder sogar zerstören. Und längst ist keine Rede mehr von den Auflagen der Geißler-Show. Sie werden so unverbindlich behandelt, wie sie es waren: eine völlig wertlose Meinungsäußerung eines kompetenzlosen Mannes.</p>
<p>Kretschmann hätte prüfen lassen können, ob die Mischfinanzierung des Bahnhofs durch Stadt, Land, Bund, ja sogar einen Flughafenbetreiber und weitere Kommunen überhaupt legal ist. Er hätte Druck aufbauen können, damit die DB endlich realistische Zahlen der Baukosten offenlegt. Stattdessen lässt er sich von einem Unternehmen vorführen, bei dem nur eins klar ist: Der Bahnhofsneubau wird durchgezogen, auch wenn das Projekt noch nicht einmal durchgeplant ist und im Planungsstab das blanke Chaos herrscht, wie ich aus Stuttgart höre. Derweil fragt auch kein Journalist nach, wenn S21-Propagandist Dietrich verkündet, dass man den Fertigstellungstermin 2019 mit etwas Anstrengung noch einholen könnte. Gesunder Menschenverstand ist in Stuttgart so selten wie in keiner anderen Stadt.</p>
<p>Der Heidelberger Anwalt und Verfassungsrechtler Dr. Lipinski hat heute im Auftrag von Bürgern einen <a href="http://www.rechtsanwalt-verfassungsrecht.de/Pressemitteilungen/Stuttgart21">Antrag</a> beim baden-württembergischen Staatsgerichtshof eingereicht, um den Volksentscheid anzufechten. Ziel des Antrags ist es, den Volksentscheid für ungültig zu erklären oder ihn &#8220;hilfsweise&#8221; unter rechtmäßigen Bedingungen zu wiederholen.</p>
<p>Es werden im Wesentlichen folgende Anfechtungsgründe geltend gemacht:</p>
<p>1.<strong> Der Volksentscheid verstieß gegen das Grundgesetz, weil dem Land Baden-Württemberg die Kompetenz für den Bereich der Schienenwege fehlt.</strong> Die entsprechenden Kompetenzen liegen nach Art. 73 Nr. 6a GG, 87 e I 1 GG eindeutig beim Bund. Es verstößt zudem auch gegen die Abstimmungsfreiheit des Art. 26 IV LV, wenn dem Bürger &#8211; sinngemäß &#8211; die Frage zur Abstimmung vorgelegt wird, &#8220;Wollen Sie, dass ein grundgesetzwidriges Gesetz in Kraft tritt?&#8221;</p>
<p>2. Die <strong>Briefabstimmungsunterlagen wurden von der Landesregierung versehentlich deutlich früher verschickt als die amtliche Abstimmungsinformation zum Volksentscheid.</strong> Da die Zahl derjenigen, die mittels Abstimmung per Brief von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben, äußerst hoch war, ist dieser Abstimmungsfehler auch ergebnisrelevant, zumindest kann Letzteres aber nicht ausgeschlossen werden. Es ist unzulässig, dass ein Teil der Abstimmenden ohne, die Mehrheit der Abstimmenden aber mit der Abstimmungsinformation vom Stimmrecht Gebrauch gemacht hat. Entweder muss eine Abstimmungsinformation vor der Möglichkeit der Stimmabgabe sämtlichen Stimmberechtigten vorliegen oder gar keinen. Dass der Wissenstand über den Abstimmungsgegenstand bei den Abstimmenden völlig unterschiedlich war, ist juristisch nicht zu rechtfertigen.</p>
<p>3. Es erscheint auch <strong>zweifelhaft, ob das &#8220;Erdrosselungsquorum&#8221; von einem Drittel der Stimmberechtigten überhaupt mit dem grundgesetzlichen vorgegebenen Gebot der Stimmrechtsgleichheit vereinbar ist.</strong> Beim Volksentscheid über &#8220;Stuttgart 21&#8243; hatte eine Nein-Stimme mehr als das doppelte Gewicht als eine Ja-Stimme. Der Grundsatz der Stimmrechtsgleichheit als elementarer Teil des Demokratieprinzips ist nach der Rechtsprechung des Bun- desverfassungsgerichts Teil der sog. &#8220;Ewigkeitsklausel&#8221; des Art. 79 III GG. Ein Verstoß hiergegen hätte die Nichtigkeit des Art. 60 V 2 der baden-württembergischen Landesverfassung zur Folge.</p>
<p>4. Ein Verstoß gegen das Sachlichkeitsgebot für staatliche Stellen bestand darin, dass der<strong> Stuttgarter Oberbürgermeister in amtlicher Funktion kurz vor dem Volksentscheid in einem extrem parteiischen Brief für das Bahnprojekt Stuttgart 21 Stellung genommen hat.</strong> Dieser Brief wurde an alle Stuttgarter Haushalte <strong>auf Kosten des Steuerzahlers</strong> verschickt und erfüllte die Anforderungen an eine sachliche Stellungnahme auch nicht im Ansatz.</p>
<p>Der Anwalt rechnet damit, dass der Staatsgerichtshof noch in diesem Jahr eine mündliche Verhandlung anberaumen wird.</p>
<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/fa09ee630ad34c3ca25be290827f8423" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>PS.:</strong> Etwas spät <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.architekturgeschichte-in-stuttgart-requiem-fuer-einen-bahnhof.ec1bb3f6-265b-4815-9274-41bb956ddfdf.html">trauert</a> die Architekturkennerin der Stuttgarter Zeitung Amber Sayah dem Baudenkmal nach.</p>
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		<title>Türen an DB-Zügen sind einfach unbeherrschbar</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 14:06:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Gestern abend, meldet die DB, löste sich an einem Neigetechnik-ICE auf der Fahrt zwischen Nürnberg und Ingolstadt eine Tür aus der unteren Führungsschiene. Die Tür blieb dank der oberen Führungsschiene am Zug hängen, es kam niemand zu Schaden. Die Deutsche Bahn informierte pflichtgemäß das Eisenbahn-Bundesamt und sucht nun nach der Ursache. Vorsorglich würden bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9849" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P4295462.jpg"><img class="size-full wp-image-9849" title="" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P4295462.jpg" alt="" width="640" height="480" /></a><p class="wp-caption-text">Unverzichtbares Formblatt in DB-Zügen: &quot;Tür unbenutzbar&quot; (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gestern abend, meldet die DB, löste sich an einem Neigetechnik-ICE auf der Fahrt zwischen Nürnberg und Ingolstadt eine Tür aus der unteren Führungsschiene. Die Tür blieb dank der oberen Führungsschiene am Zug hängen, es kam niemand zu Schaden.</p>
<div>
<div>
<div>
<p>Die Deutsche Bahn informierte pflichtgemäß das Eisenbahn-Bundesamt und sucht nun nach der Ursache. Vorsorglich würden bei allen ICE-T und ICE 3 &#8220;im Rahmen der üblichen Wartung zusätzlich die Türverriegelungen auf eventuelle Unregelmäßigkeiten untersucht&#8221;. Als ob das nicht längst Routine sein sollte&#8230;</p>
<p>Im April 2010 hatte bereits ein ICE 3 <a href="http://railomotive.com/2010/04/fehler-an-schliesvorrichtung-lies-ice-tur-wegfliegen/">eine Tür verloren</a>, die bei einem entgegenkommenden Zug einschlug und Fahrgäste verletzte.</p>
<p>Dass so etwas passiert, finde ich nach der fliegenden Tür am Hochgeschwindigkeitszug nicht nur peinlich für DB Fernverkehr und ihre Werkstätten. Es ist auch ein Indiz, dass die DB nach wie vor ihre Züge nur unzureichend wartet.</p>
<p>Es geht auch anders: Bei den Siemens-Velaros in Russland beispielsweise gibt es eine ausgeklügelte vorbeugende Wartung. Dort wird schon registriert, wenn die Stellmotoren einer Tür mehr Strom ziehen als üblich, weil das ein Hinweis auf einen kommenden Defekt oder eine schwergängige Tür sein könnte. Dem man nachgeht, bevor überhaupt ein Defekt auftretet kann. Denn die Züge sollen ja zu 99 % verfügbar sein und nicht wegen Defekten herumstehen. Vermutlich sind die Kostenrechner von DB Fernverkehr zu dem Ergebnis gekommen, dass das mehr kostet als die üblichen kleinen und großen Ausfälle abzuwarten und Imageschäden in Kauf zu nehmen.</p>
<p>Die Kontrolle so wichtiger Komponenten wie der Türmechanik sollte eigentlich zum täglichen Pflichtprogramm der DB gehören.</p>
</div>
</div>
<div></div>
</div>
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		<title>Eisenbahnfotos: Nürtingen &#8211; Neuffen und Meckenbeuren &#8211; Tettnang mit ET 183</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 12:17:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eisenbahnfotos aus Württemberg
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9837" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19680830-SW006-72.jpg"><img class="size-full wp-image-9837" title="Triebwagen" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19680830-SW006-72.jpg" alt="" width="640" height="442" /></a><p class="wp-caption-text">Wo wurde dieses Foto aufgenommen? (Foto: Friedhelm WeidelichEb 2/4 5469Eb 2/4 5469)</p></div>
<p>Das Digitalisieren von alten Fotos ist zeitraubend, aber meist die Mühe wert. Denn was ich vor über 40 Jahren alles fotografiert habe und wo ich als Schüler und Student gewesen bin, habe ich nach so vielen Jahren manchmal vergessen. Erst die alten Fotos – so habe ich es auch vor Kurzem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschrieben – bringen Erinnerungen und längst Vergessenes zurück. Es sind Fotos von historischem Wert, unwiederholbar und Zeugen einer Zeit, als die Eisenbahn noch einen anderen Stellenwert hatte. Und mein Ziel ist es, diese Dokumente der Technikgeschichte zu erhalten.</p>
<p>Ich habe viele Jahre akribisch eine Kartei mit den Daten der Eisenbahnfotos geführt, was mir heute beim Scannen und Archivieren hilft. Da mein ganzes Interesse lange Zeit nur der Deutschen Bundesbahn galt, habe ich damals fast nur DB-Fahrzeuge registriert und muss nun versuchen, anhand der Fotos &#8220;drumherum&#8221; herauszufinden, was ich wo fotografiert habe. Leider habe ich vor vielen Jahren einen Teil meiner überbordenden Eisenbahnbibliothek verkauft und finde auf Anhieb keine Bücher zum Nachschlagen.</p>
<p>Bei dem Foto oben weiß ich nur das Aufnahmedatum 30.8.1968. Es könnte in Nürtingen fotografiert worden sein und einen Triebwagen der Maschinenfabrik Esslingen zeigen.</p>
<p>Können Sie mir einen Tipp geben?</p>
<p>Ein bayerisches Schmankerl mit schwäbischer Vergangenheit gibt es als Belohnung. In den 70er Jahren veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) mit ihrem rührigen, inzwischen verstorbenen Theodor Horn noch spektakuläre Sonderfahrten und sogenannte Abschiedsfahrten auf Strecken, die zur Stilllegung anstanden oder mit Fahrzeugen, die kurz vor der Ausmusterung standen.</p>
<p>Bei strömenden Regen ging es am 11.6.1972 von Stuttgart Hbf mit der 038 772 nach Freudenstadt Hbf, wo vor dem Bw-Schuppen zwei Raritäten warteten: Die der Eurovapor gehörende schweizerische Eb 2/4 5469 und der ET 183 05, der einst auf der Isartalbahn der bayerischen Lokalbahn AG (LAG) fuhr und dann bis Ende Januar 1962 in DB-Diensten zwischen Meckenbeuren und Tettnang verkehrte. Heute steht der wertvolle Elektrotriebwagen, 1899 von MAN Nürnberg, BBC und den Siemens-Schuckert-Werken (SSW) gebaut, im Deutschen Technikmuseum in Berlin.</p>
<p>Die DGEG-Sonderfahrt führte nachmittags wieder zurück nach Stuttgart. In Horb wartete ein Dampfzug aus der Schweiz, gezogen von der Eb 3/5 5810 der Mittel-Thurgau-Bahn&#8230;</p>
<p>Es waren andere Zeiten.</p>
<div id="attachment_9839" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19720611-SW080-41.jpg"><img class="size-full wp-image-9839" title="ET 183 05" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/19720611-SW080-41.jpg" alt="" width="640" height="423" /></a><p class="wp-caption-text">ET 183 05 im Regen vor dem Lokschuppen des Bw Freudenstadt (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/e3af08379aa44460866ff5f91a3f10bd" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Stuttgart 21: Die Stuttgarter Zeitung zeigt, dass sie nicht seriös sein will</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 23:14:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
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		<category><![CDATA[Stuttgarter Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stuttgarter Zeitung berichtet "kalt" aufgrund von Polizeiinformationen über die Absperrung des Südflügels, bevor sie stattgefunden hat. Ein Fall für den Presserat. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter Journalisten gibt es eine Technik, Beiträge &#8220;kalt&#8221; zu schreiben. Man baut sich aus Pressemitteilungen vorab einen Beitrag über ein kommendes Ereignis zusammen, um rechtzeitig in Druck gehen zu können. Es wird also geblufft, um Aktualität vorzutäuschen. Das ist legitim, wenn klar ist, dass nichts anderes verkündet werden wird, der Beitrag sich an vorhersehbaren Fakten orientiert und ein sachliche Information vor Druck- oder Veröffentlichungstermin nicht anders transportiert werden kann. Etwa bei einer Neujahrsansprache, die vorab gedruckt oder als Video vorliegt.</p>
<p>Nicht legitim und hoch unseriös ist es, wenn die Stuttgarter Zeitung am 12.1.2012 gegen 23.30 Uhr eine gedruckte Ausgabe vom 13.1.2012  in den Verkehr bringt, in der ausführlich über die in den Morgenstunden <em>möglicherweise zu erwartende</em> Absperrung und Räumung der nach Mitternacht mehreren Hundert Demonstranten am Südflügel berichtet wird. Den will die DB, obwohl die nächsten Monate keine Notwendigkeit dafür besteht, sofort abreißen lassen. Die S21-Gegner haben die Demonstration übrigens angemeldet und nutzen ihr Versammlungsrecht.</p>
<p>Die Stuttgarter Zeitung hat einen Beitrag aufgrund von Polizeiinformationen zusammengereimt und präsentiert ihn vorab gedruckt als &#8220;Berichterstattung&#8221;. <a href="http://bambuser.com/channel/kephren/broadcast/2281049">Hier</a> kann er angehört werden, in einem der Kommentare unten nachgelesen werden. Ich bin sprachlos wegen dieser unverschämten Dreistigkeit! Zumal die lieben &#8220;Kollegen&#8221;, für die ich mich aufrichtig schäme, bisher nicht durch Hellsichtigkeit aufgefallen sind. Eher durch erschreckende Einfältigkeit im Umgang mit PR-Strategen und hartnäckige Faktennegierung.</p>
<h2><span style="color: #ff0000;"><strong>Die Stuttgarter Zeitung outet sich damit als unseriöses Medium, das vorsätzlich und ohne Not gegen einfachste journalistische Regeln verstößt.</strong></span></h2>
<p>Bitte beschweren Sie sich beim <a href="http://www.presserat.info/">Deutschen Presserat</a> und kündigen Sie Ihr Abonnement als Zeichen, dass Sie sich so etwas nicht bieten lassen. Eine Unverfrorenheit, die ich diesen Redakteuren, denen offenbar nichts mehr heilig ist in der Stimmungsmache für den Bahnhofsrückbau, bisher nicht zugetraut hätte.</p>
<p><span><strong>Die Stuttgarter Zeitung hat sich mit dieser Farce aus der Riege ernstzunehmender Tageszeitungen endgültig verabschiedet.</strong></span></p>
<p><strong>2.56 Uhr:</strong> Polizei marschiert von der Parkseite her auf, soweit ich per Cams21 verfolgen kann. Geschrei, kleine Knallkörper, Emotionen. Es scheint, als ob die Zeltstadt geräumt wird. Auch wenn gestern noch das <a href="http://vgstuttgart.de/servlet/PB/menu/1273693/index.html">Verwaltungsgericht empfohlen</a> hat, die Räumung zu verschieben. Es kann aber auch ein Ablenkungsmanöver sein, zeigt sich um 3.04 Uhr. Die Polizei zieht vorerst ab. Nur vor Ort lässt sich beurteilen, was da wirklich passiert. Um 3.13 Uhr verkündet die Polizei, dass die Straße am Südflügel nun abgesperrt werde und die Demonstranten die Freiheit hätten, sich woanders zu versammeln.</p>
<p>Die Stuttgarter Zeitung, schätze ich, wird in ein paar Stunden online aufgrund von dpa-Meldungen, die auf ungeprüften Polizei-Pressemitteilungen basieren, über einen erfolgreichen Einsatz berichten. Vor Ort wird höchstwahrscheinlich kein Redakteur sein. Die schlafen lieber den Schlaf der Gerechten. Gute Nacht! Und die restliche Arbeit machen die eingebetteten Journalisten.</p>
<p><strong> 7.45 Uhr:</strong> Die Stuttgarter Zeitung bringt online einen <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-polizei-raeumt-sitzblockaden.9babd02d-4a98-404c-a825-ec8a14000474.html">dpa-Beitrag</a>, der so beginnt: <em>Hunderte Stuttgart-21-Gegner haben sich in der Nacht zum Freitag der Polizei beim Absperren der Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof in den Weg gesetzt und Barrikaden errichtet. Um kurz nach 3.00 Uhr waren nach Behördenangaben 1900 Beamte im Einsatz, darunter 400 Bundespolizisten. Sie wollten das Gelände vor dem Südflügel mit Gittern abriegeln. </em>Der Beitrag endet: <em>Als neuer Versammlungsort sei der Mittlere Schlossgarten zur Verfügung gestellt worden, verbreitete das Stuttgarter Präsidium über den Kurznachrichtendienst Twitter und das Soziale Netzwerk Facebook. Züfle kündigte an, wer nicht freiwillig gehe, werde weggetragen. </em>Dpa hat wieder einmal vom Schreibtisch aus zu einer Sternstunde des Stuttgarter (Pseudo-)Journalismus beigetragen.<em><br />
</em></p>
<p>Die Räumung von blockierenden Demonstranten ist laut Twitter-Meldungen immer noch in Gang, zwei hätten sich angekettet.</p>
<p><strong>9.02 Uhr:</strong> Die Stuttgarter Zeitung hat den ersten Absatz, auf Agenturmeldeungen basierend, leicht umgedengelt: <em>Wenige Stunden nach dem Beginn des Polizeieinsatzes am Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes haben die Polizeibeamten die Räumung der künftigen Baustelle <span style="color: #ff0000;">offenbar</span> abgeschlossen. </em><span style="color: #ff0000;">((Anm: Das bedeutet, die Redaktion vermutet den Abschluss der Räumung und ist auch nicht vor Ort.))</span> <em>Hunderte Stuttgart-21-Gegner hatten sich in der Nacht zum Freitag der Polizei beim Absperren der Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof in den Weg gesetzt und Barrikaden errichtet. Um kurz nach 3.00 Uhr waren <span style="color: #ff0000;">nach Behördenangaben</span> 1900 Beamte im Einsatz, darunter 400 Bundespolizisten. </em><span style="color: #ff0000;">((Anm: Es war niemand vor Ort: &#8220;nach Behördenangaben&#8221;.))</span></p>
<p>In einer offenbar auf Agenturmeldungen und Polizeipressemitteilungen basierenden <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-polizei-raeumt-sitzblockaden-page1.9babd02d-4a98-404c-a825-ec8a14000474.html">Chronologie der Nacht </a>suggeriert die StZ, dabeigewesen zu sein. In 550 km Entfernung habe ich per Twitter und Cams21 nicht mehr und nicht weniger mitbekommen.</p>
<p><strong>12.02 Uhr:</strong> Die StZ stellt eine <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stellungnahme-berichte-zum-abriss-des-suedfluegels.fa6133ba-a8ad-4d5b-a913-c73de6d0fcac.html?byPassDigCmsCache=1326453535925">Stellungnahme</a> online, die in der Aussage gipfelt: <em>Einzuräumen ist, dass eine für die Seite 1 der StZ vorbereitete Meldung, die erst in der Nacht in Druck gehen sollte, durch einen Fehler der Redaktion zu früh ins Blatt gelangt ist. Solche Meldungen vorzubereiten ist <span style="color: #ff0000;">bei absehbaren Ereignissen</span> gängige Praxis in allen Zeitungsredaktionen. Dies ermöglichst es, dann möglichst schnell reagieren zu können und die Leser der Zeitung am anderen Morgen auf einen möglichst aktuellen Stand zu bringen. Im aktuellen Fall spielt der Fehler für jeden Leser, der die Zeitung wie gewohnt am Morgen erhalten hat, keine Rolle. Trotzdem bedauern wir das Versehen.</em></p>
<p>Beim nächtlichen Polizeieinsatz war nichts absehbar, von &#8220;gängiger Praxis&#8221; kann (in anderen Redaktionen jedenfalls) keine Rede sein. So verspielt die Stuttgarter Zeitung ihren letzten Kredit bei den Lesern.</p>
<p><strong>15.20 Uhr:</strong> StZ_NEWS twittert: <em>Liebe Follower, in der Zeitung ist uns bei den Berichten zu S21 ein Fehler unterlaufen. Dieses Versehen bedauern wir.</em><br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/d3f813500ed6403f81ac415f7b326dc5" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus, Streik, Stuttgart 21</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 09:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Mailbox-Ansage eines Politikers, dem Merkel das Amt des Bundespräsidenten zugeschoben hat, beschäftigte am Jahresende die Journalisten und beschäftigt sie noch heute. Die BILD tut so, als sei sie sich zu fein, die Abschrift der 4 Minuten langen Drohungen zu veröffentlichen. Und jene Journalisten, die im Fernsehen damit wedeln, trauen sich nicht, den Text vollständig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Mailbox-Ansage eines Politikers, dem Merkel das Amt des Bundespräsidenten zugeschoben hat, beschäftigte am Jahresende die Journalisten und beschäftigt sie noch heute. Die BILD tut so, als sei sie sich zu fein, die Abschrift der 4 Minuten langen Drohungen zu veröffentlichen. Und jene Journalisten, die im Fernsehen damit wedeln, trauen sich nicht, den Text vollständig zu zitieren, obwohl er tiefe Einblicke in die Welt und das Netzwerk des Herrn Wulff geben würde. &#8220;Respekt vor dem Amt&#8221;, vor dessen Vertreter kein politisch denkender Bürger mehr Respekt hat, fehlende Courage oder eben auch embedded journalism: So reden sich Journalisten heraus, die selbst Bestandteil des Berliner Netzwerks sind, in dem Medien und Politik eng zusammenarbeiten.</p>
<p>Der Deutschlandfunk, bei dem hochkarätige Journalisten arbeiten, beginnt jede zweite Nachrichtensendung mit einer Sprechblase Merkels, dass irgendwo wieder &#8220;ein Durchbruch gelungen&#8221; sei, weil die deutschen Presseagenturen den Originaltext des Bundespresseamts, das selbstverständlich kein neutrales Amt, sondern eine Public Relations-Maschine ist, diesen PR-Text per copy &amp; paste übernommen haben. Null Nachrichtenwert, aber nicht nur dem DLF immer eine Nachricht wert. <strong>Alles wie immer.</strong></p>
<p>Und in Stuttgart? Da ist der Niedergang des Journalismus mit Händen zu greifen. Die 1,5 Mrd. teuren Ausstiegskosten, vom DB-Vorstand ebenso frei erfunden wie die 1,5 Mio. Schaden beim Betreten des illegal und an der falschen Stelle errichteten Grundwassermanagements, haben nicht nur das Hirn der Baden-Württemberger erfolgreich vernebelt, sondern die Hirne der meisten Journalisten auch. Und so nehmen die Redakteure hin, dass die Polizei sechs Journalisten &#8220;erlauben&#8221; will, beim absehbaren harten Kampf um den Südflügel ganz vorn zu sein. Die Kollegen müssen bei der Landespressekonferenz, einem privaten Verein, registriert sein. Und wer mit darf, bestimmt die Polizei. Die sich in Stuttgart keine Blöße mehr geben will und nach Berichten aus Stuttgart nicht nur den Bahnhof mit Videokameras übersäht hat, sondern kurz vor der Machtübernahme zu sein scheint.</p>
<p>Ich gebe zu, das ist Polemik. Aber wenn sich Redakteure weinerlich darauf einlassen, dass sie ebenso wie jeder andere Bürger auch demnächst den Schlosspark nicht mehr betreten &#8220;dürfen&#8221;, um die Polizeiarbeit nicht zu stören oder gar kritische Fragen zu stellen, dann ist es mit der Pressefreiheit nicht mehr weit her. Weil die Redakteure dann auf ihr Recht verzichten, von Ort und Stelle zu berichten. Was sie ja auch schon beeindruckend am Schwarzen Donnerstag, dem 30.9.2010, bewiesen haben.</p>
<p>Eingebetteter Journalismus ist (vielleicht) eine Erfindung des amerikanischen Militärs. Aber die schwäbischen Tüftler beweisen, dass Journalismus von Gnaden der Polizei sich nicht nur bei Atommülltransporten bewährt, sondern auch beim Irrsinnsprojekt Stuttgart 21. Bei dem, nur am Rande bemerkt, der Irrsinn offenkundig ist, nur für viele Stuttgarter Journalisten nicht.</p>
<p>Irgendwo, bei Twitter oder einem Blogger, glaube ich, habe ich gelesen, dass die DB schon mal die Tapeten fürs Wohnzimmer gekauft hat, obwohl noch gar kein Bauplan für das Haus vorliegt:</p>
<ul>
<li>Der Streckenabschnitt zu den Fildern ist noch gar nicht durchgeplant und genehmigt.</li>
<li>Kein Bauunternehmen ist bereit, den Betontrog zu bauen, in dem der Bahnhof, durch tausende Pfähle im sumpfigen Grund festgehalten, ruhen soll.</li>
<li>Der Abriss des Südflügels und der Bundesbahndirektion ist deshalb jetzt ebenso unnötig wie der des Nordflügels.</li>
<li>Die Bürger haben sich zwar für die Beteiligung des Landes mit bis zu rund 900 Mio. € ausgesprochen, aber nicht &#8220;bei der Volksabstimmung ein klares Votum&#8221; für den Bahnhofsneubau ohne Kostenbegrenzug erteilt, wie die <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kommentar-zur-raeumung-des-schlossgartens-pannenserie.2b789d9c-e807-4019-90ea-76ece16f0747.html">Medien</a> laufend wie von Sinnen und undifferenziert vermelden.</li>
<li>Wer immer noch behauptet, dass S21 2019 oder 2020 in Betrieb gehen wird, sollte sich lieber eine Arbeit suchen, die völlig ohne Intelligenz zu bewältigen ist.</li>
</ul>
<p>Die DB möchte eben Fakten schaffen, um die für jeden Menschen absehbare Verdrei- bis Verzehnfachung der auf 4,5 Mrd. &#8220;mit Reserven kalkulierten&#8221; Baukosten mit der Kraft der Fakten zu Lasten des Steuerzahlers durchzudrücken. Denn wer lässt schon den 12. Stock eines Hochhauses im Himmel schweben, wenn die Stockwerke darunter und das Fundament fehlen? <span style="color: #ff0000;"><strong>Nur das Bundesunternehmen DB scheint das Kunststück zu beherrschen, aus Luftschlössern gutes Geld zu machen. Leider ist es unser Steuergeld. </strong><span style="color: #000000;">(Viele Journalisten kümmert das nicht, sie scheinen keine Steuern zu zahlen.)</span></span></p>
<p>Aber ich war beim Thema Pressefreiheit, die sich die lieben Kollegen so oft beschneiden lassen. Gestern ging es darum in einer Veranstaltung der Gewerkschaft Deutschen Journalisten-Union im DGB-Haus, ich konnte die Reden dank <a href="www.cams21.de">www.cams21.de</a> (dort nach DGB Haus suchen) mit vielen Unterbrechungen verfolgen. Es waren mutige Kollegen darunter, aber auch die Hasenfüße, die die langen Abstimmungen mit den Ressortleitern (= so etwas wie Unteroffiziere in den militärisch mehr oder weniger straff geführten Redaktionen) vorschieben, um keine Beiträge fabrizieren zu müssen, mit denen man irgendwem auf die Füße treten könnte, weil überall die Rechtsanwälte lauern. Die Schere sitzt da eben bereits im Kopf, die Bequemlichkeit im Hintern.</p>
<p><a href="http://joebauer.de/de/index.php">Joe Bauer</a>, Kolumnist der Stuttgarter Nachrichten und erklärter Gegner des Immobilienprojekts Stuttgart 21, hat den lieben Kollegen am Ende der Runde die Leviten gelesen und mir seinen Text zur Verfügung gestellt. Nicht alle fanden seinen bewusst polemischen Vortrag gut, bei dem es zunächst um einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen ging, weil er mit dem Finger in den Wunden herumbohrte. Und deshalb können sie ihn hier nachlesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: medium;">Schönen guten Abend im Gewerkschaftshaus,</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">wenn wir schon im Gewerkschaftshaus sind, dachte ich, erinnere ich an ein Ereignis, das bereits so gut wie vergessen scheint.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Vor nicht einmal fünf Monaten ging an diesem Ort der bis dahin längste Journalisten- und Tageszeitungsstreik in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende, nicht gerade mit einem würdigen Abschluss. </span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Die Journalisten in Stuttgart haben mehr als 30 Tage gestreikt, die meisten ohne Erfahrung im Arbeitskampf. Das war eine interessante Erfahrung, beruflich und zwischenmenschlich.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Leider ist bis heute keiner, ich übrigens auch nicht, auf die Idee gekommen, zu prüfen, was diese Erfahrung bewirkt hat. Ich fürchte: womöglich nichts. <strong>Alles geht wie gewohnt seinen Gang.</strong></span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Die Streikzeit war aufregend, weil wir als vermeintlich geübte Öffentlichkeitsarbeiter lernten mussten, wie schwierig es ist, Öffentlichkeit für eine Minderheit herzustellen. <strong>Auf einmal entdeckten wir zu unserer eigenen Schande den Wert alternativer Medien wie Flügel.TV, Blogs oder soziale Netzwerke, die man zuvor ignoriert oder nur als Spielzeug betrachtet hatte.</strong></span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Kein Mensch, der nicht bei einer Zeitung arbeitete, wusste im vergangenen Sommer, </span><span style="font-size: medium;"><strong>warum</strong></span><span style="font-size: medium;"> wir streiken. Auch nicht die Kollegen von Funk und Fernsehen. Einmal kam mitten in einer Aktion einer von der „Landesschau“ zu mir und sagte: Warum streikst du, dir geht es doch gut? Ich sagte: Schlaumeier, es geht um den Nachwuchs. Jeder dachte, es ginge wie üblich um ein paar Prozent mehr Gehalt.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Eigentlich aber, vielleicht </span><em><span style="font-size: medium;">nur</span></em><em><span style="font-size: medium;"> eigentlich</span></em><span style="font-size: medium;">, ging es um den sogenannten <strong>Qualitätsjournalismus</strong>, nämlich um redaktionelle Bedingungen, die es erlauben, die Leute gut zu informieren und zu unterhalten.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Damit sind mir mitten im Thema <strong>Pressefreiheit: Ohne eine vernünftige Basis, ohne gute personelle Grundausstattung und Gehälter, die auch talentierte junge Leute in den Beruf locken, ist die Pressefreiheit auf Papier keinen Cent wert.</strong></span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Schnell haben wir gemerkt, dass Zeitungsjournalisten das Organisieren nicht erfunden haben. Es mussten Veranstaltungen und Aktionen, Internetseiten, Streikzeitung gemacht werden. Die übliche Schlafwagen-Presse, nämlich wir selbst, stand ja nicht zur Verfügung.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Ich übertreibe nicht: Mancher Journalist, digital bestens geschult und gewohnt, den Dilettantismus anderer Leute zu kritisieren, wunderte sich, wenn man ihm sagte, dass zum Einsatz eines Mikrofons für eine Streikrede eine Steckdose mit handelsüblichem Strom von Vorteil wäre. </span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Auf der anderen Seite lernte man in diesem Prozess auch viele Kollegen von einer ganz neuen Seite kennen. Einige, die man schon als Duckmäuser abgeschrieben hatte, entdeckten im Streik ihre kreative Seite, auf einmal sahen sie die Stadt und auch die Menschen in dieser Stadt mit anderen Augen. <strong>Zuvor, in der Abgeschiedenheit ihres Pressehauses, war ihnen nie ein S-21-Demonstrant über den Weg gelaufen.</strong> War auch gut so, diese Typen sind ja eher unsympathisch, uncool, nicht sexy. Wie der Protest in der Stadt verankert war, merkten einige erst, als sie bei Streik-Aktionen vom Straßenpublikum selbst wie Krawallbrüder behandelt wurden.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Während des Streiks, als sich weit mehr Kolleginnen und Kollegen solidarisierten, als man vermutet hatte, schien – wenige Wochen vor den Anfängen der Occupy-Bewegung – so etwas wie Aufbruchstimmung in der Luft zu liegen. Damals dachte ich: Jetzt ändert sich bei einigen das Bewusstsein, sie denken in Zukunft politischer und mehr an die Leute, für die sie berichten sollten. In dieser Atmosphäre habe ich kurz vor Ende des Streiks einen kleine Text geschrieben, den ich jetzt vorlese, nicht ohne den mir wichtigen Hinweis:</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Viele Redakteure, die in üblichen Zeitungen in einem gewissen Stil und mit einer gewissen Meinung berichten, tun das </span><span style="font-size: medium;"><strong>nicht nur</strong></span><span style="font-size: medium;">, weil hinter ihnen der Zensor mit dem Hackebeil steht. Sondern weil sei der Meinung sind, dass es cooler ist, die Meinung der Mächtigen zu vertreten und andere Haltungen zu unterdrücken. Diese Art von weit verbreitetem Gehorsam vergessen wir oft, wenn wir von Pressefreiheit reden.</span></p>
<p><span style="font-size: medium;">Der Streiktext vom 18. August 2011 war als Versuch einer teils polemischen, teils auch bewusst naiv formulierten Selbstkritik zur Motivation gedacht: </span></p>
<p><em><span style="font-size: medium;"><strong>DER GEMÜSELADEN </strong></span><span style="font-size: medium;"><br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik1" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
</span> <span style="font-size: medium;"><br />
Als ich diese Zeilen schreibe, liegen mehr als dreißig Tage Streik hinter uns. Dieser Arbeitskampf ist keine Ensuite-Veranstaltung, gestreikt wurde häppchenweise. Keiner von uns hat je zuvor über einen so langen Zeitraum gestreikt, auch nicht die alten Säcke wie ich.</span></em></p>
<p><em><span style="font-size: medium;">Dieser Streik für gerechte Arbeitsbedingungen ist eine Lebenserfahrung, und nicht immer eine gute.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik2" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Oft hört man Kollegen klagen, sie hätten Probleme, die Sache durchzustehen. Manche sagen, sie müssten zwischendurch wieder regulär arbeiten, um „Luft zu holen“. Das bedeutet: Sie erholen sich bei ihrer gewohnten Arbeit vom ungewohnten Streik.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik3" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Es steht mir nicht zu, die Psychologie der Menschen zu beurteilen, ich verstehe auch nicht viel von der Psychologie des Streiks, weiß nur, was ich gelesen habe, was mir der eine oder andere Gewerkschafter von den Streiks in anderen Branchen erzählt hat. Das Gefährlichste am Streiken ist das Nichtstun. Allerdings kenne ich wenig gute Gründe, während eines Streiks nichts zu tun. Es gäbe für jeden einen Haufen Arbeit im Arbeitskampf. Es wäre gut, das Streiken als Job zu betrachten, als einen Job, den man erledigen muss, bevor sich die Dinge nach den Vorstellungen der anderen Seite erledigen.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik4" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
In Stuttgart haben wir versucht, uns mit einer gesunden Portion Aktionismus eine Art Tagesstruktur zu geben, uns Aufgaben zu stellen, die der Sache und dem Lebensrhythmus dienen. Wenn es darum geht, „raus zu gehen“, wie man sagt, war die Solidarität gut. Wenn es darum ging, aktiv zu werden, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, die Leute zu powern, gab es noch Luft nach oben.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik5" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Logischerweise birgt ein Job, sofern er mit Publikum (in unserem Fall mit Leserinnen und Lesern) gemacht wird, Eitelkeit und Egoismus. Diese Eigenschaften bewerte ich nicht, meine Nase ist nicht so kurz, als dass ich sie nicht selbst zu fassen kriege. Eins aber habe ich während des Streiks gelernt: Man hat in unseren Kreisen nicht immer ein Bewusstsein dafür, welche Rolle man als Arbeitnehmer in Wahrheit einnimmt. Und wir kümmern uns zu wenig darum, mit welchen Problemen die noch Schwächeren in der Hierarchie, etwa die freien Mitarbeiter, vor allem auch Fotografen, sich herumschlagen.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik6" width="1" height="1" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Überhaupt scheint mir der Streik ein guter Anlass für Selbstkritik. Journalismus ist ein weites Feld, und dieses Feld ist weiter denn je, seit es das Netz gibt.</span></em></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><em><span style="font-size: medium;">Allerdings krankt der Zeitungsjournalismus nicht nur an Dingen, die dem Internet zuzuschreiben sind. Wir haben unser Kerngeschäft, nämlich den Lokaljournalismus (damit meine ich nicht den Lokal-TEIL), vernachlässigt oder falsch gemacht. Wir haben zuletzt nicht einmal die zeitgenössischen Trends zur Regionalisierung begriffen. </span></em></span></p>
<p><em><span style="font-size: medium;">Jedes gut geführte Gasthaus, jeder gut geführte Gemüseladen ist uns voraus. Wenn einer sagt, Gemüseladen hätten nichts mit Journalismus zu tun, dann weiß er nicht besonders viel von seinem Geschäft. Erstens haben wir wie jeder Gemüsehändler die Aufgabe, einem hungrigen Publikum guten Stoff zu servieren. Zweitens sollte eine ordentliche Regionalzeitung nach den Regeln eines guten Gemüseladens bestückt sein – die Produkte frisch und schmackhaft, vor allem gut verdaulich, gelegentlich für die Kunden ein Genuss.<br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik7" width="1" height="5" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
<span style="color: #ff0000;">Wir haben uns zu weit vom regionalen Gemüseladen entfernt, die Menschen und ihre Lebensräume außer acht gelassen, kulturelle Alltagsentwicklungen verschlafen oder ignoriert. An die Stelle der Neugierde ist das sogenannte „Konzept“ getreten: Die läppische Marketing-Erfindung, Scheinmanöver für wichtig zu erklären.</span><br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik8" width="1" height="5" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Viele Verlage haben versucht, fehlende Qualität, fehlende Substanz, kurzum: schlechte Inhalte, mit Design- und Verpackungs-Spielereien wettzumachen. Dahinter steckt die Betriebsfremdheit der Manager und solcher, die es gern wären. Auch der kleine Journalismus taugt nur etwas, wenn wir uns auf unser Herzstück besinnen: auf das Handwerk des Geschichtenerzählens, das Handwerk des Schreibens, auf die kleine Dramaturgie des Textes. Ich weiß, was jetzt kommt: Dafür ist keine Zeit mehr! Stress! Aber wofür ist dann Zeit? Für Hamsterrad-Tempo und <span style="color: #ff0000;">Online-Geballer, worüber jeder gute Blogger längst lacht?</span><br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik9" width="1" height="5" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Es gibt genügend politische Gründe, für den Qualitätsjournalismus zu kämpfen. Und es ist keine Frage, dass gute Arbeit gut bezahlt werden muss. Aber wir, die <span style="color: #ff0000;">Journalisten, sollten uns schleunigst klar machen, was gute Arbeit bedeutet. Gute Arbeit ist, wenn wir lernen, uns für unser Publikums zu interessieren und es ernst zu nehmen.</span><br />
</span><img src="http://joebauer.de/p/bl.gif" alt="" name="Grafik10" width="1" height="5" align="BOTTOM" border="0" /> <span style="font-size: medium;"><br />
Meine Litanei hat einen simplen Grund: Ein gutes Ziel stärkt die Kampfmoral. Mein Weg zum Ziel führt über den eigenen Arsch. Ich muss ihn mal wieder treten, um die journalistische Neugier neu zu wecken. </span></em></p>
<p><em><span style="font-size: medium;"><strong>Nachbemerkung</strong></span><span style="font-size: medium;">: Seit dem Streik haben sich die Stuttgarter Journalisten nicht mehr zu einem Meinungsaustausch getroffen, ein geplantes Fest zum Abschlussfest des Arbeitskampfes fiel wegen angeblicher Terminprobleme aus. 2012 könnte das Jahr des große Protests werden. Die Occupy-Bewegung wird man kaum per Volksabstimmung stoppen. Es wird sich zeigen, wer Qualitätsjournalismus als Haltung begreift.</span></em></p>
<p style="text-align: center;">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p style="text-align: left;">Und nun? Ich fürchte, auch diese Polemik wird ebensowenig etwas an der Medienlandschaft verändern wie die ebenso kluge Kapitalismus- und Medienkritik des FAZ-Herausgebers Schirrmacher. Der längst eingebettete Journalismus, aber auch die Fantasielosigkeit der Mainstrean-Redakteure, die lieber schnell Me-Too-Produkte der PR-gesteuerten Nachrichtenagenturen online und ins Blatt stellen, ist längst dabei, die Vierte Gewalt zu einer lahmen Ente zu machen. Und die meisten Journalisten machen bei der Entwertung ihrer Arbeit aktiv mit.</p>
<p style="text-align: left;">Journalismus und die Einschaltung des gesunden Menschenverstands bei der Arbeit sind einfach zu anstrengend&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/0e78c8cfa81b403cab2e47808872a9d6" width="1" height="1" alt=""></p>
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