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	<title>Railomotive &#187; Marginalien</title>
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	<description>Eisenbahn-Blog Friedhelm Weidelich - Fachjournalist</description>
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		<title>Man wünscht mich als Oberbürgermeister-Kandidaten in Stuttgart</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 12:40:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich wurde zum Oberbürgermeister-Kandidaten für Stuttgart vorgeschlagen, will aber nicht kandidieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein netter Bekannter schickte mir den <a href="http://www.meisterbuerger.org/obkandidat/kandidaten.html">Link zu einer Seite</a>, in der Stuttgarter Bürger einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl nominieren dürfen. Überraschung: Ich stehe drauf!</p>
<p>Das Vertrauen der anonymen Fürsprecher ehrt mich. Ich wäre alt genug für das Amt, habe Verwaltungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kommunales studiert und kann Bauleitplanung, Flächennutzungspläne und Bebauungspläne sowie Kann-Bestimmungen von Ermessensspielräumen unterscheiden. Und ich weiß, dass Politik das Ergebnis von interessengeleitetem Druck und nicht von Sachverstand oder gar gesundem Menschenverstand ist. Das würde formal für den Job genügen, nicht aber zur Führung einer von schwarzen Karrieristen und anderem Filz durchsetzten Verwaltung einer Stadt, die ich noch nie attraktiv fand.</p>
<p>Obwohl: Schlechter als Schuster könnt ich&#8217;s auch nicht machen.</p>
<p>Mit einem größeren Teil der Medien hätte ich dagegen leichtes Spiel. Denn ich weiß, wie man kommunziert, dass viele Stuttgarter Redakteure recherchefaul sind, ihren frühen Feierabend lieben, Probleme mit der kreativen Themenfindung haben und 1 und 1 nicht zusammenzählen können. Deshalb verlassen sie sich ja auch so oft blind auf den copy-and-paste-Dienst der dpa. Aber wer nicht als schwarz angestrichener Pfahl daherkommt, könnte bei manchen Schreiberlingen doch einen gewissen Ehrgeiz herausfordern, es dem Eindringling zu zeigen. Da Logik und Faktenverständnis bei den lieben Kollegen notorisch unterentwickelt scheinen, Vorurteile und politische Glaubensrichtungen um so mehr in den Hirnen festgemeißelt sein dürften, würde es aber gar keinen Spaß machen mit diesen Damen und Herren. Ich rege mich zu leicht auf über Dummheit im Dienst.</p>
<p>Gut, die fette Rente wäre ein ernstzunehmendes Argument. Schwäbisch kann ich auch. Aber Trollinger und Acolon mit den Vorständen und Geschäftsführern von Daimler, Stihl, WMF, Züblin, LBBW, ECE, Bosch und Trumpf (oder gar dem radebrechenden Oettinger!) trinken zu müssen und sich am Preis der Armbanduhren zu messen, erscheint mir nicht erstrebenswert und eher langweilig. Noch grausliger stelle ich mir vor, mit Kretschmann über Sophistokles, Aristopholos, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er">Pharisäer</a> (da kennt er sich aus!) und das Menschenbild der Heiligen Mutter Maria sowie über seinen geliebten Mercedes zu diskutieren und das bisschen, was in seinem Wohnort <a href="http://www.laiz.de/laiz.htm">Laiz</a> los ist.</p>
<p>Nicht zuletzt: Die Eröffnung von Weinfesten war noch nie meine Herzensangelegenheit, zumal die Pseudo-Dirndl-Kostüme den schwäbischen Honoratiorengattinnen nicht wirklich stehen. Im hässlichsten Rathaus Deutschlands zu sitzen und auf den ebenso hässlichen Marktplatz zu schauen, würde mich rein visuell überfordern. Von der Bahnhofs- und Schlossgartenruine einmal abgesehen.</p>
<p>Mein Entschluss steht fest: Isch kandidiere – nicht.</p>
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		<title>Vielleicht sollte auch Kretschmann abdanken</title>
		<link>http://railomotive.com/2012/02/vielleicht-sollte-auch-kretschmann-abdanken/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 11:03:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
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		<description><![CDATA[Es zeigt sich immer mehr, dass das Tunnelsystem um Stuttgart 21 zum Scheitern verurteilt ist. Ministerpräsident Kretschmann sollte das Projekt aufgeben oder abtreten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Railomotive-Leserinnen und -Leser,</p>
<p>offenbar habe ich vorgestern hier eine Herzensangelegenheit thematisiert. Bis heute Morgen, Null Uhr, hatten über 4500 Menschen meinen Beitrag gelesen (und ein paar Hundert Maschinen). Das ist der neue Rekord dieses Blogs. Und noch nie gab es so viele Kommentare, darunter einen von Jörp Rupp, Parteirat bei den Grünen Baden-Württemberg.</p>
<p>Ich danke allen herzlich für die freundlichen Worte und die Diskussion mit weiteren interessanten Aspekte und anderen Sichtweisen.</p>
<p>Nun sind wir den Bundespräsidenten-Darsteller Wulff endlich los. Wenn ich nicht wüsste, dass heutzutage selten was Besseres kommt, wäre auch ein Rücktritt von Ministerpräsident Kretschmann nach dem sinnlosen Gemetzel im ehemaligen Schlossgarten angemessen. Denn vertrauen kann man diesem vergesslichen und aus meiner Sicht nur scheinbar aufrechten Demokraten nicht mehr. Der Gegenwind der Grünen-Wähler und -Mitglieder war gestern abend auf dem reichlich späten Neujahrsempfang nicht zu überhören. Und als peinlichen Höhepunkt leisteten sich die Grünen dann einen Spaziergang zum sichtgeschützten Gelände, das einst ein Park war. Diesen Politikern fehlt jegliches Gespür für Timing und Gefühlslagen. Man sollte jedem Grünen-Angeordneten ein Tütchen geschreddertes Holz schicken. Es wäre besser als Stroh – Sie wissen schon wo.</p>
<p>Das heutige DB-Verkehrschaos nach einem <a href="http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=9301956/9u4jtd/index.html">angekokelten Steuerungskabel am Rosensteintunnel</a> ist nur ein kleiner Vorgeschmack, wie sich eine Störung in einer den geplanten 60 km langen Tunnelröhren und nach dem Abbau der Gäubahn auswirken würde. Der Verkehr ist voraussichtlich bis Montag gestört. Wer jetzt noch als Politiker nicht die Notbremse zieht, handelt schlichtweg kriminell und fördert eine Bahnnetz-Konstruktion, die nicht funktionieren kann. Stuttgart 21 ist unverantwortlich – technisch, finanziell und aus Gründen der Menschlichkeit.</p>
<p>Journalisten sind oft Herdentiere, und was sie hochschreiben, schreiben sie gern auch runter. Das war so, als der neoliberale, selbstverliebte Gauck zum Bundespräsidenten hochgeschrieben wurde. Als dann Wulff gewählt wurde, war es plötzlich ganz still. Man stellte sich blitzschnell auf den jungen, unverbrauchten und irgendwie erfrischenden Wulff mit seiner schönen Frau ein. Dann kamen Skandälchen und seine ausgeprägte Liebe zu spendablen &#8220;Freunden&#8221; in der Wirtschaft an die Oberfläche, die nicht länger ignoriert werden konnten. Und über Wochen, notfalls mit einem Bobbycar als üble Vorteilsnahme, zerlegten die Medien den Bundespräsidenten-Darsteller, der schon zuvor zur Witzfigur geworden war. Auch, weil er sich so gern entschuldigte, obwohl man nur um Entschuldigung bitten kann. (Aber solche sprachlichen Feinheiten kennen auch viele Redakteure nicht mehr.)</p>
<p>Vielleicht ist es ein gütiges Schicksal, das nach der brutalen Zerstörung des Schlossgartens von irgendwoher winkt. Wenn die bis dahin ignoranten Journalisten wittern, dass Stuttgart 21 jetzt endlich der verdiente Tod ereilt und die Stadt im Sommer kein erträglicher Aufenthaltsort mehr ist, werden sie vielleicht endlich zu recherchieren anfangen. Denn da gibt es mehr zu entdecken als an Merkels Parvenu Wulff.</p>
<div id="attachment_10061" class="wp-caption alignnone" style="width: 576px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/PE151429kl.jpg"><img class="size-full wp-image-10061" title="Alter Baum auf Düsseldorfer Friedhof" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/PE151429kl.jpg" alt="" width="566" height="800" /></a><p class="wp-caption-text">Alter Baum auf Düsseldorfer Friedhof (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<h2 style="text-align: left;"><em><strong><span style="color: #339966;">Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!</span></strong></em></h2>
<h6 style="text-align: left;">(aus dem Gedicht: Ende eines Sommers von Günter Eich)</h6>
<p>Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und ein bissle sollte der Protest, vor allem aber die Überzeugungsarbeit angesichts des Rosensteintunnel-Kabelbrands, weitergehen. Sicher ist: Die Zeit arbeitet gegen Stuttgart 21. Die Vernunft sowieso.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong> Ich kann die <a href="http://www.parkschuetzer.de/statements/122019">hier gemachten Aussagen</a> eines Parkschützers nicht überprüfen. Aber wenn ein (noch anonymes) SPD-Mitglied der Deutschen Bahn mit Schadenersatzforderungen droht, falls sie S21 aufgibt, dann klingt das nach Filz und vielleicht auch Erpressung. Dass das ganze Projekt aus einem bislang kaum sichtbaren Sumpf aufgestiegen ist, zeichnet sich ja schon länger ab.<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/acb1ea7734e941ad98f1a7121e90fc7c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Vorläufig letzte Worte zu Stuttgart 21</title>
		<link>http://railomotive.com/2012/02/vorlaufig-letzte-worte-zu-stuttgart-21/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 17:31:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Deutsche Bahn ist nun am Zug. Sie hat niemand, der der Tiefbahnhofstrog, das Technikgebäude und den Nesenbachdüker baut. Sie hat die Absicht, zusammen mit der Landesregierung die Filderstrecke mit denselben Tricks und Vortäuschung von Bürgerbeteiligung durchzuziehen. Sie wird auch im Herbst noch nicht mit dem Bau angefangen haben. Die Stuttgart 21-Gegner sollten sich nach der Räumung des Schlossparks eine Pause gönnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/PA220583.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10012" title="" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/PA220583.jpg" alt="" width="640" height="679" /></a><br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/00f24ac90efa44e6b6f197bb564ddb31" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Die Räumung des Mittleren Schlossgartens heute Nacht setzt einen vorläufigen Schlusspunkt. Denn das Unglück für Stuttgart ist geschehen, die Bäume sind weg. Und die Zeit, die wir Gegner investiert haben, erscheint vergeudet, weil wir verarscht wurden. Wir haben eine Denkpause verdient. Darüber nachzudenken, was da abgelaufen ist in Sachen Pseudo-Demokratie und medialem Versagen. Mal wieder zu leben, Kontakte zu pflegen, Ideen zu entwickeln, statt zum hunderttausendsten Mal Argumente zu skandieren, die niemand hören will. Weil Argumente und relatives Wohlverhalten nicht beeindrucken.</p>
<p>Die Deutsche Bahn hat nun begonnen, den Stadtpark zu verwüsten und ist nun am Zug. Wie bei einem Schachspiel. Den letzten Zug im Spiel um die Macht hat zuvor Ministerpräsident Kretschmann getan, und es könnte einer seiner letzten falschen Züge gewesen sein. Respekt kann dieser Mann nicht mehr erwarten, denn er hat einen Volksentscheid dazu benutzt, auf politische Spielräume zu verzichten und sich dem Diktat der Deutschen Bahn hinzugeben, die ganz offensichtlich und dreist mit falschen Zahlen operiert. Zumal sich jetzt herausstellt, dass auch die Stresstestergebnisse nie und nimmer stimmen können, weil die <a href="http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=610&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=737&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=609&amp;cHash=e88da1cfb0">Railsys-Software einen Fehler hatte</a>.</p>
<p>Dass das Land als Vertragspartner der Bahn entweder keine realistischen Zahlen einfordert oder sie zumindest verheimlicht, ist ein weiterer Skandal. Und jeder, wirklich <em>jeder</em> Mensch mit ein bisschen gesundem Menschenverstand weiß, dass die 4,5-Mrd.-Hürde schon längst gerissen ist. Weil sie nie gestimmt hat und Großprojekte <em>immer</em> deutlich teurer werden. Das hat die regierenden Grünen nicht interessiert. Die Sprachregelung allerorten war: Der Volksentscheid bedeutet, die Bürger wollen das Projekt. Darüber wurde zwar im Volksentscheid nicht abgestimmt, aber das interessierte bei den angesprochenen Grünen ebenfalls niemand. &#8220;Wir haben alles getan&#8221;, wehrten sie ab. Selbstgerechtigkeit, Dummheit und Ignoranz. Hauptsache: an der Macht.</p>
<p>Ja, sie haben alles getan, um an die Regierung zu kommen. Und die Bürger werden alles tun, dass diese neokonservative, zutiefst bürgerliche (im Sinne von law and order und Ruhe im Hühnerstall) Partei zurechtgestutzt wird. Sie ist bereits auf dem Tiefpunkt von 13 % bei der Sonntagsfrage angekommen. Denn sie ist die &#8220;bessere CDU, SPD und FDP&#8221;. Aber nichts an ihr hat noch mit Ökologie oder gar dem sinnvollen Umgang mit Steuergeldern zu tun. Macht ist geil und vernebelt den Sinn für die Realität &#8220;draußen im Land&#8221;.</p>
<p>Eine geradezu <strong><span style="color: #ff0000;">brillante Erklärung für das (Nicht-)Handeln der Grünen liefert Dr. Annette Ohme-Reinicke</span></strong> in der <a href="http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2012/02/kahlschlag-als-rache/">KontextWochenzeitung</a>, die zwar immer noch Kretschmann-Anbetung betreibt und sich für die psychologische Vorbereitung von Polizeichef Züfles Großeinsätzen andient. Aber hier hat sie eine Philosophie-Dozentin (!) ausgegraben, von der ich gern schon früher etwas gelesen hätte. Denn sie stellt in ihrer brillanten Analyse der Grünen und des S21-Protests intellektuell alles in den Schatten, was Phoenix und SWR aus Hohenheim vor die Kamera gezerrt hatte. Lesen Sie diesen Beitrag bitte und vergessen Sie dann die Grünen. Sie taugen nicht einmal mehr als Strohhalm. Zu ihnen passt, wie Kalkofe in seiner <a href="http://www.sat1.de/video/das-wahre-wulff-interview-teil-1-clip">genialen Parodie</a> auf Wulff in ähnlichem Zusammenhang sagte: &#8220;&#8230;als wolle man einen Regenwurm als Zahnstocher benutzen.&#8221;</p>
<p>SPD, CDU und FDP kann man ganz vergessen. Sie sind die willigen Umsetzer von Lobbyistenvorstellungen und hartnäckige Nicht-Vertreter der Bürger. Darum werden Bürger abwertend als &#8220;Menschen&#8221; bezeichnet, denn Politiker kennen uns nur noch aus dem Steuerzahler-Zoo und brauchen eine Kategorie, die uns vom Tier unterscheidet. Unser Bellen stört sie nicht. Mit klarem Verstand sind diese Selbstdarsteller unwählbar, das brauche ich wohl nicht zu betonen. Sie haben mit ihren Freunden aus der Wirtschaft auch Stuttgart 21 ins Rollen gebracht, mit viel Geld, fiesen Tricks, faustdicken Lügen und der Vorspiegelung falscher Tatsachen. Zu Lasten der Bürger, versteht sich. Denn ohne deren Geld funktioniert kriminelle Vetterleswirtschaft nicht. Da kann man schon mal nachhelfen, dass die Kapazität der Staatsanwaltschaften anderweitig gebunden ist.</p>
<p>Ob die teilweise pubertär vor sich hin dozierenden Piraten außer Sympathie für ihre Unbeholfenheit auch Wählerstimmen verdient haben, bin ich mir nicht so sicher. Mir erscheinen sie wie Studenten, die  nicht wissen, wie mühsam Künstler und Kulturschaffende ihre Geld verdienen. &#8220;Hauptsache kostenlose Downloads – mehr wollen und verstehen wir nicht.&#8221; Man kann mit Recht die Macht der Musikverleger anprangern und illegales Herunterladen als Kavaliersdelikt betrachten. Künstler oder freie Journalisten wie ich verdienen aber keinen Cent mehr, wenn man unsere &#8220;Ware&#8221; klaut. Gegen die kalte Enteignung durch die Verlage (das gilt auch für die ganz großen, hochseriösen Verlage) für ein Taschengeld müssen wir schon selber kämpfen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf unbeschränkten Film- und Musikgenuss. Die Brötchen klauen Sie ja auch nicht beim Bäcker, weil er sie sowieso gebacken hat. <span style="color: #808080;">(Nachtrag: Wie die &#8220;Content&#8221;-Lieferanten direkt und ohne Verlage bezahlt werden sollen, ist mir schleierhaft. Ein Film z. B. ist ein Großprojekt, an dem Hunderte beteiligt sind, Finanziers eingeschlossen. Auch eine Zeitung oder Online-Publikation ist ein Gemeinschaftswerk. Da will erst einmal der Verlag verdienen und ist nict bereit, die Autoren von den Lesern bezahlen zu lassen. Flattr ist nicht praktikabel. Ich habe es noch nie genutzt. – Aber das alles ist nur ein Nebenthema und soll illustrieren, dass die Piraten nicht politikfähig sind. Was nicht ausschließt, dass sie es noch werden. Die reale Welt ist nicht im Internet, die besteht aus Menschen, nicht aus Statements selbsternannter Netzpolitiker und gegenseitigem Schulterklopfen. Man muss die Wähler, die Bürger in ihrer Masse erreichen.)</span></p>
<p>Wie man sich als politische Kraft inszeniert – das muss man in dieser hektischen Mediengesellschaft –, hätten die Piraten inzwischen lernen können. Noch ein geistreiches Interview mit Marina Weisband möchte ich nicht lesen. Das ersetzt kein Programm und zeigt keine Ziele auf. Wäre sie äußerlich unattraktiv, würde sich kein Journalist um sie bemühen. Und die Linken? Sarah Wagenknecht ist belesen, hochintelligent und analytisch brillant. Aber reicht das?</p>
<p>Ich habe aus der Begleitung des S21-Projekts etwas gelernt:</p>
<ul>
<li>Versprechungen von Politikern sind keinen Cent wert. Das war tendenziell schon immer so, in dieser Ausprägung habe ich es noch nicht erlebt. Sie dienen nur noch sich selbst oder den Lobbyisten hinter ihnen. Und sie gefallen sich als Vorteilsgeber und als Vorteilsnehmer wie Wulff.</li>
<li>Schlichtungen sind nichts als Beruhigungspillen für das Volk. &#8220;Investoren&#8221; steuern im Hintergrund und machen was sie wollen. Gern auch mal mit frei erfundenen Zahlen und Argumenten. Denn es geht nur ums Geld und die größtmöglichen Gewinne.</li>
<li>Der größere Teil der Journalisten ist nicht in der Lage, Fakten zu verstehen und einzuordnen. Kausale Verknüpfungen beherrschen sie nur noch selten, Recherche ist ihnen fremd geworden.</li>
<li>Der Widerstand wurde wie ein Sportereignis beobachtet. Um was es geht, interessierte bestenfalls eine Handvoll Redakteure. Die anderen überlassen den Agenturen die Arbeit, die nur noch Pressemitteilungen verbreiten und zu Recherche unfähig oder auch zeitlich nicht mehr in der Lage sind. Sie sind willige Sprachrohre derer, die das PR-Geschäft beherrschen.</li>
<li>Journalisten schließen sich gern dem Mainstream an und fressen gern die Schlagzeilen, die man ihnen mundgerecht serviert. Als Vierte Gewalt haben sie ausgedient, sie werfen bestenfalls mit bunt bemalten Wattebäuschchen und wollen eigentlich nur noch spielen. Mut, Geradlinigkeit und Unabhängigkeit sind selten geworden. Lieber lässt man sich wegen einer Exklusiv-Nachricht, die eine Verfallszeit von 15 Minuten hat, in die PR der Unternehmen einbetten. So macht man intern Karriere. Aber keine Zeitung für die Leser.</li>
<li>Es gibt Bürger, die sich für ihre Stadt engagieren und es satt haben, von Politikern ausgetrickst und vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Aber wir stehen erst am Anfang einer Bürgerbewegung. Und die, die Merkel für eine engagierte Macherin statt für eine Architektin der eigenen Macht halten, sind immer noch fast 40 %.</li>
<li>Es gibt wieder junge Leute, die für eine andere, bessere Welt auf die Straße gehen. Es sind noch viel zu wenige, aber wir sollten sie unterstützen. Sie haben lange genug geschlafen.</li>
</ul>
<p>Danken möchte ich Fluegel.tv und www.cams21.de, denen ich viele Tage und Stunden direkte Eindrücke aus Stuttgart verdanke. Eindrücke, auf die die Kollegen in den Redaktionen gern verzichtet haben. Weil man auf die &#8220;Amateure&#8221; herunterschaut. Leider, bis auf eine Handvoll Kollegen, haben diese engagierten Amateure die bessere Arbeit gemacht, weil sie nah am Geschehen waren und sich in die Materie eingearbeitet haben. Wie die vielen Initiativen auch, die sich aber endlich mal Presseverteiler aufbauen sollten und noch lernen müssen, dass kein Redakteur 6-seitige Argumentationspapiere durchlesen und erfassen will. <strong><span style="color: #ff0000;">Nicht Fakten zählen, sondern gut gesetzte Schlagzeilen.</span></strong> Redakteure haben nunmal nicht viel Zeit und schon gar keine Lust auf wissenschaftliche Abhandlungen. Von zuweilen dürftiger Allgemeinbildung und null Kenntnissen der Eisenbahn einmal abgesehen.</p>
<p>Nachdem sich die gutgläubigen Demokraten, die sich zahlreich unter den S21-Gegner befanden, durch Schlichtung und Volksentscheid hinhalten und systematisch ausbremsen und verarschen ließen, wäre nun Innehalten angesagt. Nach den zwei Wangen nochmal den Kopf hinzuhalten, um sich eine weitere Klatsche abzuholen, wäre der falsche Weg. Juristisch mag noch etwas zu holen sein, doch auf der Straße wäre eine Pause gut. Denn das Projekt wird an sich selbst scheitern.</p>
<p>Die Deutsche Bahn ist nun am Zug. Sie hat niemand, der der Tiefbahnhofstrog, das Technikgebäude und den Nesenbachdüker baut. Sie hat die Absicht, zusammen mit der Landesregierung die Filderstrecke mit denselben Tricks und Vortäuschung von Bürgerbeteiligung durchzuziehen. Sie wird auch im Herbst noch nicht mit dem Bau angefangen haben und wird zugeben müssen, dass schon heute das Projekt mindestens 10 Mrd. Euro kostet.</p>
<p>Die Wahrheit wird scheibchenweise ans Licht kommen. <strong><span style="color: #ff0000;">Noch in diesem Sommer wird manchem dämmern, dass nichts, aber auch nichts, an diesem Immobilienprojekt reell ist</span></strong>. Außer den erhofften Millionengewinnen zu Lasten der Steuerzahler.</p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>PS</strong></span>: Danke für die vielen Kommentare. Bleiben Sie mir treu, wenn es &#8220;nur&#8221; um Eisenbahn geht. Ich bin sicher, dass <a href="http://zwuckelmann.posterous.com/">Zwuckelmann</a> und <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/seriousguy47">Seriousguy47</a> im <em>Freitag</em> ganz dicht dranbleiben. Und ich komme spätestens dann zurück, wenn ich sagen kann, ich hatte Recht! <img src='http://railomotive.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Und da es auch Journalisten mit Durchblick und S21-Kompetenz gibt, sei auf diesen guten <a href="http://www.fr-online.de/stuttgart-21/kommentar-zur-raeumung-fuer-s21-debatte-muss-weitergehen,4767758,11637834.html">Kommentar von Stephan Hebel</a> in der Frankfurter Rundschau verlinkt.</p>
<p><strong>Nachtrag 16.2.2012:</strong> Das Propagandabüro hat zugegeben, dass man wohl erst im November 2012 mit dem Grundwasserpumpen anfangen wird. Dietrich behauptet, dass aber schon im Sommer mit dem Ausheben der Grube begonnen werden soll. Ob das ohne Grundwasserabsenkung geht? Außer ein bisschen Kleinkram (Schotter aufbringen, Straßen für die Lkw anlegen) wird also dieses Jahr nichts passieren. Ich habe nichts anderes erwartet.</p>
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		</item>
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		<title>Eisenbahnfotos: Ein Kind und zwei Dampflokomotiven</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 20:25:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kleine Kinder waren in den siebziger Jahren fasziniert von den letzten Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9964" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/19740406-SW114-25.jpg"><img class="size-full wp-image-9964" title="Dampflokomotiven und ein Kind" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/19740406-SW114-25.jpg" alt="" width="800" height="592" /></a><p class="wp-caption-text">Am 6. April 1974 in Bisingen fotografiert von Friedhelm Weidelich</p></div>
<p>In meinem Freundeskreis kam gestern ein Baby zur Welt, ein kleiner Junge. Das macht sensibel und nachdenklich, denn dieser kleine Erdenbürger wird in einer anderen Zeit aufwachsen als ich und dieser kleine Knirps, den ich vor fast 38 Jahren fotografiert habe. Das Foto ist vorn unscharf, damals gab es noch kein Autofokus und nicht immer war ich aufmerksam.</p>
<p>Doch das Foto, das ich nach dem Scannen zum ersten Mal als Positiv sehe, hat Witz: Da steht ein kleiner Junge, der sich von den gewaltigen Dampflokomotiven etwas ängstlich wegdreht und doch fasziniert zu sein scheint wie jeder, der einmal eine Dampflok in Aktion erlebt hat. Noch steht der Sonderzug, und beim nächsten Druck auf den Auslöser wird der schmale Bahnsteig geräumt sein. Das Kind ist in die sicheren Arme des Vaters an der H-Tafel geschlüpft. Diese gab an, wo ein Personenzug mit (in diesem Fall 24 Achsen) zu halten hatte.</p>
<div id="attachment_9966" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/19740406-SW114-26.jpg"><img class="size-full wp-image-9966" title="Sonderzug mit 78 und 64 in Bisingen " src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/02/19740406-SW114-26.jpg" alt="" width="800" height="519" /></a><p class="wp-caption-text">Der Sonderzug setzt sich dampfend und qualmend in Bewegung (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>Eine kurze Lederhose mit Hosenträgern und Kniestrümpfe waren damals die Kinderkleidung. Das Firmenlogo oben sieht aus wie die Silhouette eines Kindes, für das die Firma mit dem Initial &#8220;M&#8221; vielleicht Kleidung produzierte. Wahrscheinlich gibt es das Werk nicht mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Märchenhaft: Wie Stuttgart 21 anfing und endete</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 17:46:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenbahn]]></category>
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		<category><![CDATA[Stuttgart 21]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein satirischer Rundumschlag zum Immobilienprojekt Stuttgart 21]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Wenn es nichts mehr zu lachen gibt, kann man immer noch versuchen, gegen den realen Irrsinn anzulachen. Ein <del>satirisches</del> realitätsnahes Märchen kann dabei vielleicht helfen.</h5>
<div id="attachment_9923" class="wp-caption alignnone" style="width: 650px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131917.jpg"><img class="size-full wp-image-9923" title="P6131917" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131917.jpg" alt="" width="640" height="436" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Wähle nur den trockenen Fluss, dein Fundament darin zu gründen&quot;</p></div>
<p>(Frei erfundenes japanisches Sprichwort.) Japanische Tempelanlage in Düsseldorf, fotografiert von Friedhelm Weidelich. Rechts der kiesbedeckte <a href="http://japanische-gaerten-berlin.de/zen02.html">Trockenbach</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es waren einmal ein paar schwäbische Honoratioren.</strong> Sie kannten sich seit Jahrzehnten, liebten Wein und Weib, aber keinen Gesang. Denn böse Menschen haben keine Lieder. Sie wählten schon ihr Leben lang CDU, weil sie etwas verändern wollten und fuhren einen Daimler ohne Kofferraumdeckelbeschriftung. Denn niemand sollte erkennen, ob es eine S- oder E-Klasse wäre und wieviel Hubraum das bescheidene Sonntagsgefährt hatte. Während der Woche nahmen sie den kleinen Diesel – sofern sie überhaupt noch selbst fahren mussten.</p>
<p>Die Honoratioren hatten sich wieder einmal im Weinberghäusl etwas an Acolon berauscht, weil der preiswert war und trotzdem ein wenig französisch schmeckte. Im Grunde ihres Herzens waren es schlichte Menschen, die einfach gute Geschäfte machen wollten und wussten, dass sie sich auf CDU, FDP, IHK, Landräte und Bürgermeister verlassen konnten. Denn es galt ja, voneinander zu profitieren und die Zukunft zu gestalten. Die eigene jedenfalls, wegen der Kinder. Denn die sollten es einmal besser haben. Und noch ein Cabrio dazu, denn es würde ja heißer werden wegen der Umwelt.<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/0f10252b07e245268e57a2171a5bd20a" alt="" width="1" height="1" /><br />
Berauscht, wie sie waren, planten sie, die Welt zu verändern. Diesmal sollte es Stuttgart sein. Eine Stadt, die schon das schönste Rathaus und den elegantesten Marktplatz Europas hatte, die breitesten Straßen und die meisten Ampelblitzer. Ein kleines Zugeständnis an das pietistische Weltbild der Bewohner, die nicht nur ihr Auto liebten, sondern auch die soziale und polizeiliche Kontrolle, sofern sie einen selbst nicht traf.</p>
<p>„Seyd ihr scho mal mitm Heligoppdr gfloga?“, fragte der, dem es schon Gewohnheit geworden war. „Oimol, aber scho lang här“, sagte der Eine, und der Andere guckte etwas skeptisch. Schon bald schwebten sie über Stuttgart, ergötzten sich ob der breiten Straßen für den neuen Panamera und der Brache am Bahnhof, wo später einmal die neue Bibliothek stehen sollte. Fernab aller Menschen, aber nah genug an den breiten Straßenschneisen. „Biecher sind die Zukunft“, rief der Eine aus, der noch das altsprachliche Gymnasium besucht hatte und noch nichts vom Telefon ohne Kabel dran und vom Internetz gehört hatte. Der Andere liebte den Geruch von frischem Beton, weil sein Vater Betonfacharbeiter gewesen war und er seine Lehre hatte abbrechen müssen wegen der Parteikarriere. „Des alde Bahnhofsglomp muss weg“, sagte einer, der weder Deutsch, Schwäbisch noch Englisch konnte. „Mai näue Fraindin wär fir a greeßeres Aikaufszentrumm mittem Houfe Parkpletz. Das ischt bequäm fier die Menschen von unserer Landeshauptschdadd.“ „Ond dr Luigi, wo der Scheff vo maim Idaliener isch, hot gsait, är tät oin kenna, wo a baar hondert Milliona naistecka tät, oiner vo weidr onda in Italie“, sagte der Andere, bei dem man nicht sicher heraushören konnte, ob er von der Alb kam. „Subba, däs wird gmacht. I ben eh scho hundert Johr nimme Zug gfahre. Seyd däm Mähdorn klappt jo nix meh bey dehna, hanni in der Bild-Zeydong gläse“, sekundierte der Dritte. Es können aber auch vier gewesen sein.</p>
<p>Und so kam es, dass der Kopfbahnhof weg musste. Denn Bauen ist Fortschritt, und wie viel Talent die Stuttgarter in dieser Hinsicht besaßen, hatten sie ja schon bewiesen, als sie ihre Königstraße zur einzigen Einkaufszone des Landes machten, in der man ab 18.30 Uhr ganz allein flanieren konnte. Ganz sicher in Begleitung einer Mauser oder einem unauffälligem Produkt von Heckler &amp; Koch im Kittel oder Handtäschle.</p>
<p>Die Pläne für den neuen Bahnhof lagen noch in der Schublade, erinnerte sich einer der Unternehmungslustigen. Er hatte da mal was auf dem Schreibtisch gehabt. Ein alter Professor, der niemals Zeit gehabt hatte, eine Märklinbahn mit vielen Tunneln zu bauen, hatte mal einen Plan gezeichnet, der doch irgendwie zu gebrauchen sein musste. Denn das neue Bahnhöfle sollte unter den Boden, um das Gleisfeld den Baulöwen als Filetstück zu servieren. Schade nur, dass die Deutsche Bahn AG damals kein Interesse gezeigt hatte.</p>
<p>Das hatte sich erst geändert, als die Stadt Stuttgart der Deutschen Bahn das Grundstück für hunderte Millionen abkaufte, das sie einst der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn ausgeliehen hatte und das ihr wohl noch gehörte. Hei, das gefiel nun den Bahn-Oberen, die von der Welt AG träumten und in der Mongolei und Absurdistan so gern investierten! Warum denn nicht auch in Stuttgart, wenn es keinen Pfennig kostete und man an den Planungskosten kräftig verdienen konnte? Da man den letzten Welt-AG-Träumer nach einem fröhlichen Bad in römischen Brunnen zu feuern gedachte und er keine Verwendung mehr für seinen Fusions- und Fusionstrennungshelfer hatte, machte man Letzteren zum neuen Bahnchef. Vielleicht auch, weil sein Familienname so gut passte. Ehrgeizig, wie er war, würde er schon genug Schneid haben, das Milliardenprojekt straff durchzuziehen. Zumal es das einzige Großprojekt der Erde war, das niemals teurer als geplant werden sollte. Ein perpetuum mobile irgendwie, nur anders. Jedenfalls saugut und rundum genial!</p>
<p>Listig, wie der Obstbauernsohn aus dem hohen Norden gelegentlich sein konnte, stellte er eine Bedingung: „Der Bahnhofsturm bleibt stehen! Er soll alle an meinen letzten Arbeitgeber erinnern, dem ich mich weiterhin verpflichtet fühle. Denn die Autoindustrie ist das Wichtigste, was wir in Deutschland haben.“</p>
<p>So sprach er, denn er wusste nicht, dass die Bahnindustrie und die Bahnunternehmen nicht viel weniger Mitarbeiter haben als die ganze Autoindustrie. Und weil die Beerdigung eines Bahnhofs ein heikles Unterfangen war und es unter den Augen der pfennigfuchsenden Schwaben nicht leicht werden würde, so viele Milliarden herauszulocken, suchten die Beamten, Unternehmer und Parteifreunde einen Architekten nicht rund um Stuttgart, wo Planer von Weltgeltung zuhause waren. Der Bahnhof an sich, eine Senkgrube mit wenigen Gleisen, war ja kein Hexenwerk. Eher ein langweiliger Ingenieurbau, den auch ein junger Absolvent planen konnte. Zwar wusste man schon von Heilwässern und gewaltigen Grundwasserströmen, die unter dem Bahnhof hindurchflossen. Aber die würde ein Betontechniker schon in den Griff bekommen. Hatte doch die Bauchemie bewiesen, dass sie mit Kunstharz auch üble Risse abdichten konnte, jedenfalls bis zum Ende der Gewährleistungsfrist.</p>
<p>Es kam aber auf einen schönen Deckel an, dafür brauchte man einen findigen Stararchitekten. Jedenfalls einen, den man mit diesem Attribut den misstrauischen und gleichermaßen leichtgläubigen Schwaben verkaufen konnte. „Mir brauchet oina, där wo Hochdeutsch kann“, sagte jener, der immerhin „Stuttgart 21“ als Projektnamen erfunden hatte. „Ond en Blender“, warf ein anderer weltmännisch ein, „des isch hoikel mit so aim Immobilieprojekt.“ „Aber wo findä mr so&#8217;n Schpetzialischt?“, fragte der, der nach einem Frauenhygieneprodukt benannt wurde. „In Disseldorf!“, triumphierte der Unternehmer, der hin und wieder die gleichgroße, aber weit mondäner wirkende Großstadt am Rhein besucht hatte, in der die Frauen immer Sonnenbrillen trugen, größer und in der Regel hübscher waren, sich elegant zu kleiden wussten und ihren Pelz nicht im Daimler versteckten, sondern selbstbewusst im Porsche Cabrio, Ferrari, Bentley oder SLK vorzeigten, den sie ebenso selbstverständlich selbst lenken durften. Hummer fuhr man hier nicht, man aß ihn gelegentlich im Hummerstübchen bei einem Glas Champagner irgendeiner Witwe. Nicht alles waren Gattinnen hart arbeitender Banker und Vorstandsvorsitzenden. Hart arbeiten und hart feiern gehörte in Düsseldorf seit jeher zur Tradition wie in Stuttgart auch, nur dass man in Stuttgart eher gar nicht oder nur im Verborgenen feierte. Es könnte ja jemand zugucken.</p>
<p>Der Architekt war in Düsseldorf schnell gefunden. Er beherrschte das Blenden wie kein Zweiter. Denn die Düsseldorfer können wirklich alles und reißen die Stadt für eine U-Bahn auf und fällen Bäume, ohne dass jemand dagegen protestierte. Der große Rheinländer präsentierte also Zeichnungen, die nur ein junger Künstler an der Düsseldorfer Kunstakademie entworfen haben konnte, so licht und luftig waren sie. Doch ein Tropenhaus hatte man schon in der Wilhelma und so kam es, dass ein Sargdeckel entworfen werden sollte, dem man seine Form nicht ansah. Rasch präsentierte der beredte Düsseldorfer Durchblicke zu alten Bäumen und ein paar Krötenaugen, die ihm ein anderer Bauherr schon Jahre zuvor als <em>70er-Jahre-Scheiß</em> um die Ohren gehauen hatte, weil die Universität Konstanz voll davon war. Doch die wenig gereisten Stuttgarter Honoratioren, die Eliteuniversitäten – wann immer möglich – gemieden hatten, verliebten sich in die Krötenaugen und das Versprechen, dass die ein- und ausfahrenden Züge das Raumklima so gut regeln würden, dass kein unnötiges Kilowatt verschwendet werden würde. Denn die schlaue DB Station &amp; Service AG, die für jeden einfahrenden Zug ein erkleckliches Sümmlein kassierte und in die eigene Tasche wirtschaftete statt zu investieren, hatte zur Bedingung gemacht, dass die Stadt die Betriebskosten auf hundert Jahre tragen müsse. Schließlich schenke die Deutsche Bahn ja den Bürgern diesen einzigartigen Bahnhof von Weltgeltung, da müsse man schon ein wenig Entgegenkommen erwarten.</p>
<p>„Gut“, sagten das Oberbürgermeisterlein und jene Gemeinderäte, die sich für schlau hielten. „Am Tag haben wir ja die Lichtaugen, da sparen wir uns den Strom fürs Licht. Und bei Nacht ist es ja sowieso dunkel. Aber weil die Züge beleuchtet sind und das Licht bei der Bahn noch ganz gut funktioniert, brauchen wir gar keine Beleuchtung mehr. Wenn alle 90 Sekunden ein Zug einfährt, ist es immer irgendwo hell.“ Das musste für die sozial schwachen Bahnreisenden genügen, denn eigentlich waren die Stadträte keine Freunde des Bahnfahrens. Wie sie überhaupt keine Menschenfreunde waren, denn ihre Amtspflichten nutzten sie seit alters her am liebsten, um sich selbst oder guten Freunden Geschäfte zuzuschustern. Warum sonst sollte man sich die schlecht bezahlten Sitzungsstunden um die Ohren schlagen? Zumal selbst gut bezahlte Beamte nicht ausschlugen, dem einen oder anderen Bauunternehmen beratend und in anderer Weise hilfreich zur Seite stehen zu wollen.</p>
<p>In den gemütlichen Redaktionsstuben würde sowieso keinem auffallen, dass der Jenseits-Bahnhof eigentlich ein Immobilienprojekt war, eine Baulandgewinnung unter Freunden. „Lasst uns in Ruhe, dann wollen wir von euch nichts. Nur ausführliche Pressemitteilungen müsst ihr uns schicken, sonst haben wir nichts zu schreiben“, hieß es unisono von den Fildern und den anderen warmen Redakteursstuben in der pflegmatischen Stadt. „Jene, die in der Redaktion gegen den Fortschritt der Bauwirtschaft sind und nach Feierabend arbeiten wollen, bringen wir schon noch zur Raison.“ Die Redakteure waren schon lange nicht mehr in die Innenstadt gekommen. Rund um Stuttgart kaufte man billiger ein, die Parkplätze waren breiter und kosteten nichts. Und auch die Kneipen waren einladender. Was sollte an einem Bahnhof überhaupt interessant sein?</p>
<p>„Stuttgart 21 ist die Zukunft, wir werden das Herz Europas!“, hatte ihnen einer zugerufen. Nicht schlecht, denn weil sie sich lange wie der Arsch und unbeachtet gefühlt hatten trotz ihrer technischen Spitzenleistungen und ihres Fleißes, so klang es wie ein Aufstieg. Wenn sie schon nimmermehr der Kopf Europas sein konnten, so wollten sie doch gern das Herz sein. Egal, wie kalt es auch sein mochte.</p>
<p>Die weitere Geschichte ist rasch erzählt. Als jene Bürger auf die Barrikaden gingen, die sich Sorgen um ihre Stadt machten, den Schlossgarten und das milliardenteure Projekt, das sie mitbezahlen sollten, passierte nicht viel. Unterschriftenlisten wurden verworfen, und weil das bestgeplante Projekt der Erde irgendwie nicht vorangehen wollte und die Bürger montags gegen Stuttgart 21 demonstrierten, zeigte der Mann aus dem hohen Norden, der den Vornamen Bahnchef geerbt hatte, ein einziges Mal Entschlusskraft: Er riss den Nordflügel ab.</p>
<p>Und weil es immer noch Widerspenstige unter den Bürgern des Landes gab, erzählte man ihnen und den staunenden Journalisten etwas von Paris und Bratislava. Auf diese Idee war ein Mitglied der Jungen Union gekommen, der Saint-Exupéry gelesen hatte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“</p>
<p>Bratislava! Das hatte man in Stuttgart noch nie gehört. Ein Wort, das Sehnsüchte nach der Ferne weckte,  geheimnisvoll und exotisch klang! Nach Hackbraten mit scharfen Soßen. In Paris waren dagegen schon einige gewesen, in Uniform. Hatte ihnen nicht einer der wenigen Aufsteiger, die es in andere Großstädte und den Helikopter geschafft hatten, erzählt, dass westlich von Paris keine Menschen mehr lebten und nur Kühe die Wiesen bevölkerten? Sie glaubten es gern, weil man in Stuttgart noch an Autoritäten glaubte, denn die sagten immer die Wahrheit oder wussten zumindest immer, was man zu denken hatte. So lebte es sich leichter.</p>
<p>Den Belesenen von eben aber warfen die Herren der Jungen Union ganz unchristlich aus dem Verein, weil sie keinen ohne Mensur und schon gar keinen Intellektuellen in ihren Reihen haben wollten. Er schreibt nun dicke Bücher und nennt sich Philosoph. Manchmal sieht man ihn im Eingangbereich des Bücherknasts sinnend an der Zentralpfütze kauern.</p>
<p>Es dauerte noch viele Jahre, bis der neue Bahnhof fertig war. Brot und Spiele sollten das Volk davon überzeugen, dass kein Mensch die Absicht habe, einen vernünftigen Bahnhof zu bauen, weil man ihn ja schon hatte und die Altvorderen noch wussten, wie Bahnbetrieb funktioniert. So holte man den alten Fuchs aus der Versenkung, dessen Worte kurz wie Peitschenhiebe klangen. Auch Phoenix, der Sender für abgelegte Moderatoren, und die Bürgerjournalisten von Flügel.tv und Cams21 sendeten, was das Zeug hielt. Nur der SWR sendete gar nicht, weil Eisenbahnen dort generell als romantisch und von gestern bekannt sind und es keinen Reiseveranstalter gibt, der Sonderzüge nach Bratislava fahren will. Als die Redakteure dieses Städtchen nicht in Baden-Württemberg fanden, erachteten sie das Thema erst recht als nicht relevant. Berichte über Montagsdemonstrationen lehnten sie schon deshalb ab, weil sie Wert auf einen pünktlichen Feierabend legten. Dafür gab es dpa, und die kopierten ja schon alles, was ihnen die Polizei und die Bahn als Pressemitteilung schickten. Das musste für das gebührenzahlende Volk genügen. Schließlich hatte man den Journalismus nicht erfunden und war jahrzehntelang ohne ihn ausgekommen. Zumal man in der Villa Reitzenstein und im Polizeipräsidium eine loyale Berichterstattung für selbstverständlich hielt. „Sie wissen, was ich von Ihnen erwarte“, hatte ihnen ein Herr mit dem Hang zu Alleingängen einmal mit funkelnden Augen gesagt, und das ließ man sich in Stuttgart nicht zweimal sagen.</p>
<p>Die Geißler-Show hatte wie eine Geisterbahnfahrt gewirkt, in der Professoren Experten zu mimen versuchten und doch zeigten, dass sie vieles nicht durchdacht hatten und deshalb immer optimistisch waren. Widerlegtes tauchte beim nächsten Mal so obstinat auf wie der spät entdeckte Käfer und sein Gegenstück mit ähnlichem Namen. Als die Zuschauerquälshow schließlich mit einer Schaueinlage endete, interessierte sich niemand mehr für das erfundene Ergebnis. Warum auch: Schließlich hatten finstere Mächte den Bahnchef gezwungen zu bauen. Er konnte gar nicht anders, der arme Tropf!</p>
<div id="attachment_9928" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131968.jpg"><img class="size-full wp-image-9928" title="" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2012/01/P6131968.jpg" alt="" width="550" height="640" /></a><p class="wp-caption-text">Am japanischen Tempel in Düsseldorf (Foto: Friedhelm Weidelich)</p></div>
<p>Die Grünen zogen, als Dank für die gewonnene Landtagswahl, eine Volksabstimmung durch und nahmen das als Ausrede, den Irrsinn bis zu 900 Millionen Steuerverschwendung zu legitimieren, das Projekt als „von der Bevölkerung gewollt“ hinzustellen und das Politikmachen achselzuckend zu beenden. Was kümmerten da gesunder Menschenverstand, die unerlaubte Mischfinanzierung, technische Probleme, Schräglage, mangelnde Brandvorsorge, geringere Kapazität und geschönte Baukosten? Wie viel glanzvoller war doch das Elektroauto, wie viel wichtiger ordentliche Straßen, die die Autolobby vergessen hatte durchzusetzen in Jahrzehnten des Filzes. Denn wer einst durch die Dörfer schlich, könnte das künftig elektrisch tun und fast geräuschlos. Die SPD machte derweil CDU-Politik. Denn sie wollten Freunde werden, sofern sie es nicht schon waren. Wie sonst auch leistete sich ein SPD-Innenminister einen CDU-Polizeichef?</p>
<p>Die Stuttgart-21-Freunde investierten noch einmal ein paar Millionen in die Propaganda, nachdem man die alten Wasserwerfer und die neue Kampfausrüstung der Polizei erfolgreich ausprobiert hatte. Das zerstörte Vertrauen in den Rechtsstaat bei Schülern und Rentnern musste man als Nebeneffekt in Kauf nehmen, und die Staatsanwaltschaft tat alles, dieses Gefühl zu manifestieren. Dann richtete die Deutsche Bahn ein Grundwassermanagement ein, das illegal war. Später fiel auch der Südflügel des denkmalgeschützten Bahnhofs, dann die Bäume im Park. Die Zerstörung, Teil 1 der Bauprojekts, war getan.</p>
<p>Doch niemand fand sich für das Technikgebäude und den Bahnhofstrog, auch nach der zweiten Ausschreibung nicht. 2014 konnten Züge nur noch mit Polizeischutz einfahren. 2016 bot die DB bot die <em>SchuttCard</em> als kombinierten Passierschein und Rabattkarte für die verödete und von starken Polizeikräften bewachte Königstraße an. Der stark zurückgegangene Bahnverkehr wurde mit Subventionen des Landes etwas angekurbelt, für 9 Euro kam man von überall ins stickige und staubige Stuttgart. &#8220;Die Staublunge Europas&#8221; lästerte bereits der Spiegel auf der Titelseite.</p>
<p>Nichts ging voran bei der Strecke zu den Fildern, das Planfeststellungsverfahren klemmte auch 2020 noch. Und weil man nach Probebohrungen festgestellt hatte, dass der Tunnelbau rund um Stuttgart, wie von den Gegnern behauptet, tatsächlich gefährlich war, der Milliarden Liter spuckende Nesenbach den Bahnhofstrog zerstören und die Bahnhofshalle und den Turm ins Rutschen bringen könnte, zeigte die Deutsche Bahn wieder einmal wirtschaftliche Vernunft. Sie stellte den de facto niemals begonnenen Bau endgültig ein, nachdem die Landesregierung die Hälfte der angefallenen „Baukosten“ von inzwischen 9 Mrd. Euro übernommen hatte.</p>
<p>Im Schlossgarten, den die von der SPD geführte rotgrüne Landesregierung 2012 entwidmet hatte, betreibt DB Bahnpark nun erfolgreich einen Großparkplatz. Unter der neuen schwarzroten Landesregierung wurden der Nord- und der Südflügel in Stahlskelettbauweise mit Glasfassaden wieder aufgebaut. ECE betreibt die Läden und das Hotel darin, die DB Station &amp; Service AG verdient gut daran. Die Stadt Stuttgart hat für 200 Millionen Euro die arg heruntergekommene Bahnhofshalle saniert und ist völlig überschuldet. Die Bevölkerungszahl hat sich  halbiert. Im Gebäude der nach der Pleite aufgelösten LBBW arbeitet ein Logistikunternehmen, das die wenig genutzten Gleise am Kopfbahnhof für den schnellen Schienengüterverkehr nutzt.</p>
<p>DB Projektbau China – auch scherzhaft DB Destruction oder ernsthafter DB Global Structure Enhancement genannt – plant auf dem Großparkplatz den höchsten Wohnturm Europas, meldet der verbliebene einzige Redakteur der <em>Stuttgarter Zeitung online</em>, der nur noch Agenturmeldungen online stellt. Die Papierausgabe wurde wegen des seit 2010 anhaltenden Leserschwunds schon lange eingestellt. Das Hochhaus soll <em>Schlossgartenresidenz 3000</em> oder <strong><em>Stuttgartower 1000</em></strong> heißen und preiswerte Appartements (30 €/qm), ein Höhenrestaurant und eine kleine Sternwarte enthalten. Die Bauhöhe von 753 Meter ergibt sich aus der Meereshöhe der Turmbasis im ehemaligen Schlossgarten. Auf der Turmspitze in exakt 1000 Meter über Normalnull wird weit sichtbar der Mercedes-Stern mit den drei Schriftzeichen für <em>Glück, Gewinn und Weltherrschaft</em> in den Dreiecken leuchten. Die chinesischen Investoren bei Daimler und der Deutschen Bahn wollen es so, zumal der Bahnhofsturm durch die Grundwasserabsenkung 2013 in Schieflage kam. Dafür haben sich auf der Restfläche des Schloßgartens starke Quellen entwickelt. Der Nesenbachsee dient nun als Heilfreibad. Der Bücherknast zeigt bereits heftige Bauschäden wegen des Sumpfgebiets darunter. Der Hochhausbau wird von den Investoren übrigens als „gut beherrschbar“ bezeichnet.</p>
<p>Im neuen Kopfbahnhof 2500 in weitgehend primitivem Investoreningenieurbau erinnert nur ein schmaler Gang mit einem japanischen Steingarten an Stuttgart 21. Der Architekt hatte so etwas am japanischen Tempel in Düsseldorf gesehen und zur Tarnung des Bahnhofs-Sargdeckels, der ein wenig an Tschernobyl erinnerte, empfohlen. „Wenn die Garten hören, sind die doch zufrieden. Man muss denen doch nicht sagen, dass er aus Stein ist“, soll er damals gesagt haben.</p>
<p>Und wenn sie nicht gestorben sind, so planen sie schon weiter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="color: #ff0000;">Lange schallt&#8217;s in Stuttgart noch:</span></h3>
<h3><span style="color: #ff0000;">Lobbyismus lebe hoch!</span></h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Diese Geschichte ist frei erfunden und hat rein gar nichts mit der Realität zu tun. Und wenn, dann wäre es blanker Zufall wie alles in Stuttgart.)</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Dieter Hildebrandt über die Deutsche Bahn</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 09:42:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[DB]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[ZEIT]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieter Hildebrandt seziert die Deutsche Bahn]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Redakteure der einst ehrwürdigen ZEIT, die jetzt im Mainstream Auflage macht, scheinen schlecht bezahlt zu sein oder verrichten ihre Arbeit mit viel Luft für Nebentätigkeiten. Immer öfter füllen sie deshalb auch Bücher. Oder lassen füllen, denn Interviews sind schnell gemacht, da man nur ein paar Fragen in Stichworten braucht, und schon generiert der Interviewte die Zeilen. Das Honorar teilt man sich dann, wenn überhaupt. Ein interessantes Geschäftsmodell.</p>
<p>Chefredakteur Giovanni di Lorenzo versuchte sich in dieser Hinsicht mit mäßigem Erfolg als Hofberichterstatter des Plagiators zu Guttenberg und lieferte ihm drei Tage lang in London devote Fragen. Das daraus geklöppelte Buch gilt als endgültig gescheitert, aber der mehrseitige Vorabdruck in der ZEIT förderte nicht nur den Buchverkauf, sondern dürfte auch als Argument für die Spesenrechnung hergehalten haben. Chefredakteure sind heute so.</p>
<p>Mark Spörrle ist auch bei der ZEIT und fiel bisher durch mäßig lustige, mit einem Co-Autoren zusammengestellte Büchlein auf, in denen die üblichen Erlebnisse am Bahnsteig und im Zug aufgezeichnet waren. Also nichts Neues für Bahnfahrer. Nun interviewte er den 84 Jahre alten Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der noch immer fast täglich mit der Bahn unterwegs zu seinen Auftritten ist. Das <a href="http://www.zeit.de/2011/51/Interview-Hildebrandt/seite-1">Interview</a> – Überraschung! – ist demnächst in längerer Form auch in einem Buch von Spörrle enthalten.</p>
<p>Trotzdem ist es lesenswert, denn Dieter Hildebrandt, einst die kabarettistisch schärfste Schwertgosch (Schwäbisch für scharfes Mundwerk) der Bundesrepublik, spart nicht mit Anekdoten und Zitaten.</p>
<p>Etwa diesem: <span style="color: #ff0000;"><em>&#8220;Wenn man sich das einmal überlegt: Die Engländer haben mit Bomben und Granaten versucht, die deutschen Züge zum Stillstand zu bringen. Es ist ihnen nicht gelungen. Geschafft hat das erst die Deutsche Bahn.&#8221; </em></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>PS: Die von ZEIT-Lesern beklagte Arroganz Hildebrandts gegenüber den &#8220;Bediensteten&#8221; der Deutschen Bahn ist völlig unangebracht. Er stellt die richtigen Fragen über die Zusammenarbeit der DB-Mitarbeiter und bekam ehrliche Antworten. Der arme Mensch auf dem Bahnsteig kann wirklich nichts dafür, wenn er nicht vorab etwas über die Wagenreihung weiß. Denn in so einem Fall spielen eine Menge DB-Firmen mit: DB Netz, DB Station &amp; Service, DB Fernverkehr und wahrscheinlich noch eine Handvoll Subunternehmen mehr, die für Reinigung, Wagenpark, Rangierbetrieb und mehr zuständig sind. DB-Mitarbeiter sind nicht mehr, wie zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn, hilfsbereite Eisenbahner, die das Beste aus ihrer Bahn machen. Sie sind heute Kostenstellen in einem von 300 Unternehmen des von Kostenrechnern geführten Weltkonzerns DB Mobility Logistics, die in ihrem isolierten Arbeitsbereich in der Regel das tun, was sie eben können. In Nürnberg habe ich erlebt, wie ein Mitarbeiter auf www.bahn.de in &#8220;Ist mein Zug pünktlich&#8221; herauszufinden versuchte, mit welcher Verspätung welche Züge fahren. Das sagt alles über die Kommunikation zwischen den DB-Firmen.</p>
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		<title>Weihnachtszüge stärken die Verbundenheit mit der Bahn und helfen den Armen</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 16:51:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Während uns die Fernsehwerbung vormachen will, dass in Nordamerika bunt beleuchtete Lastzüge mit kalter brauner Brause die vorweihnachtliche Botschaft ins Land hinaustragen, spielt in Wirklichkeit die Eisenbahn eine entsprechende Rolle. Auch bei den vielen Eisenbahngesellschaften, die nur noch Güterverkehr abwickeln, sind Weihnachtszüge ein Ausdruck der Verbundenheit mit den anliegenden Gemeinden und ein nostalgischer Rückblick auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9674" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_014_kl.jpg"><img class="size-full wp-image-9674" title="CP_HT_014_kl" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_014_kl.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Der Holiday Train der Canadian Pacific Railroad unterwegs (Foto: CP)</p></div>
<p>Während uns die Fernsehwerbung vormachen will, dass in Nordamerika bunt beleuchtete Lastzüge mit kalter brauner Brause die vorweihnachtliche Botschaft ins Land hinaustragen, spielt in Wirklichkeit die Eisenbahn eine entsprechende Rolle. Auch bei den vielen Eisenbahngesellschaften, die nur noch Güterverkehr abwickeln, sind <span style="color: #ff0000;"><strong>Weihnachtszüge</strong></span> ein Ausdruck der Verbundenheit mit den anliegenden Gemeinden und ein nostalgischer Rückblick auf die Geschichte der Erschließung des Landes durch die Eisenbahn. Und so gehört in Nordamerika auch eine bunte Spielzeugeisenbahn unter jeden Weihnachtsbaum. So wird die Eisenbahn zum Sympathieträger.</p>
<div id="attachment_9675" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_017_kl.jpg"><img class="size-full wp-image-9675" title="CP_HT_017_kl" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_017_kl.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Lebensmittelspenden willkommen (Foto: CP)</p></div>
<p>Doch die unterhaltsamen Weihnachtszüge, die mit einem kleinen kulturellen Programm an die Bahnhöfe und Gleise locken,  haben noch eine andere Funktion: Sie sammeln Geld- und Warenspenden für die Armen, die in den USA und Kanada (und Deutschland) einen stetig wachsenden Anteil an der Bevölkerung haben. Die Lebensmittelspenden werden in den örtlichen Food Banks, in denen Mittellose sich selbst bedienen können, verteilt. Eine schöne Geste der im harten Wettbewerb stehenden nordamerikanischen Privatbahnen – und hierzulande völlig undenkbar.</p>
<div id="attachment_9676" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_018_kl.jpg"><img class="size-full wp-image-9676" title="CP_HT_018_kl" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_018_kl.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Der Weihnachtszug in Morant&#39;s Curve in den Rocky Mountains (Foto:CP)</p></div>
<div id="attachment_9677" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_007_kl.jpg"><img class="size-full wp-image-9677" title="CP_HT_007_kl" src="http://railomotive.com/wp-content/uploads/2011/12/CP_HT_007_kl.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Holiday Train der Canadian Pacific RR in Banff (Foto: CP)</p></div>
<p>Hier die <a href="http://www.cpr.ca/en/news-and-media/news/Pages/cp-holiday-train-launches.aspx">Pressemitteilung der Bahn</a>. Heute besucht der Zug Calgary. Ein weiterer Zug der Canadian Pacific rollt durch die USA – neben den vielen weiteren bunten Weihnachtszügen der anderen Eisenbahngesellschaften.</p>
<p>Hier ist ein <a href="http://vimeo.com/8397685">Video</a>, das ein guter Freund in Kanada vom Holiday Train gemacht hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Bombardier verleiht sich selbst einen Preis</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 11:09:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Bombardier]]></category>
		<category><![CDATA[Pressearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bombardier verleiht sich selbst einen Innovationspreis]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich mit dem Betreff einer E-Mail keine substanzielle Information sehe, mache ich mir wie viele Redakteure nicht die Mühe, das angehängte PDF zu öffnen oder einen Link anzuklicken. Unprofessionelle Pressearbeit muss man nicht auch noch unterstützen.</p>
<p>Wenn mich nicht ein Kollege auf den Inhalt aufmerksam gemacht hätte, wäre auch diese Pressemitteilung ungelesen geblieben, die sich so ankündigte: <em>Bombardier TRAXX-Mehrmotoren-Lokomotive zur Top-Innovation des Jahres 2011 ernannt.</em></p>
<p>Der Inhalt ist nicht weiter wichtig, den ersten Satz zu zitieren genügt:</p>
<p><em>Bombardier, der weltweit führende Anbieter innovativer Bahntechnologien, hat die kommende Generation der dieselektrischen BOMBARDIER TRAXX-Mehrmotoren-Lokomotive <span style="color: #ff0000;">zu <strong>seiner</strong> besten Technologielösung</span> des Jahres ernannt.</em></p>
<p>Wenn ein Weltunternehmen <strong><span style="color: #ff0000;">sich selbst einen Preis verleihen</span></strong> muss, dann hat es das wohl bitter nötig.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Stuttgart 21 und Volksabstimmung</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 10:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Stuttgarter Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Volksabstimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Volksentscheid]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei einer Volksabstimmung wird das Volk so abgestimmt, dass es anschließend besser klingt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Joe Bauer, der wahrscheinlich einzige Gegner des tiefergelegten, schrägen Untergrund-Kleinbahnhofs bei den Stuttgarter Nachrichten, schrieb einen <a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.joe-bauer-in-der-stadt-kolumne:-papa-papa.c0b195cc-1798-4e75-ba1c-66c478569518.html">bitterbösen Kommentar</a> zu dem perfiden Versuch des Stuttgarter Oberbürgermeisters Schuster, mit Steuergeld und einem persönlichen Brief an die Stuttgarter Bürger seine Meinung und die seiner politischen Kumpane  und Vetterles durchzudrücken. Schuster ist unbelehrbar, ebenso wie Mappus, dem die Kollegin Melanie Amann in der <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/stefan-mappus-ein-mann-macht-sich-weg-11542077.html">FAZ</a> einen schönen Artikel widmet, der die These stützt, dass dieser badische Egomane wohl nicht ganz freiwillig Merck verlassen hat. Egomane Persönlichkeiten scheinen nicht nur in Berlin und München einen fruchtbaren Boden zu finden sondern auch in Stuttgart. Woanders ist man flexibler, einsichtiger und liberaler.</p>
<p>In Baden-Württemberg ist vieles anders, und deshalb heißt der Volksentscheid dort Volksabstimmung. Und damit bloß keiner auf die Idee kommt, so etwas zu wollen, hat die Jahrzehnte absolutistisch regierende (und noch heute so denkende) CDU mit ihren zahlreichen Sonnenkönigen, vom Marinerichter bis zum Firmen kaufenden Undemokraten, die Hürden besonders hoch gelegt. Zumal das Ergebnis in keiner Weise verbindlich ist, denn der Landtag hat auch dann das Sagen.</p>
<p>Mir scheint der Begriff Volksabstimmung deshalb ganz bewusst gewählt worden zu sein:</p>
<h3><span style="color: #ff0000;"><strong>Bei einer Volksabstimmung wird das Volk so abgestimmt, dass es anschließend besser klingt.</strong></span></h3>
<p>Bei einem Volksentscheid würde das Volk wirklich entscheiden. (Wie in der Schweiz.)</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Zum Abschluss: Was Politikredakteure tun und lassen</title>
		<link>http://railomotive.com/2011/11/zum-abschluss-was-politikredakteure-tun-und-lassen/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 19:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedhelm Weidelich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bahnhöfe]]></category>
		<category><![CDATA[DB]]></category>
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		<category><![CDATA[DB Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich kann mich nicht damit abfinden, dass Politikredakteure mit null Fachwissen und null Interesse an Fakten und technischen Bedingungen jetzt intensiv über Stuttgart 21 schwadronieren. Egal, wo Sie online nachsehen: High noon in Stuttgart, S21-Gegner müssen Volkes Stimme fürchten (ein besonders dämlicher SPIEGEL-Beitrag*). Es wird über fehlende 70 (?) Millionen für die Elektrifizierung der Südbahn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich nicht damit abfinden, dass Politikredakteure mit null Fachwissen und null Interesse an Fakten und technischen Bedingungen jetzt intensiv über Stuttgart 21 schwadronieren. Egal, wo Sie online nachsehen: <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/volksabstimmung-high-noon-in-stuttgart/5873092.html">High noon in Stuttgart</a>, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799722,00.html">S21-Gegner müssen Volkes Stimme fürchten</a> (ein besonders dämlicher SPIEGEL-Beitrag*). Es wird über <a href="http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Stuttgart-21-Bahn-Bahnprojekt-Zug-ICE-Trasse-Gleis-Bahnhof;art4329,1229143">fehlende 70 (?) Millionen für die Elektrifizierung der Südbahn</a> geheult und ich warte nur noch das originalgetreue, wörtliche Zitat eines SPD- oder CDU-Politikers, dass die IHK zusammen mit der Bertelsmannstiftung oder der INSM herausgefunden habe, dass die komplette Wirtschaft nach Bayern auswandern wird, wenn Stuttgart 21 nicht kommt. Zufällig kündigte Daimler heute Milliardeninvestitionen in seinen nahen Standorten an. Das war bestimmt nicht mit den Herren Dietrich und Grube (in dieser Reihenfolge!) abgesprochen.</p>
<p>Persönliche neoliberale oder CDU-hörige Glaubensbekenntnisse bis hin zu Vorurteilen aus dem vorigen Jahrhundert über &#8220;die Grünen&#8221; sind eigentlich keine Basis für eine halbwegs realitätsnahe Berichterstattung. Doch manche der Redakteure scheinen schon als 12-Jährige ihr Leben der Jungen Union und einem brabbelnden Pfälzer geweiht zu haben, um dann zielgerichtet Jahrzehnte als Politikredakteur im Dunstkreis der Polit- und Unternehmergranden zu verbringen. So hat man&#8217;s immer schön kuschelig warm an der Seite der Macht und muss für&#8217;s gute Essen nicht bezahlen.</p>
<p>Ich kann mich nicht mit solchen Redakteuren abfinden, doch wahrscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig. Denn ich kann es nicht ändern, dass diese Politschwadroneure sich in ihrer scheinbaren Reichweite und redaktionellen Macht gefallen und so ganz nebenbei die Glaubwürdigkeit der Medien zerstören, die einmal Vierte Gewalt sein sollte. Sie sind oft nur noch der verlängerte Arm der Politiker, Lobbyisten und Aktiengesellschaften, die unser Bestes wollen: unser immer saurer verdientes Geld, unsere Steuern. Die seichten, aber bedeutungsschweren Artikel gibt es kostenlos im Netz, im anzeigenfreundlichen Umfeld ihrer Verlage. Deren Geschäft ist Journalismus längst nicht mehr, nur noch Beiwerk.</p>
<p>So wie die Deutsche Bahn den Bahnbetrieb nur noch als lästige Nebentätigkeit bei ihrem Kerngeschäft der weltweite Expansion sieht.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die DB ist ein Unternehmen ohne Dienstleistungsabsicht. <span style="color: #000000;">Dummerweise wird sie, wenn auch marginal, dazu gezwungen. Vom &#8220;Markt&#8221;, nicht von Bundeseigentumsverweser Ramsauer.</span></span></p>
<p>Aber das nur am Rande. Dass die schreibenden Kollegen die gesellschaftlichen Prozesse rund um Stuttgart 21 überhaupt nicht erfassen und gegen die absolutistisch agierende Melange aus Politik und Wirtschaft demonstrierende Bürger als kleinbürgerliche &#8220;Wutbürger&#8221; diffamieren, ist traurig, wenn auch nicht sehr überraschend. Ein paar Zahlen aus Pressemitteilungen, kritiklos von den Nachrichtenagenturen serviert, genügen als Spielmaterial für ihre dahingeblufften redaktionellen Leistungen. Wenn Recherche und Kritik gefragt wären, ziehen sie sich elegant zurück: &#8220;Der eine sagt, der andere sagt.&#8221; Nach dem Motto: &#8220;Was stimmen und plausibel sein könnte, ist mir egal und macht nur Arbeit. Und meine Pointe kaputt.&#8221;</p>
<p>Politik ist für sie ein Fußballspiel mit Taktik, Gewinnern und Verlierern, &#8220;Wirtschaft&#8221; ebenfalls. Die Existenz von Lobbyisten und dreisten PR-Lügen kennen sie zwar, beziehen sie in ihre Überlegungen aber nicht ein. Nützlich ist, was der eigenen Ideologie oder der Blattlinie entspricht. Und was soll man zum Beispiel schon von einem Wirtschaftsmagazin erwarten, in dem der Chefredakteur von der &#8220;Bundesbahn&#8221; schreibt, die es seit 1994 nicht mehr gibt.</p>
<p>So zieht man genüsslich über die scheinbar lächerlichen, kleinbürgerlichen &#8220;Bahnhofs-Gegner&#8221; her, die ihre Stadt und deren grüne Lunge bewahren wollen und sich gegen den &#8220;Fortschritt&#8221; stemmen. Was selbst bei der Zeitung, hinter der doch nur kluge Köpfe stecken sollen, zur Grünen hassenden Raserei in den <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/stuttgart-21/stuttgart-21-brutal-nachdenklich-und-irritierend-beliebt-11540004.html">Leserkommentaren</a> führt. Und Polemiken gegen Stuttgarter Bürger, die nicht 15 bis 20 Jahre lang eine Großbaustelle, keine Immobilien-&#8221;Investoren&#8221; und keinen verkleinerten Bahnhof haben wollen, der für zu erwartende 9 bis 15 Milliarden Euro deutlich weniger leistet als der vorhandene und der energetisch und betriebstechnisch ein Monster ist. Die aus gutem Grund davon überzeugt sind, dass Stuttgart Hauptbahnhof eine durchdachte Struktur hat und ein Baudenkmal ist, das es zu erhalten wert ist. Weil Stuttgart Hbf funktioniert. Und nichts dafür kann, dass DB Station&amp;Service und DB Netz zwar 15 Jahre lang viele Millionen Gebühren kassiert, aber so gut wie nichts investiert haben. Wozu sie verpflichtet gewesen wären. Was jetzt renoviert werden müsste, packen DB-Vorstände dreist in die &#8220;Ausstiegskosten&#8221;. Und nahezu jeder Journalist durchschaut diesen fiesen Trick nicht, weil er die DB immer noch für eine Art Behörde hält, der man immer glauben muss. Von wegen!</p>
<p>Die Stuttgarter und baden-württembergischen Bürger wollen auch keine Steuergeldverschwendung, die nur wenigen nützt: dem Bahnvorstand, den Kreisen aus dem Weinberghäusle, dem ECE-Clan, dem Tunnelbohrer Herrenknecht, gewissen städtischen Beamten und vielen korruptionsanfälligen Unternehmen der Baubranche. Und jenen Politikern und willigen Befürwortern, die die Hand aufgehalten haben oder sonst sehr eigennützige Argumente für den Tiefbahnhof haben. Es wird <strong><span style="color: #ff0000;"><em>gelogen</em> <em>wie gedruckt</em></span></strong>. Gegen besseres Wissen und in einem Umfang, den ich als gelernter Journalist und Politikwissenschaftler nicht für möglich gehalten habe.</p>
<p>Dass der sogenannte Stresstest keiner war, auf das gewünschte Ergebnis getrimmt und mit zahlreichen Tricks – einschließlich nicht vorhandenen Gleisen und Bahnhöfen – geschönt wurde, ist bekannt. Nicht nur Dr. Engelhardt hat das herausgearbeitet. Er konnte es den Journalisten kürzlich nicht so gut deutlich machen, weil die entweder nicht interessiert oder begriffsstutzig sind oder erst gar nicht solche Pressekonferenzen besuchen, weil sie Mitdenken und Nachfragen erfordern. Nur einfache Botschaften und Zitate versteht der Durchschnittsjournalist. Sätze mit drei bis vier Worten: &#8220;Wir haben einen Durchbruch erzielt.&#8221; &#8220;Die Kosten sind klar kalkuliert.&#8221; &#8220;Der Stresstest ist bestanden.&#8221; &#8220;Ab Montag wird fertiggebaut.&#8221; Selbst wenn man noch nicht einmal angefangen hat zu bauen. Oder eben: &#8220;Stuttgart 21 schafft nur 32 Züge.&#8221; Pro Stunde, kann man immer noch erklären, falls überhaupt jemand nachfragt von diesen <del>bleichen </del>Schlagzeilen-süchtigen<del> Kettenrauchern</del> Kollegen mit dem kurzen Gedächtnis, die wie Quallen substanzlos durch die Medien schweben und einen Aufhänger suchen, der sie nicht mit Fakten oder gar Fachwissen überfordert. Guttenbergs Frisur und Merkels täglich neuen &#8220;Durchbrüche&#8221; sind der Stoff, aus dem ihre Zeilen sind.</p>
<p>Journalisten sind oft mit ganz einfachen Botschaften zufrieden. Das gibt knackige Schlagzeilen und Zitate und macht weniger Arbeit. Wo man doch überhaupt keine Zeit hat!</p>
<p>Es gibt aber auch noch Journalisten, die neugierig sind. Äußerst sehenswert ist deshalb das <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1500798/Das-war-kein-Stresstest?setTime=0#/beitrag/video/1500798/Das-war-kein-Stresstest">Interview</a>, das das ZDF mit dem Wiener Verkehrsexperten Prof. Hermann Knoflacher führte.</p>
<p>Und falls Sie am Sonntag an der Volksabstimmung teilnehmen dürfen, tun Sie&#8217;s. <strong>Stimmen Sie mit JA</strong>. Damit die Politikredakteure was zu kommentieren haben. Sie haben ja sonst nichts gelernt.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p><strong>*</strong> <span style="color: #ff0000;">SPIEGEL online:</span> Das ist doch diese Focus-ähnliche Infotainment-Website, auf der knapp über 30-jährige content mergers den über 50-jährigen Lesern was vom Pferd erzählen, das sie nur aus Wikipedia.org, English version, kennen.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p><strong>Nachtrag 26.11.:</strong> Aus gutem Grund haben die Politikredakteure verschwiegen, dass da vor allem mit www.fluegel.tv und den vielen Livestream-Reportern von www.cams21.de Gegenmedien entstanden sind, die der Deutungshoheit der der großen Verlage und des alles andere als ausgewogen berichtenden SWR etwas entgegensetzen. Technisch nicht so brillant, aber über weite Strecken fundiert und von Sachkenntnis geprägt. Dass die vielen Blogger gar nicht erst zur Kenntnis genommen werden, überrascht mich nicht. Dass diese zuweilen sprachgewandt originellere Gedanken äußern als die alte Garde, Dokumente ausgraben oder Augenzeugen zu Wort kommen lassen, geht natürlich nicht. Vorgehalten zu bekommen, dass man seinen Job nicht richtig macht, tut ja auch weh.</p>
<p>Die Leser, die Zuschauer, die Bürger lernten bei Stuttgart 21 so deutlich wie nie zuvor, dass sie Journalisten nicht trauen können. Ungeschickter als die Medienvertreter kann man seinen eigenen Arbeitsplatz nicht entwerten.</p>
<p>Momentan (18.30 Uhr) läuft hier noch bis Mitternacht eine interaktive Fernsehsendung mit Antworten auf die Fragen von Zuschauern: <a href="http://endspurt.ja-zum-ausstieg.de/">http://endspurt.ja-zum-ausstieg.de/</a></p>
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